Freitag, 17. Mai 2013

Gute Literatur ist keine Mangelware!

Diese Wahrheit tut den Autoren (Autorinnen eher seltener, meiner und Thomas Meineckes - "Hat sich eigentlich jemals eine Frau als Genie bezeichnet?"- Beobachtung nach) offensichtlich weh. Manch einer glaubt, die Welt habe gerade sein Werk bitter nötig und weil er sich dieses so schwer schuftend abringe, schulde sie ihm auch nicht wenig, die Welt, mindestens also: Aufmerksamkeit, Presse, Einkommen, besser noch Huldigung, Preise, Bestseller.

Ich übertreibe.

Egal. Nur, Leute, seht´s halt ein: Niemandem fehlt was, wenn ihr für heute oder morgen oder die nächsten 10 Jahre nichts veröffentlicht, nichts schreibt, selbst wenn es Wunderwerke wären. Sie fehlen uns so wenig wie ungeborene Kinder. (Nur dass wir angeblich hierzulande einen Kindermangel haben.) Literarische Werke werden genug auf den Markt oder vor die Leserschaft geworfen, manche großartig, viele schlechte, kein Mangel, nirgends. Selbst die guten schafft eine nie und nimmer alle zu lesen. So trifft jede/r eine Auswahl. Manchmal, meistens willkürlich. Je mehr Autor_innen eine näher kennenlernt, desto weniger Lust hat eine oft, deren Werke zu lesen. Persönliche Sympathie und Antipathie spielt eine Rolle, weniger bei der Lektüre selbst als eben schon bei der Auswahl. Das wäre aber nur dann falsch und zu beklagen, wenn Mangel herrschte, an guter, an lesenswerter Literatur. Den aber gibt es eben nicht, schon gar nicht, wenn eine nicht nur und nicht mal hauptsächlich Gegenwartsliteratur liest. Außerdem wichtig bei der Auswahl: Empfehlungen von Freund_innen, prickelnde Titel und schön gestaltete Cover; negativ dagegen: sexistische Bilder auf dem Titelblatt, Empfehlungen durch von mir wenig geschätzte Leute, reißerische Ein-Wort-Titel ("Inferno"), die keine Personen-Namen sind. Kaum eine Rolle bei meiner Auswahl spielen Empfehlungen oder Verrisse im Feuilleton der renommierten Zeitungen/Zeitschriften. Bei Sachbüchern traue ich dem Deutschlandfunk, manchmal; bei Bellestristik dagegen gar nicht.

Was ich gelesen habe, zuletzt? 

Sofja Tolstoja, Melanie Raabe, Hartmut Abendschein, Anousch Müller, Sara Gran, P. G. Wodehouse, Deborah Crombie, Barbara Pym, Adalbert Stifter, Minette Walters, Sybille Bedford, Katherine Mansfield, Sofi Oksanen, Jackie Kay.

Unterschiedlich in Qualität, Zeit, Form, Anspruch. Nur über zwei dieser Autor_innen habe ich hier im Blog geschrieben: Über Hartmut Abenscheins "Dranmor" und Barbara Pyms erste Schaffensphase.  Zu Barbara Pyms Gesamtwerk werde ich noch zwei weitere Posts veröffentlichen. Ich schreibe nur, um zu empfehlen. Wenn ich das nicht uneingeschränkt kann, schweige ich lieber. Ich lese auch keine Verrisse. Das interessiert mich nicht. Warum ich etwas nicht empfehlen kann, hat unterschiedliche Gründe. Die meisten liegen bei mir, in meinen Möglichkeiten und Grenzen (die ich freilich, auch lesend, auszudehnen versuche). Wie auch die Auswahl selbst schon meine und damit subjektiv ist. Ein Selbstbildnis gewissermaßen, schrieb ich mal anderswo. 

