Sonntag, 16. September 2012

RICHTIG EKLIG: Die Zuckungen des untergehenden Patriarchats im "Fall Wulff"



Ich glaube nicht, dass Bettina Wulff „mein Typ“ wäre, wenn ich sie kennenlernte. Da ich sie aber nicht kenne und auch kaum je persönlich kennenlernen werde, spielt das keine Rolle. Was in den letzten Tagen an dumpfer, dummer, sexistischer Blödheit aus den journalistischen Schreibstuben und den deutschen Wohnzimmern gekrochen ist, um auf sie einzudreschen, zeigt mir aber einmal mehr, wie tief im (Unter-)bewusstsein gewisser Redakteure und ihrer Leserschaft Sexismus und patriarchales Denken verankert sind.

Die Wulffs, denke ich, sind ein relativ geschmackloses Paar (siehe: hier), das gerne in „den besseren Kreisen“ (mit anderen Worten: bei den einkommensstarken Asozialen) mitspielen will und kein Gefühl dafür hat, wo Abhängigkeit und Korruption anfängt (weil Unrechtsbewusstsein generell in diesen Kreisen, wo Steuerbetrug und  Bestechung üblich sind, völlig fehlt.) Soweit so schlecht.

Die Angriffe gegen die Wulffs, so berechtigt sie im Einzelnen sein mögen, wurden jedoch von Medien und Personen lanciert, die dafür bekannt sind und es auch in diesem Fall trefflich bewiesen haben, dass sie reaktionäre, sexistische, rassistische und fremdenfeindliche Strukturen bilden und stützen. Der „Fall Wulff“ hat denen dazu gedient, ihre patriarchalen und sexistischen Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit noch einmal zu reproduzieren. Christian Wulff wurde an jener Männlichkeit gekränkt, die hier vorherrscht: Geldverdiener und „Besitzer“ seiner Frau. Der Tenor der Berichterstattung in den einschlägigen Medien war: Um sich die schöne, junge Frau leisten zu können, hat das Geld nicht gereicht, drum wurde er korrupt. Heterosexuelle Paar-Beziehungen werden von dieser Denke schlicht und ergreifend immer als Erwerb der Frau durch den Mann betrachtet, da kann die Frau so viel verdienen, wie sie will. Drum war  es offenbar im hierarchischen Denkgefüge dieser Herren auch so schlimm, dass der blasse Wulff eine abbekommen hatte, die irgendwie über seiner „Preisklasse“ lag. Außerdem leistet man sich die begehrenswerten „Trophäenfrauen“ in der gesellschaftlichen Schicht, in die Wulff aufsteigen wollte, "nebenbei", während man(n) als legitime Ehefrau sich eine hält, die das Standes- und Klassenbewusstsein repräsentiert. Zusätzlich war Wulff zum Ärger der konservativen Kreise in Politik und Journalismus zum Hoffnungsträger der in Deutschland lebenden Muslime geworden, die sie lieber heute als morgen ausbürgern wollen. Man kann sich ungefähr vorstellen, wie viel Wut sich da aufgestaut hatte.

Die Frau hingegen, das passt ins Muster und ist quasi unabdingbar, die überdurchschnittlich gut aussieht und ein Tattoo trägt (wo bleibt denn da das Klassenbewusstsein?), muss diesem kranken Bewusstsein des deutschen Leistungsträgers zwingend als käuflich erscheinen. Das wird auch kolportiert und hat doppelte Wirkung: Es trägt zur Kränkung des Mannes bei (denn in der Vorstellungswelt der Idioten ist die Vagina seiner Frau die Ehre des Mannes) und gibt die „Schlampe“ zum Abschuss frei. Das schmutzige Bewusstsein hat seine Projektionsfläche besudelt, wie nicht anders zu erwarten war. Weiter geht´s im Text, denn das Frauenzimmer wehrt sich: Unverschämt! Eine Frau mit Stil, weiß in der Talkshow der Medienexperte und Hansi Hinterseer-Verschnitt Hajo Schumacher, täte so was nicht. Die guten alten Matronen in ihren  kniebedeckenden Sackkleidern und mit ihren Betonfrisuren haben den Sexisten in der Pressekonferenz nie so was zugemutet. So was wie Bettina Wulff hat noch keine Präsidentenfrau ihrem Mann angetan, weiß die Zeitung mit den großen Buchstaben. Ein Leserbrief-Schreiber rät empört, Frau Wulff möge sich ein Beispiel am Merkel-Ehemann Sauer nehmen, der halte auch öffentlich die Klappe. Frau wäre sehr interessiert daran gewesen, wie der Leser und seine sexistischen Redakteure reagiert hätten, wenn Frau Wulff sich von Anfang an an jenem vorbildlichen Herrn orientiert hätte und fast allen öffentlichen Auftritten ihres Mannes fern geblieben wäre. Mir hätte das gefallen. Aber so was tut doch eine gute Frau nicht, die voll hinter ihrem karrieregeilen Kerl steht und jedermann und jederfrau zeigt, dass er hat und kriegt, was er braucht: Stand by your man! Eine Frau lebt schließlich für ihren Mann. (Wofür denn sonst?)

