Freitag, 18. Januar 2013

DIE KULTURHELDEN (Trottel im Siegfried-Kostüm - Zur sprachlichen Modernisierung der "Kleinen Hexe")

Wenn der deutsche Bildungsbürger sich mal grad nicht drüber aufregt, dass seine Brut in der  Turbo-Schule gefoltert wird, verteidigt er seine Schätze. Sein liebster Schatz sind all die schönen Originaltexte, die er so gut kennt, wie seine Westentasche (obwohl er statt Weste inzwischen, ach dumm drum, heutzutage daheim eher Sportblouson mit Markenaufdruck trägt): das Nibelungenlied immer nur in der mittelhochdeutschen Version (Wehe dem, der unsern originalblonden, dumben Siggi verhunzen will!), Grimmelshausens Abenteuerlichen Simplicissimus ganz bestimmt nicht in einer neudeutschen Übersetzung (Verschonet uns vor solcher Barberei!), auch den Homer nur in Altgriechisch (Wer´s nicht mehr so gut kann, greift auf Gustav Schwab zurück, aber neuer nimmer!) und unsern guten alten Dichterfürsten Goethe nur in alter Rechtschreibung (denn: neue Rechtschreibung ist bekanntermaßen ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit), ist doch klar. (Blöd ist bloß, dass der Goethe gar keine verbindliche Rechtschreibung kannte. Die wurde nämlich erst 1901 per kaiserlichem Dekret eingeführt. Echt blöd!). 

Vor allem aber lässt sich der volldeutsche Bildungsbürger im Interesse seiner selbst und seiner geplagten Brut (Die soll jetzt wie diese ganzen ungebildeten nicht-deutschen Völker auch schon nach 12 Schuljahren die Hochschulreife erwerben. Da muss sie ja verblöden.) nicht die Klassiker SEINER Kindheit im ORIGINAL nehmen, wo all die Wörter vorkommen, die er jetzt plötzlich nicht mehr rausfurzen lassen soll, weil diese widerlichen Gutmenschen es verlangen, die ihm eh den ganzen Spaß verderben, hüh und hott, soll er nicht rufen dürfen, was er mag und DRUM druckt er das Wort und dieses und jenes (denn wir lassen uns doch von so ein paar daher gelaufenen N**** das Maul nicht verbieten, lassen WIR nicht, stimmt doch, oder?! ) noch mal ganz groß und fett auf seine Bildungsbürger-Gazette "ZEIT". Da freut er sich, klatscht in die Hände. Eideidei!  

Es brodelt in seiner Brust. Selten fühlte er sich widerständiger und revolutionärer. Was im Vormärz den deutschen Dichtern und Denkern so schmerzlich misslang, ihm ist´s geglückt: Der ZENSUR hat er die Stirn geboten. Unter Einsatz seiner Gesundheit, ja seines Lebens hat er gerettet seine Schätze, seine Kultur, seine Literatur, seine Welt! Erschöpft sinkt er danieder. So ein Kampf! Wie Siegfried einst. Vereint gegen die Herrschaft der Banausen! Überall machen die sich heutzutage fett. Dass man sich selbst gar nicht mehr ausbreiten kann, wie und wo man will und sagen, was einem durch den Sinn kommt in einer lauen Nacht auf dem stillen Örtchen oder wo immer. Frauen, Schwarze, Muslime und wer sonst noch was zu meckern hat, meinen heutzutage sie könnten einem die Wörter verbieten, dieses und jenes und bald schon alle. Man soll heutzutage nicht mehr sagen dürfen, was doch immer galt. Und also und auch heutzutage weiter gesagt werden muss

Denn die Literatur darf ALLES. (Wenigstens die große - und die kleine auch, jedenfalls wenn sie zu unserem SCHATZ gehört!)  Und das Genie darf noch viel mehr. Wie jede weiß, die nicht ganz dumm ist. Doch die Mutigen, deren Brut ihnen noch dankbar sein wird, dereinst, wenn die Wort-Schätze bewahrt sind in alle EWIGKEIT, verzagten diesmal nicht. Tapfer standen sie zusammen. An den Rand der Gesellschaft gedrängt, ohne Zugang zu öffentlicher Meinung, zu Presse, Funk und Fernsehen, rausgedrängt, ihrer Ämter enthoben, mit Berufsverboten belegt, wagten sie es und sagten die schlimmen Worte, schrieben sie, druckten sie, sendeten sie über den Äther. Welche HELDEN!

