Donnerstag, 2. August 2012

DIOTIMA (1): Keine Weisheit ohne Liebe


Dass die Herausarbeitung der Geschlechterdifferenz unterblieb, wird nicht ohne Grund der Herrschaft angelastet, die die Männer in der Geschichte über die Frauen ausübten. Es ist jedoch notwendig hervorzuheben, dass die Beschränktheit gegenüber der symbolischen Kraft der Geschlechterdifferenz vor allem im philosophisch-wissenschaftlichen Wissen anzutreffen ist, im Unterschied zu anderen kulturellen Bereichen, wie den Mythologien, den Religionen (die Theologie ausgenommen) oder den Künsten. Diese Tatsache deutet darauf hin, dass die sexistische Herrschaft für sich allein nicht jeden symbolischen Ausdruck der Geschlechterdifferenz verhindert hat: ihre Verarbeitung fehlt vor allem da, wo das menschliche Denken sich um den Wahrheitsbeweis bemüht.“

(Fischer/Franco/Longobardi/Mariaux/Muraro/Sanvitto/Zamarchi, Zamboni, Zanardo: Die Differenz der Geschlechter – eine zu entdeckende und zu produzierende Differenz; In: DIOTIMA. Philosophinnengruppe aus Verona: Der Mensch ist zwei. Das Denken der Geschlechterdifferenz, Wiener Frauenverlag 1987)

Weisheit und Liebe 
Philosophie als „Liebe zur Weisheit“ ist ursprünglich Hinwendung zur Welt und zum Denken über die Welt und zwar in der Weise des „Wohlwollens“, der Liebe zur Welt und zu sich selbst als Welt-Wahrnehmenden. Dieser Liebesversuch wurde in Form des Gesprächs unternommen, als  Gespräch zwischen Meister und Schüler. Auch diese Beziehung sollte durch Liebe geprägt, in höchstem Maße erotisch sein. Der Schüler folgte den Gedankengängen des Meisters, weil er unterstellte, dass dessen Wissen und Erfahrung ihn weiter führen könnte, als wenn er sich alleine auf den Weg machte. Die Philosophie konstituierte  damit eine Liebesbeziehung, die asymmetrisch war und auf Gehorsam beruhte, also eine autoritäre, die sich vor Machtmissbrauch und Manipulation jedoch dadurch zu bewahren suchte, dass ihr Ziel die Emanzipation des Schülers vom Meister war und beide gemeinsam sich auf einer durch die Liebe geheiligten Suche nach der Weisheit befanden, einer Suche, die notwendig nicht mit dem Leben des Meisters enden konnte, sondern fortgeführt und neu vollendet  werden musste im Leben des Schülers, der zum Meister werden sollte für andere Schüler. Diese Spirale der Liebesbeziehungen wurde durch die Schrift unterbrochen, die die Worte des Meisters festhielt und ihnen Dauer verlieh über dessen Leben und dessen Liebe hinaus. Damit war der Grundstein gelegt,  um das, was als Weisheit galt und weitergegeben wurde, von der Liebe abzuspalten.  Weisheit wurde zum puren Wissen, das lieblos vermittelt werden konnte. Sokrates, so ist überliefert (in der Schrift Platons!), hatte eben dies bei der Einführung der Schrift befürchtet. Die Schrift verweigere das Gespräch, das sie nur noch mimetisch vorgaukle; sie sei eine Täuschung, deren Verantwortungslosigkeit eben darin bestehe, dass derjenige, der eine Wahrheit behaupte, für diese nicht mehr „von Angesicht zu Angesicht“ mit seinem Leib einstünde und also Gültigkeit behaupte, wo Vorläufigkeit angebracht sei, Antworten festschreibe statt zum Fragen ermuntere.

