Samstag, 13. Oktober 2012

ÜBER MENSCHEN UND LEUTE (Repressive Toleranz ;-) )

Blöder geht immer. Der Friedensnobelpreis für die EU. Barroso wird ihn abholen und Griechenland kriegt das Geld. Von wegen. Kein Frieden ohne Kapitalsicherung. Stimmt doch. Wo soll es auch hin, das liebe Geld, wenn´s nirgendwo mehr höhere Renditen gibt als in der Rüstungsindustrie? Das gilt es zu ändern. Die Kommission arbeitet daran. Auflage von Zertifikaten. Emissionen. Luftnummern. Ich habe nie einen verstanden, den Geld kreativ macht. Aber das gibt es. Es gibt Menschen und Leute. Manche tun was für Geld, obwohl sie genug davon haben, jedenfalls mehr als sich gegen Lust eintauschen lässt. Eigentümlich ist, dass das keine Hedonisten sind. Nie. Weder Schmerzvermeider noch Genussmenschen, sondern Angst- oder Machtbesessene (meist beides). Es muss oben und unten geben, damit man sich orientieren kann. Statussymbole. SUV. Das ist ein sicheres Zeichen, zum Beispiel. Ich habe noch nie eine oder einen getroffen, der oder die aus einem SUV klettert, und ansprechbar ist. Oder zuhörbar. Oben gesessen. Den Arsch nicht breit, sondern durchtrainiert. Man fährt ein Auto mit Sitzheizung und trainiert täglich 7 km. Effizienz. Ganz wichtig. Effiziente Lösungen. Her damit. Und dann ab ins Auto. Oder den Flieger. Auch Billig. Da sind die nicht so. Das kratzt längst nicht mehr am Image. Auf´s Geld achten. Auch eine Form von Achtsamkeit. Wenn man "Leute" sagt, fängt die Menschenverachtung an. Es ist leichter Leute zu verachten, deren durchschnittliches Monatseinkommen über 5000 € liegt. Was auch blöd ist. Aber Spaß macht. SUVs zerkratzen. Und so. 

Das ist keine Laune. Mir geht´s ganz gut. Kratzt im Hals. Gründe über Hedonismus nachzudenken. Ich bin ein Luxus-Weibchen. Ausschlafen. Zentralheizung. Fließend warmundkalt-Wasser. Badewannen volllaufen lassen. Im Restaurant nicht auf die Preisliste gucken. Ein Hotel mit Kissen-Besteck. Kleider aus Stoffen, die nicht kratzig sind. Blondierung nicht selber machen. Eine Nackenmassage. Bei Amazon ohne Überlegen klicken. Wein-Kisten ins Haus schleppen lassen. (Wie hieß noch mal der Mosel-Winzer?) Frust-Käufe ("Feen und Helden", "GoyaGoya" "!). Frei von körperlicher Gewalt leben. Freunde treffen und abhängen. Eine Arbeit, die mich nicht erschöpf oder ausfüllt, aber Freude macht. Die große Liebe (drunter nicht!). Auf dem Sofa liegen und zusammen fernsehen. Kürbissuppe. Kino gehen. So was. Auch. Dafür braucht man auch ein Monatseinkommen. Geld. Ich will es nicht haben, sondern ausgeben. Nicht achten. Möglichst wenig daran denken müssen. Das ist der Luxus.

Vermeidung. Ich bin eine Vermeidungs-Hedonistin. Identifizierung von Schmerzquellen. Ausschlussverfahren. Was mich stört, wird gemieden. Menschen. Leute. Radikale Abbrüche. Ich kann nicht gut weg gehen, aber wenn ich gehe, war´s das. Wo ich mich wohl fühle, bleibe ich lange. Meistens für immer. Familienbande. Zum Beispiel. Und so. Meine Freunde. Die Handvoll, die mein Leben bezeugt. Diese schlafwandlerische Sicherheit, sich nicht auf Schmerzmacher_innen einzulassen. Begegnungen, die ein Gefühl von Dumpfheit hinterlassen. Wut-Spender. Ideologisch Gefestigte. Wahrheits-Apostel. Zyniker. Schlecht-Macher. "Sauberkeit." Beleidigte Beleidiger. Leute, eben. Leute, von denen ich abgewandt lebe. Kalte Schulter. Meine Schulter, einmal abgewandt, ist eisig. Wer zu "Leuten" geworden ist, gerät mir aus dem Blickfeld. ("Aber die Menschenrechte?" Werden als Rechte gewahrt, selbstverständlich!) Vermeidung. Keine Angriffe mehr. Wen ich noch angreife, den verachte ich nicht. (Es geht nämlich nicht um Rechte - oder Pflichten!) Die Annahme, dass Streit und Verletzungen auf "sachliche Differenzen" zurückzuführen wären, gehört zu den Albernheiten einer bestimmten Art zu denken. Es geht immer um Beziehungen. Enttäuschte Erwartungen. Neid. Zurückweisung. Wer mit wem. Kann oder nicht mehr kann. Oder will. Beziehungsabbrüche. Es gibt einen Raum an meiner Arbeitsstätte, den ich seit Jahren nicht mehr betrete. Ich kommuniziere über Fächer und Mail mit "denen". Geht. Am Anfang war es ein Experiment. Wie wirkt sich die radikale Vermeidung der persönlichen Begegnungen aus? Ausschließlich positiv. Ein paar Wochen Nachfragen, Sticheleien, verletzte Eitelkeit, verzweifelte Wiederaufnahme-Versuche. Dann: Ruhe. Vermeidbarkeit. Beziehungen sind vermeidbar. Und es gibt zu vermeidende Beziehungen. Ich musste das lernen. Es gibt kein Recht auf Beziehungen. (Das doofe Buch über den Märchenprinzen oder so??? habe ich immer schon für Papiermüll gehalten.) Leben und leben lassen. Die Leute. Gibt es. Auch. Na gut. Es gibt auch unter den Leuten welche, die weniger als 1000 € Monatseinkommen haben. Leider. Aber keine so untrüglichen Zeichen. Wie SUVs oder Prosecco. Außer dem bitteren Zug um den Mund. Die verfolgende Unschulds-Miene. Den Hass. Denn das ist es, was die Leute "oben und unten" auszeichnet: Dass sie sich am meisten für das interessieren, was sie stört, nervt und ihnen weh tut, was sie verabscheuen und worüber sie sich ärgern. Die EU kriegt den Friedensnobelpreis. Na und? Blöder geht immer. Interessiert mich nicht.

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