Sonntag, 29. September 2013

SENFHÖHLE (ein Traum)

(Ich eile mich, auch dieses Traumbild aufzuzeichnen, wie du mir geraten hast, auch wenn ich jetzt begriffen habe, wie sich die Bilder wandeln, wenn ich schreibe.)


Das Licht dieser Funzel taucht alles in schaumig verschlagenes Gelb. Ich reiße die Augen weiter auf, um in dieser trüben Suppe den einen Schemen vom andern unterscheiden zu können. Vergeblich. Meine Finger krallen sich in den Rücken deines Hemdes; so ziehst du mich voran, tiefer hinein in die eitrig verklebte Schattenwelt. "Das ist dein Weg." Ich will nicht glauben, dass dies deine Stimme war. Du schweigst und ziehst. Ich folge. Meine Knöchel stoßen an. Solange fest, kantig und leblos ist, woran ich gerate, will ich nicht klagen. Ich fürchte mich vor dem Weichen, Warmen und Lebendigen, das plötzlich (Ich weiß, ich sollte dieses Wort meiden, verzeih!) beginnen könnte, um meine Füße zu spielen, an meinen Waden empor zu krabbeln, seine Schnauze in meine Hüfte zu bohren, sich zwischen meinen Brüsten hinauf zu hangeln. Ich lasse mich fallen und schluchze in meine vor dem Kopf verschlungenen Arme. Du kniest dich neben mich. Senf. Es hat alle Farben von Senf hier unten. Woher weiß ich, dass wir unten sind? Wir könnten auch hoch oben sein im Gebirg. Aber ich ahne, dass wir herabgestiegen sein müssen. Ich kenne einen Laden, der nur Senf verkauft. Hunderte Sorten. Es ist unglaublich, wie viele Senffarben es gibt. Ich fühle deinen Mund in meinem Haar. Du bringst deine weichen Lippen gegen meine Stirn. "Wach auf.", flüsterst du. Deine trockenen Lippen wandern hinunter über meine Nase, meine rechte Wange, finden meinen Mund. Du presst dich auf. Ich halte ganz still, bis du dich löst. "Wach auf", flüsterst du. "Schau mich an."

Ich gehorche.

(Auch dieses Mal konnte ich nicht notieren, was ich im Traum gesehen hatte. Nur was ich erinnerte oder mir, während ich die Worte suchte, vormachte zu erinnern. Nur den Anfang und das Ende, schwöre ich, habe ich wirklich geträumt.)

Kommentare:

  1. Es sollte Hölle heißen...

    Kennst Du meine Träume oder lieferst Du nur die Blaupausen?

    mfG
    FrauW

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    1. Im Traum war es eine Höhle. Aber: Stimmt, nach dem Aufwachen könnte eine es für die Hölle halten.

      Ist dein "Du" auch so übergriffig? Im Traum.

      HG
      Frau Barbe

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  2. Eher abgriffig oder es heißt wohl abgegriffen.

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    1. Das ist schlimmer. Bestimmt.
      Werden Sie es los. Das "Du".

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  3. ... den einen Schemen vom andern unterscheiden zu können. Total gut!

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