Freitag, 22. Januar 2016

"Kölner Botschaft" statt #ausnahmlos

"Das autoritäre Klima der frühen Bundesrepublik wurde zu Recht ausgiebig beklagt. Wenn es überwunden wurde, dann nicht, weil man ausgesucht tolerant gegenüber der Rückständigkeit der Provinz, gegenüber den Kirchen und ihren Wertvorstellungen gewesen wäre."


Adam Soboczynski "Bitte nicht stören", in: DIE ZEIT vom 21.01.2016

Ich habe #ausnahmslos, den "Aufruf des progressiven Feminismus", wie "Der Freitag" diese Reaktion auf die Silvesternacht von Köln nennt, nicht unterzeichnet. Obwohl ich - selbstverständlich - ausnahmslos gegen sexualisierte Gewalt, Sexismus und Rassismus bin, egal von wem sie ausgehen.


Wer allerdings sexualisierte Gewalt, Sexismus und Rassismus auch für strukturelle Probleme (patriarchaler) Gesellschaften und Weltanschauungen hält - und nicht nur für individuelle Defekte - , muss sich durchaus Fragen zum sogenannten "soziokulturellen Hintergrund" von Tätern stellen. Das, so würden die Initiatorinnen und Unterzeichnerinnen von #ausnahmslos antworten, bestritten sie in ihrem Text ausdrücklich nicht. Stimmt, einen Satz ist es ihnen durchaus wert. Jedoch hüten sie sich davor, auf den spezifischen soziolkulturellen Hintergrund der Täter von Köln einzugehen. Das hat Gründe. Doch es wäre auch anders gegangen, wie die "Kölner Botschaft" eindrucksvoll beweist, die nicht darauf verzichtet, die konkreten Hintergründe der Kölner Taten zu benennen und die im ersten Absatz eine offensive Position - die der Liebe zur eigenen Stadt -  vertritt, die es - gegen die Täter von Köln, die Pegida-Aktivisten, Nazi-Apologeten und Dschihadisten - zu verteidigen gilt. Anders #ausnahmlos", das die Taten von Köln in den Kontext der sogenannten "whatabouts" stellt, wie Adam Soboczynski das im oben zitierten Artikel nennt: was ist denn mit...Übergriffen von Deutschen auf dem Oktoberfest, was ist denn mit...sexistischer Werbung auf deutschen Plakatflächen, was ist denn mit...mädchenverachtenden Mathelehrern an deutschen Schulen etc. pp. Die Taten von Köln - nichts Besonderes, besonders nicht in Deutschland? Oder habe ich da was falsch verstanden?

Aus einer großen Menge von überwiegend aus nordarabischen Ländern stammenden jungen Männern heraus wurden in der Silvesternacht vor und im Kölner Hauptbahnhof Frauen umzingelt, eingeschüchtert, geschmäht, begrapscht und vergewaltigt. Polizeibehörden, Politiker_innen und wohl auch einigen Medien erschienen die Aussagen der Opfer offenbar in der gegenwärtigen, durch den rechten Mob aufgeheizten Situation problematisch. Vielen Feministinnen, wie es scheint, ebenso. Unmittelbar nachdem erste Zeitungsberichte über die Nacht von Köln in den Medien erschienen, wurden in den sozialen Netzwerken die Aussagen der betroffenen Frauen auch von "progressiven Feministinnen" in Zweifel gezogen: Ob es wirklich vor allem sexuelle Übergriffe und nicht doch vor allem Eigentumsdelikte gewesen seien, woran denn die Frauen überhaupt "Araber" hätten erkennen wollen, wurde zum Beispiel gefragt.  Als sich nach der Veröffentlichung von Polizeiberichten nicht mehr leugnen ließ, dass die Übergriffe mehrheitlich von Tätern begangen worden waren, die aus Marokko und Algerien stammen (die Beobachtungen und Einschätzungen der betroffenen Frauen also bestätigt wurden) setzte die Flut der "what about"-Fragen ein. Die größte Gefahr einer öffentlichen Diskussion über die Vorfälle von Köln war nämlich schnell erkannt: Dass die kriminellen Taten von Köln dem tatsächlich in Deutschland derzeit grassierenden Rassismus in die Hände spielen könnten und der Stimmungsmache gegen Flüchtlinge dienen würden. Ich verstehe diese Sorge gut. Aber ich teile die Einschätzung nicht. Dem Rassismus und der Menschenfeindlichkeit in die Hände spielt mindestens genauso sehr eine fragwürdige "linke" und/oder "feministische" Toleranz gegenüber bestimmten Milieus und eine rhetorische und sachliche Unschärfe, die Differenzen einebnet, erstrittene gesellschaftliche Fortschritte leugnet und Befremden und Fremdheitsgefühl bei den einen mit geradezu paternalistischem Verständnis (Einwanderern) begegnet  und bei den anderen (Einheimischen) als Rassismus brandmarkt.

Wenn es um die Täterschaft aus einem christlich-katholischen Milieu heraus geht, wird - zurecht! - nicht in ähnlicher Weise reagiert. Niemand betont dann unentwegt, dass auch evangelische oder muslimische Menschen Gewalt gegen Kinder verüben. Vielmehr ist es richtig und wichtig zu analysieren, inwiefern die (zum Teil auch sexualisierten) Gewalttaten gegen Kinder bei den Regensburger Domspatzen offenbaren, dass in der katholischen Kirche und im katholischen Milieu über lange Zeit und zum Teil bis heute (darauf lassen auch jüngste Äußerungen des derzeitigen Papstes schließen) Gewalt gegen Kinder begünstigt worden ist. Die Ursachen für diese Gewaltaffinität und -rechtfertigung liegen auch in der Religion, in bestimmten theologischen Interpretationen biblischer Texte, in einem patriarchalen Familienideal, das als "christlich" verstanden wurde und wird. 

Es dürfte wohl kaum eine der Aussage widersprechen, dass alle drei monotheistischen Religionen patriarchale Denkmuster begünstigt, stabilisiert und verHERRlicht haben und diese ("Wert"-) Vorstellungen bis heute wirksam sind. Daher ist Religionskritik, auch sehr scharfe, weiter nötig und unter dieser selbstverständlich auch "Islamkritik". Kritik an Religionen mit Wahrheitsanspruch ist nämlich kein Rassismus, sondern Voraussetzung für gesellschaftliche Pluralität, Liberalität und Toleranz.

Kein gesellschaftlicher Fortschritt für Frauen, Homosexuelle oder Kinder, keine gesellschaftliche Ächtung von (sexualisierter) Gewalt  - wie immer mühsam, fragil und faktisch unbefriedigend errungen -  wurde durch die religiösen (hier: christlichen) Institutionen und/oder Gruppierungen erzwungen oder herbeigeführt, sondern fast immer gegen sie: ob es um das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung in und außerhalb der Ehe, das Recht der Frau auf die Entscheidung über Abtreibung oder die Akzeptanz von Homosexualität ging. Dass auf diesen Gebieten Fortschritte erreicht wurden, verdanken "wir" nicht dem "christlichen Menschenbild", sondern dem Zurückdrängen des Einflusses der religiösen Institutionen auf Gesellschaft und Politik. Immer mehr Menschen gestalten ihr Leben, ohne sich durch religiöse Überzeugungen leiten zu lassen, manche bleiben sogar Mitglied ihrer jeweiligen Kirchen, ohne jedoch im Alltag deren "Ratschlägen" oder "Geboten" Beachtung zu schenken. Empfängnisverhütung oder Sex vor der Ehe sind nur die offenkundigsten Beispiele. 

Ja, es gibt in Deutschland sexistische Werbung, sexistische verbale Übergriffe, sexualisierte Gewalt und Vergewaltigungen. Aber Männer und Frauen können in der Regel heutzutage selbst entscheiden, mit wem sie Sex haben wollen, mit wem sie zusammenleben möchten und ob sie eine Ehe als Voraussetzung für sexuelle Beziehungen betrachten. Die Vergewaltigung in der Ehe ist seit 1994 strafbar. Es gibt keine gesellschaftliche Ächtung außerehelicher sexueller Beziehungen mehr, die Ehre einer Frau wird nicht mehr von ihrer Jungfräulichkeit vor der Ehe abhängig gemacht und auch die Diskriminierung von Homosexuellen is gesellschaftlich nicht mehr mehrheitsfähig. Das ist nicht selbstverständlich, sondern schwer erkämpft. Ich finde es fahrlässig, diese Fortschritte klein zu reden. Diese Errungenschaften (ja, ich nenne sie mal so!) können nur verteidigt werden, wenn der Einfluss des "religiösen" Institutionen (Kirchen, Islamverbände) auf Gesellschaft, Kultur und Politik nicht wieder zunimmt. Die christlichen Kirchen nämlich haben ihre patriarchalischen Positionen bestenfalls modifiziert oder geräumt, wenn sie längst nicht mehr mehrheitsfähig waren. Andernorts, wo die Mehrheitsverhältnisse anders sind, setzt  sich z.B. die katholische Kirche  weiterhin für die Pathologisierung der Homosexuellen ein oder verhindert Verhütung etc. ppp. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass der Einfluss des organisierten Islam in Deutschland (z.B. durch die  sogenannten Islamverbände) auf die Gesellschaft (und insbesondre die Sexualmoral) positiver wäre.  

