Freitag, 23. Juli 2010

Reisejournal (8) 2. "The Taming of the Shrew" in Coram´s Field

GEZÄHMT?  -
Wie erwartet: Männer bilden sich nicht!


"Kiss me like you mean it" (The Magnetic Fields)


Die Küche ist geputzt, heute Abend wird nicht mehr gekocht. Wir werden Essen gehen an diesem letzten Londoner Abend. Hoffentlich finden wir ein nettes Pub, in das auch die Jungs hinein dürfen. In Oxford wurden wir aus einem hinaus komplementiert, da Jugendliche dort keinen Zutritt hatten.


Heute werde ich noch einmal den kurzen Fußweg wiederholen, den wir auch gestern Abend gelaufen sind, um auf dem Spielplatz von Coram´s Field "The Taming of the Shrew" anzusehen, gespielt von einer jungen Nordlondoner Theatertruppe. Ich möchte ins Foundling Hospital, ein im 18. Jahrhundert von Hogarth´s Freund Coram gegründetes Waisenhaus. Auch der Komponist Händel unterstützte die Coram Stiftung, die bis sich bis heute um Londoner Kinder kümmert. Dann werde ich weiter nach Süden spazieren zum Sir John Soane Museum, das ich bereits im vorangegangen Post erwähnte. Jedem London-Besucher empfehle ich den Besuch dieses kleinen, meist sehr stillen Museums. Ich liebe solch abgelegenen, oft nur von wenigen Besuchern aufgesuchten Museen, die nicht mit einer großen Zahl von Meisterwerken punkten können, sondern durch die persönliche Handschrift ihres Stifters geprägt sind. Sie stellen mehr die Interessen, Sehnsüchte, Obsessionen eines Menschen aus, als die einzelnen Objekte, von denen gleichwohl einige auch für sich stehen könnten (wie der Vermeer im Kenwood House). 

Ich möchte auch noch von der Theateraufführung gestern Abend erzählen. Als ich das Plakat  am Coram´s Field sah und vorschlug, die Freiluftaufführung zu besuchen, waren meine Söhne sofort einverstanden. Das kommt selten genug vor, dass einer meiner Vorschläge wohlwollen aufgegriffen wird. Sie kannten aber den Hollywood-High-School-Film "10 Things I hate about you", eine romantische Teenager-Komödie, die so schlecht  gar nicht ist, immerhin spielt Heath Ledger die Rolle des Petruchios. 

Die Nordlondoner Theatertruppe, die das Stück in Coram´s Field aufführte, hatte die Handlung in die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts verlegt und angereichert mit vielen damals von mir wenig geschätzten, aber sehr populären Songs, die jetzt - mehr als zwanzig Jahre später - doch nostalgische Gefühle bei mir wecken können: Life is life. O weia. Shakespeare´s Text allerdings sprachen sie, wie er geschrieben ist. Das ist, finde ich, immer wieder so faszinierend: Wie scheinbar einfach dieses alte Englisch so gesprochen werden kann, dass es "natürlich" und modern klingt, dass sich gegenwärtige Figuren in diesen Worten ungebrochen ausdrücken können.

Aber - "The Taming of the Shrew"? Es ist eines der erfolgreichsten Stücke Shakespeares. "Kiss Me, Kate." Eine Frau gefügig zu machen, das scheint ein Männertraum zu sein. Sich einem Mann zu unterwerfen, das scheint eine weibliche Sehnsucht bis heute. Ist das so? Was fasziniert an "The Taming of the Shrew"? Gestern Abend hatten wir es mit einem Miami Vice-Verschnitt-Petruchio zu tun, verspiegelte Sonnenbrille, enges T-Shirt, bonbonfarbenes Jackett: Here we go, come on, babe. Passte ganz gut, fand ich. Denn auch Shakespeare lässt ihn als Angeber auftrumpfen:

"Think you a little din can daunt mine ears?
Have I not in my time heard Lions roar?
Have I not heard the sea, puffed up with winds,
Rage like an angry boar, chaféd with sweat?
Have I not heard great ordnance in the field
And heaven´s artilery thunder in the skies?
Have I not Pitched battle heard
Loud ´larums, neighing steeds, and trumpets clang?
And do you tell me of a woman´s tongue,
that gives not half so great a blow to hear
As will a chesnut in a farmer´s fire?"


Das ist Singen im Walde, denn Petruchio ist ja in Wahrheit ein verwöhnter Junge, der herumlungert und für Geld fast alles macht. Schnell entschlossen ist er daher auch, gegen genügend Bares die scheußliche Kate zu nehmen. Und vielleicht will er sich durch die überstürzte Ehe mit der Schreckschraube auch schützen vor dem übermächtigen Gefühl, in das er seine Kompagnons verstrickt sieht, die der schönen Bianca verfallen sind. Die Macht des Weibes - Petruchio negiert sie, indem er sich lächerlich aufbläht. Wer soll ihm glauben? Ist das wirklich ein Mann, der Männern Ideal sein kann? Doch dann hat er - tatsächlich  - eine zwingende Idee, wie er die Frau unterwerfen kann: durch Schlaf- und Essensentzug, getarnt als Liebe und Fürsorge. Brillant. Die Theatertruppe singt: Do you really want to hurt me? (OMG, Boy George!) Katharina - bei Shakespeare - begehrt nicht ihn, den HERRN, sondern: Fleisch! Man muss nur genau zuhören. Die romantische Interpretation gehört späteren Generationen an. Wohl hält sie dann jene fragwürdige Rede:

"Thy husband is thy lord, thy life, thy keeper,
thy head, thy sovereign, one that cares for thee,
And for thy maintence commits his body
To painful labor both by sea and land,
To watch the night in storms, the day in cold,
Whilst thoug liest warm at home, secure and safe,
And craves no other tribute at thy hands
But love, fair looks, and true obedience-."


-Aber, frag´ ich, welcher HERR erkennt denn sich in diesem geplagten Manne, winddurchschüttelt, sturmumdost, der bürgerliche aktenkoffertragende Mann doch kaum? Das wär´ ja... Dem wird halt was vorgemacht, denn: Girls just wanna have fun.

Meine vorigen Posts versuchten der Frage nachzugehen, in welchen von männlichen Dichtern gestifteten Frauenbildern reale Frauen sich wieder finden (können) und welche Folgen diese Spiegelung für das reale Leben hat. Dass der männliche Dichter an der realen Geliebten schreibend "Verrat" üben könnte, indem er nicht sie, sondern "die Liebe" verHERRlicht, war eine umstrittene These. Mich interessiert aber über das "Verrat"-Thema hinaus: In welchen von weiblichen Dichterinnen entworfenen Männernbildern vermag sich denn ein realer Mann wieder zu erkennen? Und ist er geneigt, sich nach diesem weiblichen Männerideal selbst zu bilden?


(17.15 Uhr GMT) Männer bilden sich nicht! Stelle ich- ohne große Überraschung - fest, denn die Frage, die ich heute Morgen stellte, bleibt offenbar ohne Antwort. Kein Mann liest, was eine Frau über Männer schreibt, um sich daran selbstbildend zu orientieren. So ist das also.  


Ich schlenderte zum Abschied durch Bloomsbury und Holborn, hörte im Foundling Hospital Händel und gedachte Captain Thomas Corams, des Menschenfreundes, von dem Hogarth das berühmte Porträt gemalt hat. Über die Fassade des Hospitals ist ein Banner gespannt mit der Aufschrift "On Angels of the Earth". Captain Coram, der in Amerika sein Glück gemacht hatte, konnte, als er nach England zurückkehrte,die Gleichgültigkeit gegenüber den ausgesetzten Waisenkindern nicht ertragen. So entstand Foundling Hospital. 


In einem Café in der Nähe des Britischen Museums las ich in einem Kurzgeschichten-Band von Virginia Woolf, den ich in Oxford gekauft hatte. "A Society" - als wäre die Geschichte extra geschrieben mir die heutige Frage (an die Männer) zu beantworten und ihre Sinnlosigkeit zu verdeutlichen. "This is how it all came about.", beginnt Woolf. Sechs oder sieben Frauen sitzen zusammen beim Tee. Einer von ihnen hat der Vater testamentarisch auferlegt, alle Bücher der London Library zu lesen. So schlimm scheint das den anderen nicht, denn sie kennen Shakespeare und Milton und Shelley, doch sie beginnt ihnen vorzulesen, womit andere Männer sich so verewigt haben. "Warum nur", schreit Poll, "hat mein Vater mich lesen gelehrt?", so schrecklich ist das. Zweifel kommen auf, ob die "Männer-Welt" des Geistes die Verehrung und Unterwerfung tatsächlich verdient, die ihr zuteil wird durch die Damen die bereitwillig sich ehelichen lassen, Kinder bekommen und diese großziehen. Eine Gesellschaft wird gegründet, deren Mitglieder den Auftrag haben, Fragen zu stellen. So ziehen sie los: ins Britische Museum, nach Oxford, nach Cambridge, zur Royal Academy und zur Tate, zu den Law Courts. Was soll ich sagen? Die Ergebnisse der Ermittlungen sind erschütternd. "We could listen no more to the gibberish." Die Geschichte endet damit, dass die Damen auf der Straße das Siegesgebrüll der Männer hören, als die Zeitungsjungen den Friedensvertrag verkünden. Die kleine Tochter einer der Frauen ist dabei und die Ich-Erzählerin sagt. "Once she knows how to read there´s only one thing you can teach her to believe in - and that is herself." "That would be a change", sagt Castilia.


