Mittwoch, 23. Februar 2011

SCHLEIERTANZEN GEGEN DIE KLEIDERORDNUNG

evas kostüme*

ich sah wie der spießroutenindianer die frau als metapher vor sich her trieb,
ein paar mal um den marterpfahl während sie die äpfel mit einem messer schälte.

und eines nachts,
just als die rose von jericho über mein parkett wehte,
da kam es mir in den sinn:

kiefer aus zinn
zer-
gliedert
die textur seriell,

nun sitze ich hier und nehme maß, maria,

(ma mata, mata hari...)

rechenschieber zählt die alveolen die ich aß.

***

Carolee Schneemann: Eye body
Die Lungenbläschen, ohne die man nicht atmen kann, aufessen, - das musste ich nachschlagen, auch das, andererseits: immer wieder all die Wortflügel, Sinnwürfe, Möglichkeitsflächen („Ja, dem Möglichkeitssinn Fläche geben“ **, sagt sie. Ja.Ja.)  Indianer und Metaphern: Da steht Pierre Brice als Winnetou, mein Bravo-Star-Schnitt in der Tür. Aber Winnetou, oh, Winnetou muss doch braune Augen haben? Verliebt bin ich in Nscho-tschi. Gut, dass Lex Barker sie nicht kriegen kann. Ich will, dass sie überlebt und eine Blutschwester wird. Sie knirscht mit den Zähnen. Rehaugen lügen nicht. Ich mag keine Pferdebücher, aber fünf Freunde. Doch George will ein Junge sein. Ich trage Frotteekleider und springe vom Garagendach, angstfrei. Bis ich eines Tages hinabschaue und das Fürchten lerne. Meine Schenkel sind dünn; ich passe durch alle Gitterstäbe. Weil ich die Tür von innen öffnen kann, lassen sie mich mitspielen. Sie jagt keine Menschen mehr und zerreißt ihr Fleisch nicht mit ihren Zähnen;  sie gibt keine Orakel auf,  sie verführt keine Schlangen und schneidet keine Köpfe mehr ab. Ich tanze nur nackt in der Dunkelheit. „...nicht das Evakostüm sondern Evas Kostüme, Mata Hari, Multiple Identitäten, das erzählt viele Geschichten“**, seriell, individuell, formell. Mein Rock, dein Schuh, die Haut ist durchlässig, immer noch. Namenlos. Nemesis. Ich helfe mir auf die Sprünge. Spring Du!


Evas Anzüglichkeit  

(Der Herr ist aus.)

Dann lädt sie mir Winnetou ein 
Ach, Nschot-schi, Schwesterlein, 
ziehe dich um, Schlangenfrau, 
tritt aus dem erdigen Verhau:   

Apfelschäume, Keltermeisterin,
der trunken verlegte Sinn
des entblätterten Kaff Maryam,
gefunden vor Dar-as-Salam.

Oh, Diana multimammia, 
Mata mata hari-a
Es klappert der Rosen Kranz
Beim losen Schleiertanz.

(Kommt Adam heim?) 


*von read An  (zuerst veröffentlicht: hier:)
** read An (hier:)

(Zitate mit freundlicher Genehmigung der Autorin. Danke, read An!)

Kommentare:

  1. Alle meine Kleider

    Mein neues Umsatzdu. Kleiderverordnungen oder der Tod steht mir gut. Ein Branding. Das geht auf keine Kuhhaut. Außer unsere. Kostüme. Mardi Gras komme (über das ganze Jahr)! Über unsere Haut. Zeitnadeltätowierte. Tabu hafte! Denn unser Blick auf den Anderen ist den Bildern unserer Haut entnommen.

    Auf sie schreibe: blind!

    Meine Haut, mein Haus, ein Tipi: Haus, das man benutzt.
    Leibessucht. Bleibesucht amarant.

    Mein nackter Kriegsfuß verscharrt das Gebebeil: Tomahawk. Tom, a Hawk. Hawk eyed woman.

    Marsyas Abhaut. Die würde ich mir zuschneidern lassen und anziehen. Wieso kann ich nicht sagen. Ich kannte die Bilder schon, da wusste ich von dem Mythos noch nichts. Kennen sie den Film Fell? Ein imaginäres Portrait von Diane Arbus. Eine tolle Fotografin.


    Da haben Sie sich aber sehr viel Mühe gemacht, Melusine. Danke, total klasse. Ich war schon gespannt wie ein Flitzebogen was Sie dazu schreiben. Ein schönes Gedicht. Evas Anzüglichkeit.
    Der Schleiertanz. Ja, er sah elf ihrer Tücher. Ich tanze nur nackt in der Dunkelheit...

