Freitag, 30. September 2011

SAFTIG

Rosemarie Trockel
Und also sprachst du: Gehet in die Finsternis, Weiber, da ihr eure Flügel verbranntet. Wir aber antworteten dir nicht, sondern sammelten unsere Flüssigkeiten. So ließen wir dich stehen in der Wüste, die du geschaffen. Wie grün blühen uns die Wiesen anderswo, wie strecken sich unsere Hälse nach dem Regen, wie wälzen wir uns wollüstig im Schlamm der Flüsse. Ja, wir lästern dein unter der Sonne und den Wolken und blasen uns auf wie Ballone über den Deichen. Es wird eine Flut kommen, doch wird sie sich in unser Delta verströmen und alle deine Drohungen stoßen ins Leere. Lass den Himmel dröhnen und die Blitze einschlagen, wir tanzen dazu und singen unsere schaurigen Lieder. Fleisch von deinem Fleisch sind wir, leugne es nicht. Wir baden in Milch und heben unsere Röcke beim Tanz zwischen den Lagern. Wir stehen voll im Saft. Reiß mich hinter dich, dann rennen wir!

Kommentare:

  1. Ich liebe diese Psalmen! Aber das weißt Du ja schon. :-) Jedes einzelne Wort sitzt.
    Herzliche Grüße

    AntwortenLöschen
  2. Dir auch herzliche Grüße - und Danke!

    AntwortenLöschen