Donnerstag, 28. Juli 2011

MIT DEM JÜRGEN. (Krypto-phantastisch-realistischer Fußball)

Es war ein lausiges Spiel vor 15.000 Zuschauern. Irgendwie kam es dann doch noch zum Ausgleich. Da sprang ich vom Sitz und hüpfte auf und ab: „Schalalala!“ Ganz egal: Tor ist Tor! Eintracht Frankfurt: EINS. St. Pauli. NUUUULL.

Der Fan, speziell der Eintracht-Fan, ist - gleich mir - ein krypto-phantastischer Realist. Er sieht, dass das Spiel Scheiße ist. Er schimpft wie ein Rohrspatz auf Trainer, Mannschaft, Gegner. Und er singt gegen alle Wirklichkeit und Wahrscheinlichkeit: „Schwarzweiß wie Schnee, das ist die SGE, wir holen den DFB-Pokal und wir werden Deutscher Meister! (Meister!).“

Die Eintracht ist abgestiegen vor der Sommerpause. Wir hatten einen Voll-Texter, der kein Trainer war, und dann den Zampano, der Sprüche rausgehauen, aber nix rein gebracht hat. Davor hatten wir Funkel. Der sah schlecht aus, zog sich mies an und ließ Fußball zum Abgewöhnen spielen. Das hatten wir auch leid. Wir?

Unter uns sind überdurchschnittliche viele übergewichtige, nach Pisse stinkende, voll durchgeknallte und rassistische Arschlöcher. Manchen von denen möchte ich die Fresse polieren, sobald sie das übel riechende Maul aufmachen. Das auch. Aber dann singe ich doch aus voller Kehle mit: „Nie mehr zweite Liga...“, gerade als die Mannschaft zum ersten Heimspiel in der zweiten Liga einläuft. „Das war ´ne Seuchensaison.“ "Aber hallo!"

Nur der Aufstieg zählt.“, titelt die schlecht geschriebene, aber engagierte und gut recherchierte Fanzeitung „Fan geht vor.“ Für drei Euro kriegt man auch noch einen Sack voller Gimmicks dazu: DVD zum UEFA-Pokal-Sieg 1980 (!!!), zwei Aufkleber und sechs (!) Postkarten. Die Zeitung tritt  ganz klar „für deeskalierendes Verhalten von Sicherheitskräften und Anhängern“ ein. Ich bin auch dafür, dass „Hurensöhne“gleich mal rausgeworfen und stattdessen Freiplätze für die Arbeitskräfte von Bordellen eingerichtet werden. (Ich bin immer für die Mütter!)

Alle sind gegen Böller, lese ich. Dass die bengalischen Feuer verboten sind, ist aber echt schade. Stein (von „Stein und Bein“) hat sich mit seiner Familie und sonst allen verkracht, ist aber ein Super-Geschichtenerzähler. Fußball 2000 hätte geklappt, damals, wenn wir nicht verschaukelt worden wären in Rostock. Das sieht man ja schon daran, dass die echte Meisterschale nicht in dem Stadion war, in dem der Tabellenführer spielte - und sowieso: Andy Möller (in Offenbach gescheitert, in Offenbach!) hat´s auch endlich kapiert, spät genug, sagt Uli, der Stein, für den ein Hase als „vermuteter Unfallgrund“ herhalten musste...

Außerdem kann man nachlesen: „Wie Mitarbeiter der Unternehmenssicherheit von Eintracht Frankfurt einen TV-Kameramann unter Druck gesetzt haben und Polizisten die Pressefreiheit missachtet haben“ (Originalüberschrift, S. 38). Echter Enthüllungsjournalismus, das. Es müsse auch dringend verhindert werden, dass die Frustrierten weiter frustrieren. Da sei die sozialpädagogische Fan-Betreuung vor. „Ich komme in friedlicher Mission!“ Durchmarsch ist angesagt.  Eine „Moralpredigt gegen alle Spinner dieser Welt“ steht neben der „Bestmöglichen juristischen Beratung für Fans“.  Zum Kauf empfohlen: „Mehr als nur der 12. Mann. Ein Streifzug durch die Fanszene von Eintracht Frankfurt.“ (€ 14,90) Voll krasse Artikel zu so Themen wie: „Gegenseitiger Respekt und bedingungslose Unterstützung“ (Ey –Dialektik!), „Nicht ohne Transparent“ und „Die Klappergass bloggt“. Am wichtigsten: „Wo ist denn nur der Charly Körbel?“ (In Treue fest!) Außerdem: „Selbstverwirklichung der gemeinnützigen Art“: Schöppchen mit Hausverbot. (Lesen! Wer kann. Sonst: Schöppchen.) Sauer macht lustig,  Frau Rauscher!

„Alarm, die Hesse komme!“ (kryptisch)
„Nie mehr zweite Liga – ein einziger Schrei!“ (phantastisch)
„Adler sollen fliegen!“ (realistisch)



Polizeichor-Frankfurt: Im Herzen von Europa

Kommentare:

  1. Ich traue meinen Augen kaum – Ist das nicht Bruno Pezzey, der den Hölzenbein da trägt? Gibt’s ja nicht! Und Tscha Bum da außen rechts?

    Liebe Melusine, von Rom direkt ins Waldstadion (wie man früher sagte), ja das nenne ich einen Kulturschock. Der aber auch in aller sprachlichen Deutlichkeit zum Ausdruck kommt. Kompliment! Auch für Ihr Aussehen. Ich hätte Sie fast nicht erkannt da unter den ganzen Händen der anderen Fans. Aber dann, natürlich. Die kleine Blonde steht erste Reihe Mitte. Wo sonst?

    Zwischenzeitlich habe ich übrigens die Schwester von Uli Stein kennen gelernt. In einem Dorf nahe Hannover, wo ich auch manchmal bin, vor allem, wenn Dorffeste gefeiert werden. Sie hat mir Ähnliches erzählt; ist wohl in der Tat schwierig mit dem Uli und der Familie. Aber großer Torwart bleibt großer Torwart, ich erinnere an 1983 in Athen. Mithin kann ich über Manches hinwegsehen bei ihm. Und seine Schwester ist sehr nett!

    Beste Grüße

    - auch an Christoph Daum (is‘ kein Schlechter nich`)

    NO

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  2. Lieber NO,

    das ist ja alles schön - und gut: mit der Schwester von Uli, dem Dorf nahe Hannover (Schützenfest?), meinetwegen lasse ich so gar dem Kokser sein Recht, aber - ICH BIN NICHT KLEIN!

    Herzliche Grüße

    M.

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