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  2. Erleichtert. Flitzebogen ent-spannt. Noch eine Diane. Ja, vor zwanzig Jahren (oder so) sah ich ihre Bilder in einer Ausstellung in New York. Und später. Den Film kenne ich nicht. Werde ich aber.

    Tipi. Zelter. "Seine Leidenschaft für das Zelten teilte ich nicht." Einmal schwammen wir in Pisa nach einem Wolkenbruch fast davon in unserm Zelt.

    Bilder-Fluten.

    Such-Mut. (Das wäre ein Männername, statt: Hart-mut und Hel-mut) Ungeharnischt. (Was in d e m Wort schon wieder alles steckt...)

    Das Buch ist da: Jane sexes it up... Feminist desire. Flitzebogen.

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  3. Das Maßnehmen / Ich arme / Marie Marie

    Was wir anhaben, das Zum tut's. Fremd angezogen fahren wir mit Stadtbahnen zum Tanzabend. Keine Musshaut. Höchstens Zaunmusen. Esszutat nimmt ab. Mahnstunde: Esse Mut. Satz baut. Mund bahnt an: Suchmut. Ein Name. Selbander. Bei mir heißt er Seltsamer. Die Indianer und das Metaphernkleid. Tipi Zelter. Auch ein Name.

    Blau, sagte er. Blau sei seine Lieblingsfarbe.
    Er möge das Blaue an mir. Fast wollte ich sagen: Ich wünschte, ich wäre immer krank. - Aber Jane Sexes it up... Yes. Das will ich doch hoffen. Auch lesen. Bilderfluten. Wolkenbrüche.

    Und ein Satz einer Marie: „Mein Herr, befiehl mir, dass ich offen rede.“
    Wer bin ich? Ich bin eine Klagefigur. Nein, das ist nur ein Making of You.
    Ich Arme, ließ man sie sagen. Nein: Ich arme : Hört ihr das nicht?

    You will find me if you want me in the garden ...

    Wer ist George? Hoffentlich Bauer! Die Bauernschläue, die liegt mir. Der soll mir mal kommen. Da kann ich mithalten. Auch im Springen: 108 Höhenmeter. Bungeejumping. In Frottee. Ick hab sogar een Ausweis. Nich so viele wie Mata Hari aber dat kanna mir globen...

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  4. Namensgleiche: Marie und Mary. Dr. Seltsam und die Bombe. Einander. Selbander. Im Museum ein Zaungast. Such mich. Mutig. Versteckspiel. Schleichende Werbung. (Indianerspiele...statt Doktorspiele?)

    Grün. Immer nur Grün. Marienkäfer. Mary. Marry me. Die eine am See niedergestochen von Kinski. Erinnere sie. Wie die Musik das feiert. Was ist Eifer - Sucht? Eifrig sucht...Wer? Die Mutter sagte zu Marion, die Keuschheit sei eine schöne Tugend. "Die Bibel las ich nach Belieben, da war alles heilig; aber es war etwas darin, was ich nicht begriff. Ich mochte auch niemand fragen, ich brütete über mir selbst. Da kam der Frühling; es ging überall etwas um mich vor, woran ich keinen Teil hatte. Ich geriet in eine eigne Atmosphäre, sie erstickte mich fast. Ich betrachtete meine Glieder; es war mir manchmal, als wäre ich doppelt und verschmölze dann wieder in eins." Es ist hinieden nicht angebracht, sich zu verschwenden. Sei sparsam, Jungfer Marian.

    George ist kein Bauer. Travestie. Ein Mädchen, das ein Junge sein will. (Bloß um der Abenteuer willen.) Fünf Freunde.(Enid Blyton) EMein Ausweisbild zeigt eine Frau, die ich nicht kenne...

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  5. Indianerspiele statt Doktorspiele?

    Wie bekannte ein Doktor öffentlich: „ … so verschreibe ich mich ihm hiermit mit meinem eigenen Blute, welches ich, wie ich allerdings bekennen muss, von dem Gotte des Himmels empfangen habe, ...“ Nimm! Erhalte! Selbstverschreibung, ein Rezept. Dr. Seltsam. Oh, lange nicht mehr gesehen. MerkwürdigeLiebe. Kindergeburtstag am runden Tisch. Die Tortenschlacht gestrichen. Bis einer heult und am Ende will's keiner gewesen sein. Autorisierte. Push the button! Don't push the button! Die Moral. Das Wissen und die Verantwortung. Der Teufel kennt alle Perspektiven. Er sieht ein, ist ein großer Versteher. Ein Menschenflüsterer. Oder flüstern wir ihm? Wie ist es am Ende? Habe ich mich verdient gemacht oder mich eingelassen? Mit dem Teufel getanzt? Mich verschwendet? Oder mich verschwendet in aller Sparsamkeit? Amen. Lies mir die Federn aus dem Kleid oder mach...