Im Hintergrund: Frauen und Sklaven
Tatsächlich aber irrte Sokrates und es wurde die Abspaltung von der Leibhaftigkeit der Wahrnehmung und der Liebe zum Beginn dessen, was fortan als Philosophie noch galt. Der Abschied des Denkens von der Person des Denkenden, seines Körpers und seiner erotischen Beziehung zum Gegenstand des Denkens und zu seinen Gesprächspartnern galt mehr und mehr als Reinigungsprozess: zur Klarheit gelangt das Denken, indem es sich als neutral und distanziert von seinen körperlichen Bedingungen und ohne Gefühl für seinen Gegenstand und seine Mitmenschen denkt. Das war eine Fiktion, die auf Voraussetzungen gründete, die schon Sokrates und seine Schüler wie selbstverständlich ausgenutzt hatten. Die Zeit für die Gespräche beim Gang unter den Säulengängen gewannen sie, indem die reproduzierenden Arbeiten in der Gesellschaft, von der aus sie sich dachten, von Sklaven und Frauen erledigt wurden. Beide Gruppen waren konstitutiv für die Form, die ihr Denken annahm und annehmen konnte, blieben aber in diesem ungedacht. Dabei gab es jedoch einen gewaltigen Unterschied zwischen beiden Gruppen: Während der Philosoph wusste und fürchten musste, dass er jederzeit selber Sklave werden konnte (als solcher allerdings Meister eines „freien“ Schülers sein oder bleiben konnte), wusste er, dass er niemals eine Frau sein würde.

„Der Mann/Mensch als männliches Geschlechtswesen trägt die Begrenztheit in sich und verabsolutiert diese Begrenztheit dennoch mit wachsender Dynamik in einer faszinierenden logischen Parabel, indem er sie zur Universalität erhebt, so dass diese Universalität vermittels einer abnehmenden Dynamik sowohl jenes begrenzte Männliche, das sie hervorgebracht hat, als auch das andere Geschlecht enthalten kann, welches nun zum ersten Mal in Erscheinung tritt, abwesend zwar in diesem logischen Prozess, aber dennoch in ihn aufgenommen, einverleibt und an ihn angeglichen. Dies ist der Weg, auf dem der Mann/Mensch die Parabel des Selbst durchläuft: Er findet und erkennt sich als das Besondere seiner Universalisierung wieder. Der Frau hingegen geschieht es, dass sie sich nur als das Besondere vorfindet, als das endliche andere, das im universalen Neutrum Mensch/Mann enthalten ist.“

(Adriana Cavarero: Ansätze zu einer Theorie der Geschlechterdifferenz; in: DIOTIMA. Philosophinnengruppe aus Verona: Der Mensch ist zwei. Das Denken der Geschlechterdifferenz, Wiener Frauenverlag 1987)

Eros: Bedürftigkeit und Begehren
Dennoch - oder gerade deswegen ! - brauchte er, der Meister, als es darum ging, die Grundlage des Eros zu ergründen, die Frau als Meisterin, die ihn führte und lehrte: DIOTIMA. Es ist das einzige Mal in den Dialogen des Sokrates, wie Platon sie schildert, dass eine Frau auftaucht. Es gibt viele Deutungen dieses Dialoges des Sokrates mit der Diotima. Sokrates, wie Platon es erzählt, hegte jedenfalls keinen Zweifel daran, dass es ohne die Liebe keine Weisheit geben könne und wer von der Liebe etwas wissen wollte, wendete sich also an die Frau. Diese allerdings, so berichtet es Platon, tritt nicht selbst in der Männerrunde auf, sondern es wird von der Begegnung mit ihr erzählt. Auch das scheint mir bedeutsam. Es ist der erste jener „Reinigungsprozesse“, die stattfinden müssen, damit das Denken sich von seinem Ursprung lösen und das „autonome Subjekt“ zur Geltung bringen kann, das sich selber zeugt. Noch aber hat sich das Denken nicht von der Liebe gelöst – und deshalb tritt sie, die Andere, die später nicht mehr gedacht wird und nicht mehr denkt,  noch einmal als Erzählte auf. DIOTIMA weiß um den Ursprung des Eros, der nicht in der Schönheit liegt, sondern im Schlamm: EROS ist in ihrer Darstellung ein Kind der Armut und des Lasters; die Mutter eine Bettlerin, der Vater ein Säufer. Bedürftigkeit und Gier begründen die Liebe. Eros ist – von Mutters Seite her – ausgeliefert, hilflos, sehnsüchtig und – von Vaters Seite her – findig, bezaubernd, leidenschaftlich. Die Liebe ist das Wissen darum, dass es keine Weisheit geben kann, die nicht der eigenen Bedürftigkeit und des eigenen Begehrens eingedenk ist.