Virginia Woolf: The Mark on the Wall and Other Short Fiction, Oxford World´s Classic, € 8,99

Kommentare:

  1. oh, noch immer keine männliche Meldung...

    Sie haben vollkommen recht. Männer bilden sich (in der Regel) nicht - sie s i n d schon und widerstehen ausdauernd. Tapfer und heldenhaft ; )

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  2. Ja, ich habe das erwartet, doch stimmt es mich auch verdrießlich... Es ist auch schade für sie selbst, dass Männer gar nicht lernen wollen, wie sie gefallen könn(t)en. :)

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  3. fallen mir nur jelinek und bachmann ein ( naja vielleicht noch plessen oder veza canetti )oder vielleicht kristeva oder eva meyer wo mich interessieren würde oder interessiert haben würde,
    ob und vor allem warum ich vielleicht ne chance ( gehabt ) haben würde.

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  4. Sie wollen heiraten?

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  5. @Lobsie (Baby) Bei Jelinek ein Männlichkeitsideal entdecken...Das wird schwer. "eine Chance haben" - wie Frauen bei Männern sich Chancen eröffnen ist ja hinlänglich bekannt, da Männer da sehr offen drüber reden und schreiben (knöpf die Bluse auf...). Umgekehrt ist weniger offensichtlich, wie die Objektwahl funktioniert. Manche sagen zynisch: Geld, Macht, Status. Oder...- ich tendiere dazu, meinen Kopf an einer Brust reiben zu wollen, ohne mich beugen zu müssen.

    @Anonymous ??? (Aber nicht in weiß...nie in weiß...)

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  6. aber warum nicht, warum nicht in weiß? Das ist sie doch, as ist doch die einzige Farbe.

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  7. melusine deine fragestellung ist doch kompletter quatsch.
    wie soll denn eine einzige frau ein männlichkeitsideal für mich aufstellen wollen ?
    oder was interessiert es mich welche männliche brust du brauchst um auf deine kosten zu kommen ?
    das ist ja alles schön kokett und niedlich irgendwie aber im ansatz halt zu platt.
    mich hätte immer ja interessiert wie ich meine schönheitsideale dekonstruiere, da ich immer ein für mich allzu ausgeprägtes faible für modelmässige frauen hatte ( genau 58/85/58 z.b. ) und ich mir damit immer ziemlich diskriminierend vorkam.
    ich muss sagen, daran scheiterte ich bislang elementar, an so einer dekonstruktion.
    soll ich aber damit hausieren gehen und sagen hey für mich kommt nur so ein model in frage und jetzt wo ich die 40 überschritten habe am besten noch unter 25 ?
    ach so, sie sollte noch kosmopolitisch sein und dazu auch noch wenigistens eine tolle künstlerin oder eine begnadete naturwissenschaftlerin oder eine philosophin aka eva meyer sein ?
    wäre das wirklich eine diskussionsgrundlage ?

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  8. also um mal ganz offen zu sein - ich bin nicht der typ hinter dem die frauen her sind.
    das heisst dass ich aufgrund meiner schönheitspräferierungen oder - fixierungen durchaus mal ein jahr wenn nicht länger alleine bin was mich allerdings nicht stört.
    mich stört einzig und alleine das diskriminierende wenn ich frauen ablehne die in mein enges auswahlkonzept nicht passen obwohl sie vielleicht ganz nette frauen sind.
    allerdings sehe ich in den jahren der diskussionen in den blogs kaum einen ansatz da mal ein wenig zu basteln ( readan unternahm den versuch ja letztens aber ich poste in der dschungel ja nicht mehr und eigentlich hatte ich mir diese diskussion seinerzeit von femme 100tetes erwartet, die ja schon ziemlich profimässig am texten ist und schon etwas in die jahre gekommen - da wäre das erst eimal mit attraktivität und alter antezepiert gewesen, wenn )
    naja
    was solls, ist "mein" thema hinsichtlich einer etwas fundierten erörterung gerade eh nicht.

