Montag, 5. Juli 2010

Aus der Haut: VIBRATIONS


ÜBERTRAGUNG. GEGENÜBERTRAGUNG. DRITTER KÖRPER 

(Klaus Theweleit)

Manche Tage sind zum „aus der Haut fahren“. Dieser zum Beispiel: die Waschmaschine, erst im Dezember gekauft, leckt.  Boden wischen, Flusensieb aufmachen, Riesensauerei,  1 und 2 Cent–Stücke, Papiertaschentuchreste. Mein Sohn hat sich in sein Zimmer verzogen: bad vibrations.  Jeder weiß, dass wir Schwingungen ausstrahlen, die sich über die Haut und alle anderen Sinnesorgane auf den anderen übertragen. Diese Übertragungen sind keine rein seelischen Vorgänge, sondern tatsächlich gebunden an unsere Körper, materialisieren sich in unseren Nervenzellen und Synapsen-Netzwerken. Es ist klug von meinem Sohn, den Schwingungen, die ich gerade aussende, auszuweichen, denn unwillkürlich rufen sie in seinem Netzwerk körper-reiz-gesteuert unangenehme Erinnerung wach: Mama´s in a bad mood.

In diesem Sinne begreift Klaus Theweleit  den Begriff des „dritten Körpers“, den er prägt, ein Medium im Raum, welches  wir mit unseren Körpern, die Schwingungen der anderen aufnehmend, erzeugen. So gelingt es uns immer dann einander zu verstehen, das heißt: etwas an den anderen zu übertragen, wenn wir diesen „medialen Raum“ bilden können, der – gleich einer Membran – zwischen uns vibriert.

Klaus Theweleit hat im Rahmen des Projektes International Flusser lectures des Vilém Flusser Archives 2007 eine kleine Schrift unter dem Titel "Übertragung. Gegenübertragung. Dritter Körper"herausgebracht, in der er Gedanken Vilém Flussers zur Veränderung unseres Denkens und unserer Gehirne durch die Medien aufgreift und weiter führt. Ich hatte vor einigen Tagen beschrieben, wie sehr ich Ende der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts beeindruckt war von der Analyse Flussers, dass wir in einer  „unvorstellbaren Situation“ stünden, nämlich vor der Ablösung des Alphabetismus´, der Menschheitsgeschichte 3000 Jahre geprägt habe, durch Digitalität. Er behauptete, dass   sich auch die Hirnstrukturen der digitalisierten Menschheit so veränderten, dass Kategorien wie Geschichte, Willensfreiheit, Geist, Seele, Verantwortung obsolet würden. An Flusser faszinierte mich als junge Frau, dass er - in diese unvorstellbare Situation gestellt - nicht zum Pessimisten wurde.

Noch in meiner Oberstufenzeit Anfang der 80er Jahre lachte der Biologie-Lehrer herzlich über Mendels Irrtum, dass auch erlernte Fähigkeiten vererbt werden könnten. Allein das Selektionsprinzip Darwins schien damals Veränderungen im Erbgut zu erklären. Wir wissen inzwischen, dass zwar Mendel sich irrte, Darwin jedoch nicht minder. Ganz offensichtlich prägt sich  – zeigt die neuere Biologie – Erfahrung in das Erbmaterial ein. Flusser stellte schon vor 20 Jahren die These auf, die Menschheit stünde im Informationszeitalter vor einem „irrwitzigen Sprung“ (Theweleit), durch den sich die Hirnstruktur der jungen Generation, die mit den elektronischen Medien aufwachse, so verändere, dass sie uns, die noch alphabetisiert Sozialisierten, nicht mehr würden verstehen können, gelinge es uns nicht, „das vorliegende Wissen ins Digitale so zu ´übersetzen´, dass es für die junge, die un-alphabetische Generation zugänglich bliebe.“

Wer mit Jugendlichen zu tun hat, macht Beobachtungen, die die Thesen Flussers stützen, ohne freilich als Beweis gelten zu können. Sie lernen „facts and figures“, haben jedoch keinen Sinn mehr für einen linearen Geschichtsverlauf: „Weil die Daten nicht haften, weil die Zeit nicht als historische Sequenz, sondern wie im Fantasy-Roman in ihnen vorliegt, oder eben wie im Computer: als Gleichzeitigkeit aller Zeiten.“ Diese Wahrnehmungsveränderung erschüttert auch die Lesekompetenz, die wesentlich an Linearität gebunden ist.

