Freitag, 15. Juni 2012

DIESEN TEXT GIBT ES NICHT (jenseits der Transzendenz)


Es gibt diesen Text nicht, denn wahrhaftig, er will transzendentes Subjekt sein, er will also als „jenseits menschlicher Erfahrung“ gelesen und verstanden sein und das heißt: Er will von Ihnen, Menschen-Frau oder Menschen-Mann, von Ihnen will der, dieser Text hier nämlich, nicht gelesen und nicht verstanden sein; stattdessen jenseits jeder Ihnen möglichen menschlichen Erfahrung birgt der Text (Hören Sie ihn raunen?) eine Wahrheit, die sich Ihnen allenfalls als Text erschließen könnte, wenn Sie es zuließen, Text zu werden und zu sein, nichts als das, als purer Text, nicht-scheißende, nicht-fickende, stimm- und gewichtslose Wesen, denen sich das Wesen des Textes jenseits aller Fress-, Trink-, Lust- und Unlust-Erfahrung offenbart.

Ich polemisiere, freilich. Überall schwirren Texte herum, gut geschriebene oder unklug gedachte, lustig wirkende, Trauer auslösende, Ärger verursachende – mich interessieren sie nur in Beziehung zu Autor:innen, Leser:innen und Lesesituationen. Ansonsten sind sie für mich, die Text-Ungläubige nichts weiter als potentielles Klopapier (virtuelle Texte sind noch unbrauchbarer). Der Text selbst ist nichts, denn keine liest und keiner liest irgendwas  außerhalb einer konkreten Situation. Wenn der Text in diese Situation hineinwirkt, etwas zu verstehen hilft (sich, andere, Weltverhältnisse), dann entfaltet er Kraft und eröffnet Spielräume, eben weil auch er entstanden ist aus konkreten Situationen, in denen Menschen gelebt und geschrieben haben. Nichts Jenseitiges haftet dem Text an, solange ich nicht glaube. Und ich glaube nicht: an Texte.

Wie alle Gläubigen begegnen auch die Text-Gläubigen dem Unglauben der Text-Ungläubigen bestenfalls mit ungläubigem Erstaunen, üblicherweise aber mit missionarischem Eifer. Was außerhalb der Glaubensüberlieferung der transzendent miteinander textlich verkehrenden Texte geschieht, kann Anderes nicht sein als ketzerische Verleugnung der Wahrheit, die sich auf niedrige Instinkte, Halb- oder Garnicht-Bildung und Unwillen zur Erkenntnis stützt.

So ist es! In der Tat. Kein Text hat es bisher vermocht, mich von seiner transzendenten Bedeutung zu überzeugen, keiner bedeutet (mir – aber darin liegt halt schon die Ketzerei) irgendwas, jenseits meiner Erfahrung mit ihm. Polemik beiseite - Es ist meine Überzeugung, dass alle Text-Gläubigen vergessen haben, was am Grunde allen Sprechens, Schreibens und Verstehenwollens liegt. Die Text-Gläubigkeit, die unsere Kultur prägt, bringt genau das hervor, was Platon schon befürchtete: dass nämlich die Schrift das Gespräch aushebelt, sich abkoppelt sowohl von der Autorin wie vom Lesenden und eine auf nichts gestützte Autorität behauptet. Es ist nämlich in dieser Kultur vergessen worden, dass das Verstehen durch Sprache eben gerade nicht funktioniert, indem exakte Beziehungen zwischen Bezeichnetem und Bezeichnung hergestellt werden (also Definitionen), sondern weil durch die Beziehungen zwischen Sprechendem und Hörendem in die Beziehungen zwischen Bezeichnetem und Bezeichnung Beweglichkeit (wenn man will: Unschärfe) gebracht wird, nämlich die Möglichkeit mich und mein Weltverständnis in dem des anderen wiederzuerkennen und darüber unser beider Verständnis weiterzuentwickeln. Die Erfahrung (die natürlich für den Text-Gläubigen keine Beweiskraft hat) zeigt, dass Gespräche nicht deshalb gelingen, weil die Gesprächspartner sich möglichst eloquent und korrekt ausdrücken können, sondern weil sie Interesse und Autorität an- und füreinander haben und sich in einer vergleichbaren Situation befinden oder befinden könnten. Die Spielräume für Weltveränderung, die Sprache eben als Instrument der Ungenauigkeit eröffnet, können nur aus der Beziehung entstehen, die sich zwischen Autor:in und Leser:in in bestimmten Situationen ergibt. Der Text spricht nämlich nicht. Er schweigt. Er hat nichts zu sagen. Es ist ihm alles egal. Er spricht nur zu jemandem. Und er spricht nur dann, wenn jemand sich gemeint fühlt von einem Anderen. Ohne die Autorität des Sprechenden, wie immer imaginiert sie sein mag, ist der Text schlicht sinnlos.

