Sonntag, 3. Juni 2012

SELBSTANZEIGE (Presseschau zum Wochenende)


Nicht nur das „Swiss-Bashing“ wird zunehmend härter, Leute! Wer hat, dem wird gegeben, wer jetzt nicht seine Schäfchen in Fränkli umwandelt,  muss vielleicht doch noch mal Steuern zahlen. Zuverlässig erniedrigen sich die Verletzten und Gedemütigten weiter selbst, damit die Cleveren und Gemeinen auf ihren Rücken Häppchen servieren und Sektgläser abstellen können. Drollige Rettungsschirme werden aufgespannt, um den Schleim abzuhalten, der sich aus den maßgeblichen Presseorganen der freien Welt über die Herren ergießt, die mit erprobtem Geschick die kalten und heißen Kriege vorbereiten, mit denen sie ihre verehrten Wählerinnen und Wähler in ängstlicher Konsumlaune halten. Eine Anschlussverwendung für liberale Halbgebildete ohne Herz und Verstand in Ministerämtern ist sogar im Wirtschaftswachstumsdeutschland jedoch trotzdem leider nicht in Sicht; wir werden diese Minderleister weiter ernähren und mit Krawattennadeln ausstatten müssen. Wer lange genug am Buffet durchhält, wird am Ende sowieso gefeiert werden; darauf, immerhin, kann man sich verlassen, ob Gin-Mumie oder Frack-Holländer, Hut-Schachtel oder Elefanten-Jäger. Es leben die debilen Monarchen und singfreudigen Hofnarren hoch!

Moralisten aller Länder weinen derweil über grauenerregenden Bilder und vereinen sich in berechtigter Klage. Die syrischen Alaviten versammeln sich dennoch nicht grundlos hinter dem verbrecherischen Regime. Kaum einer wird die Koffer packen können und –Frontex sei Dank! – Wirtschafts- und Bürgerkriegsflüchtlinge erreichen Europa kaum noch, um unserer Jugend die spärlichen Sklavenarbeitsplätze streitig zu machen. Aber, halt, die Generation 40+ hat auch nichts zu verlieren. Macht Männchen, junges Volk, duckt euch, fürchtet euch, seid biegsam und mutlos wie wir, es wird euch dennoch nichts geschenkt und bleibt für euch nichts übrig. Das Erbe haben wir verprasst, denn wir sind ideologiefrei, weswegen keiner von uns verlangen kann, dass wir unsere Bequemlichkeit einer Zukunft opfern, von der wir wohl nichts mehr haben.

Kommentare:

  1. Ausgerechnet heute, an einem Tag, wo mein berechtigter Zorn verraucht zu sein scheint, bringen Sie diesen überaus zornigen Text! Aber Sie haben im Ganzen so recht, Sie treffen die Situation so gut und auch derartig den richtigen Ton, daß ich ganz behaglich ein schiefes Liedchen pfeife und froh bin, mein Geld nicht in die Schweiz, sondern hier durchgebracht zu haben. Meinem Motto, "sich mit Erfolg anzupassen ist kein Erfolg, sondern Anpassung!" bleibe ich aber trotzdem treu, und mein Lieblingsvogel bleibt weiterhin Donald Duck.

    AntwortenLöschen
  2. Hmm, eigentlich war ich gar nicht so zornig heute. Musste und wollte was anderes schreiben als für das Blog und dachte: Mach halt in der Mittagspause eine kurze Presseschau, das geht schnell. Eigentlich sollte sie witzig werden. Aber die Presse (d.i. die "maßgeblichen Zeitungen": heuer NZZ, SZ, FAZ, FR) macht mich meistens zornig (hätte ich mir ja vorher denken können). Und dabei habe ich sogar noch mein Lieblingswut-Thema weggelassen: den Fiskalpakt! Ha, dafür hatte ich zum Glück keine Zeit.

    Die Ente mag ich auch gern. Und hier irgendwo liegt noch ein Gedicht aus der Pop-Poetinnen-Zeit über eine alte Ente mit einem Holzknie. Muss ich mich noch mal dran setzen. Ich sehe in Donald den weltgrößten Melancholiker, dem ich mich eben wegen seiner ganz unpassenden Wutausbrüche so verwandt fühle. Und das Knie...na das führt jetzt zu weit...

    AntwortenLöschen