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Dienstag, 3. September 2013

KYRENAISCHE ANTIPODEN: Kein reines Leid


Ein Beitrag von BenHuRum

Nachdem ich dem frisch vermählten Paar Dora Imgrunde und Martina Holzschlag (Herzlichen Glückwunsch, noch einmal, ihr beiden!) dieses Werk des BenHuRum zum Kommentieren zusandte, schrieb mir Dora (Wir sind jetzt beim Vornamen!), noch aus den Flitterwochen: 

"Liebe Melusine,

als ich dies Bild sah, erinnerte ich mich an einen Kommentar, den du vor Jahren um die Osterzeit im Blog von Alban Nikolai Herbst schriebst. Erinnerst du dich? Ich kann den Kommentar im Netz nicht finden, doch schriebst du ungefähr, dass Maria, die Mutter, den Blick nicht senkte, als ihr Sohn am Kreuz starb, dass sie allein, anders als die Jünger, die ihm bis hierher gefolgt waren, ihn anschaute, es sich zumutete seinen Schmerz zu sehen, statt ihn sich zu verbergen. Darin eben sei sie die Mutter, dass sie sich nicht abwende vom Leid. Erinnere ich mich richtig? Schriebst du so?

Die drei Frauen hier wenden dem Kreuzesmann den Rücken zu, lächelnd und lachend, die Gesichter verschattet mit großen Sonnenbrillen, das Haar unter weichen Tüchern verborgen. Touristinnen auf Golgatha. Die Sensation genießend? Oder ignorierend?

Sich dem unerträglichen Leid des Menschen stellen, das hat nicht nur Nietzsche, aber er prominent und brillant als eine Sklavenmoral gebrandmarkt. Maria dient. Dem Sohn. Dem Vater. Der Kirche. Den Frauen, die allein an ihr und mit ihr sich immer wieder versöhnen mit dem Patriarchat. Die hier aber wenden sich ab. Freude schöner Götterfunken. Göttinen müsste es heißen, freilich. ´Lass ihn sterben. So rot sein Blut.´

Wirst du dich wieder herumdrehen? Muttertier in der Frau? Oder lachend weitergehen? Oder ist es ganz anders? Die Gier und die Gleichgültigkeit sind dem Begehren fremd. Und umgekehrt.

Wir werden es diesmal nicht schaffen, einen Kommentar zu verfassen. Zu schön ist unser Leben, als das wir uns der Negativen Dialektik zuwenden oder auf Holzwege begeben könnten. Das Sein hat Zeit. Erleben wir. Wir können mit nichts solidarisch sein als miteinander, wir Menschen. 

Mir ist sehr kitschig zumute, grade, wie du feststellen kannst.

Auf bald und ´kritischere Tage´

Deine 

Dora"

Unten drunter hatte noch Martina unterschrieben: "Auch von mir frauliche Grüße aus ***"

Sie bemerken sicher, liebe Leserin, lieber Leser, diesen beinahe unvorstellbaren, diesen wunderlichen Wechsel von Ton und Stil bei Dora Imgrunde. Wird der Geist der Liebe standhalten, wird die Kritik sich dem Guten entgegenstemmen, das doch nicht Gegenstand ihrer Untersuchungen sein kann? Oder werden wir in Zukunft nur noch solches Gesülze lesen? (Verzeihen Sie mir das harsche Wort. Ich freue mich über die wieder und neu gewonnene Freundschaft zu beiden Frauen, doch sorge ich mich um die Qualität dieser Serie, sollte dieser Ton beibehalten werden: zu verständlich, zu freundlich, zu menschelnd, zu (be-)dürftig. Wir werden nächste Woche sehen, wie Martina die Ehe bekommt.)

Was Doras Fragen angeht - Es ist wichtig, das Frausein und die Mutterschaft nicht miteinander zu verwechseln. Maria muss schauen. Die anderen können die Sonnenbrillen ins Gesicht schieben und weitergehen. Selbstverständlich. Ich werde mich zusammenkauern unter dem Blutenden. Und summen: "Freude schöner Götterfunken." Das ist meine Antwort. Versteh sie, wer will.

Konzentrieren Sie sich auf Ihre Nasenspitze.