Es ist immer wieder unheimlich eklig den widerlichen Zuckungen des untergehenden Patriarchats zuzugucken. Männer-Magazin „Spiegel“, Schmuddel-Zeitung „Bild“ und Sexisten-Humorschrift „Titantic“ – ich habe für die Wulffs nix übrig, aber ihr seid auch richtig Scheiße! 

Kommentare:

  1. Mit berechtigter Wut und genau richtig analysiert! Eine (patriarchale)Gesellschaft stinkt meist nicht nur vom Kopf, sondern auch aus ihren meinungsbildenden Medien.

    AntwortenLöschen
  2. Nun ja, mir wäre auch lieber ich müsste nichts mehr hören und sehen von den beiden - und vor allem bezahle ich sie ungern.

    Was jetzt in den Medien passiert ist aber nichts, was mir den Blutdruck hochtreibt. Zum Glück, denn da gibt es ja im Moment so viele Anlässe, die mich zum Kochen bringen.

    AntwortenLöschen
  3. Das ist punktgenau beschrieben!!! Bedenklich finde ich auch, daß das öffentlich-rechtliche Fernsehen, anders als der öffentlich-rechtliche Rundfunk, die von Ihnen genannten Strukturen durch diese Talk-Shows bzw. Laberrunden noch stärkt, die eine Funktion übernehmen, die der der altgermanischen Thing-Versammlungen doch recht ähnlich ist, denn am Ende muß immer ein "Urteil" stehen, schon allein wegen der Einschaltquoten und des Renomees der Teilnehmer. Allerdings dürfen heute, anders als in alten Zeiten, auch Frauen und Sklaven an diesen Versammlungen teilnehmen. (Nur die Kinder sind immer noch ausgeschlossen!)

    AntwortenLöschen
  4. rroßartig, wie die Faust ins Auge der in den leider noch nicht letzten Zuckungen liegenden sexistischen männerdominierten Journaille

    AntwortenLöschen
  5. Und heute? Wie geht das Spiel aus?

    Herr H aus H bei H

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Obwohl es hier zum Post keinen Bezug hat: Hahaha! Die Eintracht spielt um die (Herbst-)Meisterschaft. Dass ich das noch erlebe. JA!

      Löschen
  6. @Herr Harharhar Panzerknacker aus dem Norden (schönen Dank an Erika Fuchs) - wie v o r jedem Spiel glaube ich an den Sieg der Eintracht. Gläubige haben gar keine andere Wahl. Der Bezug zum Post fehlt ein wenig, hmmm? Üben!

    @ Claudia Die Wulffs sind mir völlig egal. Diese Medienmeute nicht. Denn sie prägt "maßgeblich" - wie einmal in anderem Zusammenhang Rainald Goetz sagte - was gedacht wird und werden kann. Die dämliche und dreiste Herabwürdigung von Frauen und Männern, die - wie im Subtext suggeriert wird -, die "ihre" Frauen nicht "im Griff" haben, kotzt mich an. Dagegen kann ich mich (noch) nicht immunisieren.

