Posts mit dem Label Traumbilder werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Traumbilder werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 16. September 2019

BLOCKFARBE. GIFTGRÜNROT. Ein Traumbild. "Kennst du die Vetterliwirtschaft?"

"Wildwurf. Korsofliegen. Autoscooter." "Das ist der Volksfest-Alptraum."

"Mir träumte", sag´ ich, "ich trüge ein T-Shirt mit der Aufschrift

- Es gibt viele Götter oder keinen
auf keinen Fall gibt's einen. -

träumte ich also und ging damit über die Wasen." "Du lügst wie gedruckt. Du warst noch nie auf den Wasen." "Und das bleibt auch so. Im Traum aber", fahr ich fort, "gab das mächtig Ärger mit dem T-Shirt, denn ich hüllte mein Haar außerdem in eine Israel-Flagge." "Ach, komm. Das ist dermaßen konstruiert."

Ich kichere. Er hat ja recht. Niemals nicht verhülle ich mein Haar unter einer Flagge. Höchstens nehm´ ich eine Badekappe. (Ist das ein Knittelvers?) "Leider", provozier´ ich weiter, "traf ich auch Grönemeyer." "Geh." "Der raunte mir ins Ohr, ehrlich." "Ich sagte ihm, dass ich eine Diktatur bevorzuge, in der seine Lieder nur ganz leise gespielt werden dürfen." Jetzt musst du auch lachen, gelt? (In Wahrheit, wenn ich nicht träume, strebe ich eher eine Diktatur an, die Balkanpop verbietet, auch leisen. Hehe.)

"Außerdem", sag´ ich, "stieg ich, nachdem ich eine Runde Riesenrad gefahren war, in meinen rotglänzenden Lamborghini und brauste davon. Wie der Wind sich so in meinem Haar fing, brauste mir auch das Herz wie dem Werther auf den Wiesen bei Wetzlar." Du rollst die Augen jetzt, wegen der bemühten Alliterationen und so. Versteh´ ich ja - aber ich träume nicht so oft, kaum je kann ich mich daran erinnern und Alpträume, also Alpträume hab´ ich allerhöchstens alle 2 Jahre. Drum. Drum muss ich das jetzt erzählen. Holterdiepolter. "Sei mir gut. Es ist ja bloß..."

"Kennst Du die Vetterliwirtschaft?" "Jetzt brems dich mal ein." "Außerdem sah ich,", sprech´ ich unbeirrt weiter, "eine Krabbe, die Sex mit einem Roboter hatte." "Auf der Wasen?" "Kann sein." Immerhin wirst du jetzt zugeben, dass das ein Alptraum war. Aber hallo. Grönemeyer, Krabbe, Wasen, Werther. "Und was war mit den schönen Frauen? Und den Dirndln?" "Da waren keine Frauen, außer mir, mit meiner Flagge auf dem Kopf und dem lustigen Rundhals-T-Shirt." "Farbe?" "Rot. Natürlich Rot. Dazu trug ich meine giftgrüne Handtasche. Der Farbkontrast war gut. Auch mit der Flagge dazu. Blocking, heißt das, glaube ich, in der Modesprache." "Wer war denn da, auf der Wasen?" "Bloß bärtige Männer in Lederhosen und Jankerl mit schiitischen Turbanen." "Du bist so eine Effekthascherin." "Es war halt ein Alptraum." "Auf der Alb". "Schleich dich." 

Es ist mal wieder so weit. Wir nehmen uns das übel. Meine Träume. Und die ganzen Phobien, die sich da offenbaren. "Ich geb's ja zu, dass ich keine Menschenfreundin bin, aber ich schneide auch Katzen keine Schwänze ab, obwohl ich sie nicht leiden kann, ehrlich." "Und Hunde?" "Da waren keine Hunde." "Aber Katzen?" "Ich sag´ doch, es war ein Alptraum." Du überlegst. Und grinst. "Schön." 

Später wirst du mich nochmal darauf hinweisen, was für ein Glück ich hab´, dass ich nicht analysiert werde. Und meine Träume. Worauf das hinausläuft. Bei mir. Das will man ja auch nicht so genau wissen. 

"Ein richtiger Alptraum war's ja auch nicht, weil keine schwarze Null drin vorkam. Und keine schwarzen Vogelfrauen. Und keine braunen Hemden. So gesehen."

"Unterleibskäfer. Bleitreugewitter. Autozubehörlieferantin." "Ne."

Donnerstag, 12. Oktober 2017

PUPPENBLUT. Ein Traumbild. "Ich hasse die Tannine, echt."

"Wolkenspinner." "Lichtgewinsel." "Faselfurt."

Wahr sei, behaupten die, je nur, was verworfen sei, abgründig und versifft, traurig-tief und höchstens sarkastisch-komisch. So dass, schlussfolgern wir, unwahr und verlogen sei unser Leben, das lachhaft ist, sauber und ordentlich, jederzeit greifbar, routiniert und saturiert. (Lach nicht, Schleimbeutel!)

Ich träume mich weiter fort nie als in die nächste Schlafkuhle unter deinem Arm. (Gott, lass mich sanfter lügen!) Das wird jetzt grün und rot, komplementär, aber herbstlich, weißt du? Noch. Wie es ist, sich in so einen Laubhügel zu werfen und wälzen? Begraben darunter, versteckt, heimlich, eine tote Puppe. Wer sagte das damals noch: Puppen bluten nie. Ich wünschte, ich hätte es besser gewusst. 

Verwandte Links 
(Bitte fühlen Sie sich getrost überfordert; ich auch. Meiner Vergangenheit bleibe ich gewogen):
Glut. Unfinished Business
Angel. Everybody said she´s good in bed
Die Fabrik der Engel
Blut musste fließen
Pani Tau

Wie immer hängt alles mit allem zusammen. Weiterziehen mit Rotweingläsern. (Niemals Prosecco, sage ich dir.) Ich hasse die Tannine, echt. Was in meiner Speiseröhre brennt. Wir dachten früher gelegentlich, dass uns die Stimme weg bliebe. Manchmal wache ich aus Träumen auf, in denen ich keinen Ton herausgebracht habe. Ich kann nicht sagen, ob sich das gemütlich anfühlte oder bedrohlich. Meine Hände liegen dann immer wie tote weiße Mäuse auf schwarzem Holz. So sieht die Stille aus, in die ich mich imaginiere, wenn alles gesagt und getan ist.

Auf dich habe nicht gehört. Ich habe dich nicht gehört. Deine Grobheiten und deine Selbstgewissheiten. Ich habe den Ton abgedreht. Wie du dich selbst berauschst. Und diese Überzeugung, die du nicht mal dir selbst eingestehen kannst, dass nur Rampensäue was zu sagen haben. Männliche. Weibliche flunschen. (Ich hasse das.) Shows auf kleiner Bühne, für den jeweiligen und seine Konkurrenz. (Ohne Konkurrenz kein Geschäft.) Warum ich dich immer mal nicht leiden kann. Wieder.

"Puppengespenster." "Pupsgelichter." "Silberschleim."

So what? When she sang about Angels...Anything goes.
Es ist nur echt, wenn er eine blonde Perücke trägt.

Dienstag, 25. April 2017

LUGMERTRUG. Ein Traumbild. "Es ist immer wahr, was mir keiner glaubt."

"Mir träumte", sage ich, "von einer Frau Lugmertrug." Pause. Lange Pause. "Und?" fragst du. "Weiß nicht.", sage ich. 

-----






Sagen wir: Sie lugte. Um die Ecken. So gut wie sie log. Beispielsweise. Wie ich log. Ich lüge immer gut, wenn es nicht drauf ankommt. "Es spinnt sich was z´ammen." "Sie glaubt´s selbst.", sagt die Frau Mama. Was wahr ist. Es ist immer wahr, was mir keiner glaubt. Und nur das. Lugt um die Ecken. Er. Sie. Es. 

