Donnerstag, 13. Januar 2011

DEINES HERZENS SEUFZEN...

dines seren herzen sufzen unde biben
hat min gerethekeit von dir vertriben


Mechthild von Magdeburg

Es schauderte selbst den Mutigen vor dem Elbengeschlecht. Drum mied er die Lichtung und mähte eine Schneise ins Dickicht. Als ahnte er, was ihm blühte in den Hainen. Doch brauchte er die blasshäutige Gebieterin der nächtlichen Tänzer im Mondenlicht nur hinzuwerfen, dacht´ er: So war die Wilde ungezähmt ihm zwischen den Wurzeln unterworfen. Den fauligen Geruch aus dem Maul des prolligen Löwen suchte er zu vergessen in dieser Umarmung. Aber da hatte er  schon längst von der Beute des verwegenen Kumpanes getrunken.

Den ganzen Herbst über blieb sie dem Waldesrand fern, wo ihre Herolde den Wildermuth zerrissen hatten. Erst als gnädig der Schnee die blutgetränkte Erde bedeckte, setzte sie ihren Fuß zurück auf den  gefrorenen Boden und benetzte das Grab mit Tränen. Wo die Elbenkönigin weinte, sollen die Früchte und Blumen in den Äckern gedeihen. Mich ekelt vorm Kuss deines toten Mundes, Mann, den ich rief, Wildermuth, doch wie kann ich ohne dich sein?

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Kommentare:

  1. Die Äbtissin als Elbenkönigin?

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  2. Offenbar, alle christliche Mystik verwebt sich mir mit vorchristlicher, nordischer Mythologie.

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