    AntwortenLöschen
  7. Ob das wirklich immer mitgemeint ist bie dem (künstlichen) Hype um Frau Wulff? Mag sein, dass ich das alles nicht nachvollziehen kann, weil keine Frau...der Subtext, den i c h hier herausgelesen habe, war eher dieser: Indirekt sei sie eben doch ne Nutte gewesen, nämlich weil sie sich hochgeschlafen habe... Soll mal Klappe halten...

    ich habe mich dennoch genau so über Betty Wulff geärgert und finde sie verlogen, nämlich deswegen: Mich ärgert ihr lautstarkes Empörungs-Bassa-Manelka und noch lauteres Empörungs-Bassa-Teremtemtem. Die inkriminierte Handlung des Herrn Jauch (der mir gleichgültig ist!) stammt vom Dezember 2011. Post vom Anwalt jibbet wenige Tage vor Buchveröffentlichung. Ich mag es nun mal nicht, für dumm verkauft zu werden... Und da nehme ich ihr die Opferrolle, sorry, dann auch nicht ab. Es gibt entsetzlich viele Opfer auf dieser Welt. Betty, für deren lifestyle Du und ich die nächsten jahrzehnte aufzukommen haben, gehört nicht dazu. Es gab im "stern" - ja, sowas kommt vor! - eine wirklich kluge Analyse: http://www.stern.de/politik/deutschland/die-wulffs-und-die-bild-praesident-von-diekmanns-gnaden-1894162.html Die Wulffs - beide! - haben sehr angelegentlich mit BILD zusammen gearbeitet. Proteste gegen die tägliche Portion Niedertracht namens BILD sind mir nicht erinnerlich. Und jetzt erschallet groß Wehgeklag? Nicht mit mir...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mich interessiert weder Frau Wulff noch Herr Wulff persönlich. Ich kenne diese Leute nicht und kann mir über sie kein Urteil erlauben. Was die Medien schreiben, kann ich aber lesen und mir darüber meine Meinung bilden. Den Subtext hast ja auch du - gerade weil du ein Mann bist - ganz richtig verstanden: "dass sie eben doch ´ne Nutte gewesen" sei und deshalb die Klappe halten soll. Genau um diese Beleidigung, die eben in der sexistischen, patriarchalen rape-culture, die unsere Medienelite prägt, eine ist, geht es. Und sie ist widerlich. Sie ist besonders widerlich aus der Feder derjenigen, die jeden Tag mit ihren frauenverachtenden, sexistischen und rassistischen Blättern Kohle machen. Der Abschaum, den diese "besseren HERRschaften" in meinen Augen darstellen, verliert nichts von seinem widerwärtigen Gestank, weil die Wulffs seine Nähe vielleicht gesucht haben. Ich verkehre jedenfalls jederzeit lieber mit "Nutten" als mit diesem Pack. Und gegen diese Herrenreiter-Meute würde ich noch meine ärgste Feindin verteidigen. Frau Wulff spielt in dieser Hinsicht auch keine Opfer-Rolle; sie ist Opfer dieser Kultur - wie alle Frauen.

      ich bin jetzt 47 Jahre alt und muss trotzdem noch meinen Platz auf der Straße gegen jeden daher gelaufenen Schwanzträger behaupten, der sich mir in den Weg stellt und "Püppchen" zu mir sagt. Wenn ich nicht eingeschüchtert oder erfreut reagiere, versucht er mir zu verklickern, dass ich es als "Kompliment" verstehen soll und wenn das nichts hilft, bin ich ´ne Nutte. Das ist Alltag! In der Hinsicht nehmen sich die HERRschaften ganz oben und ganz unten nichts. Egal wie fett, feist, widerlich, verlottert, schmierig sie sind - ´ne Frau, die nicht beiseite geht und die Augen niederschlägt ist eine Hure - entweder weil sie nicht zu haben ist oder weil sie zu haben ist. Ganz egal.


      Löschen
    2. alles richtig, nur hat Madame Wulff eben, solange es gut ging, genau dieses BILD-Spiel ja mitgespielt.

      Löschen
    3. Zitat: "Den Subtext hast ja auch du - gerade weil du ein Mann bist - ganz richtig verstanden: "dass sie eben doch ´ne Nutte gewesen" sei und deshalb die Klappe halten soll."