„Die Kompetenz zu sprechen, zu kommunizieren und eine Beziehungen einzugehen hat nicht die Form von etwas, das wir wissen, in dem Sinn, wie wir eine Wahrheit kennen oder besitzen, sondern sie manifestiert sich nur in der Ausübung, in der kontextuellen Handlung, und ihre Wahrheit erweist sich darin, dass es funktioniert, dass wir in diesem Rahmen vorankommen, dass die Kommunikation und die Beziehungen weitergehen, obwohl und manchmal sogar gerade dann, wenn wir nicht wissen oder nicht verstehen. Man spricht und trifft sich immer ´in der Praxis´, nicht in der Theorie oder in einem idealen Modus, und das, was uns dann geschieht, ist niemals die Anwendung einer Theorie oder eines reinen Ideals, sondern immer und notwendigerweise eine fehleranfällige Praxis, wo die Missverständnisse und das Aneinandervorbeireden niemals auszuschließen sind. Und genau das ist es, was wir immer wieder nachfragen müssen: Hast du mich verstanden oder nicht? Vielleicht habe ich mich nicht gut genug ausgedrückt, was wolltest du sagen? Ich wollte sagen...“ (Diana Sartori, zitiert nach Antje Schrupp: Was wäre wenn? Über das Begehren und die Bedingungen weiblicher Freiheit)

Der TEXT, freilich, sagt nicht „Ich“ und fragt nichts. Deshalb können wir auch nicht mit Texten reden, sondern nur über sie. Das interessiert mich: Wie jemand etwas liest, was sie berührt, warum ihn das abstößt, mit welchem Mitteln er prüft, was ihn erreicht, aus welchen Erfahrungen sie schöpft, wenn sie schreibt. Der TEXT interessiert mich – jenseits davon – nicht. Gerade deshalb kann ich, können wir, der Gefahr des Missverständnisses, der Vermischung, der Unreinheit, der Ungenauigkeit und Unschärfe nicht entgehen. Es geht vielmehr darum, sie fruchtbar zu machen. Auch Lesen von Texten erlebe ich als Gespräch – nicht mit dem toten Text, sondern mit den womöglich Toten, die ihn verfassten. 

Kommentare:

  1. Wieder einmal ein wundervoller Beitrag und genau das, was ich, in anderen Worten, seit Jahren predige: bzw., ich plappere hier ja auch nur nach, was größere Menschen vor mir gesagt haben. Darf ich hier ein wenig Werbung für meinen Blog machen? Ich bin einfach mal so frei und verweise auf einen ähnlichen Artikel von mir: http://frederikweitz.blogspot.de/2012/03/lesen-was-dasteht.html

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  2. Werbung - na, klar! Ich setze das mal so ein, dass der Link auch "funzt":
    Frederik Weitz: Lesen, was dasteht
    Blogger ist da leider sehr wenig nutzerfreundlich.