Vor diesem Hintergrund finde ich es unerträglich, wenn linke Bekannte und Freunde jetzt z.B. Postings auf Facebook absetzen, die dazu aufrufen, das kriminelle Verhalten der Täter von Köln "mit dem Islam, statt gegen ihn" zu bekämpfen. Schließlich hätten die Täter ja selbst gegen ihre (?) Religion verstoßen, da sie alkoholisiert gewesen seien. Soll ich ernsthaft mit freundlichen, wie die "taz" lustigerweise schreibt, "zutraulichen"  Imamen gemeinsam Abstinenz von Jugendlichen einfordern, obwohl ich selbst gern Wein und Bier trinke und das religiös begründete Verbot für Unsinn halte? Werden "wir" dann bei einer Vergewaltigung oder einem sexuellen Übergriff in Zukunft im Verein mit katholischer Kirche, evangelikalen Freikirchen und Islamverbänden für die sexuelle Enthaltsamkeit vor der Ehe eintreten, weil wir hoffen, potentielleTäter (muslimische und/oder christliche) so "erziehen" zu können, ohne sie "umzukrempeln", wie die "taz" es so schön formulierte. In meiner Gewerkschaftszeitung finde ich einen Artikel, der um einen verständnisvollen und "interkulturell sensiblen" Umgang mit der verbreiteten Praxis von Familien aus dem "muslimischen Kulturkreis" wirbt, Frauen aus der Öffentlichkeit fern zu halten. Diese "Rücksichtnahme" auf religiös und/oder kulturell "muslimisch" begründete Missachtung des individuellen Rechts von Frauen und Mädchen, aber auch von Männern und Jungen auf Selbstbestimmung lässt gerade jene im Stich, die wohl aus einem "muslimischen" Kulturkreis stammen mögen, sich aber kritisch zu diesen Traditionen stellen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich behaupte gerade nicht, dass hinter den Verbrechen von Köln religiöse Motive stecken. Tatsächlich gibt es keinerlei Hinweis darauf, dass es sich bei den Tätern um religiös inspirierte Menschen handelte (ganz im Gegensatz zum Beispiel zu den islamistischen Terroristen, deren religiöse Motivation man m.E. durchaus ernst nehmen muss). Ich bin nur davon überzeugt, dass die monotheistischen Religionen (und damit eben auch der Islam, gleich welcher Prägung) kaum Hilfestellung bei der Prävention solcher Taten anbieten können. Zu - freundlich ausgedrückt - problematisch ist deren Geschichte des Umgangs mit Geschlecht und Sexualität, zu rückständig noch immer in den dominierenden theologischen Strömungen deren Sexualmoral und Familienideal. 

Die Feministinnen, die #ausnahmslos initiiert haben, aber auch viele Linke behaupten, dass der Schock und die mediale Beachtung, die die Verbrechen von Köln gefunden haben, ausschließlich darauf zurückzuführen sind, dass  "Fremde" als Täter aufgetreten sind. Daher ließen sich diese Taten von Rassisten instrumentalisieren. Dem wollen sie vorbeugen. Das ist ehrenwert. In Wahrheit, behaupten sie, handele sich um Tatvorgänge, wie sie in Deutschland immer wieder vorkämen. Sexismus und sexualisierte Gewalt seien strukturelle Probleme, die mit keiner bestimmten Tätergruppe verbunden seien. So allgemein formuliert stimmt das. Es stimmt aber nicht, wenn man die Übergriffe von Köln genauer analysiert. Was viele Menschen, auch jene, die sich nicht durch rassistische Hetze instrumentalisieren lassen, an diesen Taten verstört ist, ist die öffentliche, gemeinschaftliche Hetzjagd auf Frauen. Das hat es so meines Wissens in den letzten Jahren in Deutschland nicht gegeben. Eben auch nicht auf dem Oktoberfest, in Kirmeszelten oder Fußballstadien. Dort gibt es sexistische Sprüche zuhauf, unangenehme Anmache, Angrabschen und es kommt im Umfeld solcher Veranstaltung zu Vergewaltigungen. Was ich noch nie bei einer solchen Veranstaltung erlebt habe, ist,  im öffentlichen Raum umzingelt zu werden, Spießruten laufen zu müssen und keine Hilfe von Ordnungshütern zu bekommen. Anders als viele mir bekannte Unterzeichnerinnen von #ausnahmlos bin ich zum Beispiel jahrelang zu Bundesligafußballspielen ins Stadion gegangen. Sexismus gibt es da zuhauf. Und er ist widerwärtig. Aber eine Situation wie in Köln habe ich dort nie erlebt. Deshalb finde ich es wichtig, den Schock über die Silvesternacht in Köln, den sehr viele Menschen empfunden haben, ernst zu nehmen und nicht als rassistischen Affekt zu brandmarken. 