Spaltungen
Wer vom Eros ergriffen ist, will begierig und maßlos die Lücken füllen, die er an sich selber wahrnimmt. Das Begehren richtet sich auf die Verbindung mit dem Anderen, das „Nicht-Ich“ ist, auf Fruchtbarkeit und Zeugungskraft, auf das Hervorbringen des Neuen, des Ungesehenen und Ungehörten; es ist gleichermaßen körperlich wie geistig-seelisch. In Sokrates Erzählung von Diotimas Rede über die Liebe gibt es die Fortpflanzung als Ausdruck dieser Liebe und die Hervorbringung des Schönen in Kunst, Literatur und Gesellschaft. Immer geht es darum, die eigene Lebensspanne durch die Liebe zu überschreiten. Der Eros ist das Verlangen der Sterblichen nach Unsterblichkeit. Obwohl Sokrates aber Diotima anruft, um den Grund der Weisheit, die Liebe, zu begreifen, verschließt er mit seiner Erzählung im reinen Männerkreis dem weiblichen Wissen schon den  unmittelbaren Weg in die Philosophie. Denn die Fortpflanzung wird der Seite des Weiblichen zugeschlagen werden (der Natur), während die Hervorbringung des seelisch-geistig Schönen, die Werke, zur männlichen Aufgabe (der Vernunft) wird. Platons Schrift reproduziert und verstärkt diesen Vorgang; die Verschmelzung der platonischen Philosophie mit der paulinischen Theologie vom Vater-Sohn-Erlöser-Gott wird den Ausschluss endgültig vollziehen. Der Mann, der denkt, wird sich von seinen körperlichen Begierden und seinem Geschlecht „befreien“, wenn er denkt: als Mensch. Die Frau, die nicht denken muss, wird in ihrer Mutterschaft aufgehen, ohne die Liebe als Lust kennenzulernen (die heilige Jungfrau). Die Weisheit der DIOTIMA wird verschwinden, als Spur aufgehoben nur im Text des Platon, für den niemand mehr mit seinem Körper einstehen muss. Der „Wille zum Wissen“, zu dem die Liebe zur Weisheit in diesem Prozess verkommen ist, hat sich die Körper untertan gemacht und die Gier in Gewalt über sie verwandelt. (Es gehört zur Tragik des „Denkens des Herrn“, dass die Kritik am „Willen zum Wissen“, wie sie zwei Jahrtausende später Foucault vortragen wird, diese Denkbewegung vollendet, indem sie die Selbstauslöschung des denkenden Subjekts betreibt.)

Die Andere 
Die Frau, die von sich aus spricht, ist nun längst aus dem Diskurs verschwunden, wie auch der Mann, der der Philosoph einmal war, als er sich noch mit der Diotima traf. Er ist jetzt der Mensch, ein Neutrum, das sich als Text begreift. Nur wer genau liest, kann in jenem Menschen das Geschlecht erkennen, das die Andere nicht ist, aber ihr Sein als Voraussetzung braucht. Denn nicht nur die Fleischmassen, mit denen die Spartaner ihre Kriege führten, mussten weiterhin aus Mutterleibern gepresst werden, sondern auch die Denker in den Wandelgängen, die Feder-Halter und Maschinen-Schreiber, die Sesselfurzer und Pult-Steher. Davon war aber nicht mehr die Rede. Nicht davon, dass sie verhungert wären, hätte keine liebende Brust sie genährt, dass sie zu Tode wund gelegen wären, hätte keine liebende Hand ihre Windeln entleert, dass sie verkümmert wären, hätte keine liebende Stimme ihnen ein Lied gesungen. Sie erlernten eine „Muttersprache“, die die Sprache des Vaters war und die Mutter war schweigendes „Sein“. Die Weisheit der Anderen kann daher nicht zu Gehör gebracht werden als Echo der „männlichen“ Philosophie; sie ist nicht, was dieser noch fehlt und hergestellt werden kann in Bezug auf diese,  sondern war stets deren ungesagter Ur- und Hintergrund. Sie kann sich zum Klingen nur bringen durch die Hinwendung zur Anderen, zur anderen Frau:

„Dieses Schweigen zu brechen, gelangt das Wort der anderen an mein Ohr: ihre Worte, ihre Vorstellungen treffen mit den meinen zusammen und verbinden sich nach und nach zu einem Sinngewebe, einem Geflecht von Bedeutungen. Zwischen meinem Schweigen, das versucht zu Wort zu kommen und dem von der Sprache schon Gesagten erstreckt sich als Form der Vermittlung, als vorläufige Distanz zum Unmittelbaren, durch die das Wort erst möglich wird, die bisher stets vom Diskurs ausgeschlossene Dritte, die symbolische Mutter, ein Gewebe von Vorstellungen und Bedeutungen, die zwischen mir und der anderen ausgetauscht werden und es uns erlauben zu sprechen, Worte zu sagen, die nicht mehr das Echo einer weit entfernten Stimme sind.“

(Wanda Tommasi: Die Versuchung des Neutrums; in: DIOTIMA. Philosophinnengruppe aus Verona: Der Mensch ist zwei. Das Denken der Geschlechterdifferenz, Wiener Frauenverlag 1987)

Was Philosophie ist? Die Liebe zur Weisheit. An den Universitäten, wie man erkennen kann, findet Philosophie nicht statt. Weder liebt man, noch sucht man Weisheit. Man will wissen. Man liest Texte. Man legt Texte aus. Es gibt keine Welt, die nicht Text ist. Die „Philosophen“ an den Universitäten wollen nicht die Welt verstehen, sondern die Texte vorgängiger Philosophen. Das ist das Ende der Philosophie. Es ist das Ende der Philosophie, die sich von der Weisheit der Diotima endgültig verabschiedet hat: von dem Wissen um die Bedürftigkeit und den Mangel, um die Gier und die Leidenschaft. Es ist das Ende einer Philosophie, in der die Frau sich nicht sagen kann, weil sie angeblich immer schon mitgemeint ist, in der Formel vom Menschen, der kein Mann sein will, kein Erzeuger, kein Bedürftiger und  kein Begehrender. An dieser Stelle, an der die Philosophie und das Patriarchat am Ende sind, wird jedoch die Erinnerung an DIOTIMA von den Frauen wachgerufen. Die italienische Philosophinnen-Gruppe „Diotima“ hat seit Ende der 80er Jahre eine Reihe von Texten vorgelegt, in denen „die Liebe zur Weisheit“ gepflegt wird, die Hinwendung zur Weisheit der Frauen um die unentrinnbare Einheit von Körper und Geist, um die Bedürftigkeit des Leibes, den Mangel an Zärtlichkeit, das Begehren und die Leidenschaft, die Hinwendung zum Gespräch und zur Autorität der Anderen, die gesucht wird. Es gilt sich aus der Gefangenschaft zu befreien, die sich entweder nur begreifen und aussprechen kann als das, was „der Mann“ nicht ist oder „von sich absieht“ und sich in ein Neutrum verwandelt. Wenn die„Verlustspur des Subjekts“, das kein Geschlecht haben durfte und kein Körper sein, dessen Begehren negiert und dessen Bedürftigkeit geleugnet wurde, freigelegt werden kann, werden sich auch für den denkenden Mann neue Wege auftun: was Freiheit zu sein vermag, jenseits der Fiktion der Selbstschöpfung und Autonomie, wie der Verlust der Nähe und des Körpers zu überwinden ist, die Anerkennung der Mutter und der Mutterschaft, aber auch die Hinwendung zu Vaterschaft und die Liebe zum Kind die Weisheit bereichern können. (Keine Missverständnisse: Es geht nicht darum, Kinderlose auszugrenzen, sondern um die Wieder-Einbeziehung der Vielfalt menschlicher Lebensformen in die Philosophie, die der Abstraktion vom „körperlosen“ Erkenntnis-Apparat zum Opfer gefallen sind. Es geht darum, auch das Begehren ernst zu nehmen, das sich nicht dem „Willen zum Wissen“ unterwirft und Teilhabe am Diskurs nicht länger von Selbstverleugnung und Distanz zum Anderen abhängig zu machen, nicht länger Beiträge, die „Von-sich-ausgehen“, die Anteilnahme zeigen und Erfahrung mitteilen, zu denunzieren.)