    Nicht so vieles Federlesen!
    Lass mich immer nur herein:
    Denn ich bin ein Mensch gewesen
    Und das heisst ein Kaempfer seyn.


    Ich bin für das Fremde. Also Indianerspiele. Blutsbruderschaft. Zu Ärzten gehe ich höchst selten.
    Ich erinnere mich aber noch an meinen Kinderkrankenpass. Rot war er. Darauf ein Abziehbild. Gretel mit einem Lebkuchen in der Hand. Neben ihr zwei Raben, die die heruntergefallenen Krumen aufpickten.

    So viele Marien. Der Woyzek: „Du wirst dir die Füße nit wund laufe.“ Die habe ich mal auf der Bühne dargestellt. Mcbeth war mir lieber. Und der Soldat in Andorra. Männliche Haltungsüberlegungen. Statt: Kopf hoch, Brust raus, das Becken nach vorn verlagern...

    „Mein Ausweisbild zeigt eine Frau, die ich nicht kenne...“
    :
    Ich passe

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  6. Darf ich Ihnen vorstellen, Seltsamer:

    Ich bin ihm einmal im Traum begegnet. Er ist am ganzen Körper tätowiert, übersät mit blauen Schriftzeichen und lebt in einer kleinen Hütte im Wald. Jahre ist das her, 23 war ich. Normalerweise zeigt er sich nicht. Leicht deformiert und großwüchsig erschien er mir als er mich zu sich holte. An sein Gesicht kann ich mich nicht mehr genau erinnern, nur noch an seine Worte. Er sagte, er wolle für die Fantasien der Frauen nicht mehr herhalten müssen. Er wäre ja nicht einmal der Eigentümer seines eigenen Hauses. Nur die Schriftzeichen auf seiner Haut hielten ihn an diesem Ort gefangen aber er selbst könne sie nicht lesen. Ich glaube es sind Bannsprüche. Traurig war er, denn irgendetwas war ihm selbst zum Alptraum geworden.

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  7. @read An stellt mich vor Herausforderungen. "Aber ich bin doch eine überforderte Frau." Als junge Familienmutter und so...Kindergeburtstags feine Damen in Hütchen mit Spitzmündchen. "Pony Hütchen wird meine Frau." "Küss die Hand, Madame." Und dann: Indianergeheul um den Wigwam. Blutendes Knie an Federnde Stille. Wie wir waren: "Ich habe so große Brüste, dass man drauf tanzen kann." "Ach, nee, du..." Ein Kuss im Gebüsch, knallfeucht. Spucke im Ohr. (Da waren wir acht.) Impfung. Die runde Kerbung auf meiner Schulter. Schluckspecht.

    Der Herr Seltsamer. Ganzkörpertätowierter Retter. Mit Pfefferminz ist er mein Prinz. Feuerzeuge im dunklen Saal. "Johnny Walker". Ich war sechzehn. Ganz süß. Irgendwie. Ziemlich blöd. Gebannt. Von einem Typen mit Roller. Oder so. Richtig gefunkt hat´s erst am Mittelmeerstrand. Eine Nacht im Sand. "Lady in Red". Be my nightmare. Der war´s. Vor der Kneipe haben wir uns geschlagen. Bis wir nicht mehr konnten. Traurig. Die erste Liebe. Nostalgie ist Scheiße. Jep.

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  8. Niemand soll mein Packesel sein. Ich fordere: heraus! Auch mit Indianergeheul (-aus dem Wigwam zu treten.) Pony Hütchen und die feinen Damen mit Spitzmündchen sollen meine Kriegsbemalung sehen. Der Dreifingerwangenstrich und ein Hahnenkamm. Aber besonders gut steht mir der Borsalino Herrenhut. Blutende Knie hatte ich schon lange nicht mehr. Man(n) müsse mir schon ein Bein stellen! Und dann vielleicht höre ich meine Mutter wieder sagen während sie darüber pustet: Wenn du einmal heiratest dann tut es nicht mehr weh!

    Was aber wenn Töchterchen nicht heiraten will! Warum sagen Mütter so etwas? Da möchte ich das Kriegsbeil doch fast wieder ausgraben.