Was passiert, wenn eine um die Ecke lugt. Wie sich das Bild bildet, das verruckte. 90 Grad verdreht, wie der Kopf schief liegt. Der Mond auf halber Höhe. Könnte ihn auftippen lassen wie einen Ball. Und einlochen. -  Dabei scheint gar kein Mond. ("Das war doch nur ein Beispiel." "Aus dem Romantik-Fundus." "Woher sonst?")

Wir könnten ans Meer fahren. Lug. Meer. Trug. Ich ziehe einfach das "e" in die Länge. Schon sitze ich in einem weißen Spitzenkleid mit hochgeschlossenem Kragen unter einem seidigen Sonnenschirmchen auf einer Bank am Meer. Das Wetter ist zugig, aber die Luft wird silbrig, mit bläulichem Schimmer. Das Meer unterm Himmel jadebusiggrün. Wie ein Smaragd, nein, ein Opal, wenn er um meinen Hals liegt als schimmerndes Oval, gefasst in mattes Gold. Weil ich edel bin, hilfreich und gut. Ein echtes Luxusweibchen. Immer am Meer. Reich mir den Arm, geleite mich zu meiner Kutsche, hilf mir hinein. Leg die Hand an die Hosenbeine, steif! Benimm dich!

Und trug es uns dahin. Wie ein Betrug. Rattert das fort. "Jeder Betrug zeugt einen Tod in meinem Herzen." (Ja, ja, ja. Wie du die pathetischen Wendungen hasst. Aber lass mich doch. Ein wenig trudig sein. Ein bisschen 19.Jahrhundert-Madam. Warum denn nicht?) Die Leute (also die andern) denken beim Betrug immer an Geschlechter+Liebesverhältnisse, Eheversprechen, so Zeugs, weißt schon? Wir nicht. Wir nicht. Dieser Schmerz, jemanden an seinen eigenen Maßstäben scheitern zu sehen. Oder geschätzte, mindestens ("Minimum!") geachtete Mitmenschen sich selbst entblödend beobachten zu müssen. Wenn sie unterhalb ihrer Möglichkeiten bleiben. Moralisch-ästhetisch gesehen. Bei Leuten ist es egal. Leute bleiben immer unter. Wir nicht. Bei uns ist es am schlimmsten. Der Trug. 

Wie ich dich niemals sehen wollte. Mich niemals sehen wollte. 

Danach ist alles anders. 

Und möglich.

Kein guter Anfang. Kein schlechtes Ende.

Danach ist Danach.

Lugmertrug.



____________

"Sahst du auch einmal, im Traume, meine ich, Herrn Lugmertrug? Aus dem Schatten treten? Dunkel?" Pause. Lange Pause. Keine Antwort.

Dienstag, 27. September 2016

PINKFARBENE BEHAUPTUNGEN. POSTFAKTISCH. ("Von Kondomen lernen.") Ein Traumbild

"Keine Hülfe für Vera." Mir träumte, du stiegest die Leiter eines Doppeldeckerbettes hinunter. Oder hinauf? Mir träumte, da hinge eine rote Schnur. So ließe sich der Zug anhalten. Du zogst nicht. 

Mein Name ist...nicht Vera. Mit der Wahrheit nehme ichs nicht so genau. Trotzdem habe ich keine Meinung, die ich respektiere. (Man nennt diesen Einsatz von Konjunktionen kontralogisch, weißt du.) Postfaktische Traumata. Therapie ist unmöglich. Es gibt nichts Vergnüglicheres, als einen Sack pinkfarbener Behauptungen aufzuhängen und in der Sonne trocknen zu lassen. Was ist der Unterschied zwischen einer Lüge und deiner überbordenden Phantasie? Der Sack sieht Scheiße aus. Wer erfindet, muss gewissen ästhetischen Maßstäben gehorchen. (Hier nicht.)

"Ich geh aggro.", sagt sie (ich). In Wirklichkeit (immer gelogen!) hält sie die Klappe. Oder quatscht alle zu und tot. Bloß nichts aufkommen lassen. Die innere Arroganzpuppe tobt: Dummies. Dummies. Dummies. Autounfallsimulation. Crash. Bong. Spritz. Nutzlose Gehirne auf grauem Asphalt. Auch nicht schöner als Kotze. Leider wird der letzte Teil, wenn alles quetscht, platzt und blutet selten realitätsnah nachgebildet. Belegen wir einen Schminkkurs für Splatterfilmmaskenbildnerinnen? (Die Frage war ernst gemeint.)

Warum so zynisch, Madam? Ich bin grad nicht so verliebt. Mancher Mund ist einfach zu klein, um zum Küssen zu verführen. Boyscouts wirken nicht anziehend, wenn sie ihre Zelte aufschlagen und ihre Kompasse vergleichen. Ohne Eros geht bei mir eben kaum was. Sex wird dagegen maßlos überschätzt. "Virginia. Virginia."

"Keine Hülfe für Vera." Denn es geht nur noch um Gefühle. Beziehungsweise um gefühlsechte Simulationen. Von Kondomen lernen. (Ich wünschte, du nähmest mich einmal ganz fest in die Arme und ersticktest mein Gejammere an deiner Schulter.) Zieh an der Schnur. Gleise. 


Freitag, 12. August 2016

SCHLÄFRIG ("Gummipuppen für alle!") Ein Traumbild

Wenn diese Kälte unter die Decken kriecht, durch jene kleinen Falten, die der Nachweis meiner mangelhaften Vermummung sind, höre ich dich murmeln: "Und doch!" Ich weiß nicht mehr, wovon du sprichst und es ist mir auch egal. Du solltest schlafen, wenn ich wache.


Wie das dröhnt, dass die Böden wackeln. Ich lausche in die Nacht hinein, das Hämmern der Bässe, die zerkratzten Melodien, hysterische Stimmen. So fern. Ein Lachen wie eine Maschinenpistolensalve. Weiber! Unrythmisches Klatschen. Männer-Fäuste auf den Tischen! "Bitte nehmen Sie die Finger von meiner Schulter." Begeben Sie  sich auf direktem Wege zum Ausgang. Sich selbst hinaus komplimentieren. "Salon-Esprit funktioniert hier doch nicht!" Schreist du über den Lärm hinweg. Falscher Text. Falsches Jahrhundert. Ich hätte nicht mitkommen sollen. Wohin ich in Wahrheit gehöre. Hihi.

Das Geräusch eines Springbrunnens soll das Wasserlassen beschleunigen. Geschlechtsunterschiede beim Pinkeln. Ich könnte einige Themenkomplexe konstruieren. Unterhaltungsmaterial für Kneipengespräche. Jetzt lasse ich dich aber endgültig hier stehen. Ich mag Holzvertäfelungen. Fällt mir gerade ein. Nussbaum, amerikanisch. Haare sollten nicht die Farbe von Margarine haben. Nur mal so ins Unreine gedacht. Was wenn ich nicht aufhören könnte, an dich zu denken, trotzdem. 

Später liege ich wach. Ich gründe eine Hacker-Vereinigung zur Zerschlagung islamofaschistischer Internet-Accounts. Dieser Geruch nach vollgepissten Männer-Unterhosen, immer wenn Allah groß erwähnt wird. Oder ein anderer Gott. Fuck ´em all. Eher nicht. Ein Grund für den ganzen Scheiß ist ja die Unterficktheit unsympathischer Jünglinge. Gummipuppen für alle! Hehe.