      Inzwischen sogar wortwörtlich: http://www.bild.de/politik/inland/bettina-wulff/drama-um-buch-jenseits-des-protokolls-26216778.bild.html

      Natürlich ist das widerwärtig. Aber man kann das über-Bande-Spiel, das BILD hier spielt, widerwärtig finden und dennoch den Wulffs - beiden - jede Solidarität versagen.

      Löschen
    4. Kann man(n). Ich versage meine Solidarität der Frau nicht. Denn ich bin von derselben Denkweise täglich "betroffen". Und voller Wut. Einerseits. Andererseits nutze ich jede Gelegenheit, um dem Patriarchat eins reinzuwürgen! Denn die Geschlechterfrage ist für mich kein "Neben-Widerspruch" oder so ähnlich, wie früher die Freunde vom MSB Spartakus formuliert haben. Frau muss Prioritäten setzen! Und für mich ist in den letzten 20 Jahren ganz klar geworden: Was immer ich an gesellschaftlichem Wandel erhoffe und begehre - ich kann es nur durch die Solidarität mit Frauen erreichen.

      Löschen
    5. We agree to disagree (wenn wir das überhaupt tun, disagree meine ich; vielleicht sinds auch nur unterschiedliche Betonungen). Ich bleibe dabei, dass - wer auch immer zu den Geknechteten dieser Welt gehört - wir uns bei Frau Wulff, was dieses Thema betrifft, nicht großartig umsehen müssen. Die dauerprivilegierte Frau Wulff wird sowenig "als Frau unterdrückt", wie der krieg-führende, folternde US-Präsident "als Schwarzer". Wir müssen uns, so empfinde ich es, von solchen Verdinglichungen (ist Frau/Schwarzer etcetc, a l s o Opfer) lösen. Frauen werden strukturell von anderen gelabelt =unfrei gehalten, zwangsverkleinert, gedemütigt und schlimmeres - was Fälle a la Maggie Thatcher/Angela Merkel im Einzelfall aber nicht ausschließt. The same with Schwarze, Schwule etcetc. Ich nenne es immer das Idi-Amin-Problem. naja gut.

      Christa Lehmann, dauergeprügelt von ihrem Ehemann, die in den 50ern in ihrer Verzweiflung (anderes Eherecht als heute, keine Frauenhäuser) keinen anderen Weg sah, als das problem mit E 605 zu lösen und als männermordende E 605 Hexe in die westdeutsche Kriminalgeschichte einging, ist ein Opfer.

      Betty Wulff ist kein Opfer.

      Sie wäre nur so gerne eines. Weils ihr moralisch so gut schmacket und passet (keinem wirklichen Opfer schmeckt das Opferdasein!), und außerdem iss gutt für dä Auflage. Genau diese Verlogenheit des Opferdiskurses ekelt mich einfach ganzkörperlich an. Krischan steht natürlich Schmiere. Ggfls kommts hinterher auch zu einem Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Who cares! Betty Wulff hat mit Feminismus in etwa so viel zu tun wie Herr Jauch mit Dialektik und Logik. Angela Merkel ist übrigens die Schirmherrin der "Aktion rote hand". Da geht es gegen Landminen und für die lieben kleinen Kinderchen und darum, dass wir uns alle janz doll liep ham. Sorry, Melusine: Aber wird D i r dabei n i c h t schlecht??? Da müsste ich mich in Deinem Blog jetzt doch sehr verlesen haben.

      Frau Wulff will sich emanzipieren? Sehr gerne. Sie darf mit den deutschen Kriegen anfangen, und damit, dass unsere Geheimdienste haben foltern lassen zB in Lybien und Syrien (und vermutlich bis heute foltern lassen). Ihr werter Edel- und Göttergatte, Krischan I. aus Hannover. trägt für all das die politische Mitverantwortung. Er hat abgezeichnet, als Bundespräsident. Ich nenne die deutschen Kriegsbeiträge in Afghanistan ein Verbrechen. Any objections?

      Löschen
    6. Wie gesagt, der "Opferdiskurs" interessiert mich an dieser Stelle nicht. Nein, wir wird nicht schlecht, wenn ich an Bettina Wulff denke. Ja, Frauen wie sie werden nach meiner Ansicht im Patriarchat diskriminiert und Schwarze wie Obama in der rassistischen Gesellschaft.