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  9. Ohweia, lobsiemaus - immer nimmst du mich ernst, wenn ich´s nicht bin :) Allerdings glaube ich, dass die Ausschlusskriterien umgekehrt genauso funktionieren, nur nicht zwingend an Körpermaßen festgemacht sind. (58 - das ist schon ganz schön skinny???) Wir alle orientieren uns zumindest unbewusst an Idealbildern - für die Objektwahl, aber auch um uns zum Objekt zu machen. Wobei Frauen sich selbst eben eher als Objekte wahrnehmen, während Männer das gern verdrängen (darauf wollte ich mit dem "Brust reiben" hinweisen - das umgekehrte Modell, das Du beschreibst, ist doch wohl nicht weniger platt, oder?)

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  10. es geht darum wie ich in kommunikation eintrete -
    also will ich jemand anderem so meine modellvorstellungen verklickern oder will ich mich ( und meine optik, naja meine persönlichkeit ) ernsthaft verändern.
    will ich mich verändern, so kokettiere ich eben nicht mehr mit den begrenztheiten meines horizonts.
    ging mir immer auf den keks als ich noch jünger war und die mädels die mich mochten meinten ich wär irgendwie hübsch.
    also wie das so rüberkam.
    naja - vielleicht war ich ja auch die ( zudem ziemlich durchtrainierte ) puppe, mag ja sein.
    aber diese frau z.b. ( 58, ... ) die zudem echt verdammt gut aussah - mit dope dealen konnte wie sie auch mit der bohrmaschine fit war, meinte erst viel später dass ich ja eigentlich ganz hübsch wäre.
    sie sass gerne wenn ich klavierspielte fast schon zu meinen füssen und träumte.
    ( da träumte ich selbst noch )
    auf jeden fall war es das was mir echt imponierte damals, dass sie mich eben nicht über mein aussehen wahrnahm..
    allerdings war ich zu jung ( 17 ) damals um mit ihr eine ernsthafte, sprich längerfristige beziehung gehabt zu haben.
    damals hatte ich meinen freunden gegenüber regelrecht schuldkomplexe wenn ich aufgrund meines aussehens die mädels abbekam, das änderte sich dann mit zunehmendem alter allerdings weil ich an optischer attraktivität verlor.
    ausserdem gefallen mir eh nur seltene frauen, frauen mit ner art spirit.
    woher der kommt oder was das ist weiss ich bis heute nicht, so analytisch fit ich eigentlich mal drauf war.
    ich kann ja auch nicht sagen wie frau zu einer lasziven, polygamiefähigen, gar seybesessenen frau werden kann, ob das wirklich nur über mentale schulung zu erreichen wäre.
    ich verlange eigentlich nichts von einer frau als das mich mit ihrer sexuellen selbstbezogenheit zu verschonen.
    ich möchte ja mein spiessertum auch nicht auf andere übertragen.
    es gibt keinen königsweg und keinen alleinigen omnipotenten heilsversprechenden weg.
    weder in der literatur noch im leben.
    es lebe die vielfältigkeit.

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  11. @Lobster - "wie wir in Kommunikation eintreten" - hier geht es ja in jedem Fall um Meta-Kommunikation, denn wir beide begegnen uns ja "leibhaftig" nie. Wir reden also drüber, wie wir wirken (könnten) oder wie etwas auf uns wirkt.

    Ich z.B. möchte nicht zu einer "lasziven, polygamiefähigen gar sexbesessen Frau" werden, obwohl ich heute - mit 45 - offenbar eher so wirke als mit 25 als man in mir eher ein "scheues Reh" sah. Man ist immer eine Projektionsfläche. Die Frage ist: Wischt man den Spiegel blank oder schmiert man was drauf, was dem Blick des anderen Widerstand entgegensetzt. Von mir kann ich sagen - und das ist, glaube ich, für Frauen nicht untypisch, dass ich ein guter, leerer Spiegel gewesen bin, in dem viele sich haben sehen können, wie sie sich sehen wollten. Das hat mir Vorteile gebracht, zweifellos, aber auch dazu geführt, dass ich mich selbst im Spiegel nicht mehr erkannt habe.

