Freitag, 3. September 2010

West-östlich ohne Divan (5): LICHTER

Für Markus A. Hediger

Bilder-Buch

Wundert dich im Buch das Bild
Das ich vorfand, ungelesen.
Aufmerksam hab ich's betrachtet:
Viele Farben und Girlanden,
Keine Tiere, keine Pflanzen,
Die im Auge nie sich bilden,
Von der Netzhaut ungelöst
Hinter hohler Stirn verborgen
Eine zerebrale Täuschung
Fragmentarisch und verkümmert.
Mit Erklärungen verlängert,
Endlos, ohne Maß
Verbildet! – doch am Ende
Weisen zuckrigsüße Engel
Dir allein den rechten Weg
Unbebildert, ungeboren
Schattenreich im Licht
Ungegründet und erblindet:
Wie im Himmel so auf Erden.


Für Azar


"Wie bei Markus´ Engeln"
Geständnis

Ja, die Augen waren's,
Die mich täuschten,
Die mich sogen und verzogen
Mich beglückten und verzückten
Mich so wonniglich betrogen
Mich verrieten und bestahlen
Die mir alles wirr verbogen
Und so schön die Welt mir färbten
Wie in paradies´schen Formen
Ließen schwebend wogen
Was sie mir gegeben




War es das? Wo ist es hin?
Dieses Bild, sie haben es gegeben
Auch wenn es in jedem Lichte flieht
Bleib ich doch gefesselt
All mein Leben... 

Kommentare:

  1. bin zwar nicht der markus und lese die zeilen- wenn auch mit weltlichen augen, aber ich bleibe mit dem herz an den letzten drei zeilen haengen:

    "Auch wenn es in jedem Lichte flieht
    Bleib ich doch gefesselt
    All mein Leben... "

    passt auch als ausdruck von schmwerz in der welt.

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  2. Doch aus mancher Bindung, will man sich nicht lösen. Die Sucht nach Bildern...Vom Schmerz jedoch möchte ich mich nicht fesseln lassen, sondern fliehen... (oder einfach: rumdrehen!)

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  3. liebesschmerz hebelt den verstand teilweise aus.
    wenn lockstoffe und bilder bleiben.
    wenn eine seite ein bild zerstoert, lockert/ loest sich bindung vielleicht auf.
    im religioesen sinne: wenn es nicht das antlitz ist, wenn es kein abbild ist, wenn es nichts aeusserliches ist, was da locken koennte, dann sucht man im eigenen inneren, hoert auf die stimme, auf den, der da spricht. vielleicht macht zuhoeren weniger blind...

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  4. Ja, der Verstand liebt nicht. D i e Bindung bleibt, denke ich. (Love goes on anyway) Aber was weiß ich schon? Ich bin so "unmodern", was das betrifft.

    "Vielleicht macht Zuhören weniger blind..." - genau darum geht es: Die Vorherrschaft des Wortes. (Aber ich kann nicht daran glauben. Ich bin, wenn du so willst, zu verliebt in die Bilder. Alles Wesentliche, glaube ich, ist "für unsere Augen da". Und dann lacht meine blinde Freundin und sagt: "Wer hat unsere Jacken verwechselt und wer hat es gemerkt?" Recht hat sie. Am Ende - aber ich greife jetzt ganz weit vor - wird es nicht das Auge sein und nicht das Ohr, sondern die Hand. Berührung.

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  5. die beruehrung im geistigen/emotionalen sinne, ist unter umstaenden auch wie eine hand, die haelt. waerme kommt aus verschiedenen stellen des koerpers.

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