Leser_innen schulden Autor_innen nichts, finde ich (außer dem Kaufpreis). Keine Anerkennung, kein Lob, keine Huldigung. Wer es bekommt, kann sich freuen. Es ist kein Verdienst; es ist ein Geschenk. Wie umgekehrt eine fesselnde Erzählung, ein faszinierender "Sound", ein berauschender Bilderreigen ein Geschenk an den Leser, die Leserin ist. Unverdient. Und unbezahlbar. 



Kommentare:

  1. Seltsam ist aber doch nach wie vor, daß im Literaturbetrieb nahezu alle Beteiligten Geld verdienen, während Autoren und Autorinnen erst einmal umsonst arbeiten sollen, um dann untertänigst, quasi im Staub kriechend, auf Geld, Zuneigung und Lob, auf Gnade zu warten. Auch andere Produkte braucht kein Mensch wirklich, bezahlt wird aber doch. Mit anderen Worten: ich schreibe einen Roman, das kostet Zeit, Kraft, erfordert Phantasie und fußt auf jahrelanger Erfahrung – ergo: Geld her, es steht mir zu!!!

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    1. Ich zahle immer! :-) Geld! Auch für die Werke, die ich nachher nicht so toll finde. Lob schulde ich dagegen niemand.
      Ich würde auch direkt an die Autoren zahlen. William Hogarth, über den ich geschrieben habe, versuchte ein solches Geschäftsmodell als Künstler zu realisieren, ohne Zwischenhändler. Die neuen Techniken machen das möglich. Aber erfordern eben auch ein anderes künstlerisches Selbstverständnis. Soweit sind wir noch nicht.

      Ich glaube auch nicht, dass im "Literaturbetrieb", also bei den Verlagen so viel verdient wird, jedenfalls die kleinen arbeiten auch eher nach dem Selbstausbeutungsprinzip, soweit ich das beurteilen kann.

      Aus vielen anderen Gründen, nicht zuerst und vor allem wegen der prekären Situation von Künstler_innen, setze ich mich für ein Bedingungsloses Grundeinkommen ein. Das würde freilich nicht alle Probleme lösen. Nur eine neue Situation schaffen.

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    2. Beim bedingungslosen Grundeinkommen bin ich ganz auf Ihrer Seite, das ja eben allen nützte, nicht nur Künstlern. Wer's nicht braucht, kann es ja spenden.
      Die Hoffnung, mit dem Schreiben literarischer Werke direkt Geld zu verdienen, habe ich imgrunde nicht, ich bestehe aber darauf, daß mir und anderen literarisch Tätigen eine angemessene Entlohnung der Leistung halber zusteht, weil man keine Zeit und Energie für Anderes hat, denn schließlich leben wir ja angeblich in einer Leistungsgesellschaft, wenn auch in einer, die eben diese Leistung erst da misst, wo sie in Geld verwandelt auftaucht – es handelt sich also um Messungsfehler, wenn man es genau sieht.

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    3. Es stimmt aber nicht, dass in anderen Bereichen nach Leistung bezahlt wird. Vielmehr setzt sich die Entlohnung von Tätigkeiten aus sehr unterschiedlichen Bewertungen zusammen: historisch entwickeltes Statusniveau, zertifiziertes Bildungsniveau, vor allem: Markt (Angebot und Nachfrage), historisch entwickelter Organisationsgrad der Arbeitnehmerschaft in der Branche, Bedarf (Familienzuschläge und Senioritätsprinzip), eher weniger: quantifizierbare Leistungen.
      Die Leistungen eines Autors/einer Autorin sind, wie übrigens viele andere auch, nicht quantifizierbar und also auch nicht in Geldwert exakt auszudrücken (oder soll es nach Stunden gehen?). Das gängige Wirtschaftsmodell verkennt zudem, dass nicht nur von Arbeitnehmern, Arbeitgebern (Kapitalgebern) und Konsumenten "gewirtschaftet" wird, sondern vor allem auch von Haushalten, in denen die Bezahlung von Tätigkeiten noch nie üblich war. Die meiste Arbeit, die ich in meinem Leben verrichtet habe und verrichte, war unbezahlt. Das ist keine Klage. Im Gegenteil. Es ist wichtig und unerlässlich, dass Menschen arbeiten, ohne dafür bezahlt zu werden. Existenzsicherung und Erwerbsarbeit sind nur in einem unrealistischen Wirtschaftsmodell scheinbar zwingend miteinander verbunden, das weite Teile menschlicher Zusammenarbeit und menschlicher Bedürfnisse ausklammert, die nicht in diesem Modell dargestellt werden können. Die innerfeministische Debatte ist da längst sehr viel weiter. Eine Reduzierung der Patriarchatskritik auf Gleichstellungsforderungen, die sich am männlichen Erwerbsmodell orientieren, ist nicht nur nicht wünschenswert, sondern komplett unrealistisch. Daher ist es Teil des Abwehrkampfes des untergehenden Patriarchats, solche Debatten immer wieder auf Nebenkriegschauplätze wie die Quote und solchen Kram zu verlagern und zu fokussieren. Was leider (noch) häufig gelingt.

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  2. Ich denke auch, daß das gegenwärtige System auf falschen Grundlagen fußt, was allerdings wohl weniger mit den Geschlechtern zu tun hat als mit Gier, Geiz und Charakterschwäche der meisten Menschen, wie seit Urzeiten. Das ist nun natürlich wohlfeil dahergesagt, obgleich es selbstredend stimmt, so wie auch ihre Analyse des gegenwärtigen Wirtschaftslebens und deren Fehlerhaftigkeit richtig ist. Jenseits jedoch ideologischer Debatten (innerhalb welcher Ismen auch immer, wobei ich allerdings nicht davon ausgehe, daß sich dem Feminismus nur Frauen zugehörig fühlen, und wenn doch, wäre das wohl ganz im Sinne des Patriachats – das nur am Rande) dürfte es tatsächlich die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens sein, die die Verhältnisse ändert, ohne damit den Selbstsüchtigen allerdings die Möglichkeit zu verbauen, reich und damit mächtig zu werden – das sollte man denen mal klarmachen, vielleicht bewegt sich dann was! Ich für meinen Teil will ohnehin nur das Geld bekommen, das quasi durch mich nur hindurchgeht, weil es nämlich beim Vermieter, im Gemüseladen, in Antiquariaten und in der Kasse der Kneipe landet, eben damit ich mit m e i n e r Zeit tun kann, was mir frommt. Daß dabei dann Romane herauskommen, die die Welt nicht braucht, hat sich eben diese Welt dann redlich verdient. Ist doch auch was! [So weit meine Anmerkungen, vor dem ersten Kaffee geschrieben, also weniger scharfsinnig als möglich, doch das Risiko gehe ich ein.]

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    1. ´tschuldigung, der Kommentar war in der Spam-Masse "untergegangen", die grade wieder über das Blog schwappt. Das schaffe ich manchmal nicht so rasch, mich da durchzukämpfen.
      Schon Friedrich Engels hatte ganz gut erkannt, dass die Geschlechterfrage kein Nebenwiderspruch ist ;-). Und ja: Auch Männer setzen sich durchaus für feministische Ziele ein! Es geht auch nicht um einen -ismus, sondern um eine generelle Kritik am Patriarchat, auch der kulturellen Ödnis, die es erzeugt. Finde ich jedenfalls. Aber auch hier gilt: Kein Mangel (mehr) an Alternativen.