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  3. Ihrem Text ist nun wahrlich nichts hinzuzufügen! Sehe ich alles genau so! Gruselig ;-)

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  4. Kurzer Hinweis nur (auch in Bezug zu Deinem Kommentar hier http://gleisbauarbeiten.blogspot.de/2012/06/kreuzberg-idylle-gentrifizierung.html?showComment=1339750942142#comment-c2872393010140890089 vom 15. Juni 2012 11:02):

    Das Transzendentale ist nicht das Transzendente. Das ist ein wesentlicher Unterschied. Und das Transzendentale ist gerade deshalb nicht erfahrbar, weil es die Bedingung der Möglichkeit von Erkenntnis bzw. von Erfahrung abgibt. Diese Bedingungen sind nicht in der Erfahrung selber zu finden, so wie sich die Bedingungen unter denen Naturwissenschaft möglich ist, nicht in den Naturwissenschaften werden finden lassen. Diese Nicht-Erfahrbarkeit hat einen logischen bzw. einen erkenntnistheoretischen Grund.

    Und um es etwas polemisch zu schreiben: Für diesen Unterschied zwischen transzendental und transzendent sowie transzendental und empirisch ist Textkenntnis erforderlich. Und weil dieses Transzendentale nicht (anschaulich) in der Empirie vorkommt, kann es auch keine transzendentalen Texte geben, die in Schriftform vorliegen. Dieser Unterschied kann nicht oft genug betont werden und von daher stammen dann all die Verwicklungen, weil nicht unterschieden wird zwischen einem transzendentalen und einem empirischen Subjekt.

    Zum Rest Deines Betrages, schreibe ich bei mir drüben heute oder morgen etwas. Ich mache das bei mir, weil ich da frei schalten und walten kann. Ich verlinke den Text dann einfach hier im Kommentar.

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    1. Wir reden da tatsächlich völlig aneinander vorbei. Denn diesen Text hier liest du nicht - weil du andere Texte verteidigst. Es geht ja hier gar nicht um Erkenntnistheorie - und also auch nicht um das Transzendentale.

      Ich habe Kant auch gelesen - und, behaupte ich mal, sogar verstanden, wie er von dir und anderen verstanden wird. Na und? Ich spreche gar nicht auf dieser Ebene der Letztbegründungen - und also auch nicht von Kant. Als Referenz hast allein du ihn eingeführt und damit "unerforderliche Textkenntnis" bewiesen. Mir ging es hier darum, ob Texte "Subjekte" sein können (oder als solche nur wahnhaft von Schriftgläubigen wahrgenommen werden).

      Die Einlassung zur "erforderlichen Textkenntnis" ist übrigens schon eine Unterstellung, die sehr stereotyp ins Raster passt, wie es oben polemisch im dritten Absatz entworfen wurde, oder? Jenseits einer Beziehung führte eine solche Behauptung (übersetzt: Du weißt gar nicht, wovon du sprichst), schlicht zum Abbruch des Gesprächs.

      Mir geht und ging es nicht darum, mit dem obigen Text Kants Texten (oder irgendwelchen anderen, auf die sich sonst wer beziehen könnte) "gerecht" zu werden. Denn Gerechtigkeit ist ein Problem der Beziehung unter Menschen, zu Texten unterhalte ich keine Beziehungen und also gibt es kein Gerechtigkeitsproblem. Ich missverstehe sie grade so, wie ich es brauche. --- (Damit fühle ich mich übrigens in bester Gesellschaft; ich verfahre mit - beispielsweise - Kants Texten so, wie Lichtenberg mit ihnen verfahren ist: Sie dienen mir zu produktiven Missverständnissen, in denen ich mein Unbehagen oder Begehren ausdrücken kann.)

      Deshalb werden wir uns da wohl auch kaum einigen, noch nicht einmal verständigen können. Ich finde es aber dennoch interessant, wie bruchlos du sofort die Referenz Kant aufrufst, aber über die von mir genannte, nämlich die Philosophin Diana Sartori hinweg gehst. Das zeigt ja, dass "erforderlich" Textkenntnis offenbar nur in Bezug auf bestimmte Texte (deren Urheber ich dir zuliebe nicht länger "Meisterdenker" nennen will) gilt. Im Sprachspiel, wie du es vorschlägst, wäre jedenfalls eine Diskussion meines Textes ohne "erforderliche Textkenntnisse" der Philosophinnen-Gruppe Diotima nicht möglich, weil das die Referenz ist, auf die ich mich beziehe. Ich allerdings beharre nicht darauf und diskutiere auch mit Menschen, die auf Kant rekurrieren und ihre "erforderliche Textkenntnis" daher beziehen. Missverständnisse sind von daher unvermeidlich: Denn wo der eine von Erkennntistheorie spricht, geht es der anderen um Sprachtheorie.

