Dienstag, 14. September 2010

MISS TURBO HAT DIE KRISE

Tagwerk. Jeden Tag nehme ich mir zuviel vor. Es geht alles nie so schnell, wie ich mir vorstelle. Der Kopf eilt immer voraus. Was Quatsch ist. Er sitzt auf meinen Schultern. Listen schreiben. Meine Tage bestehen aus Listen. Die abzuarbeiten sind. Prioritäten setzen. Drüben bei Tainted Talents sehe ich Ordnung und Übersicht. Klarheit der Vorgehensweise. Wenn ich das könnte. Zettelkästen? Überall Zettel. Ablagesysteme. Immer neue erfinden. Das passt nirgends. Nirgends passt was. „Was nicht passt, wird passend gemacht.“ Ich liebe Scheren. Große, kleine, spitze, gerundete. Mal hier was abgeschnitten. Aufkleben. Pappen. Papperlapp. So arbeite ich. 

Chaostheoriemeisterin. Meisterchaostheorie. Theoriemeisterchaos. 

Alles wird erledigt. Der Handschlag gilt. Schlag ein und zu. Wieder aufschlagen. Weiter geht´s. (Schon wieder im Rückstand.)

(„Miss Turbo“ – ist mein Spitzname unter den Kollegen. Das ist nicht immer nett gemeint.)

Écriture automatique (14.09.2010, 11.34 Uhr)
Gold verspielte Großgruppen-Strategien. Aufforderung zum Tanz. Widerstandsrecht im Schuppen. Gartenpflegearmaturen. Immer wieder Finanzmarktkrise. Wunschtraum sprechen. Werkstatt mit Cadillac. Hätte ich ein Squad. Markierung im Anhalter vertagen. Exkurs zu einer Vorstellrunde.  Organisatorische Klärung aufwärmen. Beziehungsweise. Fenstergelb. Rosenblut. Aufgepasst, ein modernes Fertigungsverfahren. Süße Verführung. Willst Du? Nee. Nicht. Doch.

(20.50 Uhr) - Gerade wird mir was klar: Ich hatte, als ich das oben schrieb gar keine Ahnung (zumindest bewusst), was ein Squad ist. Hab´s gerade gegoogelt. Jetzt will ich ein Platoon. Klar.



Kommentare:

  1. Sie, Melusine? Doch das nehm' ich zurück, denn Sie sind's nicht allein: die meisten Frauen in meinem Umfeld halten sich für defizitär. Glauben entweder, sie seien zuviel, oder zu wenig strukturiert. Produzieren Ergebnisse ohne Ende, ohne dass sich diese auf der gefühlten Haben-Seite niederschlügen: es zählt immer nur das, was noch nicht getan ist. Ein alter Hut? Ja. (Oder, weibliche Variante: eine alte Haarschleife.)
    Früher konnte Frau mit Defiziten ganz hübsch kokettieren. Geht heute nicht mehr. Weder auf'm Dorf noch in der Stadt. Das Vokabular ändert sich, der Gestus ebenfalls. Es ist nicht mehr charmant, chaotisch zu sein. Oder neckisch. Oder sprunghaft. (Wann haben Sie das letzte Mal das Wort "sprunghaft" verwendet? Und wenn, dann war's bestimmt abwertend gemeint)
    Wir begeben uns. Freiwillig. In die vermeintliche Logik der Leistungsbereitschaft hinein. Grrr!
    Haben Sie nicht vor ein paar Tagen geschrieben, Sie liebten das Ungezähmte?

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  2. Ich lieb´s ja auch. Aber... Heute ist einfach ein Sch...-Tag. Nix klappt. Und ich bin mit allen Termin spät dran. Und.. genau: defizitär. Hätte, könnte, sollte, wäre...Ach was, ich kauf mir jetzt ´ne Tafel Schokolade. Zartbitter. Das hilft. Meistens.