      Emanzipation ist übrigens ein Begriff der in der "Sorte" Feminismus, um den es mir geht, nicht verwendet wird. Und Ratschläge weißer Männer, wie Frauen sich "emanzipieren" sollen, werden konsequent überhört.

      Bei Solidarität kommt es übrigens nicht darauf an, ob der-oder diejenige, um die es geht, ansonsten meine Positionen teilt, also Feministin ist. Ich könnte mich sogar mit einem Mann solidarisieren, der den Feminismus ablehnt, unter bestimmten Umständen und in einer bestimmten Situation. Deshalb würde ich seine anderen Positionen dennoch ablehnen.

      Offensichtlich kommen wir da zu keinem Einverständnis. Das ist ja auch nicht zwingend erforderlich. (ich möchte nur nochmals darauf hinweisen, weil du es konsequent überliest: Ich interessiere mich nicht für die Wulffs als Personen, sondern für die Konstrukte von Männlichkeit und Weiblichkeit im herrschenden Diskurs, die an ihnen abgearbeitet werden.)

      Löschen
    7. nicht, um das letzte Wort zu haben (Indianerehrenwort: Solltest Du jetzt noch antworten, werde ich schweigen), nur, um es klarzustellen: es geht mir um folgendes:

      Zitat: "weil du es konsequent überliest: Ich interessiere mich nicht für die Wulffs als Personen, sondern für die Konstrukte von Männlichkeit und Weiblichkeit im herrschenden Diskurs, die an ihnen abgearbeitet werden."
      Hm, ich glaube, Du überliest aber auch etwas konsequent: Auch mir geht es nicht (nur) um die Wulffs als konkrete Personen. Als konkrete Personen sind die öffentlichen (die privaten kenne ich nicht) Personen Betty und Krischan das wohl versorgte Nichts. (Übrigens: auch hierüber wäre zu reden...)
      Nur: gerade das öffentliche Konstrukt "Bettina Wulff" hat ja zu tun mit der öffentlichen Konstruktion (ich sage aus historischen Gründen lieber: dem labeling approach) von Weiblichkeit.
      Bettina ist sooooo emanzipiert, sie wehrt sich, gegen die ach so pöhse Männerwelt, bei betty ist die Weiblichkeit zu Hause... äh, melusine, ganz ehrlich: bei dieser schamlosen Inszenierung massiv Privilegierter als Schmerzensfrau des Feminismus wird Dir nicht schlecht???

      Hm, da kann ich wirklich nur feststellen: we agree to disagree! Immer dann, wenn bei Kaviar über soziale Gleichheit aka Feminismus schwadroniert wird, setzt nach meiner Lebenserfahrung die Lüge ein. Ich weiß, dass das ne konservative Grundmetapher ist (von wem sonst sollen Ideen von sozialem Fortschritt ausformuliert werden, wenn nicht von denen, die über die entsprechenden Überschüsse verfügen..., ich habe Überschüsse, Du hast sie...), aber dann muss ein Gran Konservativismus eben sein.

      PS: ich gehe davon aus, dass Obama in seinem Leben widerwärtigste Rassismuserfahrungen erdulden musste. Das legitimiert den derzeit mächtigsten Menschen auf Erden jedoch nicht, DERZEIT foltern zu lassen. DERZEIT ist Obama mitnichten ein Rassismusopfer. Derzeit und in seiner sozialen und politischen Rolle ist er Täter.

      Löschen
    8. Das habe ich ja schon mehrmals beantwortet: Nein, Bettina Wulff hat öffentlich noch nie etwas gesagt, bei dem mir schlecht wird. (ich kenne allerdings nur wenige Original-Äußerungen von ihr). Wobei mir schlecht wird, habe ich ja auch klar formuliert.

      Eine Aufteilung der Welt in Opfer und Täter erscheint mir sinnlos und falsch. A l l e sind immer beides: Du, die Wulffs, Obama, ich und auch die Hartz IV- Empfänger von der Trinkhalle, die mich mit sexistischen Sprüchen anpöbeln und mir unter den Rock fassen wollen.