"Dein Humor war auch schon mal besser." Geschenkt. Ich sehne mich jederzeit nach mehr Poesie. Maiglöckchen-Alarm. Ein Freund im Arm. Und einer an der Hand. So happy to meet you again. Verregnete Sommer wurden auch schon mal für bessere Songs verwendet. Die Laune ist besser als es scheint. "Maiskroketten." "Gibt es?" Perfekte Dinner mit der ganzen Familie.

Ich führe die Kinder an der Hand. Sie reißen sich los und rennen über den Flur. "Hier schlafen wir.", schreien sie und öffnen eine Tür. Dahinter wird es weit und weich. Ich sinke ein. Irgendwann kommst du hinterher. Bestimmt. 

 

Donnerstag, 12. Mai 2016

SEXY-NESS ("Und ich hasse es, wenn du mir unerbetene Ratschläge erteilst") Ein Traumbild

Ich träume dich nie. Nicht mehr. Was ich träume, kannst du nicht werden. Schlafräuber!

Wir zogen über die Lande. Ich hielt gewaltige Reden. Brüder, Schwestern! Wir plünderten (nicht). Wir waren so blond und heldenhaft wie später nie mehr wieder. Ach, ich wollte immer schon einmal sagen: Landsleute! Lasst uns ziehen! Verfluchte aller Lande! Wir kriechen nicht! Oder so. Eine lächerliche Geste in zerlumpten Fetzen.

Eigentlich will ich nur dich beeindrucken. Du sollst denken: Sie. Ist wie keine. Wie sie das Fäustchen ballt. Ich stelle mir mich als Film vor, den du in einem altmodischen Kino guckst. Und dann will ich doch nur ein kleines Mädchen sein, dass dir den Kopf in die Armbeuge schmiegt. Du sollst stark sein und ich will mich beugen. 

Aber sobald du die Stimme erhebst, fange ich an zu rebellieren. Sei lieber witzig. Charmant. Steh auf erwachsene Frauen. Zeig mir, dass du Esprit hast. Aber zwinkere mir niemals zu. Ich hasse das. (Und ich hasse es, wenn du mir unerbetene Ratschläge erteilst.) Lass deinen Schritt leicht federn wie Reinhold Messner mit seinen kaputteren Knien. Aber verzichte auf einen Bart. Am schönsten wäre es, wenn du dich in eine bezaubernde schwarzhaarige Frau verwandeln könntest, die einteilige Badeanzüge trägt: My Ava. Aber ich werde nicht Adam sein. Love me tender. 

Ich will deine Knochen nicht sehen. Du solltest schon etwas Fett auf den Rippen haben. (Keine Chance für Hungerleider.) Aber lass die Haare auf deinen Handrücken wachsen. Wenn der Wind sie bewegt, bin ich maximal erregt. Falls du den kleinen Finger richtig streckst. Es liegt immer nur an den Kleinigkeiten. Ich bin kein Wild. Ich bin so wild. Reiß mich! (Bleibt zärtlich!) HELLBOY. Dark Knight. Immer wieder. Der dunkle Schopf. Das widerspenstige Kinn. You are my sweetest downfall. 

Es ist alles so widerlich banal. Und so süß. Fuck off. Lean in. Surrender. Lass die Hosen runter! (Bloß nicht! Such dir einen besseren Schneider.) Ich danke, also bin ich. Dir. Immer noch. Gut.

Sonntag, 21. Februar 2016

ZU-NEIGUNG ("Was ist zwischen dir und mir?") Ein Traumbild

Bist mir Stille nicht, ein tönend Signal. Du kannst nichts dafür. Sage ich mir. Eine Bewegung, wie ein Windhauch, vergänglich. 

Diese Frage stellst du, selbstverständlich, nur im Traum, unvermittelt scheinbar: "Was ist zwischen dir und mir?" Alles. Kann ich nicht sagen. "Eine Entdeckung, vor der ich mich fürchte.", antworte ich. Deine Lippen so nah, plötzlich. Dazwischen aber liegt ein Ozean, nicht breit, sondern tief. Wir laufen über die goldenen Brücken, die ihn überspannen. Aus einer Luftperspektive sehen wir uns im Zeitraffer rennen, rennen, rennen. Herüber, hinüber. Unsere Schrittlängen gleichen sich an. Wir berühren uns nie. (Nur einmal, sekundenlang, unsere Schultern.) Unter uns das Meer, so blau.

Perspektivenwechsel: Wir stehen an unterschiedlichen Ufern. Die Brücken lösen sich auf, wie im Film. Goldene Gestalten sind wir, sich neigend, schön. Deine Hände strecken sich. Den meinen entgegen. Wie groß wir geworden sind. Niemals lang genug. Wir bleiben getrennt. Unter unseren bloßen Füßen das Gras, so grün. Ich öffne mich. Dein Lied klingt über dem Sund.

Es könnte leicht sein. Dem Untergang entgegen. "Spring", rufe ich nicht. Ich schaue dir lieber zu, von Weitem. Bin dir geneigt. Und bleib es. Nie liebte ich dich mehr, als wenn du fern warst. Taucher werden wir nicht mehr. Außer in Glocken. Bis an den Grund. Sehen wir uns durch die vergitterten Fenster. Im grünlichen Licht, flackernd. Telepathie (augen - blicklich). Und es ist gut.

Ganz unten dröhnt die Stille in den Ohren. Kann dich nicht hören. Steig auf. Du bist mir anderswo lieber als bei mir. In der Tiefe. Wo du nicht atmen kannst. 

Samstag, 21. November 2015

BILDUNTERBRECHUNG ("Denn ich bin ein anständiges Mädchen...") Ein Traumbild

Die Missachtung für diesen Willen, der kein Weg ist. Dass kein Begehren auch keine Lösung ist. Ich reiße mich zusammen, heißt es. Betone: Reißen. Ein Riss geht mitten durch. Ich sträube mich zu nähen. Du? Kannst es gar nicht.

Fangen wir an. Sagt Klassenkamerad Müller, an den ich 30 Jahre lang nicht mehr gedacht hatte. Er hat ein Froschmaul und spricht, als sei er direkt aus dem Wilden Westen hergeritten. (Ich habe Kamerad Müller noch nie auf einem Pferd gesehen.) Er fängt nicht an. Er vollführt keine Peitschen-Kunststücke. Er steht auf einer Bretterbühne wie stillgestellt. Ein Film Still ohne jeden ästhetischen Mehrwert. Er trägt grüne Socken, sonst ist das Bild schwarzweiß. Das macht doch alles keinen Sinn. Sage ich. Bewegt Kamerad Müller den Mund, wenn er spricht? Stehe ich im Zuschauerraum? Sind wir in einem Saloon? 

Bildunterbrechung

Wer sind Sie? Fragt die Dame in Gelb. Als könnte ich darauf eine Antwort geben. Wechsel des Bühnenbildes. Ich stehe in einem verwilderten Garten vor einem Seerosenteich. (Ich weiß, dass ich noch niemals hier war, aber immer hierher wollte.Die Dame, die mir den Rücken zuwendet, stochert mit einem Kescher zwischen den Algen. Ihr breitrandiger Hut bildet die Sonne nach, die nicht scheint. Der Himmel ist verhangen. Frösche quaken. Film still. Ich bin Keiner. Sage ich. Bist Du es, Vita? Bin ich ein Ding, das nur Dich will? Werde ich Dich herumreißen und küssen auf Deinen Kirschenmund? 