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  3. Liebe Miss Untaimed,

    bei Tainted Talent sehe ich in der Fotoreihe ganz außen recht das Bild von Lothar Matthäus. Romane über Fußball? Madame Kiehl hängt Bravo-Starschnitte auf von Raumausstattern aus Herzogenaurach? D A S nennen Sie Ordnung und Übersicht? Nun …

    Nun machen Sie sich mal nicht so auf Krise, liebe Frau Turbo. Ausnahmsweise hat die flotte Miss Phyl nämlich nicht recht: Es ist charmant, chaotisch zu sein! Und irgendwas ist ja immer. Hätte, hätte, Herrentoilette (ist nicht von mir, ist von Axel Schulz (der Musikmanager, nicht der Boxer) immer beim Skat). Hätten Sie keinen Zeitdruck, hätten Sie hier nicht süße Verführung auf Zartbitterschokolade gereimt.

    Schicker Anhänger übrigens. Sternzeichen?

    Beste Grüße

    NO

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  4. Lieber No,

    ich finde den Raumausstatter gar nicht. Hoffe Frau Kiehl äußert sich noch dazu. (Ist er wieder mit der Liliana oder wie die heißt zusammen? Ich habe das gar nicht weiterverfolgt.:) Im Kicker schreiben sie über sowas ja nix.)

    Übrigens: Ich "mach(te) auf Krise", um mich selbst ein wenig auf die Schippe zu nehmen. Weil´s wirklich ein Krisentag war. So einer, an dem lauter ungeplante Dinge passieren, die eine sofortige Reaktion erfordern. Manches, was einen wirklich betrifft, aber eine gefühlsdominierte Reaktion würde mehr schaden als nutzen, muss man sich zusammenreißen und versuchen klar und "hart" zu bleiben. Es gibt wenig, was mich mehr anstrengt als das. Zeitdruck ist sozusagen nur die oberste Kruste von der Art Stress. Da hilft es mir dann (neben Schokolade), wenn ich mich selbst "hoch" nehme (falls sonst niemand da ist, der´s tut.)

    Hätte, hätte, Herrentoilette - Männer beim Skat? Denken Sie nur, ich war erst einmal im Leben auf einer Herrentoilette.:)

    Anhänger: Das macht bloß das Licht und die Scharzweißfotografie. Es ist ein Edelstein - und ertappt: Ich habe nicht mal eine Ahnung, was für einer. Von Schmuck verstehe ich (auch) nichts. (Er gefällt mir bloß - oder nicht!)

    Herzliche Grüße
    M.B.

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  5. Das ließ mir keine Ruhe, dass ich gar nicht weiß, was ich um den Hals trage. Habe mich jetzt kundig gemacht. Es ist ein blauer Topas.

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  6. @ NO:

    Frechheit. Der vermeintliche Raumausstatter ist F. Scott Fitzgerald. Im Hausmantel.

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  7. Wahrscheinlich ist es der Hausmantel gewesen, durch den die Verwechslung zustande kam.. (Obwohl - ich habe den Raumausstatter noch gar nicht in einem gesehen. Sonst hat man ihn ja schon in fast allem gesehen; ich bin öfter beim Zahnarzt letztlich, da liegen die einschlägigen Publikationen aus.)

    Nicht so sauer sein, liebe Phyllis, das hat doch literarisches Potential. Scottie und der Raumausstatter. Ich hätte nicht übel Lust, die noch bei Baader, Meinhof und den Zwergwerfern unterzubringen. Aber das gibt auch bloß wieder Gelaber und keine Action.

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  8. "Gatsby, pale as death, with his hands plunged like weights in his coat pockets, was standing in a puddle of water glaring tragically into my eyes." - This glare I could not resist. Couldn't simply. Forgave. Couldn't believe I did that, though. I, Daisy. Daisy P. Kiehl! So weak. Must haven been sick. Will see a Dr.! NO! NO, will stay in bed. Read poems.

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  9. Liebe Lt. Uhura,

    wenn Sie also schon nicht Watschen-Lothar im Hausmantel erkennen können wollen, hätte ich ersatzweise die Frage, ob Sie denn bei Ihrer Farbenlehrewahlverwandschaft Syra Stein den Link zu Rudi Kargus schon gesehen haben? Wer das ist? Ein Maler. Aber nicht nur. Denn wissen Sie, was der vorher war? Falls nein, könnte ich Ihnen folgende Hilfestellungen geben: Peter Nogly, Caspar Memering, Ditschi Ripp, Peter Hidien.