Um die männliche Einschließung der Liebe im Werk rückgängig zu machen, bedürfte es eines weiten Weges des Mannes in seiner Erinnerung zurück: zum Ort der Trennung von Körper und Geist, zur Anerkennung der Abhängigkeit von der Mutter als Lebensspenderin. Und er müsste dahin kommen, auszusprechen, dass er der anderen als Freundin, als Liebender und Mitdenkender bedarf. Nur darüber vermittelt kann es zu einem noch ausstehenden körperlichen Denken kommen, in dem allererst Nähe und Berührung von Lebendigem möglich wäre, weil es nicht von Phantasmen und Projektionen beherrscht wäre. Statt durch (Selbst-)Schöpfung fortwährend in eine eigene Welt gebannt zu bleiben, müsste der Mann ´den Zyklus der Einsamkeit ...vollenden, um zum anderen zurückzukehren, verletzt vielleicht, aber frei“ (Luce Irigaray). In einer solchen geistig-körperlichen Rückkehr könnte ein ´Gedächtnis des Berührens´ erwachsen, das sich in unserer Kultur aber bisher nicht realisiert hat.“


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Ursprünglich war es meine Absicht, über das kürzlich im Ulrike Helmer Verlag erschienene Buch „Macht und Politik sind nicht dasselbe“ der Diotima-Philosophinnen-Gruppe in der Reihe "Erlesen. Buch-Empfehlungen" zu schreiben. Immer wieder griff ich beim Schreiben zu den bisher in deutscher Sprache erschienen Bänden der Gruppe in meinen Regalen, um mich der Zusammenhänge und meines eigenen - vorläufigen - Standpunktes zu den von DIOTIMA verhandelten Themen und Begriffen zu vergewissern. Daher möchte ich nun meine Gedanken zu jedem der Bücher in einer losen Folge darstellen, an deren Ende erst die „Besprechung“ des neuen Bandes stehen soll. 


Die italienische Philosophinnen-Gruppe DIOTIMA entstand im Jahr 1983. Von Anfang an ging es darum, dass verschiedene Frauen innerhalb und außerhalb der Institution Universität sich gemeinsam, im Gespräch miteinander, darüber verständigten, wie das Begehren von Frauen in einen philosophischen Diskurs eingebracht werden könne, der wie selbstverständlich davon ausging, dass die Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht keine Bedeutung für die Beiträgerinnen hatte.


Dieses ist mein erster Post zu der von mir geplanten „DIOTIMA-Reihe“; er gilt dem Band „DER MENSCH IST ZWEI. Das Denken der Geschlechterdifferenz.“, der 1987 erschien. Ich habe ihn erst einige Jahre später gelesen, als die Bedeutung der Geschlechterdifferenz mir durch meine Arbeiten zu William Hogarth, aber auch durch meine eigenen, veränderten Lebensumstände (ich war Mutter geworden) zunehmend bewusst wurde. Meine Fragen damals galten zuerst nicht der Konstruktion von „Weiblichkeit“ und der „Rolle der Frau“, sondern richteten sich auf die verdeckte Bedeutung von „Männlichkeit“ in kunsthistorischen, literaturwissenschaftlichen und philosophischen Kontexten, denn mir war aufgefallen, wie sehr die Texte und Bilder, mit denen ich mich beschäftigte durch die Darstellung der Geschlechterdifferenz geprägt waren, ohne dass dies jedoch offen thematisiert wurde. „Die Frau“ war eingesetzt, um das „Andere“ einer Männlichkeit zu repräsentieren, die sich über sich selbst ausschwieg. Daher habe ich diesen Beitrag mit einem Zitat abgeschlossen, dass die Hoffnung ausdrückt, die Auseinandersetzung mit der Geschlechterdifferenz sei kein ausschließliches Projekt von Frauen, sondern werde auch zum Anliegen vieler Männer.




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