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    2. Trotzdem hat Bersarin in gewisser Weise recht. Würden wir jeden Begriff immer willkürlich neu benutzen (oder eine Kritik an unserer Benutzung nicht zulassen), würde sich eine Aufklärung im streng kantischen Sinne gar nicht lohnen. Und da bin ich leider doch noch vom Idealismus geprägt. Aufklärung ist möglich, wenn auch nicht so blauäugig einfach, wie Kant das gerne gehabt hätte.
      Und zur Vermittlung: der transzendente Text wäre der Text, den wir lesen könnten, hätten wir die unendliche Semiose (im Sinne Ecos) abgeschlossen. Es wäre die vollständige empirische Beschreibung eines Textes. Der transzendentale Text müsste dort gesucht werden, wo mir die Möglichkeiten gegeben sind, einen Text vollständig zu lesen. Demnach müsste es eine Art Kategorientafel geben, die es uns ermöglicht, sämtliche Lektüreoperationen aufzulisten und zu systematisieren.
      Insofern hat Bersarin Recht, hier auf eine Trennung zu beharren. Allerdings gibt es hier zwei große Probleme: zum einen kann dieser Unterschied nur aufrecht erhalten werden, wenn die transzendentalen Kategorien (sagen wir der Einfachheit halber: die Wahrnehmungsoperationen und Denkoperationen) von Anfang an vorliegen. Dem ist aber nicht so. Spätestens seit Piaget (eigentlich aber schon seit Herbart) darf man Entwicklungsgesetze für diese transzendentalen Kategorien, also ihrer Zeitlichkeit (Evolution) annehmen.
      Hier kommt das zweite Problem ins Spiel: das ist der Dialog. Denn wenn wir nicht davon ausgehen können, dass der transzendentalen Text sich auf die jeweils gleichen transzendentalen Kategorien bei allen Menschen stützen kann, dann muss jeder Mensch notwendig anders lesen. Und dieses "andere Lesen" ist nur durch einen Dialog zu erreichen, der (folgt man Kant) auf der einen Seite durch synthetische Urteile a priori zu erreichen ist und auf der anderen Seite durch (und hier weicht meine Fantasie von Kant vollständig ab) eine Dialektik zwischen synthetischen Formen und Urteilen, mithin also durch ein Hin und Her von Wie und Was.

      Du hast natürlich recht: die Begriffe transzendent und transzendental sind seit Kant deutlich verschoben worden. Kant selber hat sehr deutlich eine Umdefinition vorgenommen. Warum sollten es nicht PhilosophInnen nach ihm genau so tun?
      Trotzdem: ich halte es nicht für schlimm, wenn man bei der Interpretation eines Textes aneinander vorbeiredet oder sich sogar darüber streitet. Manchmal muss man erstmal deutliche Positionen schaffen, um dann zu einer Vermittlung zukommen. Insofern finde ich einen solchen Streit sogar sinnvoll, wenn man sogleich die Höflichkeit besitzt, dem anderen Menschen ein intaktes "Wesen" zuzusprechen und den Streit als einen Zwischenhalt in einem Prozess zu sehen. Dies wären sozusagen die transzendentalen Bedingungen eines aufklärerischen Dialogs.