Bildunterbrechung

So verpeilt. Sagst Du. Ich lächele, automatisch. Mehr wage ich nicht. Halte Dir die Tür auf. Stelle mich nicht auf die Zehenspitzen. Lasse Dich laufen. (Alles wie gehabt, dabei hatte ich geglaubt, das Zauberwort gefunden zu haben, dass Dich wegfliegen lässt.) Du bist kein Schmetterling und längst gefangen. Deine Befangenheit. Bilde ich mir wahrscheinlich nur ein. Ich sähe dich gern anders als Du bist. Damit ist eigentlich alles gesagt. Schweigen wäre am ehrlichsten. Deshalb plappere ich hilflos drauflos. Film still. Film still. Flehe ich. Aber das geht immer weiter: das Geplapper, das Flimmern, Du. Meinen Gefühlen kann ich trauen. 

Ich werde mich nicht erklären. Das ist ausgemacht. Denn ich bin ein anständiges Mädchen. Und Du.


Samstag, 3. Oktober 2015

DIE KISTE ("Du willst das nicht wissen....") Ein Traumbild

Sei bitte nicht so informativ. Du. Das habe ich Dir nicht gesagt. Was ich nicht wissen möchte. Und worüber Du zu mir nicht sprechen sollst. Ich hätte große Lust Tabus zu errichten. Aber sie sind so verräterisch.

Sie zog eine Kiste hinter sich her. Das grobe Seil hatte sie über die linke Schulter gezogen, den Arm durch eine notdürftige Schlaufe gesteckt. Die Kiste ratterte über das Pflaster. Passanten schauten sich um. Ein alter Mann schimpfte aus dem Parterrefenster über den Lärm, den die Touristen machen. Sie dachte nicht an Rollenkoffer (Nur wenn sie sich zusah beim Träumen, gelegentlich. Ihrer war rot.) Sie zog. Sie wusste nicht wohin. Sie wollte zu dir. Sie sah dich nicht. Sie ahnte deine Traurigkeit, irgendwo hinter den Bergen bei den sieben Zwergen. Sie musste raus aus der Stadt. 

Sie ist kein Schneewittchen. (Das dachte sie im Traum: "Ich bin kein Schneewittchen.") Du bist kein Zwerg und kein Prinz. Du trittst auf der Stelle. Sie will zu dir. Sie zieht. Sie zieht die Kiste hinter sich her. (Wir sind jetzt im Präsens. Weil das keine abgeschlossene Geschichte wird.) Sie muss raus aus der Stadt. Sie krümmt den Rücken, sie schleift die Kiste über das Trottoir, sie keucht und zieht weiter. Sie erreicht die Stadtgrenze, sie zieht über die Feldwege, sie ist im Wald. Die Blätter leuchten rot vor dem strahlenden Himmel, so blau. Sie hebt den Kopf. Sie atmet durch. Sie weiß um dich. Du versteckst dich vor der Sonne. Sie will sich wärmen lassen, aber sie hat keine Zeit. Sie rumpelt mit ihrer Kiste dahin. Wie traurig du bist. Sie sehnt sich. Sie sehnt dich. Sie zieht. Die Kiste hält sie auf. Die Kiste bleibt am Wurzelwerk hängen, die Kiste holpert über die Steine, die Kiste hängt im Schlamm fest. Sie kann sie nicht loslassen. Du trittst auf der Stelle und kommst ihr nicht entgegen. Sie zieht. Sie lässt nicht locker. Sie bewegt sich hin. Sie kommt nicht voran. Sie zieht. 

Sie vermutet, kurz bevor sie aufwacht, dass die Kiste leer ist. Sie klappert weiter über den Schotter. 

(Du willst das nicht wissen. Ich werde dir nichts sagen. Ich werde dich nur anschauen. Und wegschauen, wenn du willst. Hab keine Angst.)

Donnerstag, 10. September 2015

TRIPPELSCHWESTER. ("Was ich behielt...") Ein Traumbild

(So ist es nicht. Dass ich nur dich nicht haben kann. Keine kann keine/n haben. Wussten wir lange schon. Sich halten, gelegentlich, mehr nicht. Ich wünschte nicht, dass ich dich nie getroffen hätte. Weißt du: Ich denke oft an ein Lächeln, das du mir nicht schenktest, sondern vergabst.)


Am Anfang suchte ich nur die Höhle. Der Plan wohnte tief in mir drin. Ihre Dunkelheit zog mich und der Weg schien mir nicht weit. Am Anfang. Bis es beschwerlich wurde. An jeder Wegbiegung ließ ich Teile meines Gepäcks zurück. So vieles, von dem ich gedacht hatte, als ich aufbrach, ich würde es brauchen: die kleine Schere mit dem Perlmuttgriff, die gelblich gewordene Mullbinde, die Muscheln von Strand in P. (Erinnerst du dich? Aber nein, da kannte ich dich noch nicht. So.), mein Schweizer Taschenmesser, die Uhr mit dem goldenen Zifferblatt, die er mir gegeben hatte, das geblümte Kopftuch, das ich in jenem Sommer getragen hatte und schließlich sogar die kleinen Steine aus V., wo ich ihn so sehr geliebt hatte. Was ich behielt, wovon ich mich nicht trennen konnte (fragst du?): ein winziges Stückchen Stoff, grüne Seide, rau und wild. Ich habe die Hand in der Tasche und reibe es immerzu zwischen Daumen und Zeigefinger. 

Viel später, nach ungezählten Nachtruhen, die keine waren, nachdem ich die Erschöpfung lieben gelernt habe und mich nur noch in winzigen Schritten vorwärts bewege, treffe ich einen (oder bilde es mir ein), der erzählt, das die Höhle geflutet sei. Ich kann nicht mehr tauchen. Ich tripple weiter. Trotzdem

(Du bist da unten. Ich habe dich immer erkannt in meinen Träumen. Aber wenn ich wieder an die Oberfläche komme, kann ich mir dein Gesicht nicht mehr vorstellen. Ich schaffe dich neu, jede Nacht, um dich am Morgen zu verlieren. Ich möchte dich nur einmal berühren, dort drunten, zwischen den Schlingpflanzen. Weißt du.)

Samstag, 27. September 2014

SCHNIPPISCH ( "Ich bin klein, mein Herz ist rein.") Ein Traumbild

(Da sagst du jetzt nix dazu. Da verbiete ich dir jetzt mal den Mund oder das Wort. Da will ich dich nicht haben. Und dabei.)

Ich bin klein. (Damit ist sonst noch nix gesagt oder getan). Trotzdem ist es gut, sich mal klein zu denken. "Nur wer sich klein denken kann, wird groß rauskommen." Hihi. Dabei bin ich in Wahrheit gar nicht zum Scherzen aufgelegt. (Täusch dich nicht!) Denn ich bin so klein, dass ich in eine Schachtel passe. So klein, wie ich wirklich bin, passe ich in eine Streichholzschachtel; in der sitze ich mit ausgestreckten Beinen aufrecht da und schaue hinaus. Das geht so, weil die Schachtel, in der ich ganz ruhig und klein und rein in meinem blauweißgestreiften Schlafanzug sitze, zu einem Drittel aufgeschoben ist, so dass ich drin sitze wie in einem Boot oder in so einem Rennwagen, wie die ganz früher einmal waren, die Zigarren genannten wurden, glaube ich, oder Silberpfeile oder wie, die so schmal und schnittig waren. Aber das ist meine Schachtel ja nun mal nicht. Ich will auch gar nicht flitzen. Ich will sitzen und klein sein. 

Oder schlüpfen. Und klein bleiben. Ich schlüpfe in die Schachtel hinein, nicht hinaus, versteht sich. Ich lasse mich in die Schachtel gleiten und mache mich dazu erstmal noch kleiner, bis ich mich schließlich ausstrecken kann, in der Schachtel. So klein bin ich nämlich. Jetzt liege ich in der Schachtel wie in einem Bettchen und der Deckel ist meine Zudecke. Am liebsten hätte ich jetzt noch ein Kissen. Meine Schachtel liegt auf einem weiß lackierten Tisch, über dem eine große runde Lampe gelb baumelt. Ich kann die Birne in ihr strahlen sehen, wie ich so liege auf meinem Rücken in meiner Schachtel ganz still. 

