Donnerstag, 9. Juli 2015

ES IST NIE ZU SPÄT (für C.) (Frühjahr 2015)

Nur wenig später wünschte sie, dass nicht nichts passiert wäre. 

Die Hand, die sie der nicht in den Nacken gelegt hatte.
Das Knie, das sie nicht zwischen deren Knie gedrückt hatte.
Der Kopf, den sie nicht an deren Brust gerieben hatte.
Der Fuß, mit dem sie nicht an der Außenseite von deren Bein entlang gestrichen war. 
Die Halsschlagader, die sie der nicht unter den Mund gestreckt hatte.

Alles brannte. Besonders die linke Seite, die sie der einmal zugeneigt hatte, ein winziges Stück Milimeterabstand noch haltend.


Ein anderes Mal: Deren Hand an ihrem unteren Rücken, der kurze Druck aller fünf Fingerspitzen. Sie konnte das jederzeit fühlen.

Blicke. Wie die sich festgesaugt hatten an ihr, in ihrer Erinnerung. Ein einziges KOMM. Oder hatte sie sich auch das nur eingebildet? Beider Stimmen so rau, unwillkürlich ins Flüstern verfallend, obwohl sie doch niemand belauschte. "Und du?" Der Klang dieses "du", der in ihr widerhallte. 

"Please stop dancing in my mind."

Gespräche, die kreisten und sich tiefer schraubten. Fühler ausstrecken, um sich abzutasten, nicht invasiv. Ehemalige Lieben, stilles Versagen, Eingeständnisse an der Grenze zur Indiskretion. Sie hätten hier sehr leicht ihre Liebsten verraten können, längst vor einer ersten Berührung. 

Nur dieser eine Kuss dann. Herbeigesehnt seit Wochen. Tagen. Minuten. Das Zurückschrecken. Lippe an Lippe. Diese Hitze. Der Druck. Ein Hauch von Feuchtigkeit. "Wir dürfen nicht." Welche von beiden hatte das gesagt? Wie sie einander umtänzelt hatten beim Rausgehen, ohne sich noch einmal anzusehen. Kurzes Nicken dann bei zufälligen Begegnungen tagsüber. Weinkrämpfe in der Nacht auf dem Klo. 

Sie hatte es richtig gemacht. Sie wünschte sich was anderes. Schon wenig später. 

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