Sonntag, 15. Dezember 2013

Abschied von Noah (2012) (aus der Serie: AUTO. Logik.Lüge.Libido)

Wann das anfing, weiß ich nicht mehr genau, dass ich Noah mit diesem gehässigen Blick ansah, der nur noch die Fehler wahrnahm: wie aufgedunsen seine Wangen waren, wie großporig und unrein seine Haut, wie fahl sein Blick, wie verzögert seine Bewegungen und Gesten, wie verschliffen die Aussprache. Er war kein Alkoholiker, das nicht, aber er nahm eben die Medikamente und sie veränderten sein Aussehen und seine Persönlichkeit und dafür konnte er ja nichts, sagte ich mir immer wieder.

Noah ist einer meiner ältesten Freunde. Wir kennen uns schon seit der Grundschule. Und jetzt fürchtete ich mich davor, aus dem Bus zu steigen und über den Hof zu gehen, an der Tür zu klingeln, Noahs schlurfende Schritte im Flur zu hören und seine Umarmung über mich ergehen zu lassen. Ich hatte zu Noah gehalten, als seine Schwester über die Autobahn gelaufen und verunglückt war, als sein Vater gestorben und seine Mutter wieder aufgetaucht war, nach der Trennung von Anja und auch, als er in die Klinik eingeliefert worden war. Ich hatte sogar mal die Stromrechnung für den Hof bezahlt, heimlich.

Noahs Leben, dachte ich, als der Bus eine scharfe Kurve im Wald nahm, ist von vorne bis hinten verpfuscht. Ich schaute zum Fenster des Buses hinaus, auf die grauen, welligen Felder unter dem trüben Himmel, die sich jenseits des Waldes erstreckten. Hier draußen ist tote Hose, töter geht´s gar nicht mehr. Darüber waren wir uns immer einig gewesen, Noah und ich. Warum war er bloß hier geblieben? „Ich hatte gar keine Wahl“, sagte Noah, wenn ich das Thema anschnitt. Ganz früher hatten Noah und ich eine Menge Spaß miteinander. Wir verkleideten uns als Cowboys und ließen die Peitschen in der Dorfdisko nur so knallen, dass denen die Country-Show im Hals stecken blieb. Als wir jung waren, war Noah der Schönste im ganzen Land und alle Mädchen waren hinter ihm her. Aber keine war gut genug für ihn, bis Claudia auftauchte. „Die oder keine.“ Claudia war ein blonder Engel, siebzehn Jahr und einfach eine Wucht. „Was willst du mehr?“ Claudia war die Tochter vom neuen Hausarzt, der die Praxis von Dr. Schäfer übernommen hatte. Das schien gut zu passen: die Tochter vom Arzt und der Sohn vom Pfarrer.

So sah es aus, aber es war nicht so. In den Augen von Claudias Mutter waren Noah und seine Familie einfach asozial. Meiner Mutter und den anderen Frauen im Dorf tat der Pfarrer damals leid, der halt überfordert war mit zwei Kindern, sitzen gelassen von seiner Frau, dieser Schlampe, was sollte er denn machen? Klar, dass im Pfarrhaus nicht alles piccobello war und die Kinder vom Pfarrer in schlampigen Klamotten herumliefen, genau wie der Pfarrer selbst, dem auch immer das Hemd halb aus der Hose hing. Die Hausfrauen aus dem Dorf halfen so gut sie konnten und wollten, brachten was zu essen vorbei oder fegten und wischten mal durch die Pfarrei. Vor allem aber schnatterten sie und stellten aufdringliche Fragen. Noahs Vater jedoch, das kam eben zu dem ganzen Schlamassel noch dazu, war nicht die Sorte Mann, die es gern gehabt hätte, wenn ein Haufen besorgte Frauen um sie herumschwirrte und sie bemutterte. Noahs Vater war ein Bücherwurm und Leisetreter, der am liebsten für sich blieb und mit einer Mischung aus Angst und Abscheu auf das Interesse der Leute reagierte. Er war für die Stelle eines Landpfarrers ungefähr so geeignet wie ich als Opernsängerin. Für ihn war es die ihm vom HERRN ganz persönlich auferlegte Prüfung. Drum hielt er durch und tat, was er für seine Pflicht hielt: Sorgte so gut er konnte, was nicht viel hieß, für die beiden Kinder, mühte sich ab bei den Beerdigungen und Taufen, saß verlegen an den Holztischen in den Waschküchen und suchte nach seelsorgerischen Ratschlägen für die Erkrankten und Gekränkten.