Einige Frauen aus dem arabischen Kulturraum haben nach den Übergriffen von Köln eine Parallele zu den organisierten Vergewaltigungen auf dem Tahrir-Platz in Kairo gezogen, andere haben diesen Zusammenhang vehement bestritten. Slavoj Žižek hält die Übergriffe für einen "obszönen Karneval der Underdogs". Andere gehen davon aus, dass es sich im Wesentlichen um organisierte Diebesbanden aus Marokko und Algerien gehandelt habe, deren "Antanz- Methode" in einer sexualisierten Variante in dieser Nacht aus dem Ruder gelaufen sei. Seit Dezember steigt die Zahl der aus Marokko, Algerien und Tunesien stammenden Antragsteller auf Asyl stark an. In keinem dieser drei Länder herrscht Bürgerkrieg. Für die allermeisten der Antragsteller gilt wohl auch, dass sie keinen Anspruch auf politisches Asyl haben. Die Sorge, dass kriminelle junge Männer aus Algerien und Marokko das europäische Chaos in der Flüchtlingspolitik ausgenutzt haben, um nach Deutschland einzureisen, ist nicht unbegründet. 

Es ist schwierig, in dieser Gemengelage herauszufinden, was im Einzelnen zu den Taten von Köln geführt hat. In den Augen der jungen Männer waren "westlich"gekleidete Frauen, die nachts feiernd unterwegs sind, scheinbar "Freiwild". Es spricht viel dafür, dass es sich um eine Tätergruppe handelt, die - wie man so sagt - wenig zu verlieren hat und ihren niedrigen sozialen Status durch rücksichtslose Gewaltausübung und Respektlosigkeit zu kompensieren sucht. Dazu kommt ein "soziokultureller Hintergrund" aus einer zutiefst patriarchalen Kultur, in der "die Ehre" von unverheirateten Frauen daran gemessen wird, dass sie sexuell nicht aktiv sind, ihre Körperlichkeit verbergen und sich den Männern in ihrer Familie unterordnen. Frauen, die sich dem entziehen, werden geächtet und sollen bestraft werden. Es geht wohl bei solchen Taten und in den Tätergruppen darum, die eigene Erbärmlichkeit weniger zu fühlen, indem andere, vornehmlich Frauen, gedemütigt und unterdrückt werden. Diesem Bedürfnis liefert eben ein Teil der "arabischen Kultur" zwei passende Narrative: Die "Underdogs" können sich einerseits als späte Opfer einer fremden kolonialistischen Invasion begreifen, zu deren Lasten ihre Perspektivlosigkeit noch immer geht (statt sie - mindestens auch - auf das politische und ökonomische Versagen der arabischen Eliten in den letzten 50 Jahren zurückzuführen). Andererseits leiten sie aus der Identifikation mit "dem Islam" eine dem Opfersein diametral entgegengesetzte totalitär empfundene Überlegenheit über die "dekadente" westliche Lebensweise ab (statt eine kritische Auseinandersetzung mit den als" islamisch" empfundenen Traditionen zu führen). Derart gespaltene Selbstbilder (zwischen Opferstatus und Überlegenheit) münden nicht selten in brutalen Gewaltausbrüchen. Eine religiös begründete, rigide Sexualmoral begünstigt darüber hinaus Scheinheiligkeit, Doppelleben und sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Kinder. Das war (und ist)  in christlich geprägten Gesellschaften so und das lässt sich ebenso in muslimisch geprägten Gesellschaften und Milieus beobachten. 