(Nun - hier ist man ein wenig verzagter. Man schreibt es nicht, das Wort. Und die anderen. Man braucht es nicht. Man pfeift auf Eure Schätze. Eure Originale! Und auf Euch! Genies! Helden! Siggis! Jans! (von Spon) Ulis! (von  der ZEIT) und all die anderen Marginalisierten und Entrechteten....)

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Wer sich für die Polemik entscheidet, will nicht diskutieren, sondern die Lächerlichkeit der "anderen Seite" ausstellen. Das ist für mich gegenüber dem Gestus der armen Opfer der "Sprachbereinigung", die behaupten, sich dürften nicht mehr sagen, was sie wollen, ihnen würden die Worte verboten, deren sie bedürfen - und die sie zugleich überall hindrucken und ausstellen - die einzig mögliche Haltung. Die Links unten führen zu Texten und Podcasts, in denen sich argumentativ mit der Thematik auseinandergesetzt wird. Diese Debatte, so denke ich, kann jedoch mit niemandem geführt werden (oder besser: mich interessiert es nicht, sie auch nur mit so einer/so einem zu führen), der/die die altbekannte Pirouette dreht, durch die immer und in jedem Fall der weiße deutsche Kulturlastenträger das Opfer ist. Meine Haltung gegenüber dieser Denk- und Sprechfigur schwankt zwischen Ekel und Auslachen.

Links zum Thema
Fleischhauers Trottelargumentation
Zur Debatte um  "Die kleine Hexe"
Die kleine Hexe und die Feinde gerechter Sprache

Was die hysterischen Retter der bedrohten Literatur und des aussterbenden Wortes im frühen 21. Jahrhundert  unter "Zensur" verstehen (in späteren Zeiten wird man sich wundern und erforschen, wie es zu dieser interessanten Veränderung der Wortbedeutung kommen konnte) kann man nachlesen: 

Der Thienemann Verlag über seine Entscheidung eine modernisierte Fassung der "Kleinen Hexe" von Ottfried Preußler vorzulegen - Fragen und Antworten zur sprachlichen Modernisierung von Klassikern


Kommentare:

  1. Das war aber jetzt ein Rant. Kann man den verfassen, ohne Bildung Bürger Tum? Nur in der Verortung in der Bildung Ferne?