      (Nur das verstehe ich nicht: Warum sollten Menschen, die reich werden wollen, selbstsüchtiger als solche, die ihre Tage mit schreiben, musizieren oder singen verbringen wollen, wie es ihnen passt? Das leuchtet mir nicht ein. Nicht selbstsüchtig ist doch eher jemand, der Arbeiten für andere verrichtet - und zwar nicht solche, die er/sie für wichtig hält, sondern solche, die die anderen brauchen und/oder wollen, oder? Kochen, putzen, zusammen spielen, vorlesen, Wunden verbinden, Gespräche führen, Dinge herstellen, die nachgefragt werden....usw. )

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  3. [Ich meinte, ohne es direkt auszuführen, daß speziell die Menschen, die es bewußt in Kauf nehmen, anderen Menschen zu schaden (im Sinne von Ausnutzung), um selbst reich zu werden, das auch dann noch so durchziehen können, wenn es das bedingungslose Grundeinkommen gibt, sie also keinen Grund haben, dagegen zu agitieren.] Die Geschlechterfrage ist natürlich nicht unwichtig, das ist klar, wie man ja jetzt auch beim Sozen-Bundestagswahlkampf sehen kann, wenn der Kandidat fordert, Männer und Frauen müßten für die selbe Arbeit das selbe Geld bekommen – grundfalsch!!! Die Frauen müssen m e h r bekommen, denn dann sehen sie mal, wie das ist, zum Geldverdienen gezwungen zu werden, weil manfrau mehr verdient! Also Frauen: fordert mehr Geld und bekommt es auch! Meinen Segen habt ihr!

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    1. "Ihr"? Welches "Ihr" soll das sein? "Die Frauen"? Ich kenne viele, die genug Geld verdienen. Mich eingeschlossen. Und viele, die es nicht tun. Der Fehler liegt in der Formulierung "für gleiche Arbeit".
      Eine Auseinandersetzung mit den Sozialdemokraten (die ich aber nicht "Sozen" nennen würde, schon aus Erinnerung an Helmut Kohl nicht, der das so gern und widerlich benutzte) zu dieser wie zu anderen Fragen, ist rückschrittlich und ermüdend.
      Interessanter für mich ist die Auseinandersetzung mit Werner Goetz u.a. um das Bedingungslose Grundeinkommen wie sie z.B. Ina Praetorius führt. Da muss der Zahn gezogen werden, dass "Dreckarbeit" über das Grundeinkommen sozusagen "bezahlt" ist und dann gewisse Leute halt wieder ihren "Geschäften" nachgehen können. Mit dem Grundeinkommen wird gar nichts "bezahlt", deshalb ist es ja bedingungslos. Und das Aushandeln darüber, wer was wie für wie viel Geld macht, beginnt dann erst. Eiapoeia Eierkuchen wird das nicht, das ist klar. Wer reich werden will, muss dann wahrscheinlich/hoffentlich sehr unerfreuliche Arbeiten übernehmen.
      Allerdings: Es ist wahrscheinlich aus globaler Perspektive wichtiger und richtiger, das Grundeinkommen zunächst in den weniger entwickelten Ländern einzuführen.
      Als Radikalliberaler gefällt mir daran, dass es anders als andere - von den Rechten als "Transferleistungen" bezeichnete - Grundsicherungssysteme sich nicht an einer "von oben" definierten Bedürftigkeit orientiert und damit auch bestimmte Lebensformen als Leitbilder setzt. Gerade das allerdings gefällt den Linken auch nicht. :-).

