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Sonntag, 24. Juli 2016

BEWEGEN SIE SICH! Kunst gegen den Verrat der Wirklichkeit



Der Berg. Ruft. Oder gibt eine Kulisse ab. Mehr nicht. La Montaigne St. Victoire – auch für Cezanne in seinen frühen Jahren vor allem ein Hintergrund. Die Aixer schätzten den Sohn eines Bankiers als Maler gering, der „mit einem Apfel Paris“ zu erobern gedachte. Man kann ihnen das nicht verdenken. Er war ein Feigling, offenbar, ausgehalten vom Vater, der ein so schlimmer Tyrann, wie ihn sich das Klischee ausmalen mag, wohl nicht gewesen ist; immerhin ließ er den Sohn die Wände der Familienvilla Bastide Jas du Bouffan mit Fresken verzieren und baute ihm im Dachgeschoss ein Atelier aus. Ein Missverständnis allerdings, denn der Sohn stand ja gerade für eine Malerie, die „unmittelbar“ den Eindruck der Natur wiederzugeben trachtete (Ich setze kursiv, woran ich nicht glaube.) Cezannes Bedeutung für die moderne Malerei ist kaum zu bestreiten. Vielleicht äußert sich in seiner Person, seinem Lebensentwurf aber auch schon das tiefe Verhängnis dieser Kunst- und Künstlerleben-Ideologie: die Abhängigkeit von väterlichen „Mäzen“, dem das eigene Bohéme-Leben zu verbergen oder zu idealisieren ist, die vorgebliche Abneigung gegen den Markt und seine Mechanismen bei gleichzeitiger vollständiger Angewiesenheit auf dessen monetären „Abfall“, die Überhöhung des Unverantwortlichen und der Einsamkeit als Ausdruck „wahrhaftigen“ Künstlertums. Großartige Farben, Landschaft der Empfindung, Widerstand gegen die Diktatur der verhängisvollen Realität. Im Familiensommerlandsitz vor der Stadt, heute eingepresst in ein ödes Vorstadtviertel, vermittelt uns der tapfere Abgesandte des Touristenbüros einen Einblick in die Modernität Cezannes, der Schritt für Schritt, wie die laminierten Schautafeln zeigen, mit dem Klassizismus brach. Viel mehr als Verfall ist hier allerdings nicht zu besichtigen. Die Apologeten desselben wird gerade das erfreuen. Wir fühlen uns ein wenig geleimt: Die „Ausstellung“ besteht in einem Film über die Geschichte des Hauses, der im Erdgeschoss in einem schäbigen, verdunkelten Raum gezeigt wird. Der Rest des Hauses ist gesperrt. Ein wenig mehr bietet der Garten; der Pool mit Delphin und Löwen, die Cezanne Motive waren, ist noch erhalten. Es gibt Pläne für das verfallene Haus im vernachlässigten Garten. Doch, wie unser Führer es ausdrückt: Im Süden geht es langsam. Das kann dauern. Der Tourismus in Aix setzt auf den berühmtesten Sohn der Stadt, auf Cezanne, hat aber wenig von ihm zu bieten. Im Museé Grandet, benannt nach dem gutaussehenden und zu Lebzeiten geschätzteren Konkurrenten, hängen nur neun Gemälde des von den Touristen vergötterten Malers, die man sich noch dazu von woanders her ausgeliehen hat. Dafür kann die Besucherin feststellen, dass auch Cezannes Vorgänger die Gestalt des Berges nutzten, als Hintergrund und als Kulisse. Selbst Künstler müssen nicht besessen sein.

Aix, so behaupten zwei von drei Reiseführern, ist der Traumort der Franzosen. Hier wollten sie leben, so sie die Wahl hätten. Morel und mir bleibt es vor allem ein Verkehrschaosknotenpunkt. Schöner fanden wir Arles, die alte Römermetropole, wo just zum Zeitpunkt unseres Besuches die „Recontres Internationales de la Photographie“ stattfanden, eine Dokumenta der fotographischen Kunst, vielseitig, spannend, zu viel für einen eintätigen Aufenthalt. Wir versuchten das Beste daraus zu machen und besuchten immerhin 10 der 40 Spielstätten.

Gleich zu Beginn, auf der Place du Republique verstört und begeistert uns eine hervorragende Ausstellung des Lebenswerkes von Don McCullin. Berühmt ist er, vor allem im angelsächsischen Raum, für seine Kriegsfotografien. Die Ausstellung zeigt aber auch, mit welcher Intensität er die Landschaften seiner englischen Heimat einzufangen wusste.

In der Espace van Gogh, gelb und blau gestrichen immer noch wie in den Gemälden des verstörten Malers, findet sich eine faszinierende Werkschau von Sid Grossman, dem großen amerikanischen Fotografen, dessen Werke zum ersten Mal in solcher Breite in Europa gezeigt werden. Seine Straßenbilder von New York aus den 40er und 50er Jahren werden ein Stockwerk darüber konfrontiert mit einem Projekt des irischen Fotografen Eamonn Boyle, das technisch brillante Fotografien von Passanten vor Boyles Dubliner Haus zeigt. Die Motive vermeintlicher Straßen-„Schnappschüsse“ Grossmans verändern sich in der Ära des Mobilphones unter Eamonn Boyle in stilisierte, scharfkantige Aufnahmen, die ihre Protagonisten in Skulpturen der Großstadt verwandeln, die ewige Bewegung zum Stillstand bringen, um ihr Würde zurück zu verleihen. Und darin liegt dann vielleicht auch die Gemeinsamkeit des Ansatzes: mit den Mitteln der Kunst in den „alltäglichen“ Menschen und ihren Bewegungen Schönheit entdecken.


Freude und Lachen erzeugt eine Ausstellungssequenz unter dem Titel „Western Stories“, die in einem Kirchenraum Filmstills einer Camarque-Western-Tradition zeigt, die mir gänzlich unbekannt war. Johnny Holliday singt und reitet, unentwegt das Leben und die Liebe preisend. Die Indianer der Camarque sind die Sinti und Roma, die in St. Marie-de-la-Mer ihre Heilige verehren. Laszive Blondinen inklusive. „J´aime la vie...“

In Fabrikhallen außerhalb der Stadtmauern zeigt die Schau junge Fotografinnen und Fotografen, die  einen nicht-männlichen, nicht-europäischen Kamera-Blick in die Welt werfen. Am nachdrücklichsten allerdings hat sich mir eine Sammlung Sebastien Sifshitz´ unter dem Titel „Sincerly queer“ eingeprägt, die Postkarten von Flohmärkten, Zufallsfunde und Polizeifotos von Männern und Frauen zeigt, die sich dem Geschlechterrollenmodell widersetzten. Unvergesslich unter vielen dieser eindrucksvollen Fotographien eine Serie von Bildern „Bambis“, eines Jungen, der sich ein Leben als Frau entwarf und es mit ihrem Körper führte, verführte, alterte, lebte. Auf eine Weise, die noch tiefer zu ergründen wäre, verdeutlichen diese Fotografien auch, was „bloßes“ Spiel mit der Rolle, Maskerade/Travestie ist und was als ein individueller, ein „verwirklichter“ Lebensentwurf eine noch gänzlich andere Form der Anerkennung verlangt und verdient. Darüber wäre – mit und jenseits der Theoreme zu „queer“ – noch einmal nachzudenken. Ich denke an Begriffentwürfe wie „Bürgschaft der Körper“, die aber noch entwickelt werden müssten. Oder: Wahl und wahllos.