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    1. Ich habe bestimmt nix gegen Bildung. Es ist der Bereich, in dem ich beruflich arbeite. Aber ich komme aus sogenannten "bildungsfernen Schichten". Und ich arbeite überwiegend mit jungen Menschen, die aus solchen Schichten kommen. Was mich stört und aufgrund meiner Geschichte immer schon gestört hat, ist die Verbindung von Bildung und Besitz. Und darum geht es vielen in dieser Debatte: Der zu bewahrende und zu erhaltende Status und Sinn ist jener, den die Kultur-Besitzer festlegen. Und selbstverständlich sind sie - wie immer, wenn sie an irgendeiner Stelle auch nur eines winzigsten Bruchstücks ihres umfangreichen Besitzstandes verlustig gehen könnten - die "Opfer". Die Gesinnungspolizei verbietet ihnen etwas, empfinden sie, und fangen an hysterisch um sich zu schlagen.
      Was ist faktisch passiert: Ein kleiner Verlag und die Rechte innehabende Familie haben sich entschieden in einer Neuauflage einen Text vorsichtig zu modernisieren. Das geschieht dauernd. Es gefallen aber den armen "Enteigneten" dieses Mal die Gründe nicht. Die meisten Hysteriker, die sich zu der Frage geäußert haben, lesen "Die Kleine Hexe" eh nicht, auch nicht vor. Es interessiert sie auch nicht dieser spezielle Fall, sondern das "Prinzip". Sie beharren auf ihrem Recht, ihre Wahrnehmungen (der Anderen!) so zu benennen, wie es ihnen passt. Merken Sie was? Wo wird ihnen dieses Recht denn genommen? Welche Sanktionen erwarten sie denn, außer dass es inzwischen eben öffentlich Gegenrede zu dieser Verwendung gibt? Ja, das ist schlimm, wenn man nicht alles, was man will, so sagen kann, wie man will, ohne dass jemand einem ins Gesicht oder über den Bildschirm sagen kann, wie doof er oder sie das findet. Echt! (Ich merke, ich steigere mich schon wieder in eine Wut.)
      In meiner Kindheit (ich habe das hier im Blog mal erzählt) las meine Mutter meinem Bruder und mir immer aus "Schnüpperle" vor. Wir liebten dieses Buch und identifizierten uns stark mit dem Geschwisterpaar, von dem da erzählt wird. Vor zwei Jahren hat meine Mutter das Buch mal wieder herausgeholt, weil sie es meinen Neffen vorlesen wollte. Aber nach wenigen Seiten, die sie überblätterte, hat sie gedacht: Das geht nicht mehr, das ist total veraltet: das Familienbild, die Hausfrauen-Mutter, die Stereotype in der Darstellung von Mädchen und Junge. Sie hat es weggelegt. Mit Recht, finde ich. Meinen Neffen wurde etwas anderes vorgelesen. Bei "Schnüppele", würde ich sagen, ist die Sache einfach: Das Buch hat für mich nostalgischen Wert, aber keinen literarischen. Es lohnt nicht, es für eine neue Generation lesbar zu machen. Es wird verschwinden und nicht tradiert werden, wie die allermeiste Literatur, die geschrieben wird.
      Otfried Preußlers Kinderbücher dagegen halte ich für auch literarisch wertvoll. Sie für eine neue Generation lesbar zu erhalten, ist sinnvoll. Das geschieht offenbar mit Vorsicht, in langen Diskussionen zwischen Verlag und Rechteinhabern. Mit dem Ergebnis ist vielleicht nicht jede/r einverstanden. Die Neuübersetzung des Abenteuerlichen Simpliccismus wurde viel gelobt, aber vielleicht (ich bin keine Expertin) gab es auch von einigen Einwände. Darüber kann man diskutieren. Man kann, wenn es für sinnvoll erachtet wird, auch eine historisch-kritische Preußler-Ausgabe herausgeben. Das alles ist möglich. Nicht zwingend. Die Hysterie, mit der ZENSUR geschrieen wird, entlarvt die Kreischenden. Vor allen Dingen mit Blick darauf, warum sie sich gerade an dieser Stelle, bei diesem Wort, so schmerzhaft getroffen fühlen - und die Prinzipienreiter spielen müssen.

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  2. Schöne neue Welt: Alles wird in Neu-Sprech angepasst bis jeder Konflikt aus der Welt geschaffen ist und alles Friede, Freude, Eierkuchen. Als nächstes fällig sind dann Karl May (Deutschnationalist) und Wilhelm Busch (Tierquäler).