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    3. @Frederik
      Ich habe das sofort eingeräumt, dass diese Unterscheidung Sinn macht und das auch entsprechend korrigiert bzw. im Kommentar auf die Begriffsverwechslung hingewiesen.
      Ansonsten kommt es eben darauf an, worauf sich das Begehren richtet: auf Widerspruchsfreiheit oder Verständigung. (Eben die zwei "Probleme", die du nennst.) Deshalb glaube ich, dass dieser "Streit" seine Produktivkraft verbraucht hat, so wie er hier geführt wird. Man merkt das ja auch vor allem am Ton. Und damit, dafür bin ich dankbar, illustriert das Kommentierverhalten hier sehr gut, was Antje Schrupp so beschreibt: "Sprechen im Sinn des Weltverstehens und der Verhandlungen mit anderen ist nämlich keineswegs an die Fähigkeit gebunden, sich schlüssig und korrekt in einer bestimmten Sprache auszudrücken, auch wenn die Debatten zum Thema Sprachkompetenz heute meistens darauf reduziert werden. Ob Gespräche gelingen, hängt nicht von der sprachlichen Eloquenz der Beteiligten ab, sondern von der Art der Beziehung zwischen ihnen, von ihrem gegenseitigen Interesse aneinander und von der Autorität, die sie jeweils für einander haben."

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    4. Dem Zitat ist nichts hinzuzufügen.
      Meine Besserwisserei zu Kant möchte ich übrigens entschuldigen. Ich arbeite zur Zeit sehr viel mit Kant, und bin da noch etwas frisch und distanzlos.

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    5. Kein Grund, sich zu entschuldigen. Das waren interessant und nachvollziehbare Anmerkungen (gerade was die zwei unterschiedlichen Richtungen angeht, die Sprechweisen nehmen können). Und ohne Abwertung einer anderen möglichen Sicht (Meinung?) formuliert. Schade, dass die ganze Diskussion so e n t g l e i s t ist. (Passt aber irgendwie ja auch zu den "Gleisbauarbeiten", oder?.) Kant ist immer lesenswert, denke ich, auch wenn er manchmal sozusagen gegen sich selbst gelesen werden kann, um "fruchtbar" gemacht zu werden.

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    6. Es gab mal einen Spruch von Richard von Weizsäcker, über den ich mich ziemlich aufgeregt habe. Zu der Debatte zwischen Walser und Bubis meinte von Weizsäcker: "Die Debatte droht zu entgleisen." Diese Metapher ist vor dem Hintergrund der organisierten Deportation und des Massenmords mehr als unglücklich gewählt. Besonders schick aber ist der Subjektschwund in diesem Satz: es ist die Debatte, die droht und niemand sonst. Womit wir eine transzendente Debatte hätten, die sozusagen real existiert, obwohl zumindest du und ich sie nicht werden lesen können (Begründung siehe dein Artikel).
      Vielleicht sollte man eine Metaphorologie des Geleises schreiben, sozusagen als Grundlage der Metaphorologie des Zuges. Oder anders gesagt: Würde Dreidecker heute noch leben, würde er Manta fahren. Und einen VoKuHiLa tragen, was er doch irgendwie seiner Philosophie eine hübsche Analogie liefert.

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    7. Soll natürlich nicht Dreidecker, sondern Heidegger heißen. Dummes Spracherkennungsprogramm.

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    8. Ja, das war natürlich eine gewisse Feigheig, der Subjektschwund bei der Entgleisung.
      Tatsächlich hieß das Blog ganz am Anfang: "Aus dem Gleis", ein Bild, das mir meinen Zustand auszudrücken schien, damals im Februar 2010, der ja die Ursache war, überhaupt zu bloggen. Dann aber wollte ich mich aus dieser Passivität befreien, nicht "geworfen" werden (aus dem Gleis, uuuhh- das heideggerts ganz schön), sondern bauen: andere Gleise, neue Gleise, viele Gleise.
      -Die ersten Sachen, die ich eingestellt habe, hatte alle mit dieser Metaphorik zu tun: Zugverkehr
      Noch immer tauchen das Geräusch ratternder Züge, Bauarbeiten am Gleiswerk, Stellwerkprobleme und Verkehrskontrollen häufig auf ;-).
      Auch das beschäftigt mich: Gleise oder Geleise.
      Ja, der Herr aus dem Schwarzwald würde selbstverständlich eher Auto fahren. Denke ich auch. Der öffentliche Nah- und Fernverkehr (noch immer nicht am Aktienmarkt!) kommt seinem Begehren wohl eher nicht entgegen. Zur Frisur kann ich nichts sagen, da fehlen mir die Begriffe. Aber für Rudi Völler finde ich den Vergleich nicht schmeichelhaft.