Als wir Jugendliche waren, dachte ich, dass Noah es gar nicht so schlecht getroffen hatte. Der Pfarrer sagte bloß zu Noah und Miriam: „Kinder, übertreibt´s nicht.“ Noah konnte rauchen und kiffen und in der Scheune Claudia entjungfern, ohne dass sein Vater was davon mitbekam. Claudia und Noah waren dann das Traumpaar des Abiballs. Ich drückte mich um die Veranstaltung, weil ich es albern fand: die sonderbaren Frisuren und Abendroben. Unsere Clique zog stattdessen ins Akropolis und kippte Ouzo. Später fuhren wir in mehreren Autos und Motorrädern hoch zur Ruine, kifften und lagen zufrieden im Mondschein. Nur Noah war an dem Abend nicht dabei. Er hatte sich breitschlagen lassen von Claudia. Ich nahm es ihm nicht übel, denn zu der Zeit gab es schon Mike, wegen dem ich die Freunde aus dem Dorf immer mehr vernachlässigte.

Mit Claudia war es nach dem Abi bald vorbei. Claudia war so ehrgeizig und klug, wie sie aussah, während Noahs charmante Art Hoffnungen weckte, die er nicht einlösen wollte oder konnte. Sie begann ihr Medizinstudium in einem anderen Bundesland und so ging das auseinander. Es passte halt doch nicht, soweit behielt Claudias Mutter Recht. Noah dagegen hatte keinen Plan, was er machen wollte und dachte deshalb auf dem Sofa im Pfarrhaus nach. Miriam, seine Schwester, war drei Jahre jünger, bleich und verhärmt, als wäre sie schon eine alte Jungfer. Wurde sie aber nicht, sondern wanderte eines Nachts im Nachthemd über die 3 km entfernte Autobahn, wurde angefahren, mitgeschleift, schwerverletzt ins Krankenhaus transportiert, wo sie starb. Noahs Vater ließ es sich nicht nehmen, die Trauerrede zu halten, was ganz furchtbar war. Denn was immer Miriam getrieben hatte, ihr Vater hatte keine Ahnung davon und redet über sie wie über einen Säugling, der zu einem Engelchen geworden sei. 

Der Bus schlängelte sich weiter durch die engen Gassen der Dörfer, vorbei an den geschlossnen Hoftoren, den Fachwerkhäusern mit den winzigen Fenstern, den Dorfgemeinschaftshäusern und freiwilligen Feuerwehrwachen. Ein Kaff wie das andere: eine Hauptstraße, ein paar Seitenstraßen, mit Glück noch ein kleines Geschäft, auf der Straße tagsüber nur Rentner und Kleinkinder. Warum war Noah geblieben? Jedes von den Käffern hatte sich eine eigene Kirche gegönnt, früher einmal, aber schon zu Zeiten von Noahs Vater waren die Gemeinden zusammengelegt worden und er hatte mal hier, mal dort seinen Sonntagsgottesdienst halten müssen. Der Pfarrer wurde noch blasser und noch dünner, während der zwei Jahre nach dem Abi, in denen Noah überlegte, was er mit seinem Leben anfangen sollte. Wir sahen uns selten, denn auch ich nahm ein Studium auf und war nur noch alle paar Wochen zu Hause. Wenn wir telefonierten, erzählte Noah, dass er mit diesem oder jenem, der auch in der Gegend geblieben war, „abgehongen“ hatte. Das nervte mich damals schon: Die Art, wie er das Partizip Perfekt von „abhängen“ falsch bildete, und wie häufig er es benutzte.

