Donnerstag, 21. Oktober 2010

31 Fragen an Bücherleser. (Folge 1)

WAS WIR LESEN

Bei  Kitty Koma fand ich diesen Fragebogen zu Lieblings-, Hass-, Erinnerungs-, Regal-, Kinder-, Freundes-Büchern. 31 Fragen. Das ist viel. Zuviel, um sie auf einmal „abzuarbeiten.“ Aber ich finde sie interessant. Vor allem auch den Vergleich. „Was liest du?“ und „Was willst du lesen, demnächst?“ und natürlich: „Was hast du gelesen?  Was bedeutete dir was? Warum?“ Ich werde sukzessive vorstellen, wie Morel, BenHuRum und ich diese Fragen – jetzt- beantworten. Denn ich bin überzeugt, fragte man uns einige Monate später, so fielen einige der Antworten ganz anders aus. (BenHuRum, übrigens, kann ich gegenwärtig nicht befragen; er befindet sich, so könnte man das ausdrücken, auf „Heimaturlaub“. Die erste Frage immerhin kann ich für ihn beantworten.)

1. Das Buch, das du derzeit liest

Schon mit dieser ersten Frage hatten wir Probleme. Wir lesen fast immer mehrere Bücher gleichzeitig. Ich mag das. Die Verschränkungen. Und Konstraste. Das Unvereinbare und Vielstimmige.

Bei Morel ist der Kontrast scharf, denn er liest zur Zeit in dem fetten Band „DROGEN & DROGEN“, das ist Bd. 11 aus der Reihe „Kultur & Gespenster“, da geht es um so Zusammenhänge wie „Lust und Notwendigkeit“.  Wenn er den Band beiseite legt, stemmt er das nächste dicke Buch, nämlich Theodor Mommsens: „Römische Geschichte“. Das sind 5 Bände. Er ist jetzt bei Band 2. Meine Lektüre ist leichter (nicht nur nach Gramm). Zur Zeit lese ich mit viel Vergnügen Marjana Gaponenko: Annuschka Blume. (Darauf aufmerksam geworden bin ich durch Christiane Zintzens Blog, in dem Gedichte von Gaponenko veröffentlicht wurden, die mich berührten. Wenn ich die Zeit finde, möchte ich „Annuschka Blume“ auch  hier im Blog besprechen.) Außerdem liegen auf meinem Lesetischchen weiterhin „Florenz und Bagdad“ von Hans Belting, das ich regelrecht „studiere“ und von Gottfried Böhm: Wie Bilder Sinn erzeugen.  Ich denke nämlich immer wieder darüber nach: „Was ist ein Bild?“. Weiterhin findet sich dort die „Sizilische Reise“ von Alban Nikolai Herbst, über die ich Dr. NO, diesem vielbelesenen und klugen Kommentator, in Alea Toriks Blog versprach zu schreiben (Es gibt einen Zusammenhang zu Böhms „Wie Bilder Sinn erzeugen“. Denn ich möchte in den Mittelpunkt meiner Darstellung, an der ich immer noch arbeite, die Landschaftsdarstellung bei Herbst stellen und zur Landschaft im Bild findet sich ein lesenswertes Kapitel in Böhms Buch.) BenHuRum liest bzw. las zur Zeit Malcolm Lowry: Unter dem Vulkan. An der Vergangenheitsform bin ich schuld. Am Montag war ich  bei ihm, wir standen in der Küche, schmierten Brote, kochten Tee, liefen hin und her. Dann kam er rüber aus dem Arbeitszimmer, ein Buch in der Hand, sagte: „Hier, kennst du das?“ und drückte es mir in die Hand. Ich sagte: „Nein, zeig mal.“ und nahm das als Aufforderung, das Buch zu lesen. Steckte es also in meine Tasche. BenHuRum bemerkte das nicht. Am Dienstagmorgen aber rief er an: „Hast du den Lowry mitgenommen? Oh, Mist. Mensch,  ich lese den doch grade, den wollte ich mitnehmen, wenn wir morgen losfahren.“ Mist, ja. Ein Missverständnis. Er wird weiterlesen, denke ich, wenn er zurück ist aus der „Heimat“. Morgen hole ich ihn dort ab, so ist´s ausgemacht.