Die neuere Gehirnforschung, zeigt Theweleit in seiner kleinen Schrift, untermauere dieser Alltagserfahrung wissenschaftlich.  Er erläutert dies am Beispiel der Forschungen zur Wahrnehmung von Musik u.a. schon des Säuglings im Mutterleib. Das Gehirn, lässt sich nachweisen, beantwortet alle Arten von Erfahrungen mit angenehmen oder unangenehmen körperlichen Reaktionen. Der Körper bewahrt schon die im Mutterleib abgespeicherte musikalische Erfahrung, nicht nur durch die im Gehirn ausgeschütteten Endorphine, sondern auch durch die Stimulation der Muskulatur.  Das Gespeicherte öffne bei erneuter Übertragung die aufgerufenen Areale und produziere so: Erinnerungen, Bilder, Geschichten.

Da unser Gehirn ungeheuer plastisch ist und sich fortlaufend verändert durch unser Erleben und unsere Beziehungen, wirken wir als Übertragende stets wieder anders auf jene, mit denen wir Übertragungen herstellen. Diese Vorstellung, die an die Grundannahmen Freuds zum ´psychischen Apparat´anknüpft, ist noch in den 80er und 90er Jahren von den Hirnforschern als Voodoo verlacht worden. Neuere Hirnforschung jedoch bestätigt sie: Unsere Hirntätigkeit wird beeinflusst durch unbewusste Prozesse: „Subortex – limbische Zentren – Amygdala: für die Hirnforscher ist es inzwischen ausgemacht, dass diese die neuronalen Schauplätze aller unbewussten Vorgänge sind.“ Diese Vorgänge selbst erzeugen einen „emotionalen Aufruhr“, der körperlich ist – und sich daher auch körperlich überträgt. Aus diesem Grund kann das Medium der Übertragung auch nicht durch den Blick in den Spiegel (bzw. durch pure Selbstreflexion) hergestellt werden. Erforderlich ist „ein stark sendender Daseinzustand“ (z.B. ein Kunstwerk, eine Musik, ein Landschaftserlebnis) oder ein anderer Körper, der Wellen aussendet.

Wenn es wahr ist, dass die Jungen andere Schwingungskörper produzieren als wir Schriftfixierten, dann könnte die Musik eine Möglichkeit sein, auch mit ihnen jenen dritten Körper zu bilden, der Übertragung ermöglicht und damit Tradierung: „Die digitalisierte Raumauffassung, das verschwindende Bewusstein der Jungen von einer linearen Geschichte könnte, u.a. ersetzt werden durch eine Ausdehnung der Abspeicherung weitgefächerter Musikfelder in einem wachsenden Anteil von Übergangs-Häuten mit vielen Übertragungserfahrungen, die an die sich umstrukturierenden Synapsenverschaltungen zurücksenden, was sie einst als akustische  Wellen empfangen haben: übers Ohr, übers Hirn, über die Haut, im Herauswachsen aus sich selber. Eine neue Geschichte, nicht einfach ihr Verschwinden. Neue Ausgänge, über „dritte Körper“, aus (nicht) selbstverschuldeten Isolationen."

Ich bin aus der Haut gefahren. Die Übertragung hat (noch einmal) funktioniert. Jetzt lege ich „Good Vibrations“ auf und drehe den Regler ganz laut. Das habe ich gehört, als der Junge noch im Mutterleib war. Häutungen. Übertragungen. I´m picking up good vibrations. Oohm bop bop good vibrations. Körper schwingen. Er kommt die Treppe herunter.  




Da die Ausgabe oben vergriffen ist, hier der Hinweis, dass Teile des Textes (noch ohne ausdrückliche Bezugnahme auf Flusser in Klaus Theweleit: absolute Sigmund Freud. Songbook veröffentlicht sind.