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    1. Karl May, von vielen hochverehrt, ist auch ein schönes Beispiel. Da hat die Fan-Gemeinde ja zum Wohle der Literatur gewirkt und die Texte fabelhaft editiert und alles ist in Butter. Es liest sie bloß außerhalb des germanistischen Seminars und der vergreisenden Fan-Gemeinde niemand mehr. Fragen Sie mal eine beliebige, zufällig zusammengekommene Gruppe von jungen Leuten danach. "Karl May - nie gehört!" Bestenfalls "Winnetou" ist aus den Filmen bekannt. Schon ich habe als Kind all die geschwätzigen, pseudo-philosphischen und deutschtümlerischen Passagen geschwind überblättert. Mein älterer Sohn, der sich noch dran versucht hat, hat gegähnt und sich über die schlimmsten Passagen so geärgert, dass er abgebrochen hat. Sei´s drum. Klar wäre es eine "Verfälschung", nun eine gekürzte Karl-May-Ausgabe rauszubringen. Das wird auch nicht passieren, da sind die Kultur- und Tugendwächter (Achtung, Polemik), da ist die fanatische Fan-Gemeine vor. Er wird erhalten. Historisch. Kritisch. Ungelesen. Super. "Texte sind Dokumente", schreibt Jürgen Fenn auf schneeschmelze.wordpress.com. Ja, für die Literaturhistoriker_in. Und für eine kleine Gruppe von historisch besonders interessierten Literaturliebhaber_innen. Für alle anderen dokumentiert Literatur nichts, sondern dient der Unterhaltung.

      Autor:innen sollen, las ich, ihre Texte auch nicht mehr ändern, wenn sie einmal erschienen sind. Wow, das wäre aber einigen schon peinlich, wenn Fehler und Irrtümer dann für alle und vor allem erstmal die ganze eigene Lebenszeit über immer weiter nachgedruckt werden müssten. Aber sicher: Alles im Interesse des "reinen Textes", der dokumentiert wird.

      Astrid Lindgren übrigens war gar nicht so glücklich mit der Version, die der schwedische Verlag als Originalausgabe der "Pippi Langstrumpf" gedruckt und damit dokumentiert hat, die war ihr viel zu brav. Die wurde aber leider auch Grundlage all der Übersetzungen, die in Europa verbreitet sind. Was für eine grässliche Zensur, in der Tat! Lasst uns eine Original-Version unter die Kinder bringen. Sie werden dankbar sein.

      Ich könnte der langen Rede kurzen Sinn auch in einem - verfälschten! - Zitat von Gustav Heinemann wiedergeben: "Ach was, ich liebe keine Texte, ich liebe meinen Mann!" (Und begebe mich damit und endgültig der Satisfaktionsfähigkeit in dieser Debatte. Denn die LIEBE zum Text als solchem ist eine Grundvoraussetzung zur Teilnahme, das sehe ich ein. Und - ich gestehe - sie fehlt mir.)

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  3. Super Beitrag, gefällt mir sehr. Es ist einfach nur peinlich, wie verbreitet Alltagsrassismus in Deutschland ist.

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  4. Mein Sohn wollte am Rosenmontag als Indianer gehen. Darf er das?

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    1. Und meine Tochter hat sich jetzt für Fassnacht ein Zigeunerkleid besorgt. Wir, die Eltern, wollen das nicht. Ich möchte sie im Dirndel sehen. Mein Vater, ihr Großvater, war bei der Polizei.Wir haben so gelacht, als die Kleine mit der alten Dienstkappe herum gelaufen ist.

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    2. Ich hab´ das jetzt mal zu Illustrationszwecken freigeschaltet. Da handele ich ganz willkürlich.

      Aber besser wär´s, Sie berichteten über Ihr Privatleben demnächst einer - möglicherweise? - geneigten Leserschaft auf einem eigenen Blog. Wäre mein Rat. Kostenlos.

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  5. Vielen Dankfür die Freischaltung. Ich wollte mit der kurzen Parabel ja nur zeigen, dass mit der Annullation des einen Namens nicht schon notwendig die glücklichen Bedingungen für einen besseren gegeben sind.

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    1. Geht es in meinem Text um die "Annullation des einen Namens"? Aus der Welt? Einem Kinderbuch in einer Neuauflage? Und was ist ein "Name"? Wer hat das Recht ihn an andere zu vergeben? Und wer darf ihn wechseln?