Die nächste Frage lautet: Was willst du demnächst lesen? Wir denken darüber nach.

(Ihre Antworten, liebe Leser, auf diese Fragen interessieren mich im Übrigen auch sehr.)

Kommentare:

  1. Ich lese gerade "Der Tag vor dem Glück" von Erri de Luca. Die Geschichte eines Waisenjungen in Neapel, sein Erwachsenwerden in ärmlichen Verhältnissen, aber mit dem Glück, Freunde und Bücher zu haben; erzählt in einer kargen, bildhaften Sprache, voller Liebe zur Stadt Neapel.
    Ich lese am liebsten Geschichten, möglichst fiktive, weil sie in meinen Augen die wahreren Wahrheiten beinhalten. Ich tauche ein in ein Buch und kann kein anderes parallel dazu lesen.
    Nur Lyrik geht immer, die ist für mich lebensnotwendig wie Wasser. Zur Zeit greife ich am häufigsten zu Raymond Carvers "Gorki unterm Aschenbecher" und zu Hilde Domin.

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  2. Danke für die Antwort, liebe Iris. Erri de Luca habe ich noch nie gelesen. Neapel - ja, da müsste ich auch noch mal hin. Erschreckend, aber wahr: Ich war noch nie so tief im Süden Italiens.

    Bin gespannt, was du demnächst lesen willst. Herzliche Grüße Melusine

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  3. Die Fragen habe ich ja auf meinem Blog schon alle - mehr oder weniger - beantwortet:)

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  4. ... wenn meine Hände die Bohrmaschine mal lassen können, oder sich vom Zusammenschrauben der Regale erholen wollen: Adam Zagajewski "Gedichte"... :-)

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  5. Die Ukraine, die Ukrainer - geht Ihnen das auch so, dass etwas plötzlich im Leben, in der Wahrnehmung auftaucht, das immer schon da war, aber nicht von Ihnen wahrgenommen wurde - und dann, mit einem Mal, häuft es sich. Ihr ukrainischer Dichter (auf den ich nun neugierig bin), meine ukrainische Dorfschullehrerin und der Journalist mit Schwerpunkt Visionen aus dem Briefroman von Gapanenko und gestern Abend die großartige Serie in der ARD, in der gesagt (und gleich widerlegt wurde): "In der Ukraine ist alles leicht."

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  6. Ja, solche Anhäufungen kenne ich. :-)

    Hier ist noch ein Link, da finden Sie einige Übersetzungen: http://lyrikline.org/index.php?id=60&author=az01&cHash=0c9fe57445

    Und dann hab ich noch etwas anderes hier auf dem Tisch liegen: "Können Bilder töten?" von Marie-José Mondzain. http://www.diaphanes.de/scripts/buch.php?ID=92

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  7. Oh... die Links sind nicht anklickbar. Sorry.

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  8. Ich kopier sie einfach und setz sie oben in die Leiste ein. Das ist blöd bei Blogspot, ja! Danke!

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  9. Gerade entschieden: der neue Jonathan Franzen wird es sein. Beruhigend dick, über 700 Seiten, und recht gut besprochen auf Faust Kultur. http://faustkultur.de/kategorie/literatur/buchbesprechung-jonathan-franzen.html

    In K****, ich geb's zu, hab' ich nur Krimis gelesen - die sind, während ich selbst eine Schreibphase habe, am wenigsten störend. Minette Walters. Zuverlässige Krimidame.

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  10. Minette Walters lese ich auch sehr gerne. In der Tat: zuverlässig gut. Da gibt´s gar nichts zuzugeben. Viel peinlicher: Ich lese zum Amüsement auch mal ganz gern Janet Evanovichs Bestseller Comedy-Krimis. Die sind echt nicht gut geschrieben. Aber witzig das Personal. Und sehr entspannend.

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