Noahs Mutter war gegangen, als Noah dreizehn war und Miriam zehn. Sie hatte jahrelang kaum Kontakt zur Familie gehabt. Zur Beerdigung von Miriam habe sie kommen wollen, erzählte sie mir später bei der Trauerfeier für den Pfarrer, aber ihr Mann habe es ihr verboten. Die Dörfler sorgten dafür, dass Noah seinen Vater, anderthalb Jahre bevor er dann schließlich starb, in einem Pflegeheim unterbrachte, weil Noah unmöglich den alten Mann alleine versorgen konnte. Das Haus immerhin gehörte damals schon Noah. Sein Vater hatte es der Kirche billig abgekauft, als er in den Ruhestand ging. Noahs Mutter schaffte es in den wenigen Tagen nach dem Tod von Noahs Vater, die Leute im Dorf von ihrer Version der Ehemisere zu überzeugen. Dabei sprach sie nicht mal schlecht über den Pfarrer. Sie machte nur ein trauriges Gesicht, wenn sie ihn erwähnte, deutete an, dass er „schwierig“ gewesen war und sie noch so jung, als sie geheiratet hatten. Sie war schwanger gewesen mit Noah, grade siebzehn und der Pfarrer fast doppelt so alt. „Ich hatte nix und wusste nix und er betete mich an“, sagte sie. Und immer schloss sie mit dem Satz: „Er war ein guter Mann. Nur halt nicht richtig für mich.“ Die Leute nickten. Sie hatten den Pfarrer gekannt und keine hätte es mit ihm unter einem Dach aushalten wollen. Noahs Mutter war immer noch hübsch, wenn auch ein bisschen verlebt. Noah schmiss sie nach einer Woche aus dem Pfarrhaus raus. Das wurde ihm übel genommen.

Die Mutter hätte, glaube ich, Anspruch auf einen Teil des Hauses gehabt, denn die Schenkung an Noah lag noch nicht zehn Jahre zurück, als der Pfarrer starb und sie waren nie geschieden worden. Aber sie scheint deswegen nichts unternommen zu haben. Sie ging einfach und ließ Noah zum zweiten Mal sitzen. So erzählte er es jedenfalls später. Ich denke, er erinnerte sich selbst nicht mehr an die hässliche Szene beim Rauswurf, an die Worte, die er ihr nachgeschrien hatte, an den eleganten gelben Koffer, den er vor die Tür geworfen hatte. Sie rief mich einmal an, um sich nach Noah zu erkundigen, aber ich wollte nicht mit ihr reden, um Noah nicht zu hintergehen. 

Der studierte schließlich ein paar Semester Philosophie in Marburg, ließ den Hof immer weiter verkommen und legte sich die Story zurecht, die er von nun an jedem Therapeuten und jeder neuen Bekanntschaft erzählen würde. Denn Noah schloss das Studium nie ab. Er ging nie weg vom Hof. Er nahm nie eine Beschäftigung auf. Er schrieb ein zwei oder drei wahrscheinlich brillante Hausarbeiten. Und ein paar Gedichte, die in einer Studentenzeitschrift veröffentlicht wurden. Er lernte Anja kennen und sie zog zu ihm. Anja war anders als die Frauen, mit denen Noah vorher zusammen gewesen war. Kein Hingucker. Klein, mausgrau, schüchtern. Sie machte alles: Kaufte ein, kochte, putzte, nahm einen Job an der Uni-Klinik an, arbeitete im Schichtdienst. Einmal war ich dabei, wie sie Noah sogar das Brötchen beim Frühstück schmierte. Noah las viel, erzählte er mir am Telefon, und schrieb. Die Texte zeigte er niemandem. Er konnte sich einfach nicht zwingen, die erforderlichen Scheine an der Uni zu machen, sagte er. Es kam immer was dazwischen. Er konnte das Studium auch nicht abbrechen. Er konnte keinen Aushilfsjob behalten. Er geriet immer an Typen, die krumme Touren machten, ihn ausbeuteten, zuviel von ihm verlangten, erzählte er. Er dagegen verlange nix und von niemandem, wiederholte er stets. Anja bezahlte die Rechnungen und die Einkäufe. Ich kam nie mit ihr ins Gespräch, wenn ich zu Besuch war. Sie war still und hörte Noah zu. Denn Noah hatte es schwer. Es ging ihm nicht gut. Die Professoren fühlten sich von ihm herausgefordert und demütigten ihn deshalb, stellte er fest. Er hasste den ganzen akademischen Betrieb. Besonders in Philosophie hingen die absonderlichsten Schwachmaten ab, sagte er. Und ich glaubte es ja auch: Dass seine Eltern ihn völlig überfordert hatten. Dass sie ihn im Stich gelassen hatten. Dass seine Mutter ihn nicht gewollt hatte. Dass er seine Schwester hatte großziehen müssen, obwohl er doch selbst noch ein Kind war. Dass er immer zuviel Verantwortung getragen hatte. Dass er lernen musste „Nein“ zu sagen. Dass er sich mehr abgrenzen musste. Dass seine ganze Geschichte wie ein Mahlstein um seinen Hals hing. 

Anja wurde schwanger und Noah wollte kein Kind. Er habe, sagte er, das doch vollkommen klargestellt.  Anja ging. Oder er schmiss sie raus. Das bekam ich nicht so ganz mit. Dann fingen die Aussetzer an. Das merkte ich nicht sofort. Am Anfang klang es noch plausibel: Dass ihn Frauen an der Uni anmachten, dass er auf keiner Party rum stehen konnte, ohne dass eine ihn in ihr Bett zerren wollte. Noah sah zu der Zeit immer noch ganz gut aus, wenn auch ein wenig angegraut. Erst nach und nach kamen mir Zweifel. Als er immer verzweifelter wurde, weil er angeblich gestalkt wurde, nicht von einer, sondern von vielen, als die Stories, die er erzählte immer abstruser wurden und manche von ihnen nachweislich unmöglich geschehen sein konnten. Ich begann nachzuhaken. Das nahm er sehr übel, da war dann erstmal Funkstille zwischen uns. Ein halbes Jahr nach Anjas Abgang wies er sich selbst in die Klinik ein. Depressionen. Paranoia. Er hatte keine nahen Angehörigen mehr, niemanden, mit dem die Ärzte Klartext gesprochen hätten. Ich erfuhr nur, was Noah mir erzählte. Er bekomme das wieder in den Griff, sagte er. Die Medikamente halfen. Und die Gespräche mit den Therapeuten. Ihm werde jetzt erst richtig klar, wie sehr er sich immer unter Druck gesetzt habe. Wie viel Angst er immer gehabt habe, in den Augen seines Vaters zu versagen. Welchem Leistungsdruck er ausgesetzt gewesen sei. Wie er sich verpflichtet gefühlt habe, das Vergehen der Mutter wieder gut zu machen. Dass er sich immer nur nach anderen gerichtet habe, weil sie ihn nie geliebt habe. Dass er lernen müsse, auf sich selbst zu hören. Auch mit Anja sei es so gewesen. Er habe sich nur nach ihr gerichtet. Gar nicht mehr auf seine eigenen Wünsche, seinen eigenen Körper gehört. Bis sie ihn mit dem Kind zu sehr unter Druck gesetzt habe. Das sei dann einfach zuviel gewesen. Eine Wiederholung von dem, was er aus seinem Elternhaus schon kannte. Die Überlastung. Zuviel Verantwortung. Die Therapie helfe ihm sehr, das alles noch besser zu durchschauen.

Ich glaubte ihm. Ich wollte für ihn da sein. Es ging ihm so schlecht. Er war abgemagert, glich seinem Vater immer mehr. Er kam wieder heim, zurück in die Pfarrei. Da blieb er. Wie vorher. Er nahm auch irgendwie das Studium wieder auf. Wenigstens ein bisschen. Anja besuchte ihn manchmal. Sie hatte das Kind bekommen und einen neuen Partner gefunden. Als wir uns einmal trafen, sagte sie: „Ich bin froh, dass ich entkommen bin.“ Sie sah gut aus. Ein paar helle Strähnen im Haar, ein farbiger Schal um den Hals. Das Kind wollte Noah nicht sehen. Dem fühlte er sich nicht gewachsen. Das war ihm zuviel. Vielleicht fing er da an, mich zu ekeln. Wie er über das Kind sprach. Er durchschaute alles und alle. Wie durchsichtig seien die Leute für ihn: Sie waren alle wie sein Vater oder seine Mutter oder Anja. Er sah im Fernsehen den Film eines jungen argentinischen Filmemachers über die Zeit der Junta und rief mich mitten in der Nacht an: „Der erzählt meine Geschichte.“, sagte er. „Hundert Prozent.“ Er sah überall seine Geschichte, seine Verwandten, seine Trauer, seine Wut, seine Angst. Er freundete sich mit Leuten an, denen es genauso ging: Denen alles verdorben war und verderblich. Er tat mir trotzdem leid. Ich ließ ihn oft reden am Telefon und lieferte nur die Stichworte. Wir landeten immer bei seinen Eltern. Was sie ihm angetan hatten. Wie er sich abgrenzen musste. Er erklärte mir meine Probleme: Ich sei genau wie seine Mutter. Immer öfter drückte ich seine Anrufe auf dem Handy weg, wenn ich die Nummer erkannte. Trotzdem tat er mir leid. Noah. Noch.