Das bringt mich – nolens volens – „irgendwie“ zu aktuellen Ereignissen und den medialen Reaktionen darauf. Überall nur Rechthaber, auch links, empfinde ich. Alle haben alles schon gedeutet, ohne irgendwas zu wissen oder abzuwarten.  Attentäter werden eingenordet, wo „man“ sie braucht: Wer Multikulti will und Differenz bejubelt, dem sind noch die (selbst-)erklärendsten Bekenntnisse der Mörder bloß Ausdruck ihres (meistens) durch gesellschaftliche Verhältnisse („unser“ Versagen, Rassismus, Mobbing, allgemeine Bosheit durch „Weiße“, „Etablierte“, „Rechte“ etc.) verursachten Wahnsinns. Andersrum ist den rechtsradikalen Idioten noch jedes Attentat, jeder Amoklauf auf „Ausländer“ und/oder „Islam“ zurückzuführen. Muslime twittern, noch während der Schießwütige frei herum läuft, sie hofften es handele sich um einen Attentäter im Stile Breiviks, AfD-Politiker werben mit den Todesschüssen für ihre Partei. Niemand interessiert sich sonderlich für die Opfer, scheint mir. Und keine/r nimmt die Täter in die Verantwortung; immer ist es etwas Größeres: die Ideologie, die Gesellschaft, die Ausgrenzung. In solchen Stunden erkenne ich, wo ich „in Wahrheit“ stehe: Ich bin eine Liberale. Wider die Wirklichkeit und die Mehrzahl ihrer Interpreten halte ich denjenigen für schuldig, der schießt, tötet, hasst. Ich glaube daran, dass er (es ist ja fast immer ein „er“) auch anders könnte, wenn er wollte. Dass er an seiner Unfähigkeit, seinen Ängsten, seiner Bosheit, seinem Hass auch arbeiten könnte, dass er die Verantwortung für sein Leben auch bei sich verorten könnte statt sie „in den Umständen“ zu suchen, auf die er seinen Hass projiziert. Und ich glaube daran, dass sich Attentate und Amokläufe eher verhindern ließen, wenn weniger „Ausreden“ für Versagen, Undiszipliniertheit und Selbstmitleid anerkannt würden. Und deshalb: Ich fordere: Aufmerksamkeitsentzug für diese Vollversager! Aufmerksamkeit verdienen allein ihre Opfer, die Menschen, denen sie das Recht auf leben, lieben, lachen entzogen haben. Und die Frage: Warum sie diese Opfer ausgewählt haben: Weil sie jung waren, Freunde hatten, feierten, lachten, sich für eine friedliche, vielfältige Gesellschaft einsetzen...? Das gilt es hochzuhalten, zu feiern und zu ehren: Wofür die Opfer standen, nicht die Täter!

Hoch über Aix-en-Provence war mehr zu entdecken als im Familienwohnsitz des viel gefeierten Cezanne. Die Fondation Vasarely feiert, analysiert und erforscht das Werk Victor Vasarelys, seiner Ideen einer neuen Stadt und Gesellschaft, seiner optimistischen Sicht auf eine freiere, schönere, buntere Lebensweise in der Zukunft. Von hier aus, von diesen gleichförmigen und vielfältigen achteckigen Architekturbausteinen, in denen seine avantgardistischen Entwürfe nicht ausgestellt, sondern dargestellt sind, ließe sich eine bessere Welt regieren, denke ich: „Bekämpft die visuelle Verschmutzung und realisiert die bunte Stadt des Glücks.“ Das ist utopisch. 




Es gibt nichts Verräterischeres als die Wirklichkeit.

Bewegen Sie sich!

Dienstag, 5. Januar 2016

SÜSSE BEREDSAMKEIT. SCHLECKE(R)N. (Rauhnächte, fein gemacht)

Diß was uns kan ergetzen,

Was wir für ewig schätzen, 

Wird als ein leichter Traum vergehn.



Andreas Gryphius








Gedankenwanderung. Aufgebrochen, abgebrochen. (Das entlarvt am meisten: Wie sich wer überschlägt, um auf jedes unvorhersehbare Ereignis genau so zu reagieren, wie es von ihm/ihr zu erwarten ist. Auf Twitter. Und Facebook. In Blogs. In den "Leit-Medien". Überall wie gehabt: Rechte Trolle, linke Schwätzer, wohlmeinende Feministinnen. Ich distanziere mich von den veröffentlichten Meinungen dazu. Vor allem innerlich. Ich verstehe, wem ich nicht vertrauen kann. Nicht bloß den üblichen Verdächtigen, übrigens.) Allerdings: Wer jetzt oder später von "unseren Frauen" spricht, dem brächte ich gern eine Faust zwischen die Eingeweide, tief. (Andererseits: Keine Berührungen!) Dennoch: Schutzparolen sind mir recht/s. Verlinke ich (jetzt) zur Polizeigewerkschaft ? Rhetorische Frage?


(Wie wär´s damit: Geschichten erzählen, keine Statements abgeben. Reim-Los.

Es war einmal ein kleiner Kerl, 
der schleckte für sein Leben gern. 
Er lernte süße Beredsamkeit 
und fügte sich ein ins Gewölb. 
Die Flügel wuchsen ihm 
und auch die Augen über. 
So quoll das Leben und das Leid,
gülden-rot, ihm krass entgegen. 
Honigschlecker, Birnau

Es schwappte die See 
und wölkte der Himmel. 
Es zogen die Reiher 
und kreischten die Krähen. 
Das Leben endet. Stinkend. 
Und mehr gibt´s nicht zu sagen, 
als dass es weiter geht... )


Ich schätze das Barocke mehr als die unvergängliche Gotik. 
(W e n n der HERR was von mir will, soll er mich überbordend betören, statt mir zu drohen.) 


Was bilden wir uns ein! was wündschen wir zu haben?
Itzt sindt wir hoch und groß, und morgen schon vergraben:
Itz Blumen, morgen Kot, wir sindt ein Windt, ein Schaum,
Ein Nebel, eine Bach, ein Reiff, ein Tau' ein Schaten.
Itz was und morgen nichts, und was sind unser Thaten?
Als ein mit herber Angst durchaus vermischter Traum. 

Andreas Gryphius


Christliches Menschenbild, Münster Konstanz
Doch habe ich dem HERRn (und allen seinen Metaphern) nicht abgeschworen?! (Genau.) WIR lieferten an dieser Stelle schon manche Zeile und wurden doch kaum recht verstanden: Dass wir Drohung, Zurichtung und Gewalt nicht mehr attraktiv finden, mögen es uns auch die Dichter und Dichten von hier und da wie besessene Proselytenmacher eintrichtern wollen in ihrer Sucht nach Unvergänglichkeit (vulgo: Glaube, Glaube, glaube! - Imperative!), die wir nicht teilen. Dass wir ohne GOTT besser leben. Und ihm keine Zuflucht mehr gewähren. Aber: Wie sehr wir den Gesang lieben. Und doch nicht mehr singen werden...