Was also tun? Die "Kölner Botschaft" fasst es meines Erachtens gut zusammen: 
1. Ja, sexualisierte Gewalt und Sexismus sind #ausnahmslos bekämpfen. 
Aber auch(!):
2. Bandenkriminalität muss unterbunden werden. Dazu gehört auch die Abschiebung von Kriminellen aus Algerien und Marokko in ihre Heimatländer. Denn es ist dieser multikulturellen Gesellschaft nicht zumutbar, dass diese Länder ihre Jugendkriminalität hierher exportieren. Das schadet nicht zuletzt den vielen Zuwanderern aus Marokko und Algerien, die schon lange gesetzestreu hier leben.
3. Die Polizei stärken, indem das Versagen der politischen und administrativen Führungsebene in der Kölner Silvesternacht schonungslos aufgeklärt wird.
4. Ein offenes, gastfreundliches Land bleiben (oder werden), in dem Fremdenfeinde und nicht Fremde geächtet werden und in dem die Werte, die im Grundgesetz dargelegt sind, allen Zuwanderern vermittelt werden als jene, auf die die Gesellschaft, deren Schutz sie suchen, zu Recht stolz ist (in dem Bewusstsein, dass ihre Realisierung eine stete Aufgabe bleibt).

Kommentare:

  1. Liebe Jutta, so klug und so mutig! Danke!

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  2. Mit das Beste, was ich zu den unsäglichen Ereignissen in Köln und Hamburg, aber auch in grundsätzlicher Hinsicht, bisher lesen durfte.

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  3. wenn es dir wohltut : hier gründlichkeit 8 DAS KANNST DU 9, vorher irgendwie amorph ( was ich dir nicht zutraute )

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  4. Ich kann dir nur zu dieser Ausführlichen Darstellung und Begründung deines Standpunktes applaudieren! Besonders deine Ausführungen zum Part der Religionen, was die Einschränkung der Freiheiten von Frauen, Kindern, Schwulen usw. anbelangt, Teile ich uneingeschränkt und wünsche mir für eine zukünftige Gesellschaft eine Säkularisierung ( stattdessen findet z.B. In meinem Bundesland eine Stärkung der Islamverbände statt ).
    Die Aktion #ausnahmslos nimmt das Geschehen in Köln nicht richtig wahr, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Auch ich wende mich vehement gegen das sexistische Bild der Frau in manchen Medien & der Werbung, muss aber konstatieren, dass solch massenhafte Übergriffe bisher hier in den letzten 50 Jahren nicht stattgefunden haben, also muss ich genau hinschauen, was da vor sich gegangen ist. Scheuklappen, ideologisch verordnet, finde ich da nicht hilfreich und förderlich, um in Zukunft solche Erlebnisse für Frauen zu vermeiden.
    LG
    Astrid

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  5. Beob­ach­te­te in einem Bus ( Take five ) eine Mut­ter und ihr Kind. Zwei Män­ner von dunk­ler Haut­far­be saßen gegen­über. Sie unter­hiel­ten sich. Das Kind hör­te auf­merk­sam zu. Dann lach­ten die Män­ner und das Kind frag­te die Mut­ter, was die Män­ner erzähl­ten, wor­über sie lach­ten. Sogleich lausch­te die Mut­ter zu den Män­nern hin. Sie lausch­te lan­ge, sie lausch­te auch mit den Augen. Es war nicht die eng­li­sche und auch nicht die fran­zö­si­sche Spra­che, die sie ver­nahm, es war eine selt­sam klin­gen­de Spra­che, Kli­ck. Kli­ck. Die Mut­ter sag­te zum Kind: Über Afri­ka. – Wäh­rend ich die­se Geschich­te notier­te, erin­ner­te ich mich an einen Gedan­ken, den G.C.Lichtenberg bereits um das Jahr 1778 her­um for­mu­lier­te. Er schrieb: Vor­stel­lun­gen sind auch ein Leben und eine Welt. – /// Ein Essay, liebe Jutta, gegen Stempelsätze, gegen Stempelgedanken. Weil unsere Zeit, wie mir scheint, so sehr beschleunigt ist, bemerke ich nicht immer, wenn ich selbst aufwühlenden Ereignissen mit Stempelgedanken begegne. Ich bin weit gekommen, wenn ich meine eigenen Stempel bemerke. Dann fragen, zuhören, nachfragen, weiter zuhören. Ein iranischer Freund, der seit über dreissig Jahren in Deuntschkand lebt, sagte vor kurzem: Wir müssen unsere Demokratie verteidigen. Ja: Ein offenes, gastfreundliches Land bleiben (oder werden), in dem Fremdenfeinde und nicht Fremde geächtet werden und in dem die Werte, die im Grundgesetz dargelegt sind, allen Zuwanderern vermittelt werden als jene, auf die die Gesellschaft, deren Schutz sie suchen, zu Recht stolz ist (in dem Bewusstsein, dass ihre Realisierung eine stete Aufgabe bleibt), ja!

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