Mittwoch, 20. Juni 2012

Da lacht die Koralle


Heute lacht die Koralle. Das sagte man früher, wenn etwas lächerlich war. Wussten Sie das? Ich nicht. Das habe ich gelernt von einer Gruppe Teenager, mit denen ich Ende Mai gemeinsam mit Phyllis Kiehl im Weltkulturen-Museum in Frankfurt am Main einen Schreibworkshop durchgeführt habe. „Da lacht die Koralle“ – so heißt deren Erzähl-Reigen, in dem aber keine Koralle vorkommt, sondern ein Mädchenhändler, der von einer Frau im grünen Minikleid mit Pfeil und Bogen erschossen wird, eine übergewichtige Putzfrau, ein sozial Katastrophaler, ein George Clooney-Verschnitt, der Gedanken lesen kann, eine gelangweilte Blondine und ein afghanischer Liebhaber sowie ein fliegendes Wesen, das nicht perfekt genug ist für einen Engel, aber zu perfekt für einen Menschen. So was halt. Außerdem unterhalten sich die zwei Gesichter einer indonesischen Maske miteinander. Im Anhang des kleinen Werkes, das ich heute aus den entstandenen Texten bastle, werden zusätzlich drei Foto-Love-Stories mit den sprechenden Titeln „Die Schattenseiten einer Beziehung“, „Paaaarty, der Beweis, dass Jungs Archlöcher sind“ und „Der Herzensbrecher“ veröffentlicht. Na dann.

Mein Arbeitstag begann damit, dass ich mich scheckig über Picasa geärgert habe, mit dem mir das Erstellen von Foto-Collagen nicht gelingen will, die ich früher mit dem von Google gekauften und geschlossenen Picnik ruckzuck erstellt hatte. Schönes Beispiel für Marktkonzentration und Monopolismus; muss ich mir merken. Grass auch, wie sich Picasa meine sämtlichen Bilddatein krallen will, was man nur durch einen Haufen Einstellungsänderungen verhindern kann.

Hosni Mubarak ist doch nicht tot, wie´s scheint. Mit der Fehlmeldung bin ich nämlich gestern Abend schlafen gegangen. Die Fußball-EM verläuft bisher sehr enttäuschend. Ich habe noch kein begeisterndes Spiel gesehen. Der Kurzpass-Fußball sieht eben auch nicht immer schön aus, sondern kann genauso öde werden wie der frühere Rumpelstil.

Außerdem habe ich gestern irgendwo gelesen, dass die Vorfreude auf eine Reise die Freude während einer Reise übertriff. Diese Vorfreude will ich in den nächsten anderthalb Wochen auskosten. Dann geht es nämlich auf ein Weingut in die Nähe von Padua, wo wir, wie der Werbefilm sagt „leben werden wie Gott in Italien“. Morel hat sich aus dem Antiquariat mit dem Peterich, der sich in Rom so bewährt hat, für die Region Venetien versorgt und ich mit Eva Demskis „Venedig. Salon der Welt“. Es wird die erste längere Reise seit 18 Jahren, die wir zu zweit unternehmen. Der Amazing und der Mastermind machen in diesem Jahr brüderlich „All inclusive“-Urlaub in der Türkei, endlich mal keine „alten Steine gucken“ mit den Alten!


Und wenn ich Glück habe, dann bin ich heute mal um 15:00 Uhr fertig und dann lese ich. Momentan "Schulden. Die ersten 5000 Jahre" von David Graebert auf dem Kindle, noch mal einige Kapitel aus "Jane sexes it up", sowie Jana Volkmanns "Schwimmhäute" (auch auf dem Kindle), über das ich auch schreiben will (habe ich vor drei Wochen schon einmal gelesen und will jetzt noch einmal hineinschauen).


Nachtrag 10:45 Uhr: Jemand hat, ich sehe es in der Statistik, den Post "Der stinkende Atem der Ludenhoffs" aufgerufen. Endlich! Da fiel es mir wieder ein und vor die Füße: Wie ich in tiefe Melancholie verfiel, als die Resonanz ausblieb auf diese Serie, die das deutsche Fernsehprogramm hätte revolutionieren können. Ach, welche Anstrengung es war, aus diesem Loch wieder herauszukriechen...


Nachtrag 14:03 Uhr: Brian Wilson wird heute 70 Jahre alt! Happy Birthday und Danke für die schönen Songs. Einer davon, mindestens einer, gehört zu meinen 10 Lieblingsliedern aller Zeiten, nämlich dieser: 





Kommentare:

  1. Doch, ich wußte das.

    "Da lacht die Koralle" ist ein schöner Satz. Ich kenne ihn aus der Verfilmung des Kempowski-Romanes "Tadellöser und Wolff" von Eberhard Fechner.

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    1. Die Verfilmung kenne ich auch. Aber an den Satz konnte ich mich nicht mehr erinnern. Wer sagt den?

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  2. Ich meine, dies sagt die Schwester von Robert und Walter, als sie im Urlaub im Harz weilen: Kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.

    Eigenwillig, wie dem einen etwas im Gedächtnis verbleibt und dem anderen nicht. Worauf Subjekte so achten ;-)

    (Ich mag diese Punkt Punkt Komma Strich: Fertig ist das Grinsgesicht-Figuren eigentlich nicht, weil ich's in Sprache zum Ausdruck bringen will, und wer Ironie nicht versteht, ist eh verloren.)

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