Dienstag, 27. August 2013

KYRENAISCHE ANTIPODEN: Lache mit Liebfalten


Ein Beitrag von BenHuRum

Unsere Leser_innen wissen es: Prof. Martina Holzschlag und Dr. Dora Imgrunde bereiten ihre Hochzeit vor. Deshalb war es ihnen in dieser Woche nicht möglich, rechtzeitig einen Kommentar zu BenHuRums heutigem Beitrag "Lache mit Liebfalten" bereitzustellen. Dafür haben wir - und wie wir hoffen eine große Mehrheit unter unserer Leserschaft - großes Verständnis. Ahnen wir doch, dass unter unseren Leserinnen und Lesern diejenigen, die Emotionen nicht als Herzstück und bewegende Kraft des sozialen Lebens gelten lassen, in einer verschwindenden Minderheit sind. 

Wir aber setzen uns auch für diese marginalisierte Minderheit ein, sogar dann, wenn ihre Vertreter in ihrer psychologisch erklärlichen Wut und Angst uns mit beschämend aggressiven Kommentaren und Mails überziehen, wie es in der vergangenen Woche wieder geschah. Sie werden zweifellos schon ahnen, was der Auslöser dieses Shitstorms war, dem sich unsere Site und unsere Beiträgerinnen ausgesetzt sahen: Der Link, den wir zu dem Artikel "Wider die großen Worte" von Karl Popper in den Beitrag "Blutige Sticheleien" einfügten, rief die uns schon sattsam bekannten Reaktionen der Links-Reaktionäre, Adorniten und Hegelianer hervor. (Wir erlauben uns - Sie würden es vergeben, wenn sie die Zuschriften, die wir erhielten, im Wortlaut nachlesen könnten - diese kleine Polemik.)

Im Auge des Sturms führten wir am Wochenende über Skype ein Telefonat mit Prof. Dr. Martina Holzschlag und Dr. Dora Imgrunde und erhielten die Erlaubnis (Herzlichen Dank an beide Damen!) Auszüge aus diesem Gespräch - anstelle eines Kommentars - zu veröffentlichen.


***

D.I.: "Der Hass, der uns entgegenschlägt, so verhetzt er sein mag, lässt sich doch ohne Verrenkung aus den widerspruchsvollen Verhältnissen erklären, die unsere Kritiker nicht etwa zu schlichten, sondern in ihrer Unterwerfung unter das, was ihnen als Geist gilt, auf die Spitze zu treiben trachten."

M.H.: "Wir sollten dabei, meine Lieben, auch niemals vergessen, dass wir beide - Dora und ich - unsere ganze Existenz dieser rhetorischen und stilistischen Spekulation verdanken. Wir sind nur Erscheinungen dieses Verweisungsbezugs, gleichsam die Blase, die sich durch seine Aufblähung bildet, das vulgäre Phänomen als das sich die spekulative Theorie in Raum und Zeit zeigt."

D.I: (lachend): "So habe ich das noch niemals gesehen. Doch freilich hast du Recht, liebe Martina. Nur so möchte ich uns verstanden wissen. Niemals als bloße Mimikry an den Bann der Werke, sondern über jene Schwelle der Sympathie tretend, deren Überschreitung allein den Bann schwinden lässt."

M.H.: "Wir können davon getrost in der Vergangenheitsform sprechen. Längst schon gehen wir - eine jede auf ihre Weise - mit dieser besorgten Welt der Schrift händisch um. Das bloße Vorhandensein des Unbrauchbaren, das in Gestalt der Texte vor uns liegt, lässt uns nicht länger verzweifeln, sondern frohlocken."

J.S.P.: "Es stimmt mich, verzeihen Sie mir den Einwand einer Laien-Mitdenkerin, die es mit keiner von Ihnen beiden an Belesenheit und Vertiefung in der spekulative Philosophie aufnehmen kann, traurig, wie sehr wir unsere Zeit trotz alledem an eine phallozentrische Tradition verschwenden, der wir zwar nicht mehr auf die Schultern klopfen, die wir aber auch nicht abzuschütteln vermögen. Überall tritt sie wieder hervor, durch unser Unvermögen, etwas anderes hindurch zu schmuggeln."

D.I.: "Das Bild vom Schmuggel gefällt mir. Wir können die Geschichte der Vernunft, die jene schrieben, denen wir keine Autorität zubilligen - wir wissen ja, was das für Männer waren! - , nicht ungeschrieben machen. Aber wir können in sie hinein eine andere Bewegung lesen."

M.H.: "Dein berühmtes Erdbeben, Dora. Die Notwendigkeit des falschen Bewusstseins. Das Graziöse und seine Nachbarschaft zum Kitsch. Die Apologie der Verfallsgeschichten."

