Dienstag, 3. September 2013

Keine Wahl...

ist auch eine Wahl. 

In meinem Bundesland finden am 22. September Bundes- und Landtagswahlen statt. Auf meinen täglichen Wegen kann ich den inhaltsleeren Wahlplakaten und -parolen nicht entgehen.



Das TV-Duell - habe ich nicht verpasst, sondern ignoriert. Den Dreikampf der Herrenrunde gestern Abend ebenso. Ich könnte ja auch Wahlkampfprogramme studieren. Ein wenig klicke ich mich durch. Phrasen, die mich ermüden. Ich teste den Wahl-O-Mat. Schon tauchen Probleme auf. Bin ich für einen flächendeckenden Mindestlohn oder für ein Grundeinkommen? Was haben beide miteinander zu tun? Was hat Priorität? Viele Themen, die mich interessieren, werden gar nicht angeboten. Weder beim Wahl-O-Maten, noch durch die Parteien, ihre Kandidatinnen oder Programme. Die Persönlichkeit der Kandidatinnen, ihre Überzeugungskraft und einige Themen, die einzelne auf der Agenda haben, könnten mich durchaus überzeugen, diese oder jenen zu wählen. Das geht aber leider nicht. (Unter den Kandidatinnen in meinem Wahlkreis ist keine, auf die das zutrifft.) Ich kann weder meine Stimme unabhängig von der Partei bestimmten Personen geben, noch aus meiner Sicht ungeeignete Kandidatinnen von der Landesliste oder sogar bundesweit streichen. Bei Kommunalwahlen geht das. Man nennt es Kumulieren und Panaschieren. (Schöner Nebeneffekt: Regelmäßig landen durch dieses Verfahren, das den Wählerinnen mehr Gestaltungsspielraum lässt, mehr Frauen in den Parlamenten, als die Parteigremien vorgesehen hatten.)

Das Ergebnis, das der Wahl-O-Mat ausspuckt, ist wenig überraschend. Weniger als 20% Übereinstimmung erziele ich mit dem Programm von CDU/CSU, weniger als 30% mit dem der FDP, weniger als 50% mit dem der SPD. Bei den Grünen, den Piraten und der Linken sind die Übereinstimmungswerte des Wahl-O-Maten hoch genug, um eine "Kleinere-Übel"-Wahl" zu rechtfertigen? Wirklich? Die Grünen würden Steinbrück zum Kanzler wählen und Steinmeier in einem Ministeramt akzeptieren. Bei den Linken kandidieren einige Männer auf vorderen Plätzen, deren Einfluss auf das, was "Politik" genannt wird, ich keineswegs durch meine Stimme stärken möchte. Dito bei den Piraten. 

Also? Ich weiß es noch nicht. Ich gehöre zu den Unentschlossenen. Vielleicht werde ich diesmal zu jener Gruppe gehören, die allseits viel geschimpft wird, obwohl oder weil sie doch zahlenmäßig die meisten Bürgerinnen und Bürger auf sich vereint: den Nicht-Wählern. Kann sein. 

Bin ich politikverdrossen? Keineswegs. Ich halte nur das nicht für Politik, was sich als solche bloß ausgibt: Bierzeltauftritte, Fernseh-Duelle, Wahlkampfplakate, Kampf um Macht und um Posten, Programme und Positionen. 

Politik wird gemacht. Andauernd. Vor allem von denen, die keine Politikerinnen sind. 





Kommentare:

  1. Stell dir mal vor, alle politikverdrossenen NichtwählerInnen würden ihre Stimmzettel ungültig machen - vielleicht würde das nichts ändern, aber es wäre ein sehr deutliches Zeichen. Jedenfalls gäbe es dabei nichts zu verlieren als ein paar Minuten Sonntagszeit.
    Lärmende Grüße!
    Roman

    AntwortenLöschen
  2. Ja, genau so was schwebt mir vor!
    (Sorry, dass ich den Kommentar jetzt erst freigeschaltet hab. Mein Blog wird von blöden Bot-Kommentaren aus dem englischsprachigen Raum überschwemmt, in denen Werbung für irgendwelchen Mist gemacht wird. Manchmal schaffe ich es nicht, das zeitnah auszufiltern.)
    Lärmende Grüße zurück.
    Mel

    AntwortenLöschen