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  12. melusine sei wie du bist aber wenn du dich verändern willst dann packe das an und warte nicht darauf, dass jemand dich von sich aus zu etwas machen will nach was du dich vielleicht heimlich sehnst.
    du liebst zudem anscheinend das hirntheater, ich nicht unbedingt - das ist wahrscheinlich der signifikante unterschied zwischen uns beiden.

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  13. @lobsiemaus r Ich muss mich nicht verändern wollen. Ich verändere mich auf jeden Fall, willentlich und ungewollt. Einfach weil ich mit anderen Menschen lebe, z.B. als Mutter von zwei jetzt erwachsen werdenden jungen Männern. Dass sie keine Kinder mehr sind, verändert mein Alltagsleben, aber auch meinen Blick auf mich selbst als Frau. Ich sehe (im Spiegel) jetzt viel weniger die Mutter, sondern – wieder und anders – eine noch gar nicht so alte Frau. (Wie sagte mir kürzlich einer : 45 ist doch noch jung, man ist erst mit 50 alt. ☺)Vielleicht ist das alles ganz anders, wenn man allein lebt und sich vor allem mit sich selbst beschäftigt hat. Dafür hatte ich in den letzten 20 Jahren praktisch keine Zeit. Also gerade kein "Hirntheater". Sorry, Baby.

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  14. mit hirntheater meinte ich das :
    da wird eine metakommunikation mit- oder durchgezeichnet, die sich auf dem status von bettlägerigkeit oder siechtum bewegt, da ein treffen im analogen leben ausgeschlossen ist, obwohl z.b. reisen nach england möglich sind.
    wird dabei noch geflirtet ist das absolut nicht meine sache.
    das erinnert mich an klemmis, die zusammenhocken, ein paar sexuelle anspielungen machen und sich dann schön brav zurück zu ihren partner:innen auf die wohnzimmercouch wuchten, sich aufs heimische wasserbett bugsieren
    oder sich in die häusliche familienhängematte reinhieven.
    oberlangweilig.
    sorry.

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  15. Aber w i r flirten doch nicht, oder? OMG - ich mache auch eher keine Anspielungen, was ich meine, sage ich doch ganz klar, so gut ich kann. --
    Wasserbetten sind wirklich sehr langweilig. Hieven muss ich mich (noch) nicht, kann ganz locker springen.

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  16. naja - ich dachte da zum beispiel an deinen briefwechsel mit alban, das war ja vielleicht keine ausgesprochene flirterei aber ein erotischer subtext schien mir da schon so latent angebohrt.
    unter der prämisse sich niemals im leben physisch wie auch immer zu begegnen - also nicht mal mit einem freundlichen händedruck.
    find ich halt peinlich sowas, andere mögen's.
    was soll's.
    ich hab das damals auch nicht wirklich gelesen, ich überflog das halt und da gab's dann auch keine traumatisierenden lese-erlebnisse dabei für mich. :)

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  17. Das letzte Mal als ich flirtete war ich siebzig, ich stand am Bahnf und vor mir standen lauter blonde Frauen, sie waren insgesamt vielleicht so alt wie ich.
    Eine fragte mich ob ich aus Eutschland komme, ich lachte, sie fragte ob ich spinne, ich lachte wieder

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  18. @Lobster Deine Ansicht zu diesem „Briefwechsel“ mit A.N.Herbst (ich würde ihn nie „Alban“ nennen!) hast du ja unter verschiedenen Pseudonymen und in verschiedenen Foren geäußert. Ich habe das immer akzeptiert – und teilweise sogar nachvollziehen können. ---Eines allerdings nicht: Für mich ist es –fast bis zum Abbruch – ein Austausch von Texten zwischen fiktiven Figuren gewesen. Das finde ich nicht peinlich. Sondern möglich und: dem Medium, in dem wir uns bewegen angemessen. „Lobster“ ist doch auch eine fiktive Figur, wie eben auch „Melusine“. Ähnlichkeiten mir „realen“ Personen sind lediglich „nicht zufällig“. Die Figur der Melusine hat sich „DIE“ ausgedacht, weil sie sie brauchte (lange vor dem Briefwechsel). Herbsts Briefe und ihre Antworten darauf haben die Figur „lebendiger“ gemacht. Dafür bin „ich“ ihm dankbar. Bleibe ich auch. Und auch dafür schäme ich mich nicht. Dass „ich“ daneben vielleicht ein wenig zu naiv (oder zu „spießig“ oder wie immer man das nennen will) für den Herbstschen Kosmos bin, das ist so und für mich gleichfalls kein Grund im Boden zu versinken. Ich bin froh, dass ich das mir Fremde, das vollständig Andere anerkennen kann und will. In der Literatur (z.B. das Werk Hans Henny Jahnns) wie auch im Leben (wo das, wie ich zugebe, wesentlich schwieriger ist.)