D.I.: "Hast du einen anderen Vorschlag? Die Entschlossenheit läuft dem Verstand voraus? War es das, was du meintest, Martina?"

M.H.: "Das ließe ich gelten. Wir müssen von der Sorge ausgehen. Und von uns."

Die beiden sahen sich tief in die Augen. 

D.I.: "Wir lachen mit Liebfalten."

M.H.: "Über Penisse und alles."

D.I.: "Zum Beispiel."

M.H. "Unser Lachen ist kein Auslachen. Es ist aufnehmend. Annehmend. Warm."

D.I.:  "Nicht mädchenhaft. Weiblich. Tief. Mit Falten um die Augen."

Vor Lachen mussten wir drei das Gespräch an dieser Stelle unterbrechen. 

Doch im Grunde war alles gesagt: Lache mit Liebfalten.


Dienstag, 20. August 2013

KYRENAISCHE ANTIPODEN: Blutige Sticheleien

Ein Beitrag von BenHuRum

Herausgeberische Notiz: Dr. Dora Imgrunde und Prof. Dr. Martina Holzschlag sind mitten in den Hochzeitsvorbereitungen, wie regelmäßige Leser_innen der "Gleisbauarbeiten" wissen. Insbesondere Holzschlag ist bemüht, ihr neues monumentales Werk zur innigsten Verbindung von Ästhetik, Melancholie und Pornographie   (Arbeitstitel: "Die Schönheit der Sache und ihre bleichen Töchter") zum Abschluss zu bringen. Daher hat sich Dr. Imgrunde bereit erklärt, einzuspringen und die heutige Ausgabe der Kyrenaischen Antipoden mit einem, wenngleich notgedrungen kurzen, Kommentare zu versehen.

Blutige Sticheleien
Carmen ist anders nicht zu begreifen als in ihrem Verhältnisse zu Don José. Und dieses reproduziert als geschlechtliches die Totalität der Gesellschaft. Die gesellschaftliche Totalität indes führt kein Eigenleben oberhalb des von ihr Zusammengefassten, aus dem sie selbst besteht. Die Hitze des Weibes, das sich bloß dieses Mal Carmen nennt, und die Gier des Mannes, der Don José zu sein vorgibt, produzieren und reproduzieren sich durch ihre einzelnen Momente hindurch. So wenig jenes Ganze der Liebe, die nur als eine Totalitäre besteht, vom Leben zum Tode, von der Kooperation und den Antagonismen dieser einen Carmen und dieses einen Don José  abzusondern ist, so wenig kann irgendein Element auch bloß in seinem Funktionieren verstanden werden ohne Einsicht in das Ganze, das an der Bewegung des Einzelnen selbst sein Wesen hat. System und Einheit sind reziprok und nur in der Reziprozität zu verstehen. Freiheit unter diesen Bedingungen kann einzig in ihrer Negativität gefasst werden: als Kardinalfehler in der konkreten Gestalt von Unfreiheit. Das Denken ist es, das vorweg jenen Messerstich führt, den die Carmen zufügt und an dem sie verblutet. Dieser Widerspruch zwischen dem Denken und der Freiheit bildet den Tod. Die Identifikation beider, die Philosophie, ist daher zum Tode zu verurteilen. Nur als Verurteilte vermag sie in den Gefängnissen des Todestraktes zu überleben, eins ums andere Mal begnadigt und wieder verurteilt durch die Kunst der Gesellschaft, die ist.
(Dr. Imgrunde verwies im Zusammenhang ihres heutigen Beitrags augenzwinkernd auf diesen Link: "Wider die großen Worte". Für diesen Hinweis danken wir ihr im Namen unserer Leserinnen und Leser)