Dann geht das los. Dann sitzen vier gute Menschen um meinen Tisch und schauen auf meine Schachtel und sehen meinen strubbeligen dunklen Schopf und ein Stück vom Schlafanzug, denke ich, wie die so rausragen aus der zu einem Drittel aufgezogenen Schachtel. Ich kann die nicht sehen, die Menschen, denn ich liege so flach und bin so klein. "Wie sonst soll auch ein gutes Leben im gar nicht so Falschen möglich sein, wenn alles so klar und traurig ist?" Die schnippen. Die guten Menschen schnippen mit den Fingern an meine Schachtel. Hui, wie das poltert und rumpelt. Dann saust meine Schachtel über den Tisch. Hierhin und dorthin und gute Menschen schnippen sie herum. Das wirbelt mich durcheinander und lässt mich fliegen in meiner Sauseschachtel und rumpelt in meinem Bäuchlein. Da muss ich lachen. Wie Kitzeln ist das, wenn meine Schachtel über den Tisch geschnippt wird und ich so klein bin und darin herumrumpele. Ich lache und brülle und kreische. Erst ist es lustig und herrlich und ich kann nicht genug kriegen. So ein Lachen ist das am Anfang; aber es wird noch anders, wird ein Lachen, das nicht aufhören kann, das eine Qual wird, eine Folterlachen, ich lache und lache, hoho, hihi, haa, haaa, hooo, kann nicht aufhören, kann nicht mehr lachen, muss lachen, lachen, lachen. Die guten Menschen merken nichts. Schnippen. Mein Bäuchlein, mein kleines reines Bäuchlein, so durchgekullert, halte ich vor Schmerzen. 

Dann steht das still. Die Finger halten Ruh. Ich lausche. Die guten Menschen schweigen. Ich strecke mich. Der Schmerz. Sitzt links. Nicht mehr im Bauch. Ich bin klein. Ich konzentriere mich auf meinen Atem. Ich halte ein. Ich atme zum Schmerz hin. Ich bin ruhig. Es ist still. Das tut weh.

Dass ich so klein bin, ändert auch nichts.

(Halt den Mund!, sag ich.)

Samstag, 13. September 2014

TON LOS (ein Traumbild)

Du bist mir auch gar nicht zu müde, oder? Wie immer ich mich da verstehe, geht dich nichts an. Lass mich noch ein paar Plattitüden aneinander reihen, bevor es los geht.


Unter meinem Fenster quaken die Enten. Das klingt nicht idyllisch, sondern bedrohlich. Enten sind weniger hässlich, als sie sich anhören. Schwäne auch. Wer werten muss, wertet auch. Wie kommt es zu diesem zwanghaften Mechanismus, allem einen Rang zuordnen zu müssen? Als ich L. kennenlernte fiel mir das durchaus als Erstes an ihm auf. Aber ich brachte es fertig, diese Eigenart für eine Weile zu ignorieren. (Fragt sich nur, warum. In diesem Traum soll L. keine Rolle spielen, beschließt mein Unter-Ich.) 



Der Stich unter der Brust ist kein Einstich, auch wenn ich gestern noch einmal über das Attentat an Kaiserin Elisabeth las. Sie ging noch eine Weile fort. Mit vielen Verletzungen kann eine ganz schön lang herumlaufen und -schwätzen. Die Entzündlichkeit der Seele befeuert nichts. Sie stellt sich als ein verschleppter Infekt heraus, der sich von der linken Achsel her über die Seite hin ausbreitet. (Rechts ist weiterhin alles gut, behauptet sie solange es noch geht.)  



Das ergibt ja alles gar keinen Sinn. (Wir haben doch die Sinnfrage vor Jahr und Tag verabschiedet.) Ich kannte mal einen Mann, den ich in diesen Traum integrieren will. Er war wenig belesen und hielt sich nicht auf. Selbstverständlich trug er keinen Bart, schwenkte keine Fahne und glaubte an nichts. Den hätte ich lieben mögen. Aber dann hätte ich ihn nicht gekannt. Seine Stirn ist hoch, seine Auge klar, seine Aussprache feucht. Der lebt nicht mehr. Im Traum werden die Zeiten niemals verwechselt oder ausgetauscht. 



Im Traum gibt es keine Zeitlupe.



Stimmt das?


Ich weiß nicht, wie du das siehst und es ist mir auch egal. Gegenwärtig habe ich keine Kraft, dich von meiner Wut profitieren zu lassen.

Wie es wäre, in Tönen zu träumen...

Verwandte Beiträge
Ton in Ton (Wie will ein Bild gesehen sein?)
Wem die Traurigkeit lacht
Der schwarze Schwan

Samstag, 23. August 2014

WIE IM RICHTIGEN LEBEN? (Ein Traumbild)

Dann war ich also auf der Flucht. Es ist lang her, dass ich so was geträumt habe. Dafür gibt es, wie für alles, Gründe. Und keine. (Ich glaube mehr an Kontingenz als an Folgerichtigkeit. Als ich mich das letzte Mal flüchtend träumte, trug ich aus, war also beschwert und unbeweglich. Wie eben jetzt. Nichts beschleunigt die Träume mehr als das Gewicht der sogenannten Wirklichkeit...der Körper.)

Als Erstes entledigte ich mich meines Smartphones. Es genügt nicht, sagte ich mir, es abzuschalten. Auch abgeschaltet kann es jederzeit geortet werden, bildete ich mir ein, irgendwo gelesen zu haben. Doch schaffte ich es nicht, mich endgültig davon zu trennen. Ich wickelte es in ein altes T-Shirt und schloss es im Bahnhof in einem Schließfach ein. Bahnhöfe sind keine guten Aufenthaltsorte für Menschen auf der Flucht, erinnerte ich mich. Auf Bahnhöfen wird die Flüchtende geradezu erwartet. Abgepasst. Bloß nicht zu lange am Bahnhof verweilen. Auf dem Weg zum Fluss kam ich an einem Sparkassen-Automaten vorbei. Das Konto räumen, solange es noch geht. Dumm, dass ich nicht sofort daran gedacht hatte. Meine Kontakte. Wie schnell könnten sie meine Kontakte überprüfen? Sollte ich versuchen, mich nach Bremen durchzuschlagen? Ich hatte seit Jahren nicht mehr mit L. telefoniert oder gemailt. Aber L. hat einen kleinen Sohn. Der muss jetzt vier sein. Vielleicht sogar fünf. Was sollte ich L. nur erzählen? 

(Im Traum fragte ich mich nicht, warum ich nicht einmal wusste, weshalb ich verfolgte wurde. Es beunruhigte mich auch nicht. Ich hielt auch keine Ausschau nach meinen Verfolgern. Sie hatten weder Gesicht noch Körper. Keine Schatten. Nur Technologien. Aber das machte ich mir nicht klar. Ich hatte diese Fragen abgeschaltet. Beinahe bewusst.) 