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  19. wo ist denn alban bitte eine fiktive figur ?
    ich fasste das so auf : da schreibst du betörend süssliche briefe aber immer unter dem zeichen : ätschibätschi, du wirst mich nie bekommen.

    ich halte dich übrigens für gebildet und hochintelligent.

    sorry - also zu dem briefwechsel sagte ich bislang eigentlich noch nicht viel, er interessierte mich doch nicht die bohne - also wo hätte ich denn dazu was gesagt ?
    ich stritt mich mit alban in der regel um politisch grundierte sachen.
    du verwechselst mich anscheinend mit condor pp

    nix für ungut - angenehmen abend

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  20. Du weißt nicht was eine fiktive Person ist, hast Du nie Max und Moritz gelesen oder glaubst du, die hätte es wirklich gegeben? Oder Romeo und Julia, meinst, die haben da wirklich gelebt, da in Vendig, glücklich wie das Öl vor Mexiko

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  21. @Lobsiemaus Fuer mich ist Herbst zunaechst mal eine fikitive Figur, die sich sprachlich inszeniert (im Blog und in seinen gedruckten Texten). Die reale Person dahinter kenne ich ja gar nicht. Dass fuer ihn die Grenzen hierbei fliessend sind, das habe ich eben nicht lange nicht kapiert.
    "suesslich" - so koennte man diesen 19. Jahrhundert-Briefroman-Imitation nennen, geht fuer mich in Ordnung, ist aber eben Inszenierung (gewesen).
    Sollte ich dich verwechselt haben (was wahrscheinlich ist), tuts mir leid.
    Danke fuer das Kompliment (gebildet und intelligent). Ich halte mich musikalisch leider fuer sehr ungebildet und moechte da noch viel lernen, gerade klassische Musik habe ich einfach viel zu lange duemmlich abgelehnt, so aus falsch verstandenem "Klassenbewusstsein".

    Herzlichen Gruss - aus good old England, wo ich mit der Tastatur kaempfe. (Fuck!)

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  22. imgrunde halt ein geschmacksurteil und sowas behalt ich in der regel für mich - solange ich mich noch fragen muss, was ein wirklich stylisches schreiben für mich wäre, kritisiere ich halt selten rum.
    ( bis auf die elegien bei a., da stieg ich mal etwas harscher dazu aber egal )
    hey du geniesst ja deine tage in england so wie ich das soweit verstehe - freut mich !

    schöne zeit da noch !

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  23. p.s.

    du mein geschmack hat im prinzip nichts dagegen wenn jemand es drauf hat und solche texte schreibt bloss da geht es mir wie bei klassischer musik - gediegene arrangements können mir sehr wohl gefallen allerdings nicht stundenlang am stück - egal ob da vielleicht mal was ruppig oder patzig wird - nach spätestens einer halben stunde brauch ich was flockiges für die beine oder andere teile meiner physis.
    das braucht ja keinen zu interessieren - also darüber lässt sich ja keine kunst ernsthaft kritisieren, da muss ich selbst halt irgendwie
    reagieren ( meist patchen ) als konsument.

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  24. @Das verstehe ich gut, die im Grunde koerperliche Abwehr gegen das "Gediegene".
    Ich selbst bin eher eine Art "Quartalssaufer". Ich steigere mich in bestimmte Sachen rein (Musiken, Buecher, ganze Serien, sogar -Schande ueber mich - Computerspiele), dann bin ich voellig aufgesogen davon (ich lese z.B. dann alles, absolut alles was jemand je gechrieben hat und wo ich ran kommen kann)- und dann streife ich es wieder ab und nehme eine ganz andere Haltung ein. Das irritiert viele: Dass ich Punk hoere, manchmal wie besessen, aber dann wieder Bruckner. Nur als Beispiel.

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