Kommentare:

  1. Ich kenne die besprochene Schrift Theweleits nicht. Sicher ist jedoch, dass Flusser auf die Bedeutung der Spiegelneurone nicht mehr eingehen konnte. In Ihrer Auseinandersetzung mit Theweleit, liebe Melusine, finde ich leider keinen Hinweis, dass er dies nachholte.

    Spiegelneurone werden im Säuglingsalter trainiert. Durch das intensive "Spiegeln" von Emotionen im Gesichtsausdruck durch (meistens) die Mutter lernt das Kind nicht nur eigene Befindlichkeit und den Ausdruck dafür. Es lernt, Menschen zu "lesen". Je nachdem wie die Spiegelerfahrungen (hinreichend oder unvollständig negativ) ausfielen, nimmt der Mensch schließlich seine Umwelt wahr. Die Hawai'ianer hatten die Überzeugung: "Die Welt ist so, wie du sie sehen willst." Damit kamen sie dem heutigen Stand der Hirnforschung schon vor langer Zeit beachtlich nahe. Heute würden sie sagen "...sehen kannst."

    Die Erkenntnisse um die Bedeutung der Spiegelneurone werden übrigens unter anderem auch in der Physiotherapie genutzt, wenn zum Beispiel Schlaganfall-Patienten bei der Rückeroberung ihrer Alltagsmobilität unterstützt werden - durch Vorspielen von Videoaufnahmen der zu trainierenden Bewegungsabläufe.

    Welche Relevanz kann das im Zusammenhang mit dem "dritten Körper" in der digitalisierten Menschheitsepoche haben? Wenn die frühkindlichen Spiegelerfahrungen ausreichend gut gemacht wurden, bleibt die Fähigkeit zu empathischen Interaktion, so wie wir "Alten" sie kennen, grundsätzlich erhalten. Selbst wenn sich die Beziehungspflege der Jugend über Jahre hinweg ausschließlich im virtuellen Raum vollzogen hätte (tut sie aber realiter nicht - die Leute wollen immer noch hautengen Sex). Diese Ressource könnte jederzeit (re)aktiviert werden. Die "Schwingungskörper" unterscheiden sich durch nichts zwischen durchdigitalisiertem "Jung" und analogem "Alt". Es gibt lediglich vorübergehende Werteverschiebungen - ich betone: vorübergehend : )

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  2. Lieber Hans,

    wie meist ist die Psychoanalyse (in diesem Falle insbesondere: Sebastian Leikert: Die vergessene Kunst. Der Orpheus-Mythos und die Psychoanalyse der Musik, 2005) bei Theweleit die erste Referenz-„Wissenschaft“. Ob er damit freilich Flusser wirklich gerecht wird, sei dahin gestellt. Ich finde es oft interessant, wie bestimmte Gedankenfäden fortgesponnen werden, oft gerade dann, wenn der andere n i c h t umfassend im Kontext seiner eigenen Überlegungen begriffen wird. Das ist für mich der Unterschied zwischen einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Texten (wo es um die sorgfältige Aneignung geht) und einer – sagen wir mal – „essayistischen“ Haltung, die eher nach Anknüpfungspunkten sucht (worin natürlich immer die Gefahr der Willkür liegt, also eine Gradwanderung). Im Hinblick auf die Neurowissenschaften bezieht sich Theweleit vor allem auf Joachim Bauer: Das Gedächtnis des Körpers. Wie Beziehungen und Lebensstile unsere Gene steuern, Eichborn 2002. Ich kenne das Buch selbst nicht, kann also nicht sagen, ob die von Ihnen dargelegte Wirkungsweise der Spiegelneuronen hier reflektiert wird. Der von Ihnen beschriebene Prozess wird jedoch von Theweleit in ganz ähnlicher Weise für das Hören im Mutterleib und der frühesten Kindheit beschrieben (also nicht nur das Gesicht der Mutter, sondern vor allem auch ihre Stimme). Theweleit geht es im folgenden vor allem darum, welche Schwingungen zwischen uns entstehen, um das zu ermöglichen, was er Übertragung bzw. Dritten Körper nennt. Und im Anschluss an Flusser dann darum, welche Schwierigkeiten entstehen, wenn die Übertragungsformen sich radikal ändern, d.h. andere Gehirnareale aktiviert, genutzt, in Schwingung versetzt werden als in der Vorgänger-Generation: Alphabetisierung vs. Digitalisierung. Sie haben sicher recht, dass Grundkonstanten bleiben. Dennoch beobachte ich, die ich beruflich mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen arbeite (häufig aus dem sogenannten „bildungsfernen“ Milieu , was eine abscheuliche Vereinfachung ist, die ich jetzt nur verwende, weil ich sonst weit ausholen müsste) und selbst Mutter zweier Teenager bin, dass sie etwas anderes können, als wir können, aber Schwierigkeiten mit vielem haben, was uns selbstverständlich erscheint. Die bei Theweleit angesprochene Leistung, Ereignisse und Formen in eine Linearität zu überführen, ist ein Beispiel. Was der ältere Mensch als Defizit auslegt, könnte man nun aber auch gerade umgekehrt wahrnehmen: Die Jungen können vernetzt und synchron denken, was z.B. mir eher schwer fällt. Das wird augenfällig, wenn ich sehe, wie ich mit dem Mobiltelefon umgehe (bzw. ringe) und wie leicht meine Söhne damit zurecht kommen. Was ich bei Theweleit gar nicht verstehe, ist dieser sonderbare letzte Satz, in dem er – irgendwie – der Hoffnung Ausdruck verleiht, man könne über Musik wesentliche Kulturinhalte tradieren. Hoffend halte ich mich lieber an Flusser, der die Leistung der Schrift würdigend, durch kritisches Denken die Welt ausgeleuchtet zu haben, schreibt: „Dies bedeutet, dass nichts mehr übrig geblieben ist, das noch aufgeklärt werden könnte. Die Strahlen des kritischen Denkens finden nichts mehr, wogegen sie sich brechen könnten. Sie laufen ins Leere. (...) Man müsste, um weiter denken zu können, zu neuen Codes greifen.“ Darauf bin ich gespannt.

