Donnerstag, 12. August 2010

WERKSTATT (Für Hans1962)


Ich war auf dem Markt. Dort gab es heute einen Stand, den es sonst nicht gibt. Mit österreichischen Spezialitäten. Da konnte ich nicht umhin an Hans1962 zu denken. Ich weiß, Hans, Sie bevorzugen gesunde Ernährung :). Die k.u.k.-Mehlspeisen sind aber einfach zu lecker, um immer an Vitamine und Kalorien und so was zu denken. Ich erinnere mich an einen Palatschinken in Salzburg, irgendwo in einer Seitenstraße nach einem interessanten, aber auch erschöpfenden Besuch im Mozarthaus vor 3 oder 4 Jahren - und wissen Sie was: Ich erinnere mich an den Pfannkuchen deutlicher als an alle Artefakte. (Später machten wir auch noch einen Blind-Verkostungstest mit Mozartkugeln und  - Schleichwerbung hin oder her - die Originale von Fürst sind die besten!)

Ich möchte mit diesem Bild "Danke" sagen, lieber Hans1962, vor allem für Ihre Textdeutung von "Unversöhnlich", die mir sehr wichtig war, und für Ihre Geduld mit meinem "Lieferverzug" bei "Der Andere". Oben schrieb ich über Erinnerungen an ein "reales" Geschehen und darüber, dass man eben nicht steuern kann, was sich wie einprägt oder auch wann ans Bewusstsein drängt. Oft sind es Ereignisse oder Bilder, die bedeutungslos, ja sinnlos erscheinen. Sonderbar ist nun, dass etwas ganz Ähnliches mir beim Schreiben geschieht. Ich wollte, angeregt durch Sie, Hans1962, eigentlich nur eine kleine Geschichte schreiben in der das Wort "Idiom", das Sie eingebracht hatten (neben "Waffe" und "Stilmittel"), gedeckt werden sollte durch das tschechisch-österreichische k.u.k.-Deutsch. Ich hatte am Anfang vor allem das Wort "respektive" im Ohr, ich weiß auch nicht warum. Und den Satz "Nimm dir Beispiel." (ohne "ein"). Bei dem weiß ich warum (verrate ich aber nicht). Mir fiel ein Schild ein, das ich einmal gesehen hatte, auf einer Fahrt von Wien nach Zlin, ein Hinweis auf das Schlachtfeld von Austerlitz. Sonderbar, dass mir das in den Sinn kam. Vielleicht, dass die Kette so begann: Ich hatte an Audrey Hepburn gedacht, Mel Ferrer, Henry Fonda, den Film "Krieg und Frieden", die Kamerafahrt von unten über die vom Wind am Himmel getriebenen Wolken, als Andrej auf dem Schlachtfeld von Borodino liegt. Sieg und Niederlage. Man denkt, man weiß, wo man steht. Alles löst sich auf. Der Kaiser dankt ab. Ein Fahrstuhl in Zlin. Hoch und runter. Der Chef kann jeden Moment auftauchen. Oben und unten. Macht und Ohnmacht. Kafkas Schloss. Habsburger Gelb. Was für eine Farbe ist das noch mal? Internet-Recherchen. Wo landen Flugzeuge in Wien? Wie lange dauert ein Flug von Hamburg? Google Map. Werbung für den Wienerwald. Prag 1968. "Ein Sozialismus mit menschlichem Anlitz". Luzie und der Schrecken der Straße. Panzer auf dem Wenzelplatz. Wie rollten sie durch Mähren? Alles gerät aus den Fugen. Ein toter Vater. Aus Hans wird Jan. Klima. Warum Klima? Weiß nicht. Jakub ist tot. Wer ist denn Jakub? Kenne ich nicht. Noch nicht. "Aber Jakob ist immer quer über die Gleise gegangen." Dieser nicht. Jakub nicht. Ich weiß das. Es war nichts mit Gleisen. Ausnahmsweise. Seinen Tod finde ich nicht. Verschollen. Jakub ist verschollen. Mir doch egal., sagt trotzig Vera, das Eichhörnchen. Ich hab andere Sorgen. Mein Mann kommt nicht zur Beerdigung meines Vaters. Ich habe meinen toten Vater satt. Ich will da nicht hin. Mein Bruder. Kommt. Den will ich sehen. Den will ich verhauen. Hast du sie noch alle? Ich verstehe Vera nicht. Sitzt im Dunkeln. Schaut Trickfilme an. Eulen. Klima kommt rein. Ton aus. Ich kann sie nicht hören.

