Montag, 26. März 2012

VENUS IM PELZ ("Überall rührt sich die Humanität nur verpelzt")

"Es könnte freilich sein, dass es das, was wir Antike nennen, substantiell nie gegeben hat, sondern dass sie von Anfang an immer nur als das Beklagen ihres eigenen Verschwindens existierte. Der Mythos entwirft sich von vornherein als etwas, das im Verschwinden begriffen ist, das schon nicht mehr existiert, als Spur von etwas, das erst im Rückblick erfunden wurde. Solche Institutionen, die uns entlasten vom Alles-Können-Müssen kann es nicht wirklich geben, und auch die antike Mythologie ist nicht Dokument ihrer einstigen Existenz, sondern Zeugnis der Trauer darüber, dass es sie nicht mehr gibt, und dieses Nicht-mehr ist Metapher der Ahnung, dass es sie vielleicht gar nicht geben kann, aber doch geben müsste. Während wir uns in unserem Fortschrittsoptimismus einbilden, die Antike und den Mythos überwunden zu haben, trauerten die ´Erfinder´ des Mythos darum, dass er schon im Moment seiner Erfindung im Verschwinden begriffen war, dass man ihn nur zu sehen bekommt als etwas, das sich entfernt."


(Aus: Gerrit Confurius: Ich-Zwang, Matthes und Seitz, Berlin 2011)


Aus: PUNK PYGMALION.  Fassung vom 25.03.2012 > HIER:


Verwandte Beiträge zum Mythos und der Notwendigkeit verpelzter Lebensformen:
Über Alban Nikolai Herbsts: Sizilische Reise
Moskau ist auch keine Methode (frühe Fassung eines Kapitels aus: "Ich küsse mein Leben in dich." Die Martenehen)
Live-Schaltung in die Herzkammer des politischen Tiers (Aus der Serie: Das politische Tier)




(Vieles zum Nachdenken, ja zum Grübeln in Gerrit Confurius´ Ich-Zwang-Buch. Und vieles, was mich zornig macht, besonders am Ende. Vielleicht, nein sicher, schreibe ich dazu noch etwas.
Zu Gerrit Confurius´: Ich-Zwang bisher auf Gleisbauarbeiten:
Dach-Schaden. Wie der Ich-Zwang wirkt
Ausgesetzt. Warum Emanzipation weh tut
Incloud me out - musikalischer Kommentar zum "Ich-Zwang"
Lesezeit für Kannibalinnen
Himmelblau. Verzweifelte Männer und weher Zeh )

Kommentare:

  1. Jeder Mensch ist gut, wenn ihn warm ein Fell umschmiegt.

    François Villon

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  2. Nur hat den Mythos niemand erfunden, der Mythos kam in Zeiten, da es für Menschen noch verbindliche religiöse Erfahrungen gab, über die Menschen. Dass Gott gleichwohl eine theologische Erfindung ist, führt deshalb nicht zu einer Aporie.

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  3. Anonymous 1: Ein schönes Zitat.
    Anonymous 2: Sie lesen nicht genau. "Erfinder" steht im Confurius-Text, der Sie ganz offenbar gar nicht interessiert, in Anführungsstrichen. Ihr Einwand läuft also ins Leere wie Ihre apodiktischen Sätze über Mythos und Religion auch. Da Sie doch offenbar schon alles wissen - und anders als Confurius, der seinen Absatz mit "könnte" beginnt - weder weiterdenken noch diskutieren wollen, verstehe ich - wie bereits bei anderer Gelegenheit festgestellt - Ihren Kommentar-Zwang nicht wirklich.

    Es geht - wie letzthin - eben offenbar ausschließlich darum, zu zeigen, wer alles ein Idiot ist im Vergleich zu Ihnen, Herr Anonym. Confurius also auch. Ich persönlich lege in m e i n e r Idiotie mehr Wert auf die Lektüre seines Buches also auf die Ihrer Kommentare, aber das mag anderen anders gehen.

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  4. Sie kriegen wirklich allerhand mit. Ich werde mich demnächst mehr anstrengen. Anstrengen ist auch nicht das richtige Wort... Sagen wir konzentrieren. Liderliches Kommentieren hat dieser Blog, von dem ich einiges gelernt habe, nicht verdient. Das sage ich ohne Häme und Ungust.
    Das Zitat ist übrigens auch von mir, ganz unangestrengt.

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  5. Hmmm. Streng genommen... ist das nicht so anstrengend :-).
    Es ergibt sich mit Sicherheit die Gelegenheit, falls und also wenn ich auf die Idioten zurückkomme: Gerrit Confurius, Camille Paglia, Lady Gaga (kenne ich noch nicht) u.v.m.

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