(Ich weiß wohl, dass dies kein Erzählen ist. Sie brauchen Figuren. Plots. Beschreibungen. Ich habe nur Erinnerungen. Gute und... Ach, gute...) Ich spiele mit den Verweisen. Ich wünsche mir Leser_innen, die rot verlinkte Worte klicken und sich verfangen. ... Wie ich mich selbst zurück denken muss, an den Ort, wo die lebendigen Gefühle sind.

Vorsätze für ein neues Jahr: Mehr Lose. 

Noch gott-loser leben und mich arbeits-loser machen. 

Nostalgia reloaded: Ich bleibe die Mutter zweier wundervoller Knaben

Der See, die See, wo ich sie/mich/dich immer finden werde. 

Wir wanderten Prälatenwege, hörten Chöre, flöteten fromme Lieder. Lausten Affen, spielten Bälle, aßen Felchen. 

Und anderswo anders.

Im Spiegel, Meersburg Januar 2016

Und hat Natur zum Feste
Nur wenig dargebracht:

Die Lust ist stets die beste,

Die man sich selber macht.



(Annette von Droste-Hülshoff: Milde Wintertage)



Es waren gute Tage. Friedliche Rauhnächte. Weitere Rückzüge werden angekündigt (und vollzogen)? Es gärt. Hart drängt. Ich stand zum dritten Mal im Sterbezimmer der Droste. Wie Gespenster im Spiegel schauten wir uns an. 

Es bleibt ein Scherz: Jedes gute Leben ein Witz gegen die Wirklichkeit. 

Den Asketen ins Stammbuch geschrieben: Ich werde mehr konsumieren und weniger bereuen!


Samstag, 25. Juli 2015

ANKUNFT (6) / Wortschatz (19): (Sich) ANHEIMELN

dasz sie ietz und nicht anheimbs sei.


Um alle Heimligkeit wirkt etwas Unheimliches: Was uns anheimelt, umgibt uns mit jener sauer-süßen Aura, die den Duft des Todes schon ausstrahlt. Ich rieche es, wenn ich die Nase in meine vertrauten, ausgeknutschten und eingeschlafenen Kissen presse. Wo ich mich heimelig gemacht habe, ahne ich den Erstickungstod herbei. Inkonsequenz prägt mich auch hier: Ich schaffe emsig jene  Trautheit, in der ich anzukommen wünsche, aber doch nicht sterben will. So sesshaft bin ich und stetig, dass ich mich immer auf Trab halten muss. Ich habe als Anspruch an mich verinnerlicht, treu zu sein und verlässlich und möchte doch immerzu aus- und aufbrechen, lange bevor es mir heimisch genug wird.

Noch immer suche ich im neuen Heim des Nachts die Lichtschalter, die keine Routine blind schon findet. Hierhin begleitet haben mich Bilder, innere und äußere, die Wände zieren oder verunstalten oder gar nicht sichtbar werden, mich nur abbilden. Die Druck-„Hose“, gegen die das Audi rebelliert, ein Werk BenHuRums (aka Thomas Hartmanns)

Thomas Hartmann: Hose

aus den frühen 0er Jahren, hängt nun ebenso in der Küche, wie Tuborgs „Durstiger Mann“, der mich schon durch 4 Wohnungen und 25 Jahre lang begleitet.

Im Spiegel (14)

Über der goldgelben Chaiselongue hängt im Wohnzimmer neuerdings Charlotte Malcolm-Smith´ "Waiting Room", eine Mischung aus Skulptur-Gemälde-Installation:


Charlotte Malcolm-Smith: Waiting Room

Mein Hogarth-Ticket "Peeping at Nature" ist ergänzt worden um einen Original-Stich der "Strolling actresses dressing at a barn", die beide über dem kleinen Nähtischchen angebracht sind, das mein Großvater in den frühen 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts meiner nie gekannten leiblichen Großmutter als Verlobungsgeschenk angefertigt hat. Über dem Esstisch ist eine Fotogalerie, die – nur für Insider, also 2 – das "Paarleben" dokumentiert: Bahndamm/Gießen mit Pommes rotweiß (frühe 80er), der Turner-Blick auf Petworth Park (späte 80er), Bellini-Brunnen in Rom (2011, unser letzter gemeinsamer Urlaub mit den Kindern).

Neu-Anfang nach 17 Jahre. Ein Zimmer für mich allein. 



Es dünkt sich traulich. Es heimelt. Und stinkt zum Himmel. Wie immer zu Hause. Bin ich anheimgefallen der Sehnsucht danach, mich anheimisch zu machen. Was nie gelingen kann. Und dennoch werde ich´s anheimschen. Weil das Leben (nicht) dialektisch ist, (sondern) endlich.

Donnerstag, 2. Januar 2014

"FINE ART" nach Art des Hauses. Das "neue" RIJKSMUSEUM

Als wir im Frühjahr 2013 Amsterdam besuchten, verpassten wir die Wiedereröffnung des Rijksmuseums nur um wenige Tage. Das war bedauerlich; aber vielleicht war es auch gut so. Da mir das Wiedersehen mit den Werken Rembrandts, Hals und Vermeers verwehrt blieb, wurde Zeit gewonnen für die Reize der Stadt, die mir bei vergangenen Besuchen, die fast ausschließlich dem Rijksmuseum und seinen Schätzen gegolten hatten, verborgen geblieben waren. Lange Spaziergänge durch das Jordaan-Viertel, über die Brücken, entlang der Grachten, das Rembrandt-Haus und der – mindestens mir – neue Ableger der Petersburger Hermitage zeigten mir eine andere Stadt, die ich noch nicht kannte. Die Ausstellung zu Peter dem Großen, die wir eher zufällig sahen, führte zu meiner aufwändigsten und längsten Lektüre des vergangenen Jahres, der ausschweifenden, gigantischen Biographie über den Zaren von Robert K. Massie, einem 1000-Seiter, den ich mir zum Glück auf den handlichen Kindle laden konnte. Geschichte und Geschichten – es war die Fülle der Details, die Massie ausbreitet, über Kanalisation, Trinkkultur, Städtebau, Folter- und Bautechniken, Kriegsführung und Diplomatie, Kleidermode und Religion, die mich faszinierten. Ganz ähnlich auch im Rembrandt-Haus: Der Einblick in die Fülle der Interessen und Leidenschaften des Malers, die Verbindung zwischen Geschäft, Handwerk und Kunst, das Leben des "Künstlers als Unternehmer", das Svetlana Alpers sich vorgestellt hatte, wurde hier nachvollziehbar.

Dennoch blieb das Gefühl, etwas „verpasst“ zu haben, als ich wenige Tage nach dem Besuch die begeisterten Berichte der ersten Besucherinnen und Besucher des neuen Rijksmuseums las. In der Financial Times schrieb Simon Shama, der Autor des Klassikers „Überfluss und schöner Schein“, von einer „reunion“ of „´high´and ´low´ art“, in Anführungsstrichen selbstverständlich, denn es war und ist eben Teil eines niederländischen kulturellen Selbstverständnisses, diese Trennung nicht zu akzeptieren und aufzulösen: „When we look at Vermeer’s servant girl pouring a jug of milk, or a goblet of wine and a herring by Pieter Claesz, we now take for granted that ordinary acts and objects may be intensely charged with sublimity. But it was in the Netherlands that this translation of the sacred from the religious to the worldly realm was most dramatically realised.“ Das (inzwischen selbstverständlich überkommene) Narrativ der europäischen Moderne indes hat die neuerliche Trennung von „hoher“ und „niederer“ Kunst (nach der ersten durch die italienische Renaissance) entweder zu einem „Fortschritt“ erklärt und/oder zu einer Notwendigkeit: die Autonomie der Kunst und den autonomen Künstler. (Die weibliche Form kann eine hierbei getrost weglassen: Die Ausgrenzung des Kunsthandwerks, des Dekors und der Mode aus den Künsten fällt zusammen mit dem Ausschluss der Frau aus dem öffentlichen Leben. Das ganze Konzept ist daher für künstlerisch tätige Frauen nicht anschlussfähig.)