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    2. Ich kenne viel mehr Frauen als Männer, die ausreichend oder sogar viel Geld verdienen, immer aus dem schon früh entwickelten Grundimpuls heraus, niemals von einem Mann und seinem Geld abhängig zu sein. So weit so gut so nachvollziehbar. Ich selber hab keine besonders emotionale und auch keine sachliche Beziehung zum Geld, ich habe nie ausreichend verdient (das heißt verdient schon, bekommen habe ich es nicht), so daß ich naturgemäß davon profitiere, wenn andere Menschen etwas übrig haben. Dafür habe ich mehr Zeit und kann die verschenken und in ihr außerdem noch andere teilhaben lassen an dem, was ich alles ersonnen und getan habe (ich arbeite nämlich gerne, es muß nur für m i c h einen wirklichen Sinn machen). Eine Win-Win-Situation also. Zumindest in meiner Generation und in meinen Kreisen ist also durchaus ein Unterschied zwischen Männlein und Weiblein zu erkennen. (Allerdings: man gebe mir Geld, dann könnte ich den Umgang damit üben und vielleicht sogar Gefallen daran finden. Wer weiß. Im schlimmsten Fall ist das Geld am Ende weg und keiner weiß warum, aber dann haben wenigstens alle etwas gelernt.) In jedem Fall bin ich für das bedingungslose Grundeinkommen, was man allerdings dann auch zuerst hier einführen sollte, denn dazu braucht man ein gut funktionierendes System mit einer Bürokratie, die möglichst wenig Korruption zuläßt. Im Arbeitsleben wird sich dadurch ohnehin nichts Grundsätzliches ändern, es werden nur weniger Leute Existenzängste haben und vom Amt gequält werden und es werden weniger Leute von ihrer Arbeit krank werden, das ist alles und zugleich sehr, sehr viel.
      Der dicke Verbrecher hat die Sozen Sozen genannt? Ja, ich kann mich erinnern. Dann reklamiere ich das Wort zurück, denn ich brauch das dringend, um in einem Wort das sagen zu können, was ich von denen halte – ich werde doch meine wertvolle Zeit nicht damit verplempern, jedesmal einen Sermon loszulassen ;-) Für die Grünen habe ich ein noch viel schlimmeres Wort, da wäre der Dicke nie darauf gekommen.

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    3. Nun, Ihr Bekanntenkreis entspricht dann eher nicht der statistischen ermittelten Normalität, nach der auch Frauen "unserer" Generation deutlich weniger verdienen als Männer. Es ist immer wichtig, denke ich, sich klarzumachen, dass jener Ausschnitt von Welt, den jede/r von uns wahrnimmt, nur ein winziger ist. In meinem Umfeld sind die Einkommensverhältnisse (und die mit ihnen verknüpften Verhaltensweisen) sehr unterschiedlich. Ich habe darüber einmal - auch selbstironisch - geschrieben: Macht Geld doch glücklich?

      Ich selbst enthalte mich der wohlfeilen Parteien- und Politikerbeschimpfung, ob es nun Sozialdemokraten, Grüne, Linke Christdemokraten oder Freidemokraten trifft, eher. Denn obwohl ich mit vielem wenig einverstanden bin, ist ja auch unverkennbar: Ich entziehe mich der Mitwirkung und der Verantwortung, wo ich kann. Ich lasse, wie viele andere Dinge auch, "den Job" lieber andere machen. Da, denke ich, ist ein wenig Demut angebracht. Denn: Es ist leicht theoretisch allerlei Kluges oder weniger Kluges Zeug zu behaupten, was "man" machen könnte oder machen sollte, schwierig ist es, sich in die "Niederung des Alltags" zu begeben und es wirklich zu tun.(Fein raus sind da natürlich all jene, die so komplexe Theorien goutieren, dass sich deren praktische Umsetzung oder Erprobung von selbst verbietet ;-) .

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    4. Leider haben sich in den letzten Jahrzehnten viele West-(Ehe-)Frauen in ihren Nebenverdienstrollen bequem eingerichtet, und das rächt sich jetzt eben immer mehr, zum Schaden der ganzen Gesellschaft, wobei ich hier die Schuld nicht bei den Frauen sehe, das sind ja auch nur Menschen, sondern bei den gesetzmachenden Männern (beiderlei Geschlechts), Stichwort Ehegattensplitting. Da muß sich mal was ändern, aber dalli!

      Sich aus der Parteienpolitik herauszuhalten ist, denke ich, nichts Negatives, das muß man auch mal feststellen, denn schließlich sollen die Parteien ja an der politischen Willensbildung nur mitwirken und sich nicht an die Spitze setzen. (Wenn nicht so fürchterlich oft gewählt würde, um vermeintliche Volksvertreter zu wählen, würde sich die Strahlkraft der Parteien verringern und die Notwendigkeit von "Bürgerarbeit" erhöhen – ich schlage vor, nur noch alle zehn bis fünfzehn Jahre zu wählen, zum Schutz und zur Weiterentwicklung der Demokratie!) Sich indes "nur" an Diskursen zu beteiligen und diese durch Gespräche und Texte und was weiß ich mitzugestalten, ist jedenfalls nicht als ein Raushalten aus dem Politischen zu verstehen, denke ich. Allerdings werde ich mir so oder so den Spaß nicht nehmen lassen, die Sozen als Sozen zu verunglimpfen, umschwenken zu einer ernsthaften Diskussion kann man dann immer noch, wenn es denn dem Fortschritt dient.

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    5. Die meisten dieser gar so "bequemen" Ehefrauen haben Kinder und einen Haushalt versorgt, die alten Eltern gepflegt (die eigenen und oft auch die des Ehemanns). Viele haben Arbeiten übernommen, für die niemand bezahlen kann oder will. (Das Ehegatten-Splitting ist eine andere Frage; für die Abschaffung bin ich schon lange.)

      Meine Achtung haben all die Menschen, die Arbeiten f ü r und in Beziehungen zu Anderen erledigen, ob sie dafür bezahlt werden oder nicht.

      Und - um auf das eigentliche Thema des Posts zurückzukommen - ich halte diese "Dreckarbeiten", die heutzutage "Dienstleistungen am Menschen" (pffft!) genannten Arbeiten, für mindestens genauso bedeutsam und häufig für sinnstiftender als die Produktion von Kunst und Literatur. Wie die NZZ neulich schrieb: Die Armut von Künstlerinnen und Künstlern in unserer Gesellschaft ist vor allem auch ein "Wohlstandsphänomen": Hört auf zu jammern.
      Das ist ein provozierender Artikel, aber nach meiner Meinung ist viel Wahres dran. Deshalb bin ich nicht wegen der Situation von Künstler_innen für das Bedingungslose Grundeinkommen, sondern ganz unabhängig davon.


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    6. War ja abzusehen, daß Sie das Wörtchen "bequem" in den falschen Hals kriegen. Mein Fehler! Ich meinte das natürlich nur in bezug darauf, daß allzu viele Frauen ihre Arbeitskraft eben nicht der geldverheißenden Karriere widmeten, sondern mit guten Geld-Argumenten dazu gedrängt wurden, für wenig oder eben auch kein Geld in der Summe viel zu arbeiten – ausgelöst unter anderem durch das besitzstandswahrende Ehegattensplitting. (Eigentlich sollte das Heiraten verboten werden, das bringt nur allerlei Ungerechtigkeiten mit sich und ist sowieso nicht mehr zeitgemäß.)

      Was diesen Artikel in der NZZ angeht, so geht er ja wohl "gut" schweizerisch-materialistisch davon aus, daß es sich beim Kunstmachen um einen erlernbaren bzw. studierbaren Beruf handelt und daß man mit den Produkten einen Markt bedient oder zu bedienen hat – ein grundstürzender Irrtum. Aber ich habe es aufgegeben, Journalisten etwas erklären zu wollen, denn von denen gibt es nicht nur auch zu viele, sondern auch zu viele schlechte. Allerdings stimmt es natürlich, daß die meisten Künstler nicht übers Mittelmaß hinauskommen, so ging es mir auch als bildender Künstler (oberes Mittelmaß, aktiv im Berufsverband – und dann?), so daß ich die bildende Kunst weitgehend aufgab und mich meiner anderen Leidenschaft widmete, dem Schreiben nämlich, bei dem ich keine Angst haben muß, im Mittelmaß steckenzubleiben. Allerdings, und das sollte man auch bedenken, muß der Mensch sich ausprobieren, was eben auch heißt, scheitern zu können – die eigentlichen Luschen und Vollversager sind doch die, die sich nicht trauen, ihren eigenen Weg, welchen auch immer, zu gehen. Abschaffen sollte man allerdings all die Kunsthochschulen, so weit sie nicht überwiegend das Handwerkliche lehren, und wenn wir schon mal dabei sind, kann man auch die Schreibwerkstätten schreddern, denn es gibt ja auch viel zu viele Schriftsteller für zu wenig Leser. Was also tun? Am besten wäre es natürlich, der ganze Wohlstand ginge flöten und es träte eine ordentliche Katastrophe ein, denn wer hungert und friert, der wird wohl kaum auf die Idee kommen, Kunst zu machen, und wenn doch, ist er oder sie selbst schuld.

