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Dienstag, 25. April 2017

LUGMERTRUG. Ein Traumbild. "Es ist immer wahr, was mir keiner glaubt."

"Mir träumte", sage ich, "von einer Frau Lugmertrug." Pause. Lange Pause. "Und?" fragst du. "Weiß nicht.", sage ich. 

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Sagen wir: Sie lugte. Um die Ecken. So gut wie sie log. Beispielsweise. Wie ich log. Ich lüge immer gut, wenn es nicht drauf ankommt. "Es spinnt sich was z´ammen." "Sie glaubt´s selbst.", sagt die Frau Mama. Was wahr ist. Es ist immer wahr, was mir keiner glaubt. Und nur das. Lugt um die Ecken. Er. Sie. Es. 

Was passiert, wenn eine um die Ecke lugt. Wie sich das Bild bildet, das verruckte. 90 Grad verdreht, wie der Kopf schief liegt. Der Mond auf halber Höhe. Könnte ihn auftippen lassen wie einen Ball. Und einlochen. -  Dabei scheint gar kein Mond. ("Das war doch nur ein Beispiel." "Aus dem Romantik-Fundus." "Woher sonst?")

Wir könnten ans Meer fahren. Lug. Meer. Trug. Ich ziehe einfach das "e" in die Länge. Schon sitze ich in einem weißen Spitzenkleid mit hochgeschlossenem Kragen unter einem seidigen Sonnenschirmchen auf einer Bank am Meer. Das Wetter ist zugig, aber die Luft wird silbrig, mit bläulichem Schimmer. Das Meer unterm Himmel jadebusiggrün. Wie ein Smaragd, nein, ein Opal, wenn er um meinen Hals liegt als schimmerndes Oval, gefasst in mattes Gold. Weil ich edel bin, hilfreich und gut. Ein echtes Luxusweibchen. Immer am Meer. Reich mir den Arm, geleite mich zu meiner Kutsche, hilf mir hinein. Leg die Hand an die Hosenbeine, steif! Benimm dich!

Und trug es uns dahin. Wie ein Betrug. Rattert das fort. "Jeder Betrug zeugt einen Tod in meinem Herzen." (Ja, ja, ja. Wie du die pathetischen Wendungen hasst. Aber lass mich doch. Ein wenig trudig sein. Ein bisschen 19.Jahrhundert-Madam. Warum denn nicht?) Die Leute (also die andern) denken beim Betrug immer an Geschlechter+Liebesverhältnisse, Eheversprechen, so Zeugs, weißt schon? Wir nicht. Wir nicht. Dieser Schmerz, jemanden an seinen eigenen Maßstäben scheitern zu sehen. Oder geschätzte, mindestens ("Minimum!") geachtete Mitmenschen sich selbst entblödend beobachten zu müssen. Wenn sie unterhalb ihrer Möglichkeiten bleiben. Moralisch-ästhetisch gesehen. Bei Leuten ist es egal. Leute bleiben immer unter. Wir nicht. Bei uns ist es am schlimmsten. Der Trug. 

Wie ich dich niemals sehen wollte. Mich niemals sehen wollte. 

Danach ist alles anders. 

Und möglich.

Kein guter Anfang. Kein schlechtes Ende.

Danach ist Danach.

Lugmertrug.



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"Sahst du auch einmal, im Traume, meine ich, Herrn Lugmertrug? Aus dem Schatten treten? Dunkel?" Pause. Lange Pause. Keine Antwort.

Sonntag, 5. März 2017

NICHT DIREKT GEMEINT. ("Jetzt kann plötzlich alles passieren.") Ein Traumbild. und WORT-SCHATZ (21): PLÖTZLICH



Du magst es direkt, sagst du. Obwohl direkt ein hässliches Wort ist. Ich widerspreche dir leise. Denn so habe ich dich nie erlebt. Direkt.


Die Grimms kannten dieses Wort noch nicht. "Das halte ich für keinen Zufall." Ohne Umschweife. Verzicht auf Vermittlung: Mittellos. Es ist ein Wort für die Fastenzeit. Für die Fastenden. Für jene Distinguierten, häufig aus dem protestantischen Milieu, die sich auch dieses letzte Distinktionsmerkmal nicht versagen wollen in ihrer ostentativ zur Schau gestellten Demut der Reichen: Sehet her, wie ich mir´s versage! (Auto, Süßigkeiten, Social Media, Alkohol, Fleisch, Billigklamotten - "Nicht, dass ich sonst zu Primark gehe, außer..." - etc. ppp.) Direkte Umsetzbarkeit von gar nicht guten, nutzlosen (Un-)Taten. Man gönnt sich ja sonst nichts. Direkt. ("Nur indirekt, sozusagen.")

Ich träume von diesen Leuten, sage ich dir. Du lachst. Ein bisschen schäbig, finde ich. "Ich möchte jetzt mal direkt etwas loswerden.", setze ich noch mal an. Damit bin ich dich los. Plötzlich. Löst du dich auf. Vor meinen Augen nur noch Helligkeit. Du löst dich nicht ins Dunkle, das ahnte ich immer schon. "Jetzt kann plötzlich alles passieren." "Schmarrn!"

Ein Flipchart wird aufgestellt im weißen Nichts. Rechts: "Direkt", Links: "Plötzlich". Ich versuche verzweifelt, mich zu erinnern: Wie konnte ich mich an diese Stelle verlieren? Wo bin ich fehlgegangen? Ein gackerndes Lachen aus dem Hinterhalt. Ich habe mich überreden lassen. Von einem sehr direkten Menschen. Unverblümt kam der "zur Sache". Prompt. Hop oder top. So. Dem hatte ich nichts entgegenzusetzen. Einmal, in seiner Gegenwart, war ich plötzlich weggetreten, wie ausgeblendet, sah noch seine Lippen sich bewegen, mit seinen direkten Fragen und direkten Ansagen, aber hörte nichts mehr. Als ich zurückkam, ebenso plötzlich, war nichts geschehen. Er sprach weiter und weiter. Alles verloren von da an. Ich wusste es, aber was hätte ich vorbringen können? Wir saßen in großer Runde. Hätte ich sagen sollen: Das ist mir zu direkt. ("Ja!")

Ich weiß seit langem, dass ich die Eindeutigen meiden muss. Das ist keine Idiosynkrasie. Sie gefährden mich in meiner Existenz. Sie bringen mich vom rechten Weg ab. Ich stolpere unter ihren unmissverständlichen Beteuerungen in undurchdringliche Dickichte. Je direkter sie rundweg aussprechen, was "Sache ist", häufig in dozierendem Ton, meist in missionarischer Absicht, desto ungewisser, verworrener, lustloser wird mir alles. Vor meinen Augen verschwimmt mir unter ihren Aussagen und rhetorischen Fragen die Welt. 



die sinnliche plötzlichkeit des widerspruchs zwischen mittel und zweck. 

Jean Paul



Denn meine Welt ist kryptisch. Zögerlich. Verfranst. Unaufgeräumt und noch nicht ausgeträumt. Wohin ich sehe: Plötzlichkeiten. Es kann einer das Herz erschrecken, wie plötzlich sich die Farben ändern, der Wind dreht, der Boden wankt. Ich kann hier jetzt keine Synonyme auf Flipcharts schreiben. Denn plötzlich bin ich daheim. Im Augenland, wo ich gezähmt werde. Wo alles sich ändern kann. Im Plötzlichen verbirgt sich die Möglichkeit dessen, was nicht geschieht. Es ist mehr und anders als "Schwarze Schwäne." Gegenwärtige Wundersamkeit. Ohne Aussage und Ansage. ("Versöhnt dich das nicht? Zeige dich doch! Ich verspreche dir, dass ich den Direkten den Rücken gekehrt habe.") Dieses unsagbare Glück, wenn plötzlich, alles, alles, alles unsinnig sinnlich wird...Der Schein eines unscheinbaren Augenblicks. ("Nicht wahr"?)

"Ich werde plötzlich da sein." 

Wieder. 

Man kann sich nicht trauen. Niemand. 

"Du, ich bin nicht traumatisiert. Mir geht´s gut."

Doch plötzlich....

Ich werde dir das nicht durchgehen lassen. Wir werden uns in die Augen sehen. Selbstverständlich. Aber nicht direkt!

Donnerstag, 10. November 2016

IN DIESEN TAGEN ("Die Geschmacksfrage ist politisch.") Ein Traumbild

Ach du. Wir sollten um die Häuser ziehen. Gerade jetzt. Menschen, die sich lieben, sitzen auf Barhockern und schieben sich Shots zu. Berühren sich nie. Du.



Ich stelle mir das so vor: Wir spielen Pingpong mit Worten, wie wir es tausendmal getan haben. Stichworte genügen uns. Denn wir sind eingespielt. Ein Team, wie man so sagt. Ein verdammt eingespieltes Team. Wir müssen keine langen Argumentationsketten bauen. Manchmal, oft, genügt das Hochziehen der Augenbrauen. Wir sind so verdammt fit. Kein metaphorischer Pingpong-Ball fällt uns jäh zu Boden. (Ich habe dir schon ewig nicht mehr in die Augen gesehen. Ich fürchte mich. Wir könnten beide sehr traurig werden.)

Die Angst, sagt das Establishment, ist ein schlechter Ratgeber. Mir hat sie immer gute Dienste getan. Weil ich so feige bin, passieren mir die schrecklichen Dinge nie. Kein Irrer will mir im Zugabteil seine Schlümpfe zeigen und keine öffnet für mich ihre bodenlose Handtasche. Keine/r küsst mich in Grund und Boden. Habe ich mir geschworen. (Du siehst so unglücklich aus, dass ich am liebsten alle Schwüre brechen würde. Aber das tue ich nicht.)

Als ich noch träumen konnte, in eine Schachtel zu passen, fühlte ich mich freier. Inzwischen bin ich groß geworden und an den Rändern ausgefranst. Ich hoffe weniger und schlafe fester (gelegentlich). Ich lasse mich seltener anfassen, im buchstäblichen und metaphorischen Sinne. (Deiner Troye bin ich gewiss.)

Jetzt ist Goldfinger ein teuflischer Frisör mit fliegendem Salon. Er strebt immer noch die Weltherrschaft an und steht auf platinblond bis margarinefarben. Seine bösartige Armee ist hell und ihre Anführer toupieren sich die Haare. "An meinem Haarspray sollt ihr mich erkennen." Es funktioniert. Nicht. Etwas steht stets ab. Windschnittige Struwwelköpfe allesamt. Aber vielleicht ist auch genau das die Absicht. Dieser weiße Mann ist eh an allem schuld und kann uns leid tun. ("Mir nicht.") 

Der Zusammenhang zwischen Interieur, Design und Diktatur ist unverkennbar. Goldene Türgriffe. Spiegelsäle, Brokat. Die Geschmacksfrage ist politisch. Das will bloß keine wahrhaben. Wir sind ja liberal. ("In dieser Hinsicht nicht.") Ein Verbot goldener Wasserhähne und Pussy-Schleifen könnte mehr Gutes bewirken als alles P.C.-Vokabular zusammen. ("Please. Please." Ich höre deine Verzweiflung. Ich mache dumme Witze doch auch auf meine Kosten. "Please.")

Wir könnten ja auch einmal zusammen weinen. Was hältst du davon? Oder uns unter die Tische trinken. (Ich glaube nicht, dass wir das schaffen.) Der Heil-Mann, den ich meinte, hat seine Zauberkräfte eingebüßt. Er weiß es besser. Und das artet in Besserwisserei aus. Doch schenkte er mir (und ich ihm?) herrliche Sätze, die ich in deinen Schoß legen will, am Tage unserer Niederlage: "Drohend braute sich das Schweigen der Erinnerungen zusammen." und "Die Phantasie lebt, solange der Mensch lebt, der sich zur Wehr setzt."  und "Glaube mir, dass ich dich habe, diese Stunde habe, das ist mein Glück." Zwischen Drohungen, Träumen und Illusionen habe ich geglaubt, dich zu lieben. Glaub ich es mir noch. 

Ach du. Halte. Ich bin dir troy. In diesen Tagen. Auch. 

Montag, 24. Oktober 2016

MEINE KONSOLE GEWINNT IMMER (denn: "Gott weiß es auch nicht.") (Ein Traumbild)

"Du wärst ein Hacker, mit einem IQ von 140." "Und du wärst eine Milliarden-Erbin." "Von einem Chemie-Konzern." Er lachte. "Du wärest aber schon längst ausgestiegen und hättest mit den Pflanzenvernichtungsmitteln nichts mehr zu tun." "Nur noch mit den chemischen Massenvernichtungswaffen, oder wie?" Ich stöhnte. "Wie immer hast du den besseren Part." "Ach nee, ich wäre doch vollkommen abhängig von deinem Geld, um..."

Es kostete uns eine Milliarde. Locker los gemacht. Eine einsame Farm in West Virginia (Mountain Mamma) ("Mit einem unterirdischen, weitverzweigten Bunkersystem". "Hoch- effektive Server." "Spiegelung auf Hawai." "Und Island") als Hauptquartier. Neben dran eine weiße Holzkirche. Wie man sie kennt. Aus Filmen über kleine Farmen, bewaffnete Familienoberhäupter und hochmoralische Lehrerinnen mit Dutt. Ein Jahr dauerte die Vorbereitung. Wie im Film verwenden wir hierfür Zeitraffer. So genau müssen wir das im Traum nicht wissen, wie das im Einzelnen funktioniert. In grauen Büros arbeiten unentwegt schlanke, androgyne, junge Männer und Frauen in Slim Jeans und T-Shirts mit sonderbaren Aufdrucken vor hochauflösenden Bildschirmen. Webseiten, Konten, Server werden identifiziert und infiltriert. Ha, wie das rauscht.

