Montag, 27. Juli 2026

Was nun? Was tun? - Islamistische Attentate und eine hilflose liberale Öffentlichkeit

Das Erschrecken, die Wut, die Trauer über den Anschlag auf die Feiernde bei CSD in Berlin sind noch frisch. Viele nennen in ihren Social Media-Beiträgen immerhin die Ideologie, der der Attentäter sich verpflichtet fühlte, beim Namen, andere, wie "Die Linke-Neukölln" sparen das bewusst aus, und machen - weil es besser ins eigene Weltbild passt - für auch diesen Anschlag die Rechte und "Konservative" verantwortlich. Den Veranstaltern des CSD, wie vielen anderen, ist die Sorge anzumerken, im Diskurs über den Anschlag könnten rassistische, menschenverachtende Stimmen den Ton angeben. Selbstverständlich sollte niemand auf die Krokodilstränen der AfD-Funktionäre und -anhänger hereinfallen, denen die Rechte und die Sicherheit queerer Menschen ansonsten nichts wert ist. 

Trotzdem ist es erschreckend, dass auch diesmal, auch bei diesem Anschlag, die Ideologie, die hinter diesem Anschlag steckt und ihre Verbindung zur Mainstream-Theologie einer Weltreligion, des Islam, nicht oder kaum thematisiert werden (können). In muslimischen Echo-Kammern (z.B. Al-Jazeera-Facebook-Account) wird der Attentäter von nicht wenigen gefeiert. Die Verachtung und Verächtlichmachung Homosexueller ist in muslimischen Communities weit verbreitet. Als Lehrerin an einer beruflichen Schule kann ich diesen Befund, der durch repräsentative Befragungen bestätigt ist, auch anekdotisch bestätigen. 

Aus meiner Sicht kann und muss unsere Gesellschaft verlangen, dass sich muslimische Gemeinschaften mit den Ursachen für die islamistische Gewalt auseinandersetzen, auch mit den theologischen. Das kann einerseits in einer zunehmenden Säkularisierung dieser Gemeinschaften münden und/oder in einer kritischen Neuausrichtung der Theologie. Von außen kann man hierzu keine Ratschläge geben, finde ich. Denn die Glaubensgrundsätze des Islams sind - so oder so - meine nicht, ich toleriere sie, wie andere religiöse Überzeugungen auch, aber ich akzeptiere sie ebensowenig als Richtschnur für mein Leben wie die anderer Religionen und ich werde daran auch nichts ändern, unabhängig davon, wie sich islamische Theologie entwickelt oder nicht. 

Allerdings kann ich erkennen, dass und inwiefern bestimmte Aussagen religiöser Funktionsträger mir und anderen gegenüber feindlich sind, Abgrenzung und Hass begünstigen. Ich will hier nur von einem Beispiel unter vielen erzählen, das mir sehr zu denken gegeben hat. Ich arbeite in Hanau, jener Stadt, in der ein rassistischer Attentäter junge Menschen ermordete. Noch immer trägt die Stadtgemeinschaft an den Wunden, die dieses Attentat geschlagen hat. Bei einer Gedenkfeier vor zwei Jahren sagte ein islamischer Imam (ich glaube, dass er einer DITIB-Gemeinde vorsteht) unter Bezug auf die Morde, es dürfe nicht darauf ankommen, welche Hautfarbe, Ethnie, Nation oder Religion jemand habe. Dies dürfe keine Rolle spielen. Es komme allein darauf, ob jemand "gottesfürchtig" sei. Mich hat das sehr betroffen gemacht. Ich glaube nicht, dass dieser Imam damit eine Attentat gegen eine "Ungläubige" wie mich, die keinem Gott huldigt, rechtfertigen wollte. Dem Wortlaut nach aber hat er genau dies getan. Denn seine Worte grenzten all jene aus, die nicht an (einen?) Gott glauben. 

Ich denke, dass die Auseinandersetzung mit Funktionsträgern muslimischer Gemeinschaften und islamischen Theologen sich darauf fokussieren sollte: Wie gehen sie mit jenen Suren um, in den Ungläubige und Andersgläubige verdammt werden? Welche Menschengruppen, Kulturen und Wertvorstellungen werden in ihren Gemeinschaften geächtet und wer ist bereit, dem entgegenzutreten? Wie können sie sicherstellen, dass in ihren Gemeinden die sexuelle Selbstbestimmung von Menschen respektiert wird? 

Auf diese Fragen darf man Antworten verlangen. Und man kann erwarten, dass muslimische Gemeinschaften, die sich diesen Fragen verweigern, nicht länger Partner demokratischer, politischer Parteien sein können. 

Keine Toleranz gegenüber der Intoleranz!


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen