Sonntag, 30. Januar 2011

FRAU K. ÜBT

Ein Dutzend Kürbisse verbrauchte Frau K. wöchentlich in der Übungsphase. Das waren, wusste sie, zu wenige, um richtig in Schwung zu kommen.  Wie soll ich, fragte sie sich, so diese Hemmung überwinden, im letzten Augenblick die Schaufel voll durchzuziehen, damit der Schädel mit einem einzigen Schlag zertrümmert wird? Ich werde ewig brauchen, wenn ich täglich nur zwei von den Dingern einschlage. Doch konnte sie jeweils nur zwei auf einmal transportieren, da sie kein Auto hatte. Sechsmal in der Woche holte sie nun am Nachmittag zwei Kürbisse vom Markt.  Sonntags setzte sie aus. Das verschaffte ihr Gewissensbisse. Den Ruhetag werde ich noch bereuen, fühlte sie, der wirft mich jedes Mal wieder zurück. Am Montag, hatte sie festgestellt, musste sie stets von Neuem die richtige Einstellung zum Schlag gewinnen. Sie hatte seit Beginn der Übungen um einiges abgenommen, einerseits wegen des Trainings, aber gleichfalls, weil sie sich das Geld für die Kürbisse vom Essen absparte. Auch ihre Laune nahm stetig ab. Denn wenn das Fruchtfleisch der Kürbisse zerplatzend am Boden aufschlug, sah sie vor sich die Gehirnmasse ihres Opfers und statt der Kürbiskerne die Splitter der Schädelknochen. Das war nicht, was sie sich ursprünglich vorgestellt hatte. Ich wollte mehr Blut, dachte sie. Es war nicht nur die Beschädigung des Körpers, um die es mir ging. Es sind das Rot und das Fließen, die ich ersehne. Es fehlt etwas, doch habe ich den Plan mit der Schaufel nun schon zu weit vorangetrieben. Ich schaffe es nicht, auch den noch aufzugeben. Es würde die Tat, das ahnte sie schon, nicht die Erfüllung ihrer Wünsche sein. Es blieb aber wichtig, ihre Armmuskulatur so auszubilden, dass sie die Schaufel mühelos hoch über den Kopf erheben konnte. In einer einzigen Bewegung musste sie in einem großen Bogen auf den Schädel, respektive in der Übungsphase den Kürbis, niederkrachen. Das hörte sich für den Laien wieder viel leichter an, als es tatsächlich war. Sie hatte festgestellt, dass sie unwillkürlich im Schwung kurz vor dem Auftreffen der Schaufelkante auf der Kürbishülle abbremste. Daran war zu arbeiten. Auch überlegte sie, ob es sinnvoll sein könnte, die Länge der Schaufel zu verkürzen. Dann muss ich zwar dichter ran, stellte sie sich vor, aber andererseits ist die Hebelwirkung bei meiner Körpergröße wesentlich besser. Ach, dachte sie, bevor sie ausstieg, es ist noch so viel zu tun.

Verwandte Beiträge


Kommentare:

  1. ich schlage frau k. vor, es mit granataepfeln zu versuchen. ;)

    http://irisnebel.wordpress.com/2011/01/15/der-granatapfel/

    AntwortenLöschen
  2. Ein Hinweis, den ich an Frau K. weiterleiten werde. Doch fürchte ich, im Umfeld von Frau K. werden Granatäpfel nicht allzu häufig angeboten.

    AntwortenLöschen