Samstag, 28. Juli 2012

HÖRIGKEIT (7): Körper- und Leserschaft


Man entwirft uns idyllische Bilder liebender Autorität von der einen, liebender Unterwerfung von der anderen Seite, von erhabener Weisheit, die alle Dinge zum höchsten Glücke für die Untergebenen ordnet, welche mit Lächeln und Anbetung zu ihr aufblicken.

I. Aus der Vogelperspektive laufen die Projektionen parallel/ und dennoch müssen Geschichte und Autobiographie/ und Biographie und alles/ erst kommen und sich ergießen.

II. Aber das Bedürfnis nach Einkanal-Videos/ überschreitet natürlich die Identität/, die nach Erinnerungen dürstet/, um sich existent zu machen.

III. Mein absoluter Respekt dafür,/ wie viel ein Mensch aushalten kann,/ obwohl und weil Zeit und Identität nicht existieren/, solange der Schöpfer am Werk ist.

Lebten die Frauen in einem anderen Lande als die Männer und hätten sie nie eine ihrer Schriften gelesen, so würden sie auch eine eigene Literatur gehabt haben.

V. Mein Begehren sucht einen Gegenstand/ seines Strebens, eine filmische Tugend,/ bevor die Zweifel hervortreten/ in Gestalt einer Leserschaft.

VI. Als wolle ich mich selbst trösten/, um das, was du mir raubst/, durch unendliche Banalität und unvorstellbaren Schrecken/ und die ewige Wiederholung der Schau.

VII. So hat mein Leben/ viele helle, lichte Punkte gesehen:/ die Wahrheiten der Erfindung,/ die innigsten Berührungen/ und die Sterne am Firmament.

Wo die wenigste Freiheit ist, da ist die Leidenschaft für die Macht am brennendsten und gewissenlosten.

VIII. Deshalb: Zieh dich an,/ farbenfroh und schwerelos,/ denn die Freiheit hat keinen psychologischen Inhalt,/ In ihrer ungezügelten Sinnlichkeit .

IX. Den Körpern auf der politischen Spur/, versuchen wir im Gleis zu bleiben/, doch kann eine Geschichte Literatur sein,/ die eine solche Last trägt?

X. In Zagheit Mut,  In Freiheit doch gefangen/ wird einmal erzählt werden,/ was eine jede über irgend etwas,/ was geschehen kann,/ auf irgendeine Weise zu erzählen hat.

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Kommentare:

  1. Zu II.
    Den Bedürfnissen nach verdinglichten Prozessmomenten entsprechen einfältige Lebens- u. Produktionsverhältnisse.
    Indessen ist Durchschauen nicht Verändern.
    Allerdings: Kein Glück ohne Fetischismus.

    Zu III.
    Es ist Identität und es ist Zeit in der Welt, weil die Welt sich aus sich selbst heraus entwickelt und begründen lässt. Es hockt da kein an der Welt werkelnder Schöpfer neben der Welt.
    Den Menschen, tätig beteiligt und handgreiflich schuldig, bleibt gar nichts anderes übrig, als das auszuhalten.

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  2. Zur Erläuterung:
    In der Serie "Hörigkeit" werden keine Thesen formuliert. Die Ziffern bezeichnen vielmehr Verse. Die Serie arbeitet mit Collage und Palimpsest. Die kursiv gesetzten "Zwischentexte" sind wörtliche Zitate aus: "Die Hörigkeit der Frau" von John Stuart Mills und Harriet Taylor Mills (siehe auch: Unperfekte Paare: Leidenschaft für die Freiheit).

    An einer inhaltlichen Diskussion zur "Wahrheit" des Aussagegehalts der Sätze in den "Hörigkeit"-Texten kann ich mich nicht beteiligen, da ich sie so nicht verstehe und mich auch nicht in dieser Weise für sie interessiere. Natürlich ist eine solche Diskussion aber möglich und vielleicht auch spannend. Es sind - soviel möchte ich nur klarstellen - keine Aussagesätze, die meine Position/Meinung zu irgendeiner Frage wiedergeben oder eine "Wahrheit" aussagen wollen, die ich für gegeben halte. Auch das Ich" der Texte ist nicht identisch mit mir, der Autorin M.B./J.S.P.

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