    Herzliche Grüße
    Melusine

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  3. Was habe ich eben gelernt? - Theweleit ist Ostpreuße... Haut mich das um? - Das haut mich um!

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  4. Öhm - sorry: das kam jetzt wahrscheinlich sehr flapsig rüber; ich meinte es aber ernst.

    In der letzten Zeit hatte ich bei meinem ziellosem Gesurfe (?) immer mal wieder den Eindruck, einem kleinem Haus gemachtem Paradöxchen auf der Spur zu sein, indem nämlich der "subjektive Faktor" ausgerechnet in den "strengen", "materialistisch ausgerichteten", "ernsthaften" (und was der Klischees mehr sind) Wissenschaften sehr ernst genommen zu werden scheint (Physik: der Beobachter und das Beobachtete usw.), während ausgerechnet die eh' und sowieso und überhaupt "auf das Subjektive gerichteten" Wissenschaften sich schwer damit zu tun scheinen...

    Was hat das nun mit Theweleit zu tun (und zwischendrein ist mir auch noch eingefallen, dass mir das hätte einfallen müssen: Namen mit "-leit" sind typisch ostpreußisch)?

    Nun: der subjektive Faktor... Der Mann ist Vertriebener (und ist von dem "Geschehen" frühkindlich geprägt worden), noch dazu aus Ostpreußen, dessen Teil, aus dem T. stammt, noch Jahre nach der Wende selbst für "normale" russische Staatsbürger unzugänglich war; dieses extreme "draußen Sein" unter anderen könnte ihn befähigt haben, (vom Mainstream) abweichende Standpunkte einzunehmen, Kontexte aufzusuchen, Thesen zu entwickeln usw.

    (... ich meine ja nur...)

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  5. @graphodino - Nur ganz kurz: Ich komme gerade vom See und gleich fängt das Spiel an und ich freue mich schon drauf (ja ganz naiv und wie alle anderen!)

    Diese Überlegungen zu Theweleit finde ich sehr spannend. Freue mich, wenn wir da noch einmal drauf zurückkommen könnten. -Ich schätze Theweleits Texte sehr (auch das Fußball-Buch, by the way), dennoch mit dem letzten Satz, den ich zitiere komme ich nicht klar. Was meint er hier? Ideen?

    Auf bald (nach Wind haschend :)
    Melusine

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  6. Liebe Melusine,

    darf ich es für das einemal ganz unverblümt aussprechen?
    "Essayistische" Annäherung an Texte ohne sorgfältige Aneignung der beschriebenen Sachverhalte und Zusammenhänge will mir - verzeihen Sie bitte - als geistige Ipsation erscheinen.

    Es kommt im echten Bersteigerleben tatsächlich vor, dass sich Kletterer versteigen. In vielfach höherstrebenden Gedankengebirgen mag das auch schon mal einem ausgewiesenen Variantenforscher unterlaufen. Das würde ich im Falle der Theweleit'schen Einlassungen nicht völlig ausschliessen wollen - obwohl ich seine in Rede stehende Ausarbeitung zu Flusser nicht kenne. Diese Unkenntnis bekannte ich allerdings schon.

    Der zitierte Satz: „Die digitalisierte Raumauffassung, das verschwindende Bewusstein der Jungen... stellt sich mir als eine sich in haltloser Glätte verlierende Felsverschneidung dar. Kulturtradierung vermittels Jingles? Das wäre jenseits von "sonderbar" angesiedelt, wenn darin Friktionsfreiheit eingeschlossen sein müsste.

    Die Kernfrage aber bleibt offen: was wird als übertragenswerte kulturelle Errungenschaft erkannt? Gesellschaftlicher Konsens darüber ist nach meiner Wahrnehmung bereits weitgehend verloren gegangen; in u n s e r e r "mittelalterlichen" Generation.

    Mit der nochmaligen Bitte um Nachsicht und
    umso herzlicherem Gruß
    H.

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  7. Lieber Hans!
    „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“, sagt Albert Einstein. Daher bin ich, was ein Denken anbetrifft, das frei assoziierend mit Texten anderer umgeht, völlig anderer Meinung als Sie. Ich glaube, dass viele wichtige Gedanken, Erkenntnisse, Techniken gerade so entstanden sind: aus Missverständnissen. Das heißt nicht, dass ich jeder Willkür im Umgang mit dem Material Wort reden will. Es ist eben – wie gesagt – eine Gradwanderung.

    Es ist auch schwieriger, das Denken zu lehren als das Gedachte. Womit ich bei der Frage wäre, was tradiert werden sollte. In der Tat, das ist ein Problem. Im Kern ist es für mich die Idee der Freiheit; das klingt sehr pathetisch – und zugleich allgemein, ich weiß. Wenn ich mich hier auf Kant berufe (als eine Möglichkeit), stehe ich auch schon mitten in dem oben verhandelten Umbruch. Denn die Ideen der Aufklärung sind vermittelt (und vielleicht nur vermittelbar?) durch Schrift. – Jingles werden es nicht sein, offenbar. Aber: einer meiner Söhne hört HipHop-Musik, d.h. eine spezielle Form davon, die – lasse ich mir sagen – nur in einem bestimmten Londoner Stadtteil produziert wird und sich durch vielerlei von allen anderen Formen der Hip-Hop-Musik unterscheidet (ganz blicke ich das natürlich nicht.) Dann schickt er mir per Mail den Text eines Songs und schreibt: „Die Musik magst du nicht, weiß ich. Aber lies mal den Text...“ Ich lese das und es ist erstaunlich bilderreich und reflektiert. --- Also: Ich bin zuversichtlich.

    Herzliche Grüße
    M.

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  8. Heute in der Eisenbahn gelesen: Um Lesen zu lernen müssen Kinder eine früher erworbene Fähigkeit verlernen. Objekte im Spiegel wiederzuerkennen, unter anderem auch sich selbst. Freunde des Poststrukturalismus werden sich erinnern: das Symbolische tritt an die Stelle des Imaginären, ansonsten geht die Welt unter. Aber so sehr wir uns auch bemühten, wir entkamen dem Symbolischen nicht. Es ist eben schwer, einmal Gelerntes zu verlernen.

    Herzliche Grüße, Morel

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  9. @Morel Im "Economist", stimmt´s?

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  10. Beitrag zum Thema: http://www.derwesten.de/kultur/literatur/Bildungsforscherin-warnt-Wir-verlernen-das-Lesen-id3545760.html

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