Donnerstag, 25. August 2011

THE AMAZING MASTERMIND (Der ultimative Superheld)

Seine ungeheuren Geisteskräfte werden nur durch seinen überwältigenden Charme getoppt. Wenn dieser Superheld um die Ecke biegt, erledigt er mit einem Augenzwinkern und einem schiefen Grinsen das Böse im Nu. Er ist groß, schön, klug und charmant. Keiner der bekannten Super-Helden ist ihm gewachsen.

Superman zum Beispiel, wie jede weiß, ist ein mieser Liebhaber. Nur sein Gegner Lex Lutor kann ihn an Langweile noch überbieten. Da hat Spider Man schon mehr zu bieten. Er ist zumindest witzig, gelegentlich, sein Erzrivale Green Goblin bietet eine interessante Studie in Schizophrenie. In Batman schließlich findet das Verlangen nach düsterer Romantik Befriedigung. Er ist verstört, reich, außen hart und innen weich, kurz Every-girls/womans-Liebling, Brooding Mr. Darcy lässt grüßen. Seine moderne Version als Bruce Wayne ist ein wenig kaputter, trauriger und dunkler.

Ich lerne dazu: Spider Man gehört zum Marvel-Imperium, während Batman und Superman aus dem DC-Stall stammen. The Amazing Mastermind weiß alles. Er entwickelt faszinierende Thesen über die gesellschaftliche Funktion der Superhelden-Mythen und ihre notwendige Weiterentwicklung nach dem Ende des Kalten Krieges. Es gibt Erste-, Zweite und Dritte Klasse-Superhelden. WonderWoman, erfahre ich zu meiner Freude, gehört auf jeden Fall zur ersten Klasse. Viele der Superheld:inn:en lassen sich unmittelbar mit der NASA und ihrem Fundraising verbinden. Die phantastischen Vier (nicht die Band!) verdanken ihre Existenz kosmischer Strahlung. Sie sind eine kleine Familie: Mr. Phantastic, seine Frau Die Unsichtbare, deren Bruder Die menschliche Flamme und der unvermeidliche häßliche, aber nette Freund Das Ding. „Immerhin hat der ´ne Freundin.“ „Schon, aber die ist blind.“ „Echt?“ Das Ding ist ein Ziegelstein-Klotz, das alles umeinander hauen kann (oder so ähnlich?). „Kein Mensch will wissen wie...Aber Das Ding hat Kinder.“ Man verzieht angeekelt das Gesicht. Ich zucke die Achseln. Ich kann mir Das Ding nicht vorstellen und seine Fortpflanzungstechniken erst recht nicht.

Amazing Mastermind ist geteilter Meinung über Captain America (Marvel). „Schon ganz gut, wie sie das hingekriegt haben, schließlich war der ja nach dem 2. Weltkrieg als Nazi-Jäger out.“ „Als Typ ist er nur bedingt interessant; es fehlt ihm ein Doppelleben.“ „Ja, Doppelleben ist wichtig.“ „Sie haben ihm einen zeitgemäßen Nazi-Gegner gebastelt, find´ ich ok.“  „Und er ist weniger nationalistisch als bisher. Gut so.“  Die handwerkliche Arbeit am neuen Captain America wird respektiert, Begeisterung weckt er nicht. Vergleiche zu Iron Man kommen in Spiel. Von Iron Mans Initiation ins Superhelden-Dasein wird ausführlich erzählt: ein Waffenhändler in den Händen von fundamentalistischen Terrorbanden, die Schuld am Opfertod eines Freundes, eine technische Super-Rüstung, fertig ist der Kerl. „Iron Man ist eigentlich so ein ganz normaler ´Warum denn nicht´-Typ.“ Aha.

„Ich bin der mit dem Blitz“, sage ich, damit ich auch endlich mal was zur Unterhaltung beitragen kann. „Was?“ „Bei dem Facebook-Fragespiel: Welcher Superheld bist du?“ „Ach so. Mit dem Blitz?“ „Das muss The Flash sein.“ „Ja, stimmt.“, rufe ich, „Der war´s“. Ich erfahre, dass The Flash schnell ist, aber sonst nix. Ich bin eine drittklassige Superheldin. War ja klar. Ich hatte auch nichts anderes erwartet. „Die meisten Superhelden-Comics haben keine richtige story line. Im Grunde wird so was erst bei ´Watchmen´ entwickelt.“ „Ja, das befriedigt dann aber ganz andere Bedürfnisse...“ The Amazing Mastermind fachsimpelt. Ich kann nur bedingt folgen. Auch weil meine Beine so kurz sind und  ich meine Superkräfte als The Flash hier in aller Öffentlichkeit nicht  zeigen will. Ich führe nämlich ein Doppelleben.


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