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    9. Hallo Bersarin

      Zitat: "Und das Transzendentale ist gerade deshalb nicht erfahrbar, weil es die Bedingung der Möglichkeit von Erkenntnis bzw. von Erfahrung abgibt. Diese Bedingungen sind nicht in der Erfahrung selber zu finden, so wie sich die Bedingungen unter denen Naturwissenschaft möglich ist, nicht in den Naturwissenschaften werden finden lassen. Diese Nicht-Erfahrbarkeit hat einen logischen bzw. einen erkenntnistheoretischen Grund."

      Um es etwas polemisch zu sagen: gerade der von Dir geschätzte Hegel sieht es (m.E. zu Unrecht) eben anders. Er glaubt, dass konkrete, individuelle Erfahrung und Bedingung der Möglichkeit von Erfahrung schlussendlich doch in einem zu sich selbst gekommenen Geist kulminieren und versöhnt werden...

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  5. Ich glaube, Schlinkert, Du bist einfach nur begriffsstutzig, und daß Du Dich in irgend einer Weise mal mit den Möglichkeiten der Text-Auslegung beschäftigen solltest. Dieses Gefasel von Baukästen und Selbstdenken ist einfach nur ein Totschläger, und es ist umkehrbar, so wie alle bloßen Meinungen. Ich sehe bei Dir nicht ein Stückchen Selbstdenken, sondern Du fabulierst das nach, was Millionen andere auch zu Texten und zu Literatur meinen – insbesondere die Empfindungseligen auf dem Einfühlungstrip. Du verhältst Dich hier in der gleichen Weise, wie gegen den Bücherblogger in einem anderen Kommentar: Irgend etwas Äußerliches hervorzukramen – das ist übrigens die ewige Masche des ressentimentgeladenen Kleinbürgers. Und fährt man Dir dann an Deinen Sprachkarren, so tritt die beleidigte Leberwurst Schlinkert auf die Bühne. Du erwartest Respekt, Friedfertigkeit uns sonst etwas, bist aber im gleichen Atemzug intellektuell nicht in der Lage, basale Weisen des Umgangs mit Texten zu praktizieren.

    Äußerungen wie „Liebe Melusine, ich bin sicher, ich habe Ihren Text so verstanden, wie Sie ihn meinen!“ zeugen – neben einem gefühlsduseligen, ranwanzenden Ton – von genau dieser Unfähigkeit, mit Texten umzugehen. Allein anhand dieses einen Satzes ließe sich ein ganzes Feuerwerk entzünden, und es zeigten sich darin die Weisen, wie mit Texten gerade nicht umzugehen ist. Bloß einen Aspekt greife ich heraus: Du kannst diesen Text nur dann genau so wie Melusine Barby verstanden haben, wenn Du Melusine Barby bist. Das wären dann literarische Leistungen des Spiels mit Identitäten und Geschlechtern, wie sie zuweilen in der Welt der Literatur oder der Blogs vorkommen sollen, und vielleicht könnte man diese Diskussion in der Tat als ein Stück Literatur begreifen.

    Wenn ich Deine Äußerungen so lese, fällt mir jedes mal ein Satz ein: „Wovon man keine Ahnung hat, darüber sollte man einfach schweigen.“ Von wem, Norbert W. Ich-persönlich-Selberdenken Schlinkert stammt der noch mal? Kommt der nun von mir, ist er von einem anderen? Wer weiß schon.

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    1. @Bersarin Ein Gespräch endet immer da, wo man dem anderen, an den man sich vorgeblich wendet, Autorität abspricht und kein Interesse an seinen Aussagen hat. Man beginnt dann ein Selbstgespräch, indem man sich die eigene Überlegenheit bestätigt. Wer seinem Gesprächspartner keinerlei Autorität zubilligt und kein Interesse an dem nimmt, sollte vielleicht schlicht das Gespräch beenden.