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    7. Mein Hals, wie der ganze Rest, selbstverständlich, ist niemals falsch, sondern immer richtig.
      Nicht schön vielleicht, nicht klug womöglich, aber ganz richtig.
      I c h war ein glückliches Kind und mochte Peter Pan und den Kleinen Prinzen deshalb nicht.
      Auch verschlucke ich mich selten und habe keinen empfindlichen Magen. Mein Instinkt schützt mich recht gut vor Unbekömmlichem und ich neige nicht zu Selbstverstümmelungen.
      Das musste auch noch mal gesagt werden :-).
      (Jetzt genieße ich den Wohlstandsluxus und begebe mich in meinen privaten Whirlpool. An den Beckenrand stelle ich mir ein Glas gut gekühlten Champus und lese dazu ein unterhaltsames Buch. )
      (( Frage am Rande: Auf wie viel Grad wird Champagner gekühlt?))

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    8. Innen ist so ein Hals ja zweigeteilt und hat also zwei Röhren, also bei mir jedenfalls ;-)

      Genießen Sie Ihren Wohlstandsluxus, er sei Ihnen gegönnt! Aber müßte nicht Ihr Diener wissen, wie viel Grad der Champagner zu haben hat?

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    9. Ehrlich? (Der Hals, meine ich? Und wo sitzt überhaupt die Schilddrüse? Ich werde mich heute zur Nacht eingehender damit befassen. So oder so, zwei Röhren oder keine, meiner ist richtig! Sagt mein Papa, der findet alles an mir richtig und hat immer recht!)

      Die Dienerschaft heutzutage ist halt ohne vertiefte (Aus-)Bildung. Meiner ist auch ziemlich snobistisch. Seit er gesehen hat, wie ich aus der Flasche Bier trinke und dazu singe "Wir haben die Eintracht im Endspiel gesehen, mit dem Jürgen, mit dem Jürgen", lässt er mich deutlich spüren, dass es eigentlich unter seiner Würde ist, mir die Austern zu servieren. (Der Arme! Entstammt einem alten Adelsgeschlecht, aber leider verarmt. Sein Vater wollte unbedingt Künstler sein ;-) )Vielleicht weiß er sogar, was die richtige Temperatur für den Champus wäre, verrät es aber nicht, sondern fragt blöd, um sich über meine Unwissenheit lustig zu machen. Ich glaub´, ich schmeiß ihn raus! Andererseits: Noch gibt es ja kein BG - und was soll aus ihm werden? Er kann sich immer noch nicht auf seine Nasenspitze konzentrieren und wirkt auch sonst nicht sehr sympathisch.

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  4. Schicken Sie ihn am besten auf d i e Dienerschule schlechthin, das Institut Benjamenta – ein gewisser Robert Walser hat dazu einen Erlebnisbericht unter dem Titel 'Jakob von Gunten' verfaßt, der sich auch prima im Whirlpool lesen läßt!

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    1. Das mache ich sicher mal, dieses Buch wieder lesen. Gegenwärtig bin ich jedoch gefesselt durch eine umfangreiche Biographie über Peter, den sogenannten Großen.

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