Donnerstag, 22. November 2012

EIN TRAUM VON EINER TOCHTER ("Merrily, merrily life is but a dream")

Ich habe von meiner Tochter geträumt. Sie saß auf den Fersen, die Beine leicht gespreizt, am Strand vor den sanft plätschernden Wogen und ließ den hellen Sand durch ihre Hände gleiten. Weit spreizte sie die Finger ab, um die winzigen Körner durch sie hindurch zu Boden rieseln zu lassen. Der Sand war heiß zwischen den Fingern meiner Tochter. Ich konnte das spüren, obwohl ich hoch oben auf der Düne stand. Meine Tochter beugte sich vor und ließ die Stirn zu Boden sinken. Sie hatte lange, lockige Haare, die der Wind leicht bewegte. Fast alle Mädchen haben heutzutage lange Haare wie meine Tochter, doch die meisten ziehen sie glatt. Meine Haare reichten nie länger als bis zu den Schultern. 

Jemand stand über meiner Tochter und belehrte sie, während sie den Kopf in den Sand steckte. Ich kann nicht sagen, ob es ein Mann oder eine Frau war. Denn ich stand weit weg und konnte nicht hören, was die Gestalt meiner Tochter zu sagen hatte. Sie verschwand auch ebenso plötzlich wieder, wie sie erschienen war.

Jetzt saß meine Tochter zwischen Stapeln von bunten Papierkartons. Sie lachte und warf sie in die Höhe wie Luftballons. "Mama." Ich rannte die Düne hinab zwischen die Kartons und fing den letzten auf, den meine Tochter nach oben geschleudert hatte. Unter meinen nackten Fußsohlen war der Sand warm. Meine Tochter und ich bauten ein Strandhaus aus bunten Papierkartons. Wir saßen unter dem Dach unseres Hauses, durch dessen Lücken das warme Rot der untergehenden Sonne fiel und sprachen. ich weiß nicht mehr, worüber. Meine Tochter legte ihren Kopf an meine Schulter. Ihr dunkles lockiges Haar vermischte sich mit meinen hellen. Die Sonne ging unter über dem Meer.

Ich stand wieder auf der Düne. 

Mir fiel ein, dass ich keine Tochter habe.

Ich wachte auf.

Ich weiß, dass ich niemals eine Tochter haben werde.

Dieser Traum bedeutet nichts. Sage ich mir.

Ich weiß nicht, was dieser Traum bedeutet. Er war schön.

Kommentare:

  1. Schön, wenn man die Schönheit über die Bedeutung stellen kann. Das ist vielleicht sogar das Wesen der Träume. Wenn sie gelingen.
    Und übrigens ist im Text ein "n" zu viel, "bauten eineN Strandhaus" steht da.

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  2. Danke für den Hinweis! Ich nehme es raus.

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