Sonntag, 24. Oktober 2010

LICHTERLOH oder DAS UNBEHAGEN

Die gherne woude doghen tsuete ellende,
Die weghe ter hogher minnen lant,
Hi vonde sijn lief, sijn rike, ten ende;
Dies gheeft die trouwe zeghel ende pant.*

Hadewych


Wie die herkam aus dem klösterlich verstummten Hügelland: Wo schon Gertrudis als Magistra stand, war sie verloren. Minniglich hausten sie hier hundert Jahr und mehr. Nisteten sich rein. Battisttücher steifweiß glänzend unter der Monstranz ausgebreitet, dass das Blut leuchtete barmherziger. Deren Kopf aber zog zu den Säulen, wo die Füße nicht stehen. Es fiel das Querhaus oder sie mit hinab, wer weiß das schon? Wie Brand aus den Fenstern züngelte  sich die Dachreiterin rot ins Gewölbejoch. Danach blieb die nicht am kühlenden Brunnen stehen; wankend hinaus ins Freie musste sie sich zivilisieren. 



Stätten blieb sie nicht treu, aber dem Licht. Doch findest du sie nicht mehr unter dem Kaffgesims. Das Mutterhaus steht leer.




*He would gladly suffer sweet exile
The roads to the land of high love
Would find his beloved  and his country at the end;
Of this, fidelity gives seal and pledge.

Kommentare:

  1. Es steht tatsächlich leer. Die Diakonissen sind pleite. Wusstest Du das? Auch die schöne alte Gaststätte ist leer, weil sich kein Pächter dafür findet.
    S.

    (Dass ihre Mutter Gertrudis mit 2 Jahren ins Kloster steckte, kann ich immer noch nicht fassen.)

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  2. Ja, ich habe es gesehen. Traurig, das Haus so verwaist zusehen. Doch noch waren die Blumenkübel vor dem Eingang in die Kapelle mit Batist gefasst und das Grab der Gertrudis mit Blumen geschmückt. Ob doch noch eines da ist von den frommen Fräulein?

    Dass Kind so früh weg zu geben, erscheint uns grausam. Aber dann stelle ich mir vor, wie sie dort oben auf dem Altenberg aufwuchs unter lauter liebevollen "Müttern" das geliebteste Kind: die Tochter der Heiligen. So könnte es doch auch gewesen sein.

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