Der Bus näherte sich der Ortseinfahrt. Noah hatte mich angerufen und zu seinem Geburtstag eingeladen. Das Gespräch war genauso verlaufen wie Tausende vorher. Es änderte sich nichts in Noahs Leben. Er war fett geworden und sein Haar schütter, das hatte ich schon die letzten Male bei meinen Besuchen bemerkt. Noah wurde fünfzig. Er hatte sich immer abgegrenzt und niemanden wirklich an sich herangelassen. Er hatte nie Verantwortung übernommen, weder für sich noch für jemand anderen. Er war hocken geblieben, wo sein Vater ihn hingesetzt hatte. Er hatte sein Kind nicht kennen wollen und sich nie für jemand anderen als sich selbst interessiert. Er konnte nicht anders.

Ich dachte daran, wie er mir die Tür öffnen würde, wie es müffeln würde in der herunter gekommenen Wohnung, an die anderen Gäste, die Noah eingeladen hatte, freudlos und böse wie er. Es war gemein. Er konnte ja nichts dafür. Die Krankheit. Er war wirklich nie behütet worden. Aber ich konnte ihm auch nicht mehr zuhören. Ich wollte lieber ohne Noah weiterleben. Ohne mein Mitleid mit ihm, das die Freundschaft getötet hatte. Der Bus hielt an der einzigen Bushaltestelle im Ort. Von hier aus konnte man den Pfarrhof sehen. Die Tür hing lose in der Angel. Im Hof stapelte sich der Unrat von dreißig Jahren. Da war sicher auch Müll von mir dabei. Das wusste ich. Aber ich konnte es auch nicht ändern.


Der Busfahrer drehte sich zu mir herum. Ich schüttelte den Kopf. Ich stieg nicht aus. Die Tür schloss sich, der Bus fuhr an, den Berg hinauf, ins nächste Kaff.

Kommentare:

  1. Es gibt auch in meinem Leben einen Noah, und so habe ich diese Erzählung sehr, sehr sorgfältig gelesen und mich danach besser gefühlt. Denn ich habe meinem Noah nicht mehr die Tür geöffnet – nach 40 Jahren. Aber die Aufarbeitung fällt mir leichter nach dem Lesen deines Textes. Danke dafür.Der Birkenbaer

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    1. Dank zurück.

      "Noah" - wie er hier beschrieben wird, ist ja eine fiktive Figur. Mit autobiographischen Bezügen, freilich. Spürbar. "Meinem Noah" (der/die ja ganz anders ist und heißt) habe ich die Tür noch nicht vor der Nase zugeschlagen. Aber gegen den Impuls kann ich mich nicht immer wehren. Und es tat gut, darüber, über eine solche Beziehung und ihr Scheitern zu schreiben. Es tut weh. Und es ist ein Tabu. Heutzutage, denke ich, ist es wesentlich "einfacher", über sexuelle Perversionen zu schreiben, als darüber, wie einer das Unglück, die Armut, die Krankheit abscheulich werden können, wie das ursprüngliche Mitleid die Freundschaft erstickt, weil es jede Begegnung "auf Augenhöhe" unmöglich macht, weil eine irgendwann nur noch auf Zehenspitzen geht (metaphorisch) und dem/der anderen nichts mehr zutraut. Das ist schlimm. Und irgendwie schäbig. Aber wahr. (Es tut immer noch weh und immer wieder.) Lieben Gruß J.

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