Montag, 26. November 2012

MEIN AUGAPFEL (Regieanweisung)


Um am Auge zu saugen
Die Verbeugung vor ihr:
Blick in die leere Höhle

Um die Kugel auszuspucken
Wird das Blut abgeleckt -
Welche plastische Wendung

„Das Auge eines Stieres.“
Dachtest du, dass die Frau
ihr Augenlicht für die Kunst

OPFERT?



Kommentare:

  1. Hast Du vielleicht gestern Abend TTT gesehen, den Bericht über den Kinofilm zu Marina Abramovic' Performance 'The Artist Is Present' 2010 im MOMO? (http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/ttt/sendung/hr/2012/sendung-vom-25112012-128.html) Hat mich sehr beeindruckt, ich empfinde es als Steigerung ihrer bisherigen Aktionen, weil dieser ausgesetzte Blick eine viel größere Präsenz darstellt als der ausgesetzte Körper.
    Ich will evtl. noch in meinem Blog dazu schreiben, habe nur grade zuwenig Muße dazu.
    Aber wie perfekt Dein Blogpost - sowohl das Gedicht als auch der Artikel Augen-Blicke - heute meinen Eindruck von Abramovic' Performance und die Assoziationen, die ich dazu habe, ergänzte.
    Das ist das Schöne am Netz.
    Liebe Grüße!


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    1. TTT hatte ich nicht gesehen. Aber bei Antje Schrupp u.a. über den Film gelesen. Vielleicht habe ich das deshalb gestern eingestellt. Nicht bewusst zwar, dennoch... Der Text ist entstanden während ich verzweifelt zweifelnd weiter nach einer Lösung für das Opfer Heilmanns in den "Martenehen" suche: eine blutige Puppe mit einer leeren Augenhöhle. Ach was ;-).

      Abramovic´ Aktion ist beeindruckend, auch erschütternd. Ich hoffe, dass ich Gelegenheit haben werde, den Film zu sehen. LG

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    2. So hatte ich das auch verstanden, als Weiterherantasten an diese Lösung. Seit Du eine neue vage Idee angekündigt hattest (im Zusammenhang mit dem Städelbesuch war es, wenn ich recht erinnere), macht sich in mir eine Ahnung (oder Idee?) breit, und jetzt bin ich - zusätzlich zur Sowiesospannung - gespannt, ob ich mit meiner Vermutung "richtig" liege. :-)

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    3. Ja, im Städel war´s. Mit BenHuRum und Morel - als wir den alten Bunuel-Film mit dem berühmten Schnitt durchs Auge sahen.

      Mit Morel hatte ich kürzlich (Anlass war unser beider Begeisterung für "The Wire") noch ein Gespräch über "romantische" vs. "aufklärerische" Erzählkunst. Als ich deinen Kommentar las, fiel mir das wieder ein. Obgleich ich niemals einem 19.Jahrhundert-Realismus das Wort reden würde und ja durchaus dem Phantastischen zuneige, ist es doch so, dass etwas in mir/aus mir dem Romantischen mit tiefer Skepsis begegnet. Ich spüre da immer sehr stark einen reaktionären Zug, so auch in der Ausstellung im Städel; eine absichtsvolle Verdunklung der Welt und Selbstbeweihräucherung des melancholischen Gefühls, die vor allem Attitüde ist: Seht her - wir wühlen tiefer, wir fühlen heftiger, wir leiden mehr! Die Lust an der Gewalt, am Frauen-Opfer (o blaße Haut, o roter Mund, o dunkles Haar, o Wunde!), an Weltuntergang und Weltschmerz erscheint mir fast immer widerlich oder gar lächerlich. Vielleicht hat mich deshalb die Spätaufklärung als Phase, in der die Wirkungsästhetik zugunsten des autonomen Kunstwerks aufgegeben wurde, stets am meisten fasziniert. Manchmal denke ich, dass mein Streben sich darauf richtet, das Phantastische zu "entromantisieren", es zu profanisieren: So wie - "Ich höre Stimmen, na und?" ;-).

      Ach, ich weiß nicht. Dein Hinweis auf Abramovic verbindet sich mit diesen - noch ganz wirren - Gedanken: Sich sehen lassen, statt Schattenspiele fingieren; nicht die anderen bloß- und ausstellen, sondern sich. Der Mut jemanden anzuschauen. Und sich anzuschauen zu lassen. Das scheint mir doch wesentlich "tiefer" und existentieller als aller Symbolismus, romantisches Dämmerlicht, Gnome und Phantome plus Apokalypse now! Aber irgendetwas ist auch da, an dem, offenbar dran. Eine Faszination, die mich nicht loslässt, als die der a n d e r e n. Vor der ich wie ein Mariechen stehe, in deren Schürze niemals Glitter fällt, sondern immer nur wärmende Gänsefedern.

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  2. Vielleicht könnte die Lösung eine surreale sein, fällt mir jetzt wegen Bunuel ein. Eine Lösung, die nicht Partei ergreift, sondern sich über die miteinander streitenden Realitäten erhebt, eine, die weder realistischen noch fantastischen oder symbolischen Charakter hat.
    Nur so eine spontane, völlig abstrakte Idee ...

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    1. Fantastisch wird es. Denke ich. Das Surreale (in der Malerei) ist mir weniger vertraut. So träume ich nicht: so klar, so distinkt. Auch meine Träume sind eher profan und die Konturen verwischt. So wird das auch werden. Am Ende muss das Blut aber aufgewischt werden. Das ist sicher. Egal, wo und ob es herkommt. Der Teufel will Blut sehen, bildet sich Heilmann ein. Dabei genügte dem vielleicht eine Filmtrick: Schnitt/Stierauge!

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    2. Kann ich nachvollziehen. Und wenn ich betrachte, was hier bei Dir schon alles geworden ist, diese fantastische Fülle!, dann bin ich ganz zuversichtlich, dass das auch noch werden wird. Ich bleibe gespannt. :-)

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