Ich hatte einen Plan. Ich fuhr mit der Bahn, ich ging spazieren, ich kaufte auf dem Markt ein. Währenddessen erzählte ich mir die Geschichte. Sie war ganz nett. Und nicht sehr lang. Ich kann sie nicht aufschreiben. Mir kommen Bilder dazwischen, Erinnerungen, die "ich" nicht habe. Da war ich noch nie. Vera ist 10 Jahre jünger als ich. Mein Vater erfreut sich bester Gesundheit (ich klopfe auf Holz). Klima spricht über Dinge, von denen ich gar nichts weiß. "Das Manifest der 2000 Worte". Das ist alles so verwirrend. 

Danke für Ihre Geduld, Hans. Ich weiß selbst noch nicht oder nicht mehr, wie es weiter geht.  Am Ende werden Sie wohl von fast allem, was da oben steht, nichts in der Geschichte finden. Aber ich muss da durch. Danke auch, dass Sie mich auf den Weg geschickt haben.

Kommentare:

  1. Bitte nicht. Schweigen, meine ich.

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  2. Kreisrunde Palatschinken- Zirkel schliesst sich dort, wo in den Originalrezepturen wie in der täglich hochkalorischen Heimküche der Mehlspeisen die Palatschinken mit Marmelade, an Festtagen mit Eis, wohl aber NIE mit "Creme" aufgetischt wurden und werden ( vgl. Katharina Prato: Haushaltungskunde, Graz 1897).
    So viel aus Kakainen, welches sich seinerseits über die deutsche Vorlebe für "Buttercreme" mitsamt allen ihren Tortenvarianten wundert.

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  3. Ja, das mit der Creme hat mich auch gewundert. Probiert habe ich´s nicht. Dachte, dass längst jemand da einhakt. :) Ich kann nicht leugnen, deutsch zu sein. Von der Buttercreme lasse ich aber die Finger oder den Mund und ziehe zu jeder Zeit Marillenknödel vor. Sogar noch den Palatschinken.

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  4. Mit der Creme ist wohl Vanillesauce gemeint. Diese Variante hat durchaus Verbreitung gefunden, ähnlich dem Topfenstrudel mit Vanillesauce. War aber nie so recht nach meinem Geschmack.

    Liebe Melusine, dürfte ich Ihnen eine Anregung zur Erzählung "der Andere" geben?
    Was halten Sie davon, "den Anderen" für eine Weile ruhen zu lassen und die Ergebnisse Ihrer Überlegungen auf der "Veranda" zur Körper-Sprache abzuwarten?

    Was da wohl noch entsteht in Folge der Betrachtungen zu "natürlichen (Idiom?) und affectierten (Stilmittel?) Verhaltensweisen" (beansprucht die "Waffe" keinen eigenen Platz?)

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  5. Lieber Hans, was da noch entsteht, weiß ich noch nicht. Ideen habe ich. Immer zu viele. Immer alles unausgegoren. Dann gärt´s. So einfach lässt sich das nicht kontrollieren.

    Daher kann ich "Der Andere", auch wenn ich wollte, gar nicht "ruhen" lassen. Es ruht nicht in mir. Mich treiben die Worte, das Manifest und diese beiden Brüder (mit Brüdern habe ich es momentan ohnehin :)) und Vera, die so stillgestellt war und dort im Schnee und später in dem provisorischen Vorführsaal "erwacht".

    Ich schreibe. Manchmal wird´s was, manchmal nicht. Ich weiß auch oft gar nicht, ob es was ist. Manchmal stelle ich es ein, manchmal nicht. Vieles bleibt liegen. Verändert sich. Aber Sie können sich nicht vorstellen, was es für mich bedeutet, überhaupt zu sagen: Ich schreibe. Allein, dass ich es tue, macht mich froh. Und dass ich Sie darüber "kennengelernt" habe - das auch!

    - wegen Waffen. Ich schaue auf die Bilder, die ich vornehmen und -legen will, für die nächste Folge von Körper-Sprache: Und siehe da : sind die Waffen:)

    Herzlich
    Melusine

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