      Das könnte, ernsthaft betrachtet, ein entscheidender Hinweis sein, warum und wie diese Debatte in Deutschland geführt wird. Was auch das Thema meines Posts ist. In dieser Debatte haben sich viele, auch ansonsten sehr anständige Leute, lächerlich gemacht. Manche, das war vielleicht lehrreich, - wie Dennis Scheck - haben sich endlich so unmissverständlich offenbart, dass man sie getrost "vergessen" kann. Bei Facebook hat sich ein solcher aufgeregt, ob man nun auch Agatha Christies "Zehn kleine Negerlein" umbetiteln müsse - und musste belehrt werden, dass in Großbritannien eben diese Änderung des Titels bereits 1985 erfolgt ist, in den USA schon die Erstauflage unter anderem Titel erschien und in Deutschland jede Neuauflage seit 2003. (Deutschland ist eben spät dran. In vielerlei Hinsicht. Und immer sehr stolz drauf, selbstverständlich.)

      Ja, wer vergibt Namen? Und was für eine Gesellschaft ist das, die beharrlich gegen alle Wirklichkeit dabei bleibt, dass es "die Anderen" nur als Objekte "unserer" Namensgebungen gibt und sie nicht Teil dieser Gesellschaft sind und offenbar auch niemals werden können und sollen. Denn "wir" haben "ihnen" Namen gegeben. Und die bleiben. Wie "wir" unter uns.


      Nein, Rassismus (und das sollten Sie ruhig beim Namen nennen, statt von "glücklichen Bedingungen" zu reden) verschwindet nicht, in dem Worte verändert werden. Rassismus ist zäh. Aber es gibt das Recht derjenigen, die von Rassismus betroffen sind, ihn als solchen zu identifizieren. Auch an Worten. Und wenn jemand nun unbedingt ein Rassist bleiben will oder Bücher verlegen, in denen Figuren ohne Not (also ohne in einem historischen Kontext zu agieren) rassistisch daher schwafeln, dann kann ihn oder sie niemand daran hindern. Aber er oder sie müssen es sich neuerdings halt gefallen lassen, dass in "diesem unserem Lande" einige die Stimme erheben und das Rassismus nennen. Das ist auch ein Name. Und er kann vergeben werden.

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  6. Die "unglücklichen" gesellschaftlichen Bedingungen, in denen Rassismus möglich ist, gibt es immer noch. Diesbezüglich wären "glücklichere" Bedingungen solche, aus denen erst gar kein Rassismus mehr hervorgehen könnte.
    Dann würden Namen, die das Signum des Rassismus tragen, auch nichtmehr in böser Absicht hingeschrieben. Sie würden aber fortbestehen können als Mahnmahle dessen, was sie bezeichnen.
    Zeitkritikern kann man gar nicht vorwerfen, dass sie aus verständlichen Gründen hinter der Annullation dieser Namen her sind.

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    1. Es ist ja Teil dieser ulkigen Debatte, dass immer wieder behauptet wird, diese Worte könnten nicht fortbestehen, wenn ein Kinderbuchverlag es aus einem Text, den er nicht als "Mahnmal" retten, sondern als Lektüre für Kinder weiter verkaufen möchte, entfernt. Das verstehe, wer will. Mir erschließt sich das nicht.

      Wer historische Situationen erzählt, wird die Worte benutzen, die zu jener Zeit üblich waren. (Wie jetzt im Film "Lincoln"). In einem Text, in dem es um Rassismus geht und der historisch und geographisch eindeutig verortet ist (wie "Huckleberry Finn") wird das Wort selbstverständlich stehen bleiben müssen, nicht als Mahnmal, sondern weil anders der Inhalt/Gehalt des Textes unverständlich wird. In einem Text, dessen Autor Rassist ist (wie Hemingway) wird man das Wort meinetwegen als Mahnmal stehen lassen können. Solange man diese Text noch drucken und lesen mag. Und Rassisten werden eh sagen, was sie wollen. Ungestraft.

