Freitag, 12. November 2010

Melusine featuring Armgard: RETTUNGSVERSUCH

Armgard/Anne erzählt ein neues Kapitel des Blog-Romans: Hier.

Die Erzählung des Doppellebens von Melusine und Armgard kommt langsamer voran, als ich hoffte. Noch immer ist es Herbst 2009 in der Mark. Fern noch sind die lauen Sommernächte und die unvergessliche Session, bei der Anne und Karim sich in die Vergessenheit spielten. Ein eifersüchtiger Tomasz vergab ihnen das nie. Nah aber schon erscheint Karims zerschmetterter Schädel neben der Platane kurz vor Neuglobsow am See. Nahe gerückt ist auch der Abschied der Gierenden, der keine Tränen kennt. Weit hin noch ist es zurück  nach Chicago in die 90er Jahre, in den Wind der großen Seen, ins verfremdete Glück und die Entzweiung. Und noch weiter: die Geburten und Tode. Die Gräber der Väter. Der Selbstmord des Freundes. Ein Eheversprechen. Zwanzig Jahre gemeinsames Leben sind eine lange Zeit. Waren Bert und Anne/Armgard noch Kinder, als sie sich einander so innig verbanden? Was geschah damals mit Melusine? Was wird aus der Liebe, wenn sie ergraut? Soll sie bleiben oder gehen? Und immer wieder singt, gleitend durch die Ozeane, die Schwester, die 1989 verschwand, Melusine, die alles versteht und gar nichts weiß. Ans rettende Ufer gelangt sie nicht. Auch das war Illusion. Das ahnen wir nicht, wir wissen es schon. Was hintereinander zu geschehen schien, war immer schon da.

Dennoch: Eine „Inhaltsangabe“...was bis hierher geschah...:

Mitte Oktober des Jahres 2009 liebt sich in Neuglobsow am Stechlinsee ein Paar, das seit 20 Jahren beisammen gehört: Anne (Armgard) und Bert Barnhelm. Doch die Idylle trügt. Im Morgengrauen denkt sie an einen anderen. Die Melusine im Ozean hat die Hoffnung auf Rettung längst aufgegeben und eilt der Liebesverräterin voraus. Am 30. Oktober betrinkt sich Down Under der Begehrte, Tomasz Hosni (aka Mr. Hell) in einer Bar und schleppt eine Willige ab. Doch kommt es nicht zum Verkehr, da ihn plötzlich die Zärtlichkeit „über-mannt“. Im indischen Ozean gleitet in der Nacht zuvor Melusine singend durch die Wogen. In der Mark am See, unterdessen, streitet wenige Tage später Anne Barnhelm heftig mit ihrem Sohn Carl. Weinend versöhnen sie sich. Anne gesteht dem Sohn die Sehnsucht nach „Darlinghurst Nights“. Am 9. November gratuliert im Chat Tom Hell Anne Barnhelm zu 20 Jahren deutscher Einheit. Sie weist ihn darauf hin, dass es auch die Nacht der brennenden Synagogen gewesen sei. Sie erinnern sich noch einmal ihrer Liebesgier in den Berliner Nächten. Doch alles endet im Streit. Tom schreibt: „I´m fucking sick of thee, Annie.“ Dann meldet er sich nicht mehr. In der historischen Nacht der Deutschen vom 9. auf den 10. November hört man erneut die Melusine im Ozean singen. Sie versucht die Schwester zu warnen vor dem Betrug des Kindmannes, der als Dunkler Ritter sich nur ausgibt, um ihr heiliges Begehren zu wecken.  Drei Tage später, am 13. November, findet Bert Barnhelm in einer Gewässerprobe des Stechlinsees ein silbriges Haar. Das Haar im See beunruhigt ihn ungebührlich. Schließlich verbrennt er es. Annes Nächte bleiben schlaflos. Sie sucht im Netz nach Spuren des verschollenen Liebhabers, erfolglos. Am 16. November schließlich bucht sie einen Flug nach Sydney. Zum Abflug bereit steht sie am Gate in Frankfurt. Da erreichen sie zwei SMS: von Melusine und von ihrem Sohn Carl.

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