Samstag, 22. August 2020

CORONA-POST: Blanke Wut

In der Lehranstalt gibt es den ersten Corona-Fall. Wen wundert´s? Dieser eine scheint noch eingrenzbar. 

Aber lange wird das nicht gehen. Gut, meine ich. Es geht eigentlich gar nicht. Aber wird halt gemacht. 

Am Ende wird gezählt werden müssen, wie viele Personen sich in Schulen in Hessen angesteckt haben, wie viele davon schwer erkrankt sind und wie viele gestorben. 

Die Klassenräume sind voll: 25, 27, 30 Schülerinnen und Schüler + Lehrkraft. Abstand durchschnittlich von mir gemessen: 40 cm.  Pulte werden notdürftig auseinander geschoben, wenn es irgend möglich ist, oft ist es das nicht. Maskenpflicht besteht nicht im Klassenraum. Plexiglastrennwände gibt es nicht. Von Klimaanlagen, Raumbefeuchtern etc. ganz zu schweigen. Wozu denn auch, man muss ja die Lufthansa und die TUI retten, gelle?

Streng getrennte Gruppen? Fehlanzeige. Das Kurssystem in der Oberstufe läuft "nach Plan". 

Schulleitungen in Nachbarstädten ordnen teilweise auf eigene Faust Maskenpflicht im Unterricht an, der Minister verkündet im Interview, das sei nicht rechtsfest und allenfalls freiwillig möglich. Meine Prophezeiung: Spätestens übernächste Woche wird er sie selbst verpflichtend für ganz Hessen anordnen. 

Das Land hat inzwischen den Hygieneplan 5.0 veröffentlicht. Schwerpunkt: Desinfektionsmittel, Seife, Papierhandtücher. Hände waschen. Allerdings: Schmierinfektionen spielen bekanntlich keine so große Rolle bei der Übertragung. Außerdem gibt es Handreichungen für den Distanzunterricht. Auf Videokonferenzen soll nur sparsam zurückgegriffen werden. Auf jeden Fall sind sie immer freiwillig. Es wird also keinen verbindlichen Stundenplan für Fernunterricht geben können. Im Grunde wird es keinen "Unterricht" (Austausch im Gespräch, Live-Vermittlung von Inhalten durch die Lehrkraft) geben, außer einzelne Lehrkräfte legen sich besonders ins Zeug und ein bisschen über die Vorgaben hinweg. Außerdem verweist man auf den Schulserver und YouTube-Videos, die Schülerinnen und Schüler sich mal zu Hause ansehen können. "Flipped Classroom", nur ohne Classroom. In der Hauptsache setzt man weiter auf Material- und Aufgabenversand über Plattformen und per Email. Lehrkräfte sollen Schüler_innen vor allem antelefonieren und "individuell" beraten. Die meisten Lehrkräfte unterrichten zwischen 70 und 120 Schülerinnen und Schüler. Wenn einzelne Gruppen in Quarantäne gehen, muss der übrige Unterricht weiterhin nach Stundenplan gehalten werden, vorbereitet und nachbereitet. Die Lehrkräfte können ja vielleicht spätabends oder nachts telefonieren. Das wird aber wahrscheinlich nur bedingt erfreuen. 

Endgeräte für bedürftige Schülerinnen und Schüler haben sich auch in der vergangenen 6 Wochen nicht materialisiert, sondern bleiben luftige Versprechungen.

Ich nehme an, im Kultusministerium wurden Überstunden gemacht. Viel Text wurde verfasst, kontrovers diskutiert, an Formulierungen gefeilt, an Jurist_innen zum Redigieren überstellt, nachverbessert und versandt. Ist doch schön. 

Es wird auch sicher wieder ein dolles Lehrer-Bashing geben.

Ich beachte die Vorschriften. 

Ansonsten:

In diesem Land ist Bildung immer sonntags in pastoralen Reden wichtig und montags scheißt ihr gemeinschaftlich drauf und lasst uns seit Jahren in verrotteten Gebäuden, schlechtester Akustik und üblem Raumklima immer mehr und mehr und mehr Aufgaben erledigen, deren sich der Rest der Gesellschaft, nämlich ihr, elegant entledigen will. 

Vielleicht entledigt ihr euch ja nun auch eines Teils des "faulen" Lehrpersonals. Mal schauen. 

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