      Auf "glücklichere Bedingungen", in denen es keinen Rassismus mehr gibt, kann eine hoffen, für mich erfordert das gegenwärtig zuviel Phantasie. Denn wo ich lebe, sind die Rassisten ganz gut vertreten und ziemlich gesund, wie auch diese Debatte gezeigt hat. Wer im Alltag dieses Wort gegenüber anderen benutzt, mit dem wünsche halt ich (und andere auch) keine nähere Bekanntschaft. Mehr hat er ja weder jetzt noch in Zukunft zu befürchten, außer, dass er halt nicht überall willkommen ist. Ich verteidige allerdings gegen die hysterischen Schreier, die s i c h (????) "zensiert" fühlen und an Orwells '1984" erinnern, die Entscheidung d i e s e s Verlages und d i e s e s Autors bzw. seiner Familie als eine, die ihnen zusteht und die ich für nachvollziehbar und richtig halte.

      Und ich bin nach wie vor überrascht und auch traurig darüber, was im Zuge dieser Debatte "heraus" gekommen ist. Ein Blick allein auf die Kommentare zur unsäglichen Aktion von Dennis Scheck, wo so viele ihm zu seinem "Mut" gratulieren und sich gebären, als hätten sie lange, lange unter einem schrecklichen Druck gelitten, d a s nicht sagen zu dürfen, reicht, um mich für Wochen von jeder Hoffnung für diese Gesellschaft zu kurieren.

      Das entspricht aber nicht meiner gewählten Einstellung. Denn ich will optimistisch sein. Trotzdem.

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  7. Natürlich werden diese Wörter fortbestehen, schon alleine wegen der der Sprache im Allgemeinen anhaftenden Spröde gegenüber den viel rapider sich vollziehenden Veränderungen sozialökonomischer Verhältnisse.
    Es ist, wie es im Regietheater der Fall ist: indem man dem Hamlet einen Zilinderhut auf den Kopf setzt macht man das Stück alles andere als modern. Besser wäre es da schon, gleich moderne Stücke zuzulassen, das wäre erfrischender.
    Es handelt sich also um eine -ideologische- Anmaßung.

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    1. Ach, darauf nur noch - mit Andreas Wolf - da lasse mich doch gern Ideologin schimpfen.

      (Auf den anmaßenden Unsinn zum Theater, den Sie frei Haus zum Besten geben, gehe ich nicht ein. Ich weise nur - zum wiederholten Male, gerade in Ihrem Fall- darauf hin: Anonyme Beiträge von Leuten, die zwar ich an der IP-Nummer und ihrem Gerät wiedererkennen kann, die sich aber für Leser_innen des Blogs nicht mal der Mühe unterziehen sich ein wiedererkennbares Pseudonym zuzulegen, schalte ich ausschließlich frei, um bestimmte Positionen zu dokumentieren. An einer argumentativen Auseinandersetzung mit solchen "Beiträgen" dagegen habe ich kaum Interesse. Das kommt so: In meiner Wahnwelt kommunizieren Menschen miteinander, nicht Buchstaben, Sätze, Texte oder irgendwelche abstrakten "Wahrheiten". Das sehen Sie sicher anders, aber Sie sollten sich dann auch irgendwohin begeben, wo auf diese Weise geredet wird: losgelöst von Sprecher_innen, frei fluktuierende, höchst bedeutsame Texte. Wie die Ihren. Lange Rede, kurzer Sinn: Kann sein, dass ich noch mal was freischalte, was Sie kostenlos "liefern", wenn ich es erhellend , witzig oder albern genug finde. Antworten werde ich nicht mehr.)

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  8. @ Pseudo-A.T. : Ich habe die Kommentare unter dem Pseudonym, das Sie sich zugelegt hatten, gelöscht. Denn nach einigem Überlegen ist mir klar geworden, dass die Wahl dieses Pseudonyms ins Bild passt, das ich mir nach all Ihren Kommentaren von Ihnen mache. Und das ist wenig schön. Wen Sie diesmal mit Ihren Sticheleien aus der sicheren Deckung in der Anonymität ärgern wollten, mich oder den Blogger, der unter diesem Pseudonym schreibt, weiß ich nicht. Es ist mir auch egal. Aber auf meinem Blog will ich diese feige Bosheit nicht. Gelöscht habe ich, weil ich auch nicht möchte, dass bei einer Suchanfrage im Netz nach diesem Namen Ihre Beiträge erscheinen.


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