      Danke allerdings dafür, dass du den dritten Absatz meines Blogbeitrages noch einmal illustriert hast. Dass dein Begehren sich nicht auf Verständigung richtet, haben sogar die wohl inzwischen verstanden, die sonst für alles zu blöd sind.

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  6. Glauben Sie ruhig weiter, Bersarin, Sie wüßten etwas über andere Menschen und deren Wissen und Motivation, beschimpfen Sie weiter alle Welt nach Maßgabe Ihres Wissens über dies oder das, lenken Sie jede Diskussion unter Mißachtung des eigentlichen Anliegens in die Ihnen genehme Richtung. Das interessiert mich nicht, ebensowenig wie Ihre Versuche, mich zu beleidigen. Die gute Nachricht ist: Sie müssen meine Texte nicht lesen und auch nicht die der anderen Kleinbürger (Vorsicht vor Nietzsche!), weder die im Netz noch die gedruckten, also lassen Sie es einfach. Jaja, ich weiß, das hatten Sie auch nie vor, Gott bewahre!

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  7. Oh je...

    Schade...

    War mir, ich bin noch leidlich nüchtern, sowas wie n Bedürfnis, denn ich bin ein könn'- wir-uns-nich-alle-janz-doll-liep-ham-Harmonist und schätze beide Seiten doch eigentlich sehr. Uneigentlich übrigens auch... (Inhaltlich/Texttheoretisch gebe ich nach wie vor eher Melusine recht, aber who cares! Geht es wirklich um Inhalte?)

    Also: Er hat "Schade" gesagt...

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    1. Ja.
      Inhalte? - Als eine, die viel durch und in Bildern "denkt" (dass ich das in Anführungszeichen setze, ist ein Fehler!), sage ich: Form und Inhalt stehen in einer untrennbaren Beziehung zueinander. Ab- und Ausgrenzungsbedürfnis, Abwertung des Anderen und Aufwertung des Eigenen, dichotomisches Formulierungen...etc. sind erforderlich, um bestimmte "Inhalte" auszudrücken.
      Für mich hat der "Spaß" aufgehört, als dieser Ton anfing, der beleidigen sollte ("Schlinkert, du...", schon im Kommentarbaum zu dem kleinen Witz über Fausers Text.) Der Fehler war, dass ich mich teilweise auf diesen Ton eingelassen habe. Den Grund hierfür kann ich auch identifizieren: Es weckte Erinnerungen an höchst widerwärtige Situationen in Oberseminaren der 80er Jahre - und damit meine Wut! (was nie ein guter Ratgeber ist und Gespräche fast immer "ans Ende" führt). "Gelöst" hat diese Situation für mich damals die Begegnung mit Christa und Peter Bürger. In ihren Seminaren waren Diskussionen möglich, die anders verliefen - wer sich durch Herabwürdigung der Anderen profilieren wollte, blieb schnell weg. Ich überlege gerade, wie die beiden - die immer höflich blieben - das geschafft haben ;-). Dass dennoch heftig gestritten wurde, brauche ich wohl nicht zu betonen. Aber es ging halt nicht um "Recht haben", sondern um "Austausch". Obwohl die Bürgers von der Frankfurter Schule her kamen, waren sie offen für hermeneutische Ansätze und Verfahren, wie ich sie aus meinen kunstgeschichtlichen Studium her mitbrachte. Für keinen Zufall halte ich, dass in diesen Diskursen zunehmend feministische Theorien eine Rolle spielten - Kristeva, Butler, die Diotima-Gruppe aus Verona u.v.m. Das waren sehr unterschiedliche Ansätze, die auch nicht bruchlos miteinander vereinbar waren, aber sie lehrten uns, die Geschichte der Philosophie, wie wir sie kannten, als eine des "weißen Mannes" zu durchschauen und deren "blinden Fleck" unter die Lupe zu nehmen.

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