Donnerstag, 7. Juni 2012

Neid und Frust: ALICE MUNRO´S BEST

Erst jetzt komme ich dazu, in den Band "ALICE MUNRO´S BEST", den mir der Mastermind im Februar aus Kanada mitgebracht hat, hineinzulesen. Vorher wollte noch Navid Kermanis Mammutwerk "Mein Name" gelesen werden, auch Phyllis Kiehls "Fettberg", Jana Volkmanns "Schwimmhäute" und Leander Sukovs "Warten auf Ahab" (über beide werde ich noch schreiben), außerdem Benjamin Steins "Replay", Thomas Meineckes "Lookalikes" und P.D. James "Death Comes to Pemberley"; wiedergelesen habe ich Virginia Woolfs "Orlando", Charlotte Brontes "Jane Eyre" und Jean Rhys "Wide Sargasso Sea" , außerdem und nebenbei so Kleinigkeiten wie Eva Demskis "Rheingau sowie eine ganze Menge Fachliteratur (u.a. zu Euro-Krise, Finanzmarkt und Gender-Trouble, brr.).

Aber jetzt: Alice Munro´s Best. Man soll ja keine Superlative verwenden, wenn es um Literatur geht. Doch sie hat diese Geschichten als ihre besten ausgesucht. Sie darf das. Ich bin jetzt bei der zweiten "The Beggar Maid". Was immer ich bisher von ihr gelesen habe, hat mich begeistert. Und beschämt. Denn so werde ich niemals schreiben können: so präzise, so klar, so stilsicher. Sie kann´s. Das macht mich neidisch. Und frustriert mich. 

Natürlich beglückt es mich auch. Man soll keine Superlative verwenden und niemals sagen: Das ist die beste Prosa überhaupt. Ich kenne auch gar nicht genug Werke, um eine solche Aussage treffen zu können. Aber ich darf schwärmen: Alice Munro zu lesen, ist eine wunderbare Erfahrung. Ich kenne keine andere Autorin, die so gut schreibt, und die ich mit solcher Bewunderung, mit solcher Begeisterung und eben auch solchem Neid lese. 

Jede hat ihre Lieblinge: Meine sind Jane Austen, Viriginia Woolf, Nancy Mitford, Sybille Bedford, Janet Frame. Aber an der Spitze steht sie: Alice Munro. Ich habe 10 Bände, alles gesammelte Erzählungen, von ihr hier stehen. Und nun: Die Besten. Schon die erste Erzählung ("Royal Beating") war großartig. Ich kann nicht genug davon kriegen.

Ach, was - und von wegen: keine Superlative. Sie ist die Beste! ALICE MUNRO. (Und wenn ich mit dem Band fertig bin, schreibe ich darüber, auch wenn ich neidisch bin und frustriert - oder gerade deswegen.)

Kommentare:

  1. Ich persönlich glaube ja, dass man am besten schreibt, wenn man neidisch ist und beschämt, und wenn man vorbilder hat, die man mit superlativen überhäuft.

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  2. Schön wär das. Ja. Allein, mir fehlt der glaube ... vor allem an mich ;-).
    Was soll´s, ich bin eine Privilegien-Tussi, wie sie (nicht) im Buche steht - und hab´immer was zu jammern. Aber wenn das Tagwerk für heute getan ist, lege ich mich hin und lese Alice Munro. Schöne Aussicht.

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