    Beste Grüße

    Dr. McCoy

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  10. Werter Dr. McCoy,

    wie können Sie nur annehmen, ich wüsste nicht, wer Rudi Kargus ist (beziehungsweise, was Sie ja eher meinen als den Seins-Zustand, den wir beide nicht exakt kennen können, auf welche Weise er vor Zeiten sein Geld verdiente). Und selbstverständlich habe ich den Link auf seine Seite schon "verfolgt". Gar nicht schlecht (wie mein Vater immer sagt, wenn er was loben will).

    Falls Sie zur Farbenlehre Ideen haben: Lassen Sie sie raus. Dies "Ding" mit dem Bild, dem Blick, dem Auge, dem Licht, der Farbe - das purzelt in meinem Kopf herum, dreht Pirouetten ohne Unterlass und lässt mich nicht los, nicht mal beim Yoga :) Da bin ich dankbar für jede Anregung, die einen "Halt" bietet. (Denn, denken Sie dran, wenn Lt. Uhura versagt, bricht die Kommunikation zusammen.)

    Herzlichst
    N.P.U.

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  11. Danke, lieber Anonymous, dass Sie nun auch möglicherweise uninformierten LeserInnen es ersparen, eine Suchmaschine zu konsultieren.

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  12. Okay, Melusine,

    ich gebe auf. Sie bekommen hiermit meinen Gatsby und Pille aufgedeckt und ich nun bitte: N.P.U.?
    Non plus ultra:
    Nichts mehr, Sie wollen darüber nicht weiter „reden“ hier mit mir? Oder: Nichts ginge über Sie (was stimmte – mit einigen wenigen, handverlesenen Ausnahmen)?
    Network Processing Unit:
    Ohne Uhura läuft nichts im Maschinenraum - also auch nicht ohne Sie hier (was stimmt)?
    Nichts Phyllis Unterschieben:
    Okay, keine Fotointerpretationen mehr!
    Was ist NPU?

    Und Farbenlehre wird schwierig; ich las das vor 100 Jahren an, war mir aber (als literarischer Text) zu lang und zu öde. Aber parallel zu Ihrem Diskussionsbeitrag dazu bei Shiraz Stone las ich in der FAZ über den Streit zwischen Goethe und Newton. Zufall, nehme ich an.
    Aber wussten Sie, dass der „Moby Dick“ dieses Thema behandelt? Falls es Ihnen hilft:

    „Ist es so, dass das Weiß durch seine Unbestimmtheit die herzlose Leere und unermessliche Weite des Weltalls andeutet und uns so den Gedanken an Vernichtung wie einen Dolch in den Rücken stößt, wenn wir in die weißen Tiefen der Milchstraße blicken? Oder ist es so, dass das Weiß seinem Wesen nach nicht so sehr eine Farbe ist als vielmehr die sichtbare Abwesenheit von Farbe und zugleich die Summe aller Farben? Ist das der Grund, weshalb eine weite Schneelandschaft dem Auge eine so öde Leere bietet, die doch voller Bedeutung ist – eine farblose Allfarbe der Gottlosigkeit, vor der wir zurückschrecken? [...] Für all dies war der Albinowal das Symbol. Wundert euch nun noch die feurige Jagd?“

    Gute Besserung an Frau Grippostad!

    Herzliche Grüße
    NO

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  13. Aber NO, unterschätzen Sie mich so sehr? Wie der Anonymus, der dachte, ich wisse nicht, wer Rudi Kargus sei (im Ernst weiß ich natürlich nicht, wer er ist, bloß, dass er als Torwart auftrat). Gatsby - ich gebe zu, dass Robert Redford mich nachhaltiger beeindruckt hat als der Roman (aber da war ich auch noch sehr jung, bedenken Sie das! Und er ist wirklich ein schöner Mann.) Pille/McCoy - als 1965 Geborene gehöre ich zu denen, deren soziales und ethisches "Rüstzeug" überwiegend aus Raumschiff Enterprise destilliert ist. ("Die Doktrin der Nicht-Einmischung").

    Vielen Dank für den Tipp mit "Moby Dick". Das wusste ich nicht. Goethes und Newtons Streit beschäftigt mich schon lange. Das Licht - das Auge - der Blick - das Bild - Imagination oder Mimesis? usw.usw. (Mit Moby Dick habe ich mich immer schwer getan. Großartiger Roman. Aber so "männlich". Halt.)

    Nyota Penda Uhura

    (soll übersetzt ungefähr heißen: Liebesstern der Freiheit, oder so. Nicht im Drehbuch verbürgte Vornamen von Lt. Uhura, lt. Wikipedia)


    Herzliche Grüße

    Melusine

    PS.: Bei Aléa schrieb ich noch was zu U.Johnson und dem Schüler Lockenvitz, doch sie geht wohl nicht ins Internet-Café.

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  14. Liebe Melusine,

    beide Statements zu Moby Dick teile ich: Einer der ganz großen Romane – aber schwierig. Geht schon mit der Sprache los, mitten drin habe ich aufgegeben, ich hatte mal wieder über Seite nicht verstanden, wovon die eigentlich reden und habe mir dann entnervt die glänzende Neuübersetzung von Matthias Jendis gekauft zum Parallellesen. Und zugegeben, es tauchen doch eher recht wenige Frauenfiguren auf; gleichwohl: Unter dem Aspekt „männlich“ habe ich das Buch bisher nicht betrachtet.

    Schwierig und vielfältig, überraschend vieldeutig auch: Eugen Drewermann hat ein tiefenpsychologische Deutung des Romans verfasst, mit starken christlichen Bezügen. Interessant, nicht wahr? Dürfte Sie vermutlich ansprechen angesichts verschiedener Themen hier in den Gleisbauarbeiten. „Vom Ungeheuren, ein Mensch zu sein“ (Patmos Verlag).

    Aber dessen ungeachtet: In dem Roman sind Passagen, die nehmen einem den Atem. Ich erinnere mich zum Beispiel an die Szene, als Ahab im Ausguck den Wal sucht und Starbuck von zu Hause erzählt und zurück möchte – und plötzlich schmilzt der Eispanzer um Ahab, er träumt von sich als Kind und seinem Kind in den Dünen von Nantucket, ist einverstanden, ja, sie segelten zurück, Starbuck laufen die Tränen herunter – und dann hat die Eiseskälte den Kapitän wieder und er befiehlt, Kurs zu halten…..

    Moby Dick ist einer der wenigen Bücher, die ich – spät als Erwachsener gelesen – in eine Liste der wichtigsten, besten, schönsten, was auch immer, aufnehmen würde; und da stehen ja meistens die der früheren Jahre drauf, von denen man sich nicht mehr losmachen kann.

    Beste Grüße

    NO

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  15. Lieber No,

    ich sollte "Moby Dick" noch einmal lesen. Ganz bestimmt. Es liegen nur in diesem Haus schon so viele Stapel ungelesener Bücher...Ich erinnere mich, dass ich vor allem die Seemannsausdrücke nicht verstand, weder auf Englisch, noch - wenn ich sie im Wörterbuch nachschlug - auf Englisch. (Ich bin nie gesegelt o.ä.) Die Behauptung, es sei "männlich", die könnte ich so auf Anhieb, ohne eine Re-Lektüre, nicht belegen. Es ginge mir dabei jedenfalls nicht (nur) um das Personal.

    Von Eugen Drewermann, gestehe ich, habe ich noch nichts gelesen. Der Grund ist nicht rühmlich für mich. Es sind seine abscheulichen Strickpullover. Mein Unbewusstes (auf das schiebe ich es jetzt einfach mal) nimmt offenbar an, wer solche Pullover trägt, der hat nichts Interessantes zu sagen. (Das war - mindestens teilweise - ein Scherz. Eher ist es so, dass Drewermann als prominenter Fürsprecher der Friedensbewegung der frühen 80er Jahre mich an Fehlleistungen - nicht nur modische - aus dieser Zeit erinnert, deren ich mich immer noch ein wenig schäme.)

    Herzliche Grüße
    Melusine

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