      Soziale Gleichheit und Feminismus sind im Übrigen nicht identisch! Die Gleichheitsidee ("Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit", nicht wahr???) ist sogar eine, die im Differenzfeminismus, dem ich mich zugehörig fühle, einer scharfen Kritik unterzogen wird, wie auch der Freiheitsbegriff der männlichen Philosophie (die "männlich" zu nennen natürlich ganz gemein ist, denn es gibt nur eine Wahrheit und die ist geschlechtsneutral, haha!) seit der Aufklärung.

      Wie die Kritik an der sexistischen Presse in deinen Kommentaren zu einer Rechtfertigung der Folter wird, kann ich nicht nachvollziehen.

      Nein, wir werden uns da überhaupt nicht einigen können, weil unsere Perspektiven völlig unterschiedlich sind. Die Fragestellung, wer Opfer oder Täter ist, ist für mich politisch schlicht uninteressant.

      Löschen
  8. Ausgerechnet in der FAZ steht der erste Artikel in den Printmedien zu der sogenannten "Causa Wulff", den ich lesenswert finde:
    Christian Wulff: Was es heißt, ein Mann zu sein

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. nö, finde ich nicht, Melusine. Wo ist der Mann denn "finanziell gescheitert", wo hat er seine Sicherheit verloren? Der ist doch fein raus. Wenn er Arbeiter wäre, der 40 jahre lang die Bordrunden geschmissen hat und jetzt bei der sozialen Endlagherungsdeponie Hartz IV verklappt wird, dann, ajadann. Aber so? Mag sein, dass ich derzeit aus persönlichen Gründen etwas zu sehr auf dem Thema herumhacke (habe mein Geld natürlich immer noch nicht, muss jetzt vollstrecken lassen), aber wenn Leute, um deren Wohlergehen wir uns keine Sorgen machen müssen, mich mit ihrem nicht-existenten Opferstatus belästigen, kommt mir das Essen hoch.

      Löschen
    2. Ich glaube, du hast den Artikel nicht verstanden - oder jedenfalls ganz anders als ich. Es geht hier überhaupt nicht um ein "Opfer", sondern um die Fragwürdigkeit eines bestimmten überkommenen Konzeptes von "Männlichkeit", an dem Wulff gescheitert ist.

      Findest du es übrigens nicht doch ein wenig entlarvend, dass du Frau Wulff konstant Betty nennst, ihn aber keineswegs Chrissie? Oder kennst du sie persönlich?

      Löschen
    3. Krischan. Norddeutsch.

      Löschen
  9. hats meinen Kommentar geschluckt? Anyway, das wichtigste in Kürze: Das sehe ich anders. Betty Wulffs großes Wehgeklage ist verlogen bis dorthinaus. http://www.stern.de/politik/deutschland/die-wulffs-und-die-bild-praesident-von-diekmanns-gnaden-1894162.html Ich wüsste auch nicht, was das ganze mit Altherrenfantasien zu tun haben könnte. Was ich verspüre ist schlichte Wut auf jemand, der bis vor kurzem mit der täglichen Niedertracht namens BILD sehr angelegentlich zusammen gearbeitet hat und jetzt Opfermehrwert ranzocken will. Nebenbei: Jauchs "Vergehen" (welches gar keines war; er hätte keine Unterlassungserklärung unterzeichnen müssen) fand im Dezember 2011 statt, jetzt, pünktlich zum Erscheinungstermin, wird die Anwaltpost verschickt, für ein paar Presseerklärungen hats natürlich auch noch gelangt. Das finde ich schon schofel.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wie gesagt: Mich interessiert die Frage nach Bettina Wulffs Moral hier nicht. Als Frau ist sie objektiv Opfer dieser männlichen sexistischen Kultur, wie ich es auch jeden Tag bin. Aber ich verharre keineswegs im Opferstatus, sondern schlage zurück, verbal und notfalls mit der Keule.

      Löschen
  10. Derailing for Dummies! Das ist hier ja ein Lehr-Beispiel! Klasse!
    http://www.derailingfordummies.com/complete.html

    AntwortenLöschen
  11. Na ja, ganz so schlimm ist es ja nicht ;-).

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Es ist genau so schlimm. Vielleicht bist du da ein bisschen blauäugig, weil du denn sonst wie nett findest Die Methoden sind eindeutig und mies.

      Löschen