Beim Saturn kann man Burner kaufen. Jemand hatte erst kürzlich davon gesprochen. Da wusste ich noch nicht einmal was Burner sind. Wenn ich mir beim Saturn einen Burner holte, hatte ich ein paar Anrufe. Am Ende kannst du dich in so einer Situation doch nur an die wenden, die dir am Nächsten stehen. Außer deiner Familie. Die Familie musste ich heraushalten, wusste ich. Die wurde jetzt sowieso überwacht. Ein Treffen mit T. am Hafen. Von T. aus weiter zu J. Mein Kontakt zu J. war lose, aber ich vertraute ihm. Vor allem, weil T. ihm traute. J. setzte mich an einem Provinzbahnhof 30 km entfernt ab und in einen Zug nach F. Dort kannte ich D., die sicher nicht mit mir rechnete, aber weiterhelfen würde. Ich war noch nie bei D. gewesen, die aber sofort ihre Ferienwohnung auf Rügen anbot. Als Zwischenstation. So lange wie nötig. Ich schlief in den Zügen. Regionalbahnen sind besser als ICEs. Alte Agentenregel, bildete ich mir beinahe belustig ein. Die Hand in der Hosentasche um den Schlüssel gekrampft, den F. mir gegeben hatte. Diese Erleichterung und Erschöpfung schließlich, nachdem ich den Kühlschrank der Ferienwohnung in S. gefüllt und die Tagesthemen eingeschaltet hatte. Eine Verschnaufpause. 

Es gibt kein Zurück mehr. Nur kurze Episoden des Verweilens. 

(Wie im richtigen Leben?)

Fluchtträume enden immer abrupt. Eigentlich weiß ich die ganze Zeit, dass ich nicht auf der Flucht bin. Es ist ein Test, denke ich. Mein Gehirn testet, wen es gibt und welche Orte ihm einfallen. Wohin ich könnte mit wem und wann, wenn...Eigenartig bloß, dass du noch nie in einem meiner Fluchtträume vorkamst. 

Sonntag, 20. Juli 2014

AUFSTAND GEGEN DIE WILDNIS (Ein Traumbild)

Ob wir uns darin unterscheiden oder gleichen, ahne ich nicht einmal. Der Garten taugt mir wie kaum etwas zur Metapher. Damit bin ich weder allein noch originell: Hortus conclusus. Doch kann ich das Geständnis an dieser Stelle nicht vermeiden, dass ich nicht gärtnere. Nie.

***

Ich erwachte unter einem Baum. Noch im Erwachen erinnerte ich, wie selbst im Traum das sanfte Schaukeln der Blätter im Licht im Sekundentakt den Charakter der Szenerie verändert hatte. Nicht grausam indes oder beängstigend, sondern sanft, weich, als Zeichen für den gleitenden Wechsel, das sanfte Hineinwachsen in ein Anderes, das ich ersehnte.

Im Traum hatte ich deine Berührung gefürchtet. Ich wusste, wie leicht die kaum sichtbaren goldenen Haare auf meinen Schenkeln, der zarte Flaum unter meinen Achseln oder gar die zärtliche Wölbung meines linken, fest verwachsenen kleinen Ohrläppchens deine Aufmerksamkeit, dein Begehren erregen konnten. Deine Hand, die nach meinem Fußgelenk greifen könnte, nicht fesselnd zwar, noch nicht, aber in Besitz nehmend - wie hätte ich mich dagegen wehren können? Ich wollte mich nicht sehen lassen vor dir, deshalb. So schmiegte ich mich tiefer in die Kuhle des Feldes und bedeckte mich mit Erdkrumen. 

Ich war nicht nackt, selbstverständlich nicht, sondern in meinem schwarzen Badeanzug aus dem See gestiegen, hatte im Gegenlicht gestanden, das Wasser abschüttelnd, glitzernde Tropfen fielen zurück wie ein ganz kurzer Sommerschauer. Meine Sohlen wurden dunkelbraun von den wenigen Schritten, die ich hinaustrat aus dem Schatten, der den Waldsee umgab, ins freie Feld. Der hiesige Boden ist karg und sandig, nicht zu vergleichen mit der öligen Erde meiner Heimat. 

Woraus schloss ich, dass du nach mir suchtest, an diesem Morgen? Ich hörte das Laub unter deinen Füßen rascheln, lange bevor du dich hinter den Büschen verbargst. Du willst mir nur zuschauen, weiß ich, mich nicht überfallen. Dennoch musste ich ein Zeichen setzen, das du verstehst. Wie ich mich der Erde anvertraue, dass wird dich lehren, deine Hände von mir zu lassen.

Der Apfelbaum, unter dem ich erwachte, nachdem ich mich zur fruchtbaren Scholle geträumt hatte, bildet den Mittelpunkt eines prächtigen Bauerngartens. Hoch reckt sich der Rittersporn am Zaun, Blaukissen rahmen die Schotterwege, Löwenmäulchen recken ihre Häupter, Ringelblumen locken die Bienen an und rechts von mir blüht der Lavendel. Ich sitze auf meiner Bank und strecke die Hand nach ihm aus, um den Geruch aufzunehmen, mit dem ich mir durchs Gesicht fahren werde. Links sind in Reih und Glied die Möhren, der Kohl und die Bohnen angebaut. Gerade aus sehe  ich zum Gartentor, das rosafarben und üppig die Kletterrosen umranken. Dahinter: das Nichts.

***

Als ich jünger war, dachte ich immer, ich könnte morgen anfangen: zu pflanzen, Klavier zu spielen oder zu tanzen. Heute habe ich Mühe, die wilden Brombeeren zurückzuschneiden. Ich wollte säen, aber ich schaffe es nur noch zu stutzen, bevor ich überwuchert werde. Ich gärtnere nie. Aber ich genieße die Früchte der anderen. Und sehne mich mehr und mehr nach der Frau mit dem grünen Daumen. 


Verwandte Beiträge







Sonntag, 6. Juli 2014

VON OBEN HERAB. Unter-Gründig. (Ein Traumbild)

***

(Nachtrag zur Allegorie der Geschmacksbildung (wöchentliche Ästhetik):)


"Ich möchte nicht", sagte sie, "selbst denken. Ich denke vielmehr daran, endlich einmal gedacht zu werden." Damit wiederum hatte die sich stets verschuldende Unmüdigkeit nicht gerechnet und wandte sich - tief enttäuscht - ab. "Diese Protagonistin", notierte sie in ihr Notebook, "lassen wir an Schwindsucht sterben."


***

Natürlich ist mir bewusst, dass ich das nur geträumt habe: Wie ich so lebe, indem ich auf dem Theater sitze. (Du musst genau zuhören: Ich sage nicht, dass ich im Theater lebe. Auch nicht, eben so wenig, dass ich auf der Bühne lebe.) Tatsächlich sitze ich lebend auf dem First des Theaterdaches. Ganz schön weit oben ist das, zum Schwindeligwerden. Das wird´s mir auch. So verbringe ich denn mein Leben herabschauend, nicht auf die Straße allerdings, so wenig wie in den schmalen Hof hinein, wo der Wäschewagen geparkt ist, immer. Ich schaue hinab durch das Oberlicht, das offen steht, auf die lichtgeflutete Bühne.

Ich, das will ich damit sagen, wie du sicher bereits verstehst, ich also: Spiele nicht mit. Stehe nicht auf der Bühne, inszeniere nicht (mich), nehme keine Haltung ein, gehe nicht ab, sondern halte mich fest, krampfhaft. Ich darf nicht nach links schauen, hinunter auf die Passanten und Automobile, die sich bewegen, nicht nach rechts hinab, wo der Wäschewagen ewig wartet. Starr halte ich mich an die eine Perspektive: die Bühne des Lebens von oben herab. So sehe ich zu und spiele nicht mit, was nur gespielt wird, aber bewege mich auch nicht fort, wo sich bewegt wird und räume nicht auf und weg, was sich gewaschen hat. Ich lebe und schaue dem Spiel zu, das ich nicht spiele.

(Was für ein elendiges Esoterik-Metaphern-Gewäsch. Dabei ist abendländisch-philosophisches Geraune doch im Dutzend noch billiger zu haben. Sogar auf Französisch und mit Schnauzbart. Prouussst.)

Ja, nu: Ich gebe zu. Räume ein. Gestehe. Da oben sitzest freilich du. Nicht ich. Lebendig. Fest. Du. Ich. Bin unten. Liege auf der Bühne flach. Atme. Gleichmäßig. Lasse mich anschauen. Von oben. Von der Seite. Von unten (aus dem Publikumsraum). Und du. Da oben. Schaust. Halt dich bloß fest. Wenn du stürzt, atme ich einfach weiter. 

***

"Träume sind Schäume." 
"Was relevant ist. Von oben und unten. Seitwärts." 
"Wollen wir uns fallen lassen?" 
"Wer unterwandern will, muss an der Oberfläche bleiben."

"Schade, ich hatte mich schon so auf die Tauchgänge mit dir gefreut."

Donnerstag, 20. März 2014

"You are my sweetest downfall". Weniger Liebe und Süden und so...(Ein Traum)

Fieberträume sind taub. Deshalb habe ich nachträglich soviel Musik eingebaut. Weniger Farben halt. Grün. Grün. Grün. Und du? Schweigst dich aus.

Später erzählte ich von meiner Sehnsucht nach dem Norden. Das war kaum zu glauben. Denn jede will doch gen Süden. Der ewige Traum von Sonne, Sand und Meer. "Nur du nicht." Das klang höhnisch. Mein Grün, das der Süden nicht kennt, wie soll ich dir davon erzählen? "The green, green grass of home." Ich bin von Kälte getauft. Ich bade auch bei 13 Grad. "Angeberin." Wie konnte diese kleine Bemerkung so viel Schärfe und Ablehnung in unser Gespräch bringen? War es von da an, dass wir einander nicht mehr verstanden? 

Ich habe trotzdem immer von dir geträumt. Eisige Märsche im Dämmerlicht. Du gehst immer in die falsche Richtung. Ich möchte dich mit Frühlingsblumen schmücken und dir durchs Haar fahren mit meinen Händen. Kitsch as Kitsch can. Du gingst den anderen Weg. Gen Süden. Immer gen Süden. Hast dich verbrennen lassen. Ich bleibe kalt. Du vertrocknest. Ich staune und warte. "So stellst du dir das also vor." Wie idyllisch unter dem kühlen Blau. "Liebe unter kaltem Himmel." "Mit Liebe hat das auch nichts zu tun." 

Beziehungslos. "Totally meaningless." Dieser Traum ist voller Zitate und ganz ohne Sinn. Reich mir mal deine Hand. Vielleicht wächst aus deinem faltigen Teller doch noch ein Baum. "Es grünt so grün, wenn..." Schon wieder hast du den Süden ins Spiel gebracht. Länder, wo Zitronen blühen. Ich habe einen Fjord gesehen und meinen Arm in eiskalte, klare Gewässer getaucht. Bunte Hütten vor Felsenwänden, statt dein ewiges Terracotta. Ich mag auch diese südländische Überschwänglichkeit nicht, diese Familiensippen und das dauernde Durcheinandergeschwätz. Ich will schweigsame, satte Menschen, die sich genug sind. 

So kommen wir nicht zusammen. "Und das ist auch gut so!"





"I loved you first." Es ist wichtig, das mal festzuhalten. Wer zuerst DA war. Du oder ich. Und mit Liebe hat das jetzt auch nichts mehr zu tun. So oder so. Meldest du dich?

Mittwoch, 19. Februar 2014

WEGSCHEIDE ("Willst du etwas mitnehmen?") (ein Traum)

(Du siehst so schadenfroh aus, als ich dir von diesem Traum erzähle. Das stimmt mich verdrießlich. "Bedeutungsschwanger.", sagst du und grinst mich an. Ich schüttele mich vor Selbstekel.)

Wir kommen an die Kreuzung und da sage ich es dir: "Hier trennen sich unsere Wege." Du schaust auf. Das ist dein Spiel. Längst ahnst du, wohin wir gehen. Ich setze meinen Rucksack für einen Moment ab. Mit dem Stock weise ich dich ein: "Da hinunter gehst du. Und...", ich wirbele herum, "für mich geht es dort hinein." Entgegengesetzte Wege zeige ich dir. "Willst du etwas mitnehmen?" Keine Antwort. "Meinetwegen.", sage ich, als hättest du gesprochen. Ich tippe mit dem Stock auf die Steine, einen nach dem anderen. "Du kannst nehmen, welchen du willst." Als wüsste ich nicht, dass du keine Wahl hast, dass du den schwersten nehmen musst. Du schaust mich an. Dann ist es eben so, scheint dein Blick zu sagen. Vielleicht lasse ich mir deshalb noch Zeit, weil ich wider alle Erfahrung gehofft hatte, eine Frage zu hören. Nicht einmal: "Warum?" So viel würde ich nicht von dir verlangen. Doch deine Verachtung ist größer als meine Wut, selbstverständlich. Ich reiße mich zusammen. "Nimm, welchen du willst und geh.", sage ich und setze meinen Rucksack wieder auf. Du bückst dich mühsam und hebst, wie ich es erwartet habe, den dicksten und eckigsten Basaltklumpen auf. Wie sich die Kanten in deinen Rücken bohren werden! Doch selbst darüber kann ich mich nicht freuen. Du stemmst dich schnaufend hoch. Ich wende mich ab. Das Laub raschelt unter deinen langsamen, zögerlichen Schritten, die sich entfernen. Hoffst nun etwa du, dass ich dich noch einmal zurückrufe? Ich warte ab, bis ich dein Schnauben und Stampfen nur noch ganz leise höre. Dann erst drehe ich mich herum. Dein Rücken ist krumm, so arg drückt dich die Last hinunter. Von Weitem sieht es aus, als ob du schleichst, fast sogar als bliebest du stehen, als sänkest du zu Boden. Schließlich raffe mich auf und gehe strammen Schrittes in die andere Richtung. 

(Zweifellos bin ich dir hiermit auf den Leim gegangen. Aber glaub bloß nicht, ich käme da nicht wieder heraus. Jeden Sinn, den du stiften kannst, wende ich mirnichtsdirnichts in eine gefeierte Bedeutungslosigkeit. Wart nur!)

Freitag, 17. Januar 2014

TRAUM IN PINK ("Aber verliebt bin ich jetzt nicht.") (Ein Traum)

„So kannst nur du deine Brust an meinem Jackett reiben.“ „Sex ist dagegen vollkommen bedeutungslos.“ Jede weiß, dass du ein Hingucker bist und Müll schwätzt. Na und? Schwerelos setze ich mich über deine Seichtigkeit hinweg. Diesmal schaffe ich es, dich ganz offensichtlich zu übersehen. Da kannst du so elegant rum stehen und dein Glas schwenken wie du willst. Wenn du in meinem Augenwinkel auftauchst, drehe ich ab. Dein Anzug sitzt traumhaft auf den Hüften. „Du bist so heiß wie ein Vulkan“, singt dein Chor und wirft sich dir zu Füßen. (Noch im Schlaf weiß ich, dass ich meine Rache nur träume.) Es gibt keine Gerechtigkeit. Außerdem hast du ein Grübchen im Kinn wie Cary Grant. Ich bediene mich an der Bar.

Das Setting ist falsch. So habe ich dich nie getroffen. In einer gotischen Sakristei, geschmückt wie ein Weihnachtsbaum mit silbern glitzernden Kugeln, schleuderst du deine Perlen unters Volk. Du predigst deine Blasphemien von einer hölzernen Kanzel, um deren Brüstung pinkfarbene Schleifen geschlungen sind. Dieses Schnitzwerk macht mich unglaublich an. „Ihr müsst an die Kraft des Leides glauben, die Geilheit des Opfers, den Sinn des Blutrausches.“ (Ich glaube, nicht einmal du würdest so viel Unsinn an einem einzigen Abend reden.) Ich denke an einen Wellengang, während ich mich gegen den Strom durch die Menge kämpfe, die dir entgegen strebt. Wie soll ich dich denn auf deiner Kanzel ignorieren? Ich hänge mich vertrauensvoll an einen Bärtigen, der mich auffängt. Auf deine Eifersucht spekuliere ich immer schon vergebens. „Heiß oder schön? Das ist hier die Frage.“ Jetzt wird auch noch gebetet. Sie knien vor dir nieder. Ich glaube, ich muss mich übergeben.

Dieser kleine Traum, den ich mir gegönnt habe, um dich auszutreiben,  wandelt sich trotz meiner Bemühungen, eine Sintflut zu entfesseln, zu einem Alptraum. Ich habe nicht genügend Tränen, um dich und dein Volk zu ertränken. Und: Nicht einmal in meinen Träumen solltest du so schön sein. Dein Stage Diving jetzt ist wirklich lächerlich. Der Bärtige geht in der Menge unter. Ich schaue an mir herunter und stehe auf pinkfarbenen Schuhen und schwinge meinen Petticoat. Die Musik bricht ab und wir sind allein. „Aber verliebt bin ich jetzt nicht.“


(Die Bilder sind zu lebhaft und das Licht zu grell. Nicht einmal die Gotik kann das meinen Träumen austreiben. Ich arbeite dran.)

Samstag, 4. Januar 2014

LEICHENBITTER (Stimm-los) (Ein Traum)

(Stimmen. Ich höre sie im Erwachen. Nur von einer kann ich dir erzählen. Will ich. Muss ich. Dass ich sie auswählte und keine andere, sagt das mehr über dich als über mich?)

"Der die Sterblichkeit bekämpft, hat den Tod verdient.", sagte der. Sagte der so dahin. So hart und beiläufig. Sagte der. Wer? Ich sagte das nicht. Nur damit das mal klar ist. Ich war´s nicht. Ich spreche vom Tod nicht als Verdienst. Der sagte das aus dem Dunkeln. Damit ich den nicht erkenne, denke ich. Sagte der das so. Und weiter: "Es gibt keine andere Einsicht als die in die eigene Vergänglichkeit." Nun gut. Ich bin einverstanden. Soweit. Da nicke ich dazu. Ganz wie gewünscht. (Wer wünscht?) 

Ich finde, Träume sollten keine reinen Wortspiele sein. "Träume sind Schäume." Und so. Weiter. Ich möchte nur in Bildern träumen. Kennst du mein Blau? Es ist anders als alle anderen Blau. Das Blau meiner Tassen. Mein blaues Band. Deine blaue Hand. (Das ist ein Fehler. Nur die Fingernägel waren blau angelaufen. Blauviolett.) Jedes Blau ist anders. Ich könnte 200 Worte für Blau erfinden. Sagte ich. Worte. Kein Wort ist blau. (Du. Das habe ich dir gesagt. Du sollst nicht immer alles festhalten wollen.)

Da hast du auf den Auslöser der Kamera geklickt. Ein altmodisches Modell. "Lass mich sehen." Analog. Keine Sofortschau. Später. Die Zeit zwischen dem Knipsen des Fotos und seiner Entwicklung. Vergeht nicht. So viel Geduld kann ich nicht (mehr) aufbringen. Da habe ich mich verabschiedet. Von dir. Vorher auch schon. Du sprichst mir zuviel vom Tod. Und der Langeweile. Weil du leidest. Schön. "Alle Schönheit tut weh." Das sind so Sätze. Von dir. Die mir den Abschied aufzwingen. Den langen.

So ein Traum sollte eine Story haben. Und nachzuerzählen sein. In Bildern. "Sagt wer?" "Totally meaningless." (Jetzt auch noch auf Englisch! In deinen Träumen wird immer Englisch gesprochen. Ich weiß.) Was nicht ist, kann ich nicht liefern. Ich bin an die Fakten gebunden. "Lächerlich." Niemand erfindet mehr Fakten als ich. ("Eigenlob stinkt."). Fuck. Fuck. Fuck.

(Diese Traumdinger werden immer konfuser. Etwas spricht mir zu und sich durch mich aus, will ich behaupten. Klassiker. Aber so ist es ja nicht. Ich mache dir was vor. Und mir. Wozu?)


Samstag, 14. Dezember 2013

BAMBULA. TABULA RASA. BANDITEN. (ein Traum)

(Ich habe von dir geträumt, weißt du. Das passt dir sicher so wenig wie mir. Es gibt feinere Alpträume.)

Er sitzt am Tisch und schreibt. Immer schreibt er. "Du musst alles aufschreiben, was ich dir vorsag´." Sie ist umgezogen und wohnt jetzt in seinem Kopf. Manchmal tanzt sie, aber nie auf seiner Nase herum. "Lass die Kalauer weg, sag ich dir." Er traut sich nicht, ihr zu widersprechen. Er ist ganz brav oder tut wenigstens so. Das macht sie nur noch wütender. Sie steigt auf einen Stuhl und ruft: "Bambula. Tabula rasa. Banditen." Da muss er doch nochmal lachen. Er könnte auch aufstehen und weg gehen, aber dann wäre er ja kein Autor mehr. Er schreibt. Er bleibt sitzen und schreibt. (Er ist immer schon sitzen geblieben.) Sie hüpft auf dem Stuhl herum und schreit: "Wer nicht hüpft, ist Sozialdemokrat." Er bleibt sitzen. Das verfängt schon lang nicht mehr bei ihm. Er macht bei nix mit und sich über alles lustig. Er schreibt auf: "Meine Haushälterin hat den Kühlschrank abgetaut und die Küche unter Wasser gesetzt. Ein Mann im Haus ersetzt keinen Putzlappen." 

Sie ist ein Loch in seinem Kopf und er ist ein Loch in der Vorsehung. Jedes Loch muss einmal gefüllt werden, sogar ein schwarzes. "Schreib das auf: Ein Mann, ein Loch." Wenn er sich auf den Stuhl stellte, könnte er hüpfen und rufen: "Ich bin eine Emanze." Er bleibt sitzen. Es sitzt sich gut, wenn man schreibt. Man schreibt alles auf, was so passiert, vor allem, wenn gar nix passiert. Das ist das Geniale: Alles Kopfgeburten. Ohne Schleim und Blasen und das Gefühl. "Ich mach dir jetzt einen heftigen Schmerz, damit du was spürst." Sie hämmert mit einem Presslufthammer direkt in seine Synapsen. "Rawumm. Bambula. Tabula rasa. Banditen." So viel Spaß hatten sie lang schon nicht mehr. Die schöne Literatur wird aus dem Leid geboren. Wer in der Vorstadt auf dem Stuhl hockt, braucht eine grausame Kopfbewohnerin. Da hat er aber wirklich Glück gehabt. "Die Haushälterin rückt sich die Schürze zurecht, als sie endlich vom trocken gewischten Boden hochkommt. So eine Sauerei." Bevor sie geht, könnte sie ihm aber noch ein kühles Bier bringen. Er schreibt. Es kommt kein Bier. Der Kühlschrank ist abgetaut. Der Stecker rausgezogen. "Vielleicht zieh ich um." Da kriegt er es mit der Angst zu tun. Er geht auf die Knie. "Bitte bleib." "Ich überleg´s mir nochmal.", sagt die kleine Frau in seinem Kopf und setzt sich. Sie schreibt. Sie schreibt alles auf.

("Ich mag´s nicht", sagst du, "wenn du so zynisch wirst." "Ich?", frage ich. "Ich bin nie zynisch." "Die Sache mit der Haushälterin..." "Das kann ich ändern." "Lass nur." Zwischen uns ist auch nix mehr, wie es mal war.)