Fine Art
Das "neue" Rijksmuseum also wollte ich sehen und mit eigenen Augen und Sinnen prüfen, wie hier zusammen gezeigt und gedacht wurde, was eben zusammengehört: die Werke Vermeers und Rembrandts und Hals, ebenso wie die Gläser und Tassen, die Taschen und Hüte, die Puppenhäuser und Schiffsanker, die Vitrinen und Kleiderschränke. Ich kann nun bestätigen, was andere schon geschrieben haben: Diese ungewöhnliche Präsentation der Sammlung ist nicht nur überzeugend, sondern wirklich belehrend,  überraschend, begeisternd. Das Rijksmuseum, wie es sich jetzt präsentiert, könnte (und sollte, wie ich meine) Vorbild werden für andere Häuser, für eine veränderte Museumskultur, die sich verabschiedet von der Idee der „autonomen Kunst“ und stattdessen  wieder – wie auch schon die letzte documenta – Zusammenhänge aufzeigt und Fragen aufwirft, statt eine (wahre?) „Geschichte der Kunst“ erzählen zu wollen, die auf Ausscheidung und Abspaltung beruht, auf der Definition dessen, was nicht „fine art“ ist und also nicht gezeigt werden braucht.

Dabei ist das Rijksmuseum gerade auch darin vorbildlich, dass darauf verzichtet wurde, möglichst viel vorzeigen zu wollen. Von den über eine Million Werkstücken, die das Museum besitzt, werden nicht einmal 8000 gezeigt. Doch zu den „Meisterwerken“ aus der Sammlung, die ausgestellt werden, zählen Landschaftsbilder von Jacob Ruisdal genauso wie silberne Wildmühlen als Tischdekoration, gehört die „Nachtwache“ von Rembrandt ebenso wie ein prunkvoller Kachelofen, eine vergoldete Schale genauso wie ein Stilleben von Van Dijck. Im Rijksmuseum wird dieser Zusammenhang auch im dritten Stock nicht aufgehoben, in dem Werke aus dem 20. Jahrhundert zu sehen sind: Jugendstilmöbel, Art deco und Expressionismus, Mondrian und Baupläne, eine Propellermaschine und die Malerinnen der  „Amsterdam Joffers“ wie Elizabeth Ansingh.

Im Rijksmuseum liefern die kunsthandwerklichen Artefakte, die Möbel, Kleidungsstücke und Schmuckstücke nicht den „Kontext“ für die „große Kunst“, sondern werden mit dieser in einen gleichberechtigten Dialog gebracht. Die „hohe Kunst“ dominiert nicht. Sie erzählt nicht die eine, die „wahre“ Geschichte (der Kunst). Erzählt wird, wie die Kunstwerke und kunsthandwerklichen Objekte beauftragt, hergestellt, gebraucht, gehandelt wurden, wer sich in ihnen darstellen ließ und in welchem Rahmen, wozu sie benutzt wurden und wie sie an Wert gewannen oder verloren (nicht nur im finanziellen Sinne). Die Kunst unterhält, bestätigt, verwirft, kritisiert, belohnt, schließt aus, grenzt ein: Sie ist Teil des gesellschaftlichen Diskurses. Sie existiert nicht außerhalb von diesem. Sie bedient ihn, benutzt ihn, verändert ihn. Das wird hier sichtbar. Für eine Gesellschaft, für die niederländische Gesellschaft, die sich hier, im Rijksmuseum ihrer eigenen Geschichte/n vergewissert und stellt. Dabei wird nicht ausgeklammert, wie sich der Reichtum der Niederlande dem Kolonialismus verdankt, wie dies auch eine Geschichte der Ausgrenzung und Enteignung anderer Kulturen ist. Die Geschichte, die das Rijksmuseum erzählt, wird kenntlich gemacht  als eine, die nicht mehr vorgibt und nicht mehr vorgeben will, die Geschichte zu sein. Es ist keine Geschichte der Notwendigkeiten oder gar des Fortschritts, keine Geschichte, in der die Kunst „zu sich selbst“ kommt oder zum Erkenntnismedium wird, die hier ausgestellt ist. Kunst, wie sie hier präsentiert wird, ist Teil des Lebensvollzugs, des Alltags, der Feste und des Brauchtums, der Technik und der gesellschaftlichen Repräsentation. Sie verwandelt sich durch den Blick, den die Betrachterinnen und Betrachter auf sie werfen, durch die Art und Weise, wie die  sie nutzen oder gerade nicht nutzen wollen oder können, wie sie sie in aktuelle Lebensformen integrieren oder unmittelbar ins Museum oder Sammlerdepot entsorgen.

Jan Vemeer: Der Liebesbrief
Im Rijksmuseum sah ich ein Bild wieder, das mich im Jahr 1987 über ein halbes Jahr beinahe Tag und Nacht beschäftigte: „Der Liebesbrief“ von Vermeer. Ich sollte dazu während einer Exkursion nach Amsterdam im Museum ein Referat halten. Ich weiß nicht mehr, was ich den Studienkolleginnen damals erzählte. Die Unterlagen zu diesem Referat sind irgendwann während der Umzüge seither verloren gegangen. Das Bild erzählt eine Geschichte und erzählt sie nicht. Es lässt den Voyeur, in dessen Rolle es die Betrachterin zwingt, unbefriedigt. Zugleich, indem es den Moment des Schauens festhält, im Zauber dieses Einblicks aus dem Dunkel in das hell erleuchtete Zimmer, führt es auf paradoxe Weise das Lauschen in den Blick ein. Man spitzt die Ohren und hört – Nichts. Man sieht – Alles. Und: Nichts. Eine Verschwörung. Eine Beschwörung. Es geschieht etwas, das nicht geschieht. Der Moment auf der Leinwand ist ewig und  - nicht. Ein Augenblick und – für immer. (Ich bin froh, dass ich Bilder (und Texte) nicht mehr analysieren (also zerstückeln) muss. Es war ein wunderbares Wiedersehen.)

Auch mit Jan Steen, freilich, dem feinen Humoristen des Alltags, der so oft hinter dem gefeierten Dreigestirn Rembrandt, Vermeer, Hals im Schatten bleibt. Seine „Leidener Bäcker und Bäckerin“  haben es mir diesmal besonders angetan. Dann: Die riesigen Puppenhäuser, die im 17. Jahrhundert kein Spielzeug für Kinder, sondern Damenunterhaltung waren. Spielhäuser, in denen in Miniatur das Leben detailgenau nachgebaut wurde. Ein filigranes Arrangement, gestellte Szenen häuslicher Eintracht, geselligen Beisammenseins, des privaten Lebens, das hier im Zentrum der Selbstverständigung steht. Wer diese Frauen waren, das zeigte sich ihnen in der Ausstattung ihrer (Spiel-)Häuser, in der Gestaltung ihrer Küchen und Wohnzimmer, ihre Ankeideräume und Speisekammern.

Am Ausgang des Rijksmuseums steht eine Standuhr. Sie ist leicht zu übersehen. Das Ziffernblatt wird jede Minute neu geschrieben. Eine Hand wischt scheinbar von innen, aus dem Inneren der Uhr, das alte Blatt weg und schreibt das neue hin. Sie geht ziemlich genau, diese Uhr. Das Zeigeblatt wird improvisiert. Hingehuscht. Skizziert. Was die Kunst ist und wir, das hat vor allem mit der Zeit zu tun. Nicht mit der Geschichte. Geschichte ist nur die Art und Weise, wie wir Zeit gerade verstehen. Und aufmalen. Oder sticken. Oder Glas blasen. Wer aus dem Rijksmuseum heraustritt, kommt an dieser Standuhr vorbei. Die meisten müssen lachen, wenn sie erkennen, was die Hand im Inneren des Gehäuses zu tun scheint, Minute für Minute. Auch das Messen der Zeit in Minuten und Stunde ist eben ein vergängliches Konzept. Das nächste Mal im Rijksmuseum wird etwas anderes zu sehen sein, eine andere Geschichte zu erzählen. Und für die Nächste. Den Nächsten. Jederzeit.

Sonntag, 8. Juli 2012

PADUA und BAONE: Anatomische Ohnmacht und museales Eis


Das Blog dient mir auch als Ergänzung jener unleserlichen Notizhefte, in denen ich schon in früheren Zeiten festgehalten habe, was mir unterwegs (auf Reisen, aber auch daheim) auffiel und durch den Kopf ging, allerlei wirre Sätze und sonderbare Träume, Farb- und Schmutzflecke, Zitate, Lektüreeindrücke und jedenfalls niemals nicht die kleinste Handlung. Blättere ich diese Heftchen durch, kann ich kaum mehr was entziffern, allenfalls gelegentlich ein Datum und einen Namen, einen Ort, ein zusammenhanglos bleibendes Adjektiv oder eine Literaturangabe. Im Blog mache ich aus solcherlei Notizen, wie ich sie immer noch anfertige, kleine Geschichten, die vor allem mir selbst rückblickend erzählen sollen, was ich erlebt und gedacht habe. Dabei ist eben jener Akt, die Fetzen und Splitter einem wie immer dürftigen Plot einzuordnen, zwingend schon Teil der Fiktionalisierung. Denn so war es ja gerade nicht, dass sich dies aus jenem ergab oder mindestens nicht so, dass ich das noch wüsste; alles Re-Konstruieren ist im Grunde Konstruktion. Dennoch (oder deswegen) ist es nicht egal, ob man „wirklich“ dort war, ob man die Srovegni-Kapelle von innen gesehen hat (über die Morel gestern schrieb) oder von der Zunge des Heiligen Toni nur gelesen. Selbstverständlich könnte ich eine burgunderfarbene Zunge mit braunen Poren erfinden, bei deren Anblick sich auf der meinen kleine Speichelblasen gebildet hätten, bis aus dem Bauch heraus ein Blubbern aufgestiegen wäre, ein säuerlicher Geschmack in der Speichelröhre, den zu unterdrücken ich die Fingerknöchel um das steinerne Geländer gekrallt hätte, jedoch letztlich unterlegen geblieben wäre und im hohen Bogen neben den güldenen Schrein des heiligen Unterkiefers meine Kotze geschleudert hätte. Das wäre ja keine Kunst, sondern bloß gemein, diese Geschichte zu erfinden, bei der ich freilich Gefahr liefe, der eine oder die andere Leser:in hätte wahrhaftig die Reliquienkapelle in der Basilika zu Padua besucht und könnte meiner Beschreibung unzutreffende Aussagen über die Raumordnung oder Schreingestaltung nachweisen. Egal, aus dieser Nummer käme ich raus; das schöbe ich dann ganz schlicht auf die beschriebene Übelkeit, unter deren bewusstseinsvernebelnder Wirkung mir eben der eine oder andere Fehler unterlaufen sei.

Was hier aber erzählt wird, wenn der Post unter den Labels „Unterwegs“ oder „Tagebuch“ eingeordnet wird, verzichtet auf solche Erfindungen. Warum? Weil der Sinn der Reisen und überhaupt der Erfahrungen genau darin besteht, sich der Illusion zu berauben, „alles sei im eigenen Kopf schon da“. Zwar entsteht schreibend immer Fiktion, weil die „Wirklichkeit“ gar nicht in Worten und Sätzen zu fassen ist, aber es entsteht etwas Anderes, wenn man den eigenen Körper Erfahrungen aussetzt, statt sich solche herbeizudichten. Hätte ich die Zunge gesehen, so wäre womöglich mein – im wahrsten Sinne des Wortes – eingefleischter Anti-Katholizismus durch irgendein Detail ins Wanken geraten, hätte mich, weil und obwohl ich mir das eben (noch) nicht vorstellen kann, möglicherweise doch eine Ergriffenheit gepackt vor dem Jahrhunderte alten konservierten Organ, die mich daran hinderte, zu spotten und – fiktiv – auf den Wunderglauben zu spucken. Das könnte sein. Aber auch umgekehrt wäre es möglich, dass mein Zorn durch die Zunge und ihrer Anbeter sich noch gesteigert hätte und  der Anblick Alpträume ausgelöst hätte, von deren Umfang und Ausgang ich, ohne die Zunge gesehen zu haben, keinerlei Ahnung haben kann.

Padua, so war mir schon beim ersten Besuch aufgefallen, ist eine Stadt der Radfahrer. 60 000 Studenten, so wurde uns bei der Führung durch die Universität erklärt, studieren hier, aber im Straßenbild sind es beileibe nicht nur Student:innen, die ihre bunten Fahrräder durch die Straßen schieben oder mit gefüllten Körben über die Marktgassen rollen, sondern distinguierte Herren im Anzug ebenso wie schicke Blondinen mit Highheels oder junge Burschen in Muscelshirts. Selbst eine Diakonisse sahen wir auf dem Rad. Im Regen fährt man einfach weiter oder balanciert in einer Hand elegant den Regenschirm, während die andere am Lenker bleibt. Am Montag hatte ich den Eindruck gewonnen, die Stadt sei so ruhig, weil so viele Geschäfte eben montags geschlossen bleiben. Aber diesmal wurde mir klar, dass es vor allem der reduzierte Autoverkehr ist, der mir Padua angenehm macht. Es gibt nur wenige ausgewiesene Fußgängerzonen, doch die Gassen in der Innenstadt sind eng und viele Einheimische scheinen das Fahrrad als Fortbewegungsmittel zu bevorzugen. Am Prato della Valle aber fuhren gleich mehrere Nobelkarossen aus den verschatteten Garagentoren, als wir vorbei schlenderten.

Im „Palazzo del Bo“ nahmen wir an einer Führung teil, bei der uns eine strenge, drahtige kleine Italienerin erklärte, welche Macht in früheren Zeiten die Studenten besaßen. Professor Gerolamo Fabrici d´Aquapendente, der den ältesten Anatomie-Hörsaal der Welt bauen ließ, wurde nach langjähriger Lehrtätigkeit in Padua von den Studenten vertrieben. (Das schnell gesprochene, harte Englisch verhinderte, dass ich die Gründe für seine Absetzung ganz verstand.) Ursprünglich sammelten sich in der mittelalterlichen Stadt Lehrer, die von Studenten aus ganz Europa wegen ihres Rufes ausgesucht wurden.  Die Studenten bezahlten ihre Professoren und lebten mit ihnen. Eine universitäre Struktur, eine Berufung durch eine staatliche Behörde u.ä. gab es nicht. (Ja, diese „guten alten Zeiten“ wären so manchem Ordinarius, dem die weitgehende Abschaffung der studentischen Mitbestimmung in den letzten Jahren nur zu gelegen kam, gar nicht angenehm.) Schwül und drückend war es im engen Anatomiesaal, beinahe schien mir noch ein Leichengeruch in der Luft zu hängen, der eben eine solche Übelkeit verursachte, wie sie weiter oben für eine nicht stattgefundene Begegnung mit der heiligen Zunge, erdacht wurde. Doch konnte ich mich bezwingen und lehnte mich schwer an die Vitrine, in der die Sägen und Meißel nachgebildet ausgestellt waren, mit denen die Körper geöffnet wurden. Die Balustraden des anatomischen Hörsaals, den man sich viel enger vorstellen muss, als er auf Fotos erscheint, reichten exakt bis zur Brusthöhe des damaligen Durchschnittsmenschen. Sollte ein Zuschauer in Ohnmacht fallen, so war vereinbart, dass die anatomische Schau unbeeinträchtigt weitergehen konnte. Eingeklemmt zwischen Geländer und Rückwand blieb der Ohnmächtige aufrecht bis zum Schluss der Vorführung stehen, bis ihn seine Kameraden schließlich hinaustrugen.

Berühmtester Lehrer an der Universität zu Padua war Galileo Galilei. Nachdem die Venezianer Padua erobert hatten, übernahmen sie auch die Verwaltung der Universität und die Berufung der Professoren. Jedoch herrschte offenbar ein liberaler Geist und hatten die kirchlichen Autoritäten nicht die Macht, ihre Positionen durchzusetzen. Das zeigte sich nicht nur daran, dass hier der erste Anatomiehörsaal geschaffen werden konnte, sondern auch an der Freiheit von Forschung und Lehre über die Planeten und ihren Lauf, die Galileo genoss. Erst der versuchte Karrieresprung durch den Wechsel nach Florenz führte dazu, dass seine Arbeit unter kirchliche Zensur fiel und er in den letzten Jahren gezwungen war zu widerrufen.

Im Café Pedrocchi
Noch vor dem Besuch des Palazzo Bo hatten wir uns an anderem geschichtsträchtigen Ort ein überteuertes Eis gegönnt: im Café Pedrocchi, das im Zentrum der 1848er Revolution stand. Das Eis war gut, der Kellner sprach ein entzückendes k.u.k-Deutsch und die Originaleinrichtung im roten Salon war bequem und nicht zu plüschig. Der Eis-Preis umfasste so gesehen den Eintritt in ein lebendiges Museum und erwies sich als gerechtfertigt. Das allerdings scheint eine Erkenntnis zu sein, die sich nicht vielen erschließt, weshalb der so überaus freundliche und elegante Kellner sich den Nachmittag über meist die Beine in den Bauch stand. Im grünen Salon des Café Pedrocchi aber, so hatten es die revolutionären Gründer beschlossen, kann sich niederlassen, wer mag und muss nichts bestellen. Auch dieses großzügige Angebot indessen wurde am Freitag nicht von vielen genutzt.

Das Wochenende bringen wir lesend auf Ca´orologio zu, wo die Ruhe nur sonntags um elf gestört wird, wenn die Glocke der nahen Kirche zur Messe läutet. Kurz, aber nur ganz kurz, haben wir überlegt, ob wir dem Ruf folgen sollen...Der Lavendel duftet, die Schmetterlinge flattern, der sanfte Wind hebt leise die Vorhänge unter den Arkaden, wo ich sitze, lese und schreibe. Sie dürfen uns beneiden.

(Zum Trost: Heute früh habe ich meine Mückenstiche gezählt: Zur Zeit sind es 23. Fragen Sie nicht nach Morels!)

Donnerstag, 5. Juli 2012

VENEDIG - "Treasure Island", Märtyrer und Phalli


„Es sei silbern und gold, blei-, kupfer- und messingfarben, das Wasser, heißt es, und wenn mit Zinn und Nickel die Metallfarben so gut wie aufgebraucht sind, halten willig die Meerestiere her: schuppen-, austern- und muschelfarben sei es, weiß wie ein Fischbauch, perlmutt- und schneckenschimmernd.“

(Eva Demski: Venedig. Salon der Welt, 2006)

Wer von Land aus nach Venedig kommt, muss durch Mestre, eine Industriestadt, wie sie hässlicher und – vermutlich – effektiver nicht sein kann. Venedig, las ich, verlor in den letzten Jahrzehnten einen guten Teil seiner Einwohnerschaft ans Festland. Man lebt nicht gern mit der Familie im Museum, offenbar, wo es pittoresk ausschaut, aber die Wände schimmeln und die Modernisierung der sanitären Einrichtungen ein Vermögen kostet. Venedig, so heißt es, wurde übernommen von reichen Ausländern, die sich in den Palästen ihre Zweit- bis Viertwohnsitze einrichteten. Es gibt aber, konnten wir uns am Ende unseres ersten Tages in Venedig überzeugen, noch Viertel und Ecken, wo junge Studenten mit schmucker Haartracht in stillen Gassen den Schlüssel ins Schloss einer alten und buntbemalten Türe stecken, um unters Dach in ihre Wohnungen zu klettern, wo alte Männer mit bloßem Oberkörper sich aus dem Fenster lehnen und Frauen mit schweren Einkaufstaschen aus dem Minimercato treten. Am späten Nachmittag schlenderten wir durch Dorsoduro, die Gegend um San Sebastiano, die ruhig und verschlafen wirkt.

"Treasure Island", oben
Vorher allerdings waren wir – wie fast alle Touristen wohl – vom Piazzale Roma aus mit dem Vaporetto zum Markusplatz gestartet, hatten uns durch die Massen gekämpft, um die Einrüstung des Platzes zu beschauen, wo auf riesigen Transparenten für vor den Toren Mestres liegende Factory Outlets geworben wurde. Vor San Marco hatte sich schon eine lange Schlange  gebildet, in die wir uns in der Hitze nicht einreihen wollten. So blieben uns auch diesmal die goldenen Schätze verborgen. In den verwinkelten Gassen hinter dem Platz aber erblickten wir die Möglichkeit unsere letzten 1000€ vor dem Zusammenbruch der Gemeinschaftswährung in „Treasure Island“ zu investieren, das zu eben diesem Preis in einer gerollten (!) Holz gebundenen Ausgabe angeboten wurde. Kein kunstvollst gebundener Klassiker war hier unter 300€ zu  haben. Bei  uns daheim stehen die Bücher jedoch in Ikea-Regalen, wo sich derartige Schmuckstücke eher kurios ausmachen würden, weswegen wir von einem Kauf absahen, auch weil wir die Hoffnung auf den Bestand des Euro in 2013 und darüber hinaus noch nicht gänzlich aufgegeben haben und daher noch nicht alles in Sachwerte stecken.

Carpaccio: Kreuzigung und Apotheose
der 10.000 Märtyrer am Berg Ararat
Recht leer war es zu unserer Überraschung in der Galleria dell´Academia, wo wir daher anders als in den Uffizien oder im Louvre tatsächlich Gelegenheit hatten, uns auf die großartigen Kunstwerke einzulassen, die hier ausgestellt werden. Die Galleria wird zur Zeit renoviert, finanziert von der US-amerikanischen „Save Venice Inc.“, wie ich nicht versäumen möchte zu erwähnen. Im zweiten Saal überraschte und faszinierte mich ein Gemälde von Vittore Carpaccio „Kreuzigung und Apotheose der 10.000 Märtyrer am Berg Ararat“. Die Gekreuzigten hängen in den Bäumen, aber über ihnen öffnet sich schon, einem Raumschiff gleich, der Himmel.  Wundervoll auch die grellen Farben und expressiven Gesten, mit denen Tintoretto zwei Säle weiter das Leben des Heiligen Marcus, darstellte, dessen Gebeine sich die Venetier gestohlen haben, um ihrer aufstrebenden Welthandelsmetropole die nötige Würde zu verleihen. Besonders beeindruckte mich das Gemälde „Il sogno di San Marco“.  Jacopo Robusti , wie Tintoretto eigentlich hieß, war auch der bemerkenswerte Vater einer hochbegabten Tochter, der Malerin Marietta Robusti, die er förderte. Zu ihrer Zeit war Marietta Robusti eine viel gefragte und geschätzte Porträtmalerin in Venedig. Die Kunstgeschichte allerdings hat ihr Andenken, wie das der meisten Künstlerinnen, nicht bewahrt. Ihre Gemälde wurden anderen, männlichen Malern zugeschrieben und ihr Name geriet in Vergessenheit.

Da ich den Tag nutzen will, werde ich hier nicht all die Gemälde beschreiben und würdigen können, die mich in der Galleria dell´Academia bewegten. Nur eines möchte ich noch erwähnen, das Morel und mich gleichermaßen erstaunte: Ein „Festmahl des Simon“ von Bernardo Strozzi, das in seiner naturalistischen Darstellung der Feiernden unmittelbare Erinnerungen an beinahe zeitgleich entstandenen Gruppenbildnisse der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts, beispielsweise eines Frans Hals, weckte. Wer nach Venedig kommt, sollte die Gelegenheit jedenfalls nutzen und die vergleichsweise wenig überlaufene Galleria aufsuchen, obwohl die Stadt selbst mit ihren vielen Ein- und Ausblicken auf Wasserwege und Brückenköpfe jedes Gemälde zu übertreffen scheint.

Pegeen Vail-Guggenheim: o.T.
Später besuchten wir noch den Palazzo Venier dei Leoni am Canal Grande, wo Peggy Guggenheim dreißig Jahre mit ihren geliebten Hunden lebte und Kunst sammelte. Was ich nicht wusste: Guggenheims Tochter Pegeen Vail war Malerin. In einem kleinen Raum sind einige ihrer scheinbar naiven und zugleich erotisch aufgeladenen, farbenfrohen Gemälde ausgestellt, für die ich mir gern mehr Zeit genommen hätte. Zum Canal Grande hin steht, wie zu Peggy Guggenheims Lebzeiten, der „Engel der Zitadelle“, eine Reiterfigur von Marino Marini, die ihren erigierten Penis zum Wasser hinstreckt. Eva Demski schreibt: „Der Präfekt von Venetien, der am Canale gegenüber residierte, hat sich provoziert gefühlt. Peggy, die nicht nur am Geld eine ganz unverstellte Freude hatte, fand ihren Engel der Zitadelle, wie Marini sein Werk genannt hatte, im Profil am schönsten und linste nachmittagelang aus ihren Salonfenstern, um den Leuten beim Sich-Aufregen zuzuschauen...Mit gelegentlichen Misshelligkeiten ging sie sehr souverän um: ´Wenn die Nonnen kamen, um sich vom Patriarchen, der an bestimmten Feiertagen in einem Motorboot an meinem Haus vorbeifuhr, segnen zu lassen, so nahm ich dem Reiter den Phallus ab und verbarg ihn in einer Lade. (Anm.: Marinie hatte ihn in weiser Voraussicht zum Abschrauben herstellen lassen!) Das tat ich auch an manchen Tagen, wenn ich prüde Besucher zu empfangen hatte, aber gelegentlich vergaß ich es und geriet angesichts des Phallus in arge Verlegenheit. In solchen Fällen blieb nicht anderes übrig, als ihn zu ignorieren. Eine Legende begann in Venedig zu kursieren, dass ich mehrere Phallen von verschiedener Größe – sozusagen Ersatzteile – hätte, von denen ich zu verschiedenen Gelegenheiten Gebrauch machte.“ (Eva Demski: Venedig. Salon der Welt, insel tb 2006)

Montag, 2. Januar 2012

Winterreise (4): Kein Abfall für alle!

Kein Müll in Wien am 1. Jänner



"Der Tag ist ein göttliches Maß. Er hat eine sehr schöne Länge.
Er beginnt morgens so groß und endet nachts tief gebückt und beladen.
Schlaf kommt, und Trost, Träume und Nacht. Und morgen wird die Sonne wieder scheinen."

(Rainald Goetz)

Donnerstag, 14. Oktober 2010

DER MEISTER SCHRIEB AM PULT

...und es beunruhigte ihn: Könnten die Frauen auch ohne Männer?
"Frau Rat, so oft mir was Komisches begegnet, so denk ich an Sie, und was das für ein Jubel und für eine Erzählung sein würde, wenn Sie es selbst erlebt hätten."  (Bettina von Arnim: Goethes Briefwechsel mit einem Kinde, I. Briefwechsel mit Goethes Mutter)








Goethes Elternhaus im Hirschgraben ist geräumig, die Wohnräume erstrecken sich über drei Etagen. Empfangsräume für das Publikum (die Nachbarn, Freunde, Geschäftspartner) im ersten Stock, weiter oben die privaten Arbeits- und Lebensräume. Dort also saß Bettina zu Füßen von Goethes Mutter Aja und ließ sich erzählen, wie er war, der kleine Johann Wolfgang. Bettines Buch „Goethes Briefwechsel mit einem Kinde“ wird zu Unrecht von manchen wahrgenommen, als sei das Kind Bettine, dem der Dichterfürst ein ferner Gott ist, die Stimme der erwachsenen Autorin, die den Briefwechsel überarbeitete und herausgab. Bettine von Arnim jedoch gibt hier dem Dichter zurück, was dieser selbst  - wohl wissend warum - im Dunkeln ließ: seine Herkunft aus dem Schoß der lebensklugen Mutter Aja. (Lesen Sie den Anfang von "Dichtung und Wahrheit" über jene Planetenstunden, die allein geeignet gewesen sei, die Geburtsstunde des Dichters zu sein und denken Sie an den Kampf einer Gebärenden. Dann wissen Sie, was ich meine). Wohl hat Aja Goethe ihren Platz in „Dichtung und Wahrheit“, doch geht es allein um die Mutter-Sprache, die sie ihm verleiht und in ihm zum Klingen bringt. Bei Bettine dagegen gewinnt Goethes Mutter eine eigene Stimme, die Stimme einer Frau, die den berühmten Sohn gehen lassen kann und für sich selber steht: Aja Goethe, die nicht darin aufging, die Mutter Goethes zu sein. Und wiederum Bettines Stimme entwickelt sich eben in Wahrheit aus diesem Dialog mit der anderen Frau und nicht aus dem Briefwechsel mit dem berühmten Mann. Der Anschein eines Groupies, den Bettine sich gibt, als wolle sie sich in seinem Glanze sonnen, ist bloße Beschwichtigung (des männlichen Egos und Lesers): Er dient dazu sich im wärmenden Licht an der Seite von Goethes Mutter einen Platz zu verschaffen. Darüber muss ich noch einmal schreiben – am Text entlang (Ich bedauere, dass ich es nicht hier habe, in Berlin, dieses mir so liebe Buch von Bettine von Arnims).

Ganz oben im Hirschgraben findet sich das berühmte Puppenpapiertheater, aber auch die Stube, auf der der junge Goethe seine ersten Werke schrieb: den „Werther“, den „Götz“ und die frühen Gedichte. Er schrieb am Stehpult, wird berichtet: Ich stelle mir vor, wie er die Feder ansetzte, einige Worte hinschrieb, auf und ab ging in der Kammer und deklamierte, was er geschrieben hatte. Ich bin überzeugt, dass er sich vorsprach, stehend, gehend, was er schrieb. Sobald der spätere Geheimrat sich das leisten konnte, diktierte er die Worte. Goethes Sprache geht von einem Sprach-Symbolismus aus, der im Wort kein arbiträres Zeichen sieht, sondern eine Entsprechung zur Welt, die nur richtig erkannt und gefühlt werden muss. Der Klang ist entscheidend. Das Schreiben mit dem ganzen Körper, stehend, gehend, sprechend entspricht dieser Auffassung und drückt sie aus. Stehpulte mögen damals verbreitet gewesen sein, doch andere schrieben auch damals schon anders: sitzend, manche im Bett, verharrend, die Worte, die die Hand aufs Papier setzte schon im Moment der Niederschrift als fremde, kontingente Zeichen wahrnehmend, die nIcht Identität herstellen konnten, sondern Entäußerung, die Unvereinbarkeit von Bezeichnetem und Bezeichnung aus- und darstellend. 

Droben, in Goethes Stube, hängt auch ein von ihm gezeichnetes Porträt der Schwester Cornelia, hingeworfen auf einen Korrekturbogen zum „Goetz“. Diese Schwester, von der er so herzlos sagte, ihr fehle, was alleine einer Frau zum Glück verhelfen könne, nämlich äußere Schönheit. Er wusste viel, Goethe, aber er wusste nicht alles. Er wusste nur weniges über Frauen - oder nur das, was sie ihm (und andern Männern) waren oder sein sollten. (Das gilt für die meisten Männer, fast alle, und sie glauben oft tatsächlich, das wäre schon, was Frauen sind.) Es war ihm auch gleich, denke ich, was sie einander sein konnten. Ja, an manchen Stellen seines Werkes fühle ich ein gewisses Unbehagen, wo die Ahnung sich andeutet: dass Frauen miteinander etwas haben könnten, bei dem kein Mann fehlte.

Sonntag, 29. August 2010

BRAVO FOTO-LOVE STORY: MASOCHISTISCHE NEIGUNG








Als M. gegen Mittag von zu Hause aufbricht, ist sie voll hoffnungsfroher Erwartung. Sie hat sich schön gemacht für die launische Geliebte. In deren Lieblingsfarben von oben bis unten gekleidet steht sie am Bahnhof und mustert im Fenster der Bahnhofsgaststätte ihr Outfit. Sie ist aufgeregt, weil es das erste Treffen nach drei Monaten "Beziehungspause" ist. Sie wünscht sich sehnlich, dass das Wiedersehen gut verläuft.

Beim Umsteigen wird M. langsam mulmig. Sie weiß, dass die SGE nicht ihr allein gehört. Diese Geliebte will mit vielen geteilt werden. Lässt sich von versoffenen Fettsäcken ansingen. Selbst pöbelnde Rassisten weist die Unbeständige nicht zurück. M. lehnt den Kopf gegen die Wand, um sich zu beruhigen.








Fast schon angekommen bei der Geliebten muss M. eine Leibesvisitation ertragen. Bevor man sie vorlässt, wird ihr noch einmal klar gemacht, dass jede wahre Leidenschaft vom Tod infiziert ist.








Sie ist endlich bei ihr. Ms Herz schlägt schneller. "Schwarzundweiß wie Schnee, das ist die SGEee...." Zur Feier des Wiedersehens lassen die Treuesten der Treuen Konfetti und Bier-Manschetten regnen. 






Am Anfang scheint die Geliebte sich ins Zeug zu legen. Bevor die Hälfte der Zeit rum ist, verschafft sie M. und all den anderen einen Höhepunkt. TOOOOOR. In der 38. Minuten durch unseren Rotschopf: Patrick OOOOOOchs. Bevor M. in der Pause auf Toilette geht, sagt Helmut: "Wenn ´se den noch gemacht hätte, dann könnte mer beruhigt sein." Und M. antwortet: "Helmut, wann ham mir in den letzte Jahrn hier gesesse und die letzt Viertelstund einfach genosse? Des is die Eintracht." Und Helmut nickt weise. 


M. bringt zwei Äppler aus der Pause zur Beruhigung mit, was sich als sehr vorausschauend erweist. Denn jetzt geht alles daneben. Die wolle all nur de Ball rumschiebe und net renne. Wenn isch de fette, teure Brasilianer seh, kriesch isch die Krise. Voll-Pfoste. Dene müsst des Blut in de Socke koche, bei dem was die verdiene. Die ham des Spiel net kapiert: Uffs Tor solle die schieße. 


Nix war´s. Mal wieder. Eintracht-Fans sind leidgeprüft. 1:3. 0:6 Punkte. 17. Tabellenplatz. Scheiß-Saison-Start. Wenn ich das sehe, könnte ich heule. Bis zum 18.ten September. Auf ein Neues dann. M. bleibt der Geliebten treu. Und ist trotzdem sauer. Bis zum Umsteigen. Dann - im Bahnhof - kauft sie sich ein Zitroneneis, packt "Florenz und Bagdad" aus und einen Bleistift und schreibt weiter in ihr Notizheft an "Der Geschichte des Auges". 




Es ist nämlich so: Wie die Geliebte sich mit tausenden von Nebenbuhlern einlässt, so hat M. auch andere Liebhaber/innen. Und zwischendurch denkt sie nicht mal an die SGE. Erst wieder in 7 Tagen. 


"Im Großen und Ganzen war es ein Spiel, das, wenn es anders läuft, auch anders hätte ausgehen können." (Eike Immel)


Rückblick: Fußball-Fieber