Dienstag, 13. August 2013

KYRENAISCHE ANTIPODEN: So natürlich wie Kunstblut

Ein Beitrag von BenHuRum

Vorbemerkung der Herausgeberin:
Zu diesem vorhochzeitlichen Termin gaben wir Prof. Dr. Martina Holzschlag und Dr. Dora Imgrunde (die sich - wir berichteten - in Bälde vermählen werden) die Gelegenheit, eine Arbeit des BenHuRums frei auszuwählen, um sie gemeinsam zu kommentieren. (An dieser Stelle scheint es uns aus gegebenem Anlass angebracht, noch einmal darauf hinzuweisen, dass die Bildunterschriften der beiden Beiträgerinnen zu den Serien  BLITZGESCHEITE USENWUNDER und KYRENAISCHE ANTIPODEN keine Interpretationen, sondern Kommentare sind. Wer mit dieser Unterscheidung nichts anfangen kann, sollte sich eventuell auch die Bildbetrachtung beschränken, da die kunsttheoretische Bandbreite der beiden versierten Ästhetikerinnen auf ihrem philosophiegeschichtlichen Höhenflug ganz offenbar dessen Horizont übersteigt. Das sollte keinen und keine davon abhalten, sich ganz ungeführt auf die Bildfindungen des Ben HuRums einzulassen. Längst nicht ist ausgemacht, ob die Theorie von der Sache, der Sache ein Mehr beizugeben vermag, dessen viele oder auch nur einige bedürfen. Jedoch: Wir halten stoisch an unserer Vorliebe für das Un-Brauchbare fest.


GEWAGT IST HALB GERONNEN

Ein gemeinsamer Beitrag von Prof. Dr. Martina Holzschlag aus Aftersteg und Dr. Dora Imgrunde aus Amorbach

"Der Seinskult des Blutes, das dem Manne nicht fließt, sondern vergossen werden muss, lebt von uralten Ängsten her, die dem ungebärdigen Nichtgebärer das "Sein" als einen dunklen Schoß erscheinen ließen und seit jeher sich also mit jener allergischen Reaktion verbinden, die auf alles Faktische mit Ausschlag reagiert. Gegen diese Verpustelung des Denkens, die ihre Eiterblasen über dem Abendlande hat platzen lassen in mehr als einer Katastrophe, vermag allein die Natur der Unnatur eine Therapie zu sein, die dem sich wagenden Wagnis gleich einer Salbe sich aufträgt. Als die Gewagten sind die Nichtgeschützten in ihrer Peniskultur solange nicht preisgegeben, solange sich ein schützender Busen über ihnen erhebt, der nährend ihre Erinnerung an die Gebürtigkeit hebt. Das Becken, das der Waage gleicht, wiegt das blutig geborene Kind, das nie gebären wird, dennoch in den verzückenden Schlaf. Es braucht das Sein des Mannes nicht, doch er erlernt, wenn er sich tauglich macht, das versammelnde Loslassen. Vom Boden her wird er der Schwerkraft gewahr und: Das Wagnis ist die Schwerkraft. Von hier kommt alle Mitte, die sich nicht länger unterdrückt gleich einer Familienschande. Jeder Versuch, das ´Ist´, und wäre es in der blassesten Allgemeinheit, überhaupt nur zudenken, führt auf Seiendes hier und dort auf Begriffe. Und also muss der Denkende in seiner unnatürlichen Nichtgebärfähigkeit sich durch die Arbeit des Denkens hindurch des Denkens begeben." 

Konzentrieren Sie sich auf Ihre Nasenspitze!

Dienstag, 6. August 2013

KYRENAISCHE ANTIPODEN: Plädoyer für die Liebe (mit beschränkter Haftung)


Ein Beitrag von BenHuRum


Statt ästhetischer Wahrheit: Stilles Beiwerk der Bastelei

Dermaleinst, wenn viel Gras über das Garagendach und Wasser den Main hinuntergeflossen sein wird, wenn unsereiner das Zeitliche gesegnet und unsere Asche verstreut sein wird, so wagen wir ganz unweiblich unbescheiden vorauszusagen, werden die Serien BLITZGESCHEITE BUSENWUNDER und KYRENAISCHE ANTIPODEN, die allererst in diesem peripheren Blog veröffentlicht wurden, von ganzen Heerscharen beflissener Philologie-, Philosophie- und Kunststudent_innen analysiert und in Doktorarbeiten verwurstet werden (Wir erlauben uns an dieser Stelle den Verweis auf die frühe Arbeit von BenHuRum: "Als du noch in Abrahams Wurstkessel warst"). Denn: Wenn wir auch unerschütterlich die Auffassung vertreten, dass das Bild als Schöpfung des zerlegenden Wortes nicht bedarf (und mithin die Ästhetik als eine Philosophie der Kunst nachrangig und im Grunde, machen wir uns an dieser Stelle mal ehrlich, letztlich gänzlich entbehrlich ist), so wird doch die verbeamtete oder nach Verbeamtung strebende Denkerschaft sich nie nicht entgehen lassen, die sonderbar gedachte Liebesgeschichte, die sich hier halböffentlich anbahnte, zu verfolgen, ihr also "nachzustellen". Denn, selbstverständlich gilt: Die Philosophie, als sie in die Universität eintrat, begab sich der Liebe zum Denken und wurde zur Stalkerin. (Wir erlauben uns an dieser Stelle erneut den Verweis auf das von uns schon früher zum Einsatz gebrachte Zitat Pierre Bourdieus zur Sprache des deutschen Holz-Philosophen: Parodiere Event).

In den vergangenen Wochen, aufmerksame Abonnent_innen der Gleisbauarbeiten haben es bemerkt, spitzte sich das von jeher angespannte Verhältnis zu Prof. Dr. Holzschlag, unserer Beiträgerin zur Serie Kyrenaische Antipoden, zu bis hin zu einer Situation, in der sich Holzschlag nicht entblödete, uns die weitere Mitarbeit unter Vorbringung haltloser Vorwürfe aufzukündigen (Wir erlauben uns an dieser Stelle den Verweis auf den Beitrag: Nippes und Realitätsverlust.) Wir entschuldigen uns bei unseren Leser_innen dafür, dass wir in unserer Darstellung des Zerwürfnisses kryptisch bleiben mussten. Wie schon zu Beginn der Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Martina Holzschlag, die ohne jede Frage einer der profiliertesten, kenntnisreichsten und orginellsten Köpfe auf dem Gebiete der postpostmodernistischen Ästhetik ist, lagen die Probleme im Zwischenmenschlichen, um nicht zu sagen im Zwischenerotischen, in jener Beziehung also, die Holzschlag vordergründig so heftig leugnete und diffamierte, wie sie sie hintergründig herbeisehnte. 

Regelmäßige Leser_innen werden nun ahnen, um was beziehungsweise um wen es geht. So ist es und es gibt ein Happy End: Gestern erreichte uns eine Einladungskarte zur Hochzeit von Prof. Dr. Martina Holzschlag und Dr. Dora Imgrunde. Wir sind entzückt und wollen Ihnen den wunderbar das Denken und Empfinden beider Damen vereint zum Ausdruck bringenden Text auf der Vorderseite der Karte nicht vorenthalten, liebe Leser, liebe Leserinnen, der zugleich - künftige Doktorandinnen, aufgepasst! - ein Statement zur Weiterentwicklung der Ästhetik im 21. Jahrhundert ist.

"Wer in der Liebe ist, bedarf nicht länger des Wahrheitsgehalts einer die reflektierende Immanenz der Werke reflektierenden Philosophie. Sie wird ihm vielmehr stilles Beiwerk all der Bastelei, die nun endlich, endlich ohne Rechtfertigung des Vollbrachten auskommt. Im Sich-zusammen-nehmen beider Teile eines nie gewesenen Ganzen entsteht keinerlei absolutes Wissen, nur Aufnahmebereitschaft. Doch wir, die zueinander fanden, als es nicht möglich erschien, wollen uns durch das Wissen von nichts mehr abhalten lassen. Tanzen Sie mit uns in ein seiendes Leben, dem die Welt kein Gegenstand ist, sondern ein Wunder: Einzig das Lied überm Land heiligt und feiert."

Nun ja, diese Zeilen entbehren, wie kritische Geister mit Recht einwenden werden, weder einer gewissen Komik, noch eines gewissen Kitschgehaltes. Doch nur dem Toren ist die Liebe lächerlich. 

Sie verzeihen uns sicher, liebe Leser_innen, dass wir Ort und Zeit des Festes auf Wunsch der Gastgeberinnen hin geheimhalten.

Freuen Sie sich mit uns auf weitere spannende und facettenreiche Beiträge von Prof. Dr. Holzschlag und Dr. Dora Imgrunde.

Und sowieso: Konzentrieren Sie sich auf Ihre Nasenspitze!

Dienstag, 30. April 2013

BLITZGESCHEITE BUSENWUNDER: Zum Abschluss - ein Blick in die Werkstatt


Ein Beitrag von BenHuRum

Zum Ausklang der Serie „BLITZGESCHEITE BUSENWUNDER“ zeigen wir einen intimen und doch ver-rückten Blick in das Atelier des Künstlers BenHuRum (aka Thomas Hartmann): So arbeitet der also (nicht). Denn sobald wir schauen, arbeitet der nicht. Allenfalls, aber hier nicht, zeigt er sich arbeitend. Was nicht dasselbe ist, wie jede weiß. Jedoch zeigt jeder und jede dennoch am Ende immer nur das eine: nämlich sich. Weil keine und keiner einen anderen Blick in die Welt tut als diesen. Was in des BenHuRums Busen schlummern mag, es zeigt sich anders nicht als an der Oberfläche: eine wunderbare Faszination an der weiblichen Brust unterstellten wir. Und zeigten dadurch: uns. Der Dank gilt Dr. Dora Imgrunde, deren Bild-Kommentare Erklärungen zu sein niemals behaupteten. Das Wort ist nicht das Bild und die Betrachtende kann sich nicht ins Bild setzen, sondern muss sich vor ihm bewegen. Und auf diese Weise entwickelte sich auch dieser Blick einer fiktiven Frau, der von der Parodie einer Theorie nur herzukommen schien, die er aber zuletzt immer, in der Schau, aufs Verwerflichste verwerfen musste.

Ein letztes Mal, heute, ein Beitrag von Frau Dr. Dora Imgrunde aus Amorbach:


APOLOGIE DES CHAOS

Dass der Geist der Kunstwerke nicht einfach ihrem immanenten Zusammenhang, der Komplexion ihrer sinnlichen Momente, ihrer symbolischen weiblichen Brust sozusagen, gleichzusetzen sei, der Monstrosität der Busenwunder also, bestätigt sich darin, dass sie keineswegs jene bruchlose Einheit, jene Art von Gestalt bilden, zu welcher die ästhetische Reflexion sie sich zurechtstilisierte. Dem Verdikt des ästhetischen Theoretikers allerdings, sie könnten ihrem Gefüge nach, gewissermaßen ihrer künstlichen und kunstvollen Natur entsprechend, keine Organismen sein, widerlegt das Werk und der Schaffensprozess des BenHuRums in selten eindrücklicher Weise. Er arbeitet mit Bedacht und Konstanz an der Illusion und Affirmation, die das theoretische Konstrukt mit solch erbittertem Widerstand bekämpft. Statt weiterhin gegen die Erscheinungen der Oberfläche ein geistiges Moment zu behaupten, dem der Heiligenschein der Objektivität durch einen belanglosen Subjektivismus aufgetragen wird, zwingt sich dieses Werk durch das Nadelöhr der Geistlosigkeit und verteidigt die Sinnlichkeit und Sichtbarkeit, die Fasslichkeit und Alltäglichkeit gegen eine scheinradikale Vergeistigung und die Übermacht des unendlich um seine Bedeutsamkeit kreisenden Wortes und seiner Jünger. Es absorbiert dies Werkschaffen weder Symbolik, noch Metaphorik, sondern wirft sie mit Schwung auf den Müllhaufen einer den Buchstaben in seltener Blödigkeit weiter anhängenden Geschichtslosigkeit. Der anachronistische Anspruch auf Wahrheit, dem die verzweifelt am Abgrunde Hängenden in ihrem Schreien und Schreiben Ausdruck verleihen, statt sich am relativistischen Seile pragmatisch über denselben zu schwingen, verwirft dieses Werk ohne jedes bedauernde Zucken. Es feiert die Anschaulichkeit, die sich aus dem Chaos zu ihrer vollen Wirkung erhebt, und ihren gigantischen Brustkorb vorstreckt, als einen Zufall, dem es sich in williger Entäußerung hingibt. 

In diesem Momente des Abschieds bleibt mir nur die Verneigung vor dieser freudigen Hingabe an die Zwecklosigkeit, die nicht sich feiert, sondern das sinn-befreite, sinnen-volle Leben.

Ich grüße Sie aus dem frühlingsblühenden Amorbach im Odenwalde ein letztes Mal, werte Leserinnen und Leser und verbleibe

Ihre Dora Imgrunde


(An dieser Stelle werden Sie an den kommenden Dienstagen einer Mini-Serie aus dem Werke des BenHuRum folgen können, aus der wir bereits zwei Werke veröffentlichten: Kyrenaische Antipoden. Für die Kommentierung dieses Werkausschnittes aus dem noch lange nicht abgeschlossenen Gesamtwerk des BenHuRum konnten wir Prof. Dr. Martina Holzschlag aus Aftersteg gewinnen. Seien Sie gespannt. Wir indes werden es nicht versäumen, in Bälde Frau Dr. Imgrunde im schönen Amorbach unseren Besuch abzustatten.)

Dienstag, 16. April 2013

BLITZGESCHEITE BUSENWUNDER (11): Der zivilisatorische Moment (oder: Gottes Pranke)


Ein Beitrag von BenHuRum

Nach ihrer Rückkehr von der gleichermaßen erhellenden wie die Zufluchten verstellenden Konferenz in Toronto (wir berichteten) steht Dr. Dora Imgrunde, unsere geschätzte Beiträgerin aus Amorbach wieder zur Verfügung, um uns auf bewährte Weise ins so vertraut Unvertraute des BenHurRumschen Werkes einzuführen:


PAROLE NIVEA(U)

Nur eine kurze polemische Sekunde war Kunst als reiner Widerpart zur Zivilisation denkbar; doch zeigt sich und offenbart das BenHuRumsche Werk, wie solcherart tintenklecksendes Säkulum das Auftrumpfende, Barbarische, Provinzielle nicht etwa desavouiert, sondern - gegen seine vorgebliche Absicht, das heißt im Ernste seine absichtslose Buchstäblichkeit - legitmiert. Es ist, wo Kunst sein will, derartiger Konzeption mit entschlossener Bewegung auszuweichen, damit ein unverwelkt Modernes entstehen könne, das dem Mythischen sich zuneigt, aber sich vor diesem nicht verneigt, noch sich irritieren lässt oder in seinem Gehalte erschöpfen durch haltlose Sentenzen, die als brachial-dumme Lebensweisheiten von noch ganz jungen, aber viel belesenen Bürginnen ausgestoßen werden, um aufs Verwerflichste partikulare Sitte und Beschränktheit ins Allgemeine zu erheben. Überheblich auch, wenn mit solch prekären Mitteln manche Wesen sich aus der Behauptung einer nachempirischen Ästhetik zum Weibe erklären und ihre fragile Fraulichkeit in ursprüngliche Kunst zu wandeln suchen. Dem ist vielmehr die Humanität entgegenzuhalten, die als ein soziales Privileg zu erachten, sich eine jede Künstlerin und ein jeder Künstler, die in Wahrheit welche sind, enthält. Dem Wahnsinn allerdings, der sich im Hochmut dieser verzweifelt angestrengten Nicht-Dichten zeigt, soll mit Mitleid und ihrer peinlichen Neurose mit Therapie geantwortet werden in jenen bessern Zeiten, denen wir gegen alle Wirklichkeit, doch mit der Wahrheit auf unserer Seite entgegenstreben. Wir bleiben alsdann als Betrachterinnen des BenHuRum´schen Kosmos in unser Phantasmagorie des beseligten Kleinen nicht gefangen, wie es manchem Minderbemittelten schwanen mag, sondern geborgen. Diese Differenz allerdings, so lässt sich sagen, verbirgt sich mit Grund jenen, die in Arkadien, das immer Erinnerung war und bleibt, niemals waren. 




Dienstag, 9. April 2013

BLITZGESCHEITE BUSENWUNDER (10): Updaten oder Heimwerken?



Ein Beitrag von BenHuRum

Werte Leserinnen und Leser, da Frau Dr. Dora Imgrunde, unsere geschätzte Beiträgerin, die uns mit Sachverstand, Einfühlung und Reflexionsvermögen durch die Serie "Blitzgescheite Busenwunder" geleitet, z.Zt. an einer internationalen Konferenz unter dem Titel "UPDATE ADORNO: Cement or fluid? - The psychological and emotional ferments of the so-called liberals" in Toronto teilnimmt, müssen wir und Sie an diesem noch immer wenig frühlingshaften April-Dienstag auf eine Einführung in das oben zu sehende Werk verzichten. Wir bitten, dies zu entschuldigen.

(Keinesweg als Ersatz für Dr. Imgrundes tiefschürfende Analysen - nie würden wir uns zu solcher Anmaßung versteigen - wollen wir Ihnen unseren eigenen ersten Bildeindruck nicht verhehlen: Wir fühlten uns durch diesen Beitrag des BenHuRums in unserer tief verwurzelten Abneigung gegen das Heimwerken und die Heimwerker erschüttert. Bestürzt erkennen wir unsere Selbstüberhebung und ziehen uns in Bescheidenheit zurück, um das Hämmern zu üben, nicht jedoch bevor wir Ihnen den Erinnerungs-Link gesetzt haben zu jenem Frühwerk des BenHuRums: Schein-Beschäftigung, an das uns "Update oder Heimwerken" gemahnt und das zugleich eine Huldigung war an den noch immer von einigen sehr vermissten Dr. Schein.)

Dienstag, 2. April 2013

BLITZGESCHEITE BUSENWUNDER (9): Vulgäre Konsumisten, löblich!


Ein Beitrag von BenHuRum



Auch heute wieder mit einem erhellenden Beitrag unserer Korrespondentin Dr. Dora Imgrunde aus Amorbach, dessen Tiefenschicht diesmal insbesondere die  Vergewaltigungstendenz, die vom unsublimierten Kunstwerke ohne Kondom (metaphorisch zu lesen!) ausgeht, offenlegt.


ERZWUNGENER VOLLZUG

Der Anspruch kann nicht sein, durch Interpretation das Verständnis dieser Collage von BenHuRum zu erleichtern. Zu einer solchen, die langer Versenkung bedürfte, wären andere weit legitimierter als ich. Zudem ist der Begriff des Verstehens auf eine hermetische Bildfindung nicht frisch-fröhlich anzuwenden. Ihr wesentlich ist der Schock, mit dem sie die Kommunikation heftig unterbricht. Das grelle Licht des Unverständlichen, das solche Gebilde der Betrachtenden, ich möchte auch in diesem Falle sagen: der Leserin, zukehren, verdächtigt die übliche Verständlichkeit als schal, eingeschliffen, dinghaft - als vorkünstlerisch. Das fremd Erscheinende qualitativ modern-postmoderner Werke in geläufige Begriffe und Zusammenhänge zu übersetzen, hat etwas vom Verrat an der Sache. Je objektiver diese, je rücksichtloser gegen das, was die Subjekte von ihr erwarten, oder auch was das ästhetische Subjekt in sie hineinlegt, um so problematischer die Verständlichkeit; je weniger die Sache den sedimentierten subjektiven Reaktionsformen sich anpasst, um so schutzloser exponiert sie sich dem Allerwertesteneinwand subjektiver Willkür. Dass Kunst dem rationalen Verstehen als einer primären Verhaltensweise sich entzieht, ist vom vulgären ästhetischen Irrationalismus ausgebeutet worden. Gefühl sei alles. Die Einsicht wird aber dringlich erst recht, sobald künstlerische Erfahrung zu schlechten, passiven Irrationalität des Konsums wird, und aufs Gefühl kein Verlass mehr ist. Anstelle des spezifischen Mitvollzugs, den die Kunstwerke verlangen, ist das bloße Mitplätschern mit der gegenständlichen Komplexion der Bilder getreten. Die Passivität dieser Reaktionsweise verwechselt sich mit löblicher Unmittelbarkeit. Die Werke werden fertig bezogenen Schemata subsumiert, nicht selber mehr erkannt. Dagegen müssen, nicht heute erst, die Kunstwerke sich schützen und einen Mitvollzug erzwingen, der dem konventionellen Verstehen abschwört, das nur ein seiner selbst nicht bewusstes Nichtverstehen wäre.

Dienstag, 26. März 2013

BLITZGESCHEITE BUSENWUNDER (8): Ohne Worte



Angesichts dieser Skulptur aus dem Atelier von BenHuRum fehlten Frau Dr. Dora Imgrunde, unserer geschätzten Beiträgerin, zunächst die Worte. Dann jedoch raffte sie sich zu einer kurzen Stellungnahme auf:



Gehabe und Brüste


Es ersetzt an dieser Stelle - wie schon zuvor bei BenHuRum - die Form den Gehalt, auf das san einer fundamentologischen Übertreibung der Urgestalt sich das Gerede des kulturindustriell deformierten Publikums berauscht. Dieses Nächste oder Fernerstehende allerdings ist dem Absterben anheim gegeben, wie so mancher Todesfall, den der Boulevard dokumentiert, beweist. Doch nicht umsonst geschieht dieses, wie nichts, übrigens, für lau ist im kapitalistischen Verwertungszusammenhang, weswegen auch die Verschwiegenheit dem falschen Leben nicht abhelfen kann, sondern gegen das Gelaber angeschrieen werden muss: Sie gehe zum Brunnen, bis sie breche. So lässt sich zuletzt auch noch diesem Werke die Eigenheit attestieren, wenn auch, ich gestehe es frank, widerwillig nur.

Dienstag, 19. März 2013

BLITZGESCHEITE BUSENWUNDER (7): Paarung verkehrt

Ein Beitrag von BenHuRum