    An meinen ersten Kuss erinnere ich mich nicht mehr. Mit ca. 8 Jahren spielten ich und zwei Jungens aus meiner Klasse oft Ene, mene, mu und raus bist du... wer zieht sich als erstes die Hosen herunter, aus Neugier auf's andere Geschlecht. Brüste hatte ich in dem Alter selbstverständlich noch nicht. Ich fand die Vorstellung sogar erschreckend. Ich sagte: Wenn mir so etwas wächst dann schneide ich sie mir ab! Heute sehe ich das nicht natürlich nicht mehr so.

    Nostalgie kann scheiße sein. Aber nicht immer. Ist sicher eine Frage nach dem was einem heute fehlt. Auch "schlagende Beziehungen" können dazugehören. Aber es gibt jene da wäre der Ofen dann ganz einfach aus. Ich selbst habe so etwas nur einmal bei einem Mann empfunden und dass sicher nicht weil es mir an Respekt ihm gegenüber mangelte. Im Gegenteil. Er hatte so etwas auch nie verlangt. Mich hatte es aber danach verlangt, mal hinzulangen, einfach so, ohne Grund. Das habe ich allerdings nie getan. Finden Sie das erschreckend? Im Grunde ist es das ja und auch wieder nicht. Vielleicht wird es erst erschreckend wenn ich Ihnen sage, dass das auf einer Art Liebe "basiert", die bereit ist den anderen bedingungslos anzunehmen. Alles offen legt. Ja vielleicht sogar diese Art des Anfassens dadurch einfordert ohne danach zu fragen. Auch eine MerkwürdigeLiebe. Aber nie war mein Gedanke: Ich will dir damit wehtun. Tragisch. Denn ich habe mich geliebt gefühlt, liebte aber nicht im selben Ausmaß zurück.

    Der Herr Seltsamer. Nein, er ist nicht der Retter der Ich-Erzählerin. Wenn überhaupt dann ist es umgekehrt. Eigentlich zeigt er sich in diesem Traum menschlich, ist in allen anderen Träumen nur ein Gestaltgeber und dabei der Form der jeweils Träumenden unterworfen.
    "... als er mich zu sich holte." Das ist kein Traum mehr der verarbeitet, die Traumebene wird zum Ort des in Kontakttretens. Das Ganzkörpertattoo ist natürlich zugleich ein Sinnbild. Ich selbst z.B. habe kein einziges, meine Haut aber ist dennoch kein unbeschriebenes Blatt.

    „Er sagte, er wolle für die Fantasien der Frauen nicht mehr herhalten müssen." Damit kann man doch ein ganzes Fantasiefass an weiblichen Perversionen aufmachen. Insofern ist der Text sehr offen. Das "selbst" im letzten Satz allerdings ist mir aufgefallen, muss ich streichen. Ich will ihn auch weiterschreiben. Momentan fehlt mir vor Arbeit leider die Zeit. Die letzten zwei Wochen habe ich durchgearbeitet und mir die Füße wund gelaufen.
    Leider unkostümiert...

    Pfefferminz: Minthe. Eine Nymphe. Hades war in sie verliebt. Das gefiel Persephone nicht. Da ist sie wieder: die Eifersucht. Melusine, ich ertappe mich immer dabei mir zu denken Andere lügen ein bisschen wenn sie sagen ich bin nicht eifersüchtig! Ein wenig Eifersucht gehört doch dazu oder nicht? Es müssen einen ja nicht gleich die Furien beißen...

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  9. Ordnungs-Ruf von read An! Ich ordne mich zwanghaft, so unsortiert bin ich, - aber nie unter. "Die kann einfach nicht gehorchen", sagt der Papa. Stimmt genau. Er ist stolz drauf, irgendwie, auch. So. Hadernde Nymphchen. Weg mit der Verkleinerung! Brüste hatten wir natürlich auch nicht, aber wir stellten sie uns vor. So groß. Gigantische Mieder aus dem Otto-Katalog. Und Hüte. Ich laufe auch. Immerzu. Die Schuhsohlen krumm und die Füße wund. Barfüßige Gräfin (Sie war die allerallerallerschönste - und ich bin immer noch in sie verliebt: Ava, Eva, Ava.)

    Wir schlugen uns aus Verzweiflung, damals. Weil wir uns liebten, aber nicht leiden konnten. So was gibt´s wirklich. Ein Jahr ging das. On and Off. Nur im Verborgenen. Ungeschlagen. Bleibe ich. Die Eifersucht macht mich nicht süchtig. Ich denke nie dran. An die andere. Den anderen. Aber ich tobe, wenn ich verraten werde: Nicht ernst genommen, vertröstet, beschwichtigt, verschwiegen. Das ist es.

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