Sonntag, 25. März 2012

HIMMELBLAU. Verzweifelte Männer und weher Zeh

Wieder strahlt der Himmel hellblau. Aber: Wer mir die Stunde gestohlen hat, kann mir gestohlen bleiben. 9:39 Uhr: Die Müdigkeit sitzt. Gestern Nacht noch bis 3 Uhr morgens ("echte Zeit") geschrieben, überschrieben. Die Herausgeberin des PUNK PYGMALION, hat sich herausgestellt, kann nicht in Frankfurt wohnen bleiben. Stattdessen zieht sie an den See und behält eine kleine Wohnung in der Erich-Weinert-Straße in Berlin (Diese Bleibe kennen "Melusine featuring Armgard"-Leser:innen schon). Denn am Ende soll alles hierher zurück führen: "Der dänische Steinmetz". (Wer spricht? Auto: Melusine, Armgard und ich) Veränderungen werden nötig (Kein Frühstück im Hotel). Noch einmal und noch einmal die Briefe des Verschwundenen gelesen, nach Hinweisen gesucht auf die Leiche im Landwehrkanal. Doch: Das wird kein Krimi. "Menschen verschwinden nicht einfach so." - Wer hat das gesagt? Er will sich von Hunden zerreißen lassen. Die Sagrada Familia - warum habe ich sie so lange außer Acht gelassen? Weil sie jeden Tag geöffnet ist. Ich brauche Schließzeiten und Gitter. (Any suggestions?)

This world brings me down
Gag with every breath
This world brings me down
I´m looking forward to death.

(Dead Kennedys, 1984)

Man kann sich in diese Sehnsucht hineinsteigern wie in eine unglückliche Liebe. Auch Kleist wollte auf keinen Fall alleine sterben. (Notiz: Seine Abschiedsbriefe: "den herrlichsten und wollüstigsten aller Tode" noch einmal lesen, vielleicht lässt sich da etwas klauen.) Weiter mit dem "Ich-Zwang", bevor die Augen zufallen. Der zitiert alle herbei: Rousseau, Dostojewski, Conrad, Kafka - lauter unglückliche Männer. Der Welt die Stirn bieten, indem man seine Verzweiflung ausstellt. Seht her, ich hasse genug und lasse mich hassen, um mich zugrunde zu richten. "Ich habe mit dem Tod in der Brust, den sterbenden Fechter gespielt." Das war Heine. (Den zitiert Confurius nicht.) Die hard.

Kaleidoskop-Blick ins Leben jenseits der Verzweiflung: Ein Tritt ins Plastikwerbeschild gestern Abend (die sind härter als Litfaßsäulen früher) hat Folgen: Die Vorderzehe ist heute morgen blau. Mit Wut gegen die Verzagtheit, das ist mein Motto! Der RMV hatte erneut seine Kundenfreundlichkeit demonstriert. "Dieser Zug endet in Mainkur. Wir bitten alle Fahrgäste auszusteigen und wünschen Ihnen noch einen schönen Abend. Weiterfahrt mit Straßenbahnlinie 11." In 35 Minuten fängt der Film an. Straßenbahnlinie 11 hält nach 2 Stationen. "Diese Bahn fährt ausnahmsweise nicht in die Innenstadt, sondern zum Riederwald. Fahrgäste in die Innenstadt bitte aussteigen." An der Stelle kam es zum oben beschriebenen (Fehl-)Tritt.  Und zu ein wenig Gezeter auf offener Straße. Außerdem noch mal schnell Bernd Ulrich beleidigen, der seinen Stuss in "Der Zeit" unter Klarnamen veröffentlicht  ("Echt jetzt! Wo wir schon dabei sind.") Und dann die Rettung: Ein Taxi kommt und hält beim Heranwinken an der Hanauer Landstraße. Der Fahrer lacht sich schlapp, als er die Story hört. Geschafft, sogar noch Zeit genug, Popcorn zu kaufen. "Barbara" von Christian Petzold in der Harmonie. Guter Film (Vielleicht schreibe ich noch drüber). 

9:59 - Der Europäische Gerichtshof hat sich mit dem Stundenklau noch nicht beschäftigt, glaube ich. Sollte er aber (Höchststrafen?). Müde bin ich, geh zu Ruh. Draußen zwitschern die Vögel. Der Himmel so blau. Schöner Sonntag. Weiter schlafen?

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