Montag, 21. April 2014

(K)EINE AUFERSTEHUNG. Totalitär. Langweilig. Idyllisch. (Fragen)

Zurück vom Familienosterwochenende im Spessart sich durch Blogs und Internet-Gazetten lesend, stelle ich fest: Es ist mit eins und noch mal so, dass ich mich für Texte, in denen ein ´Ich´ davon berichtet oder erzählt, wie es "Frauen haben" oder eben nicht "haben" kann bzw. konnte, so oder andersrum (!), einfach nicht mehr interessiere, selbst wenn sie "gut geschrieben" (Anführungsstriche notwendig) sind. Für ´ne Menge Formulierungen und Ausdrücke und (selbst-)ironisches Gebläse reicht die Aufmerksamkeitsspanne einfach nicht mehr aus. ("Sie wird eben alt.") Weitergeklickt. 

Habe ich mich früher auch so schnell und so oft gelangweilt? 

Die Manöver: Ich nehme eigentlich immer weniger zur Kenntnis, mir zur Brust oder auf, was aus dieser Ecke (oder besser: Mitte, männlich, weiß) kommt: Wo zum Beispiel Männerfussball relevant ist oder Merkels "Führungsstil" zu zögerlich scheint oder weibliche Ärsche metaphernreich begutachtet und bewertet werden. Insbesondere dann nicht, wenn´s dergestalt mit intellektuellem Anstrich vorbeikommt: Und/oder angereichert mit den  Zitaten  altbekannter und altverdächtiger raunig-rauschiger Schmerbauchschieber im romantischen Sprachmodus (waldreich, wirkungsarm, wehr-mütig, aber immer mit Kapitalismus- und Konsumkritik gewürzt). Gähn! ("Wir empfehlen dringend: Einen Liquid-Sauna-Besuch.")

Manchmal fragt sie sich, wie es kam, das mittelalte Frauen, die gutes Geld verdienen, sich unter Druck setzen lassen, weil sie nicht ausführen können oder wollen, was in Billig-Pornos dargestellt und Flatrate-Bordellen von schlecht bezahlten Prostituierten angeboten wird? Oder wie es kam, dass der Porno-Look zum Leitbild für russische Oligarchen-Gattinnen wurde?

Ich bin stattdessen vollbeschäftigt. Mit Lektüren. Denkpausen. Kunstfiguren. Schreibakten. Einem Schreckenskabinett. Millimeterpapier. Planungsalternativen. Tauchgängen. Wanderführern. Neffenbespaßung. Einem Personalbogen.  Absackern. Und... 

Ein Jagdhaus steht am Grunde. ("Wie war das mit der wilden Jagd?" "Ich denke noch oft an Wildermuth.") Lesefehler im Wanderreich: Hasch-Quelle sprudelt sanft. Im Spessart war Siegfried aber gar nicht unterwegs. Märchen statt Sagen. Heißt: Hexenhäuschen statt Burgfriede. Wie mild die Bäche plätschern. Giftig ist die schöne Verwandte des Bärlauchs, das Maiglöckchen. ("Wir sahen´s nicht. Doch sein Geruch regt die Triebe an.") Und still liegt das Tal im Sonnenglanz. Totalitäre Idyllen, soweit das Auge schaut. 

Ostern 2014, Spessart

Unterdessen, aber: Quält mich noch immer die Frage, ob Maria blieb. Blieb die Mutter stehen unter dem Kreuz, an dem der gefolterte Sohn schrie und röchelte? Hob sie den Blick? Oder konnte sie es nicht ertragen? Und floh? (Wohin? Wohin kann eine Mutter fliehen, danach?) Es ist der Karfreitag, der das Ostergeheimnis birgt, nicht der Osterhasen-Sonntag, der so füllig leuchtet. ER ließ sich nicht mehr berühren, danach. Bedenkt das und hört auf mit dem Blendwerk und den beschwichtigenden Sprüchen! Wenn kein Oper mehr nötig ist, endet mit dem Tod auch das Leben. (Ich weiß gerade selbst nicht, was ich damit sagen will. Schreibe es dennoch hin.) Auch das Wort quält mich: Opfer. Ich will es beerdigen. Aber es steht immer wieder auf. 

Kommentare:

  1. Mir gefällt besonders diese Erklärung (Rechtfertigung?), für die immer kleiner werdende Aufmerksamkeitskreise, die ich seit einiger Zeit auch an mir bemerke (ich glaube wir sind ziemlich gleich alt). Das entlastet mich, weil es sich liest, wie eine Notwendigkeit, statt sich wie ständig verringernde Neugierde anzufühlen (was ja auch nicht stimmt. und trotzdem kommt es immer mal wieder als Vorwurf von mir selbst an mich selbst hervor).
    Beim Opfer in der vorletzten Zeile fehlt übrigens ein "f". Ohne dieses f wäre der Satz irgendwie banal. Mit kann ich darüber nachdenken, was "Opfer" eigentlich bedeutet und ob das vielleicht der Sinn dieser ganzen Ostersache ist, das Opfer, den Opfergedanken immer wieder auferstehen zu lassen. Und was das mit Frauen zu tun hat.

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  2. Danke. Für das ´f´. Fidi hat es mir auch schon geschrieben, aber ich komme grad erst nach Hause, um es zu ändern.

    Ich weiß nicht, "was es mit Frauen zu tun hat." Es ist ein Wort, von dem ich wünschte, es abschaffen zu können. Aber ich fürchte: Es hat einen Sinn.

    Neugierig bin ich immer noch. Sehr. Auf der Denkumenta haben wir das schöne Wort "Neubegehren" gefunden. Es ist nur so, dass mich bestimmte Wiederholungen nicht mehr "fesseln" können. Ich brauche die Zeit jetzt für anderes. Vielleicht bin ich ungeduldiger, weil ich stärker als früher wahrnehme, dass mein Leben endlich ist. Und ich das Neue will, statt immer wieder die alten Kämpfe (?) zu reproduzieren. :-)

    LG

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