Wir sind ok. Die Ok-Guys. Demokratisch, Praktisch. Gut. Wir variieren vielfältige Identitäten, probieren sexuelle Praktiken und Orientierungen aus und achten auf Diversität. In unserem Bunker geht es bunt und nett zu, deshalb tragen auch alle gedeckte Farben, ohne Unterschied. Religion, ethnische Herkunft und Einkommensklasse der Eltern dürfen bei uns nicht die Entwicklungschancen beeinflussen. Alle sind Mittelschicht, aber hochintelligent, stellt sich hinterher raus. Wir müssen halt doch Anforderungen ans Profil stellen: Programmierkenntnisse, postmoderne und dekonstruktivistische Analysekompetenz, Teamfähigkeit in multikulturellen Arrangements, Hass-Resistenz (vulgo: Selbstbeherrschung). Na dann. Das kann nicht jede/r. (Hamas-Anhänger müssen leider draußen bleiben. Vor der Tür. Evangelikale auch. Und Profi-"Betroffene". Weiße Männer ohne Abitur.) Ein Tor drum, dem´s seltsam vorkommt, wie wir unter uns bleiben. (Du fühlst dich jetzt nicht mitgemeint in diesem "Wir", ich weiß. Und zu Recht. Denn du bist nicht freundlich genug, magst kein Fladenbrot zum Käse und schüttest übermäßig viel Rotwein in dich hinein, wenn Krisen zu meistern sind. Also dauernd. Und hörst zu laut Heavy Metal.) (Ich höre dich lachen. Nicht lustig.)

Der Tag kommt. X-Day. Der Tag, der alles ändert. Wie wir hoffen. Woran wir glauben. (Jeder Glaube ist ein Affront gegen die Realität. Aber die Realität ist ja auch wirklich das Letzte. "In your face.") Wir zwei stehen am Shenandoah River. Ich will Romantik. Jetzt. Bevor es los geht. Sehen wir uns ganz tief in die Augen. Home, sweet home. Wo immer du bist. Es wird noch alles gut. (Noch besser. Die Wirklichkeit kann ja nichts dafür.) Ha, jetzt. Ein Gewaltakt. Denn alle, alle, alle wollen Frieden. Auch der Opa mit dem Urinbehälter am Rollator, der sich von keinem "Neger" den Arsch wischen  lassen will, aber seinem Enkel immerzu zuflüstert: "Nie wieder Krieg. Ich lag vor Stalingrad." Madonna. Denn: Wir wollen Weltfrieden, ewige Gesundheit für unsere Liebsten und lebenslang freie Burger im nächstgelegenen Burger Joint. Außerdem: einen Audi A 8. Und noch mehr Weltfrieden, Toleranz, Liebe, Gewerbefreiheit. Spiel und Spaß. Eine Tarnkappe. Und Dich. Noch mehr Liebe. Sex für alle. Rechte. Ohne Pflichten. Drück den Knopf. JETZT.

Mein Traum: Überall, auf allen Webseiten, wo wahre Religion, reine Seele, guter Wille, feine Gebote und Verbote gepredigt worden sind (+Twitter-Accounts frommer Segensprüchemacher aller drei monotheistischen Weltreligionen) erscheint am bewussten Tage um 8:30 mitteleuropäischer Zeit eine Leuchtschrift (Alles andere ist restlos gelöscht. WIR sind nicht tolerant, erst recht nicht akzeptierend. WIR sind vernichtend. Und das ist gut so.):

GOTT WEISS ES AUCH NICHT.

Auch auf Arabisch. Portugiesisch. Aserbaidschanisch. Georgisch. Spanisch. Katalanisch. Türkisch. etc.ppp. WIR sind Weltbürger. Denn: Wohin ich in Wahrheit gehöre. Läuft durch die Schrift. Für immer und ewig. Sonst nichts. 


"Du bist so verdammt kindisch." "Und dann der Hass." "Stell dir mal den Hass vor."  "Mein Traum ist auch eine Wirklichkeit." "Deine Träume spenden dir Trost." "Auf allen Wegen. Begegnen mir Angehörige. Hihi. " Younger than the Mountains. "Du solltest dich was schämen. So albern ist das." "Eine Milliarde Dollar." "Wär dir das wert, solange du die nicht hast." Take me home to the place where I belong. "Wir gehören nirgendwo hin." Wir? "Ich bin überall zuhause, wo du bist." (Dein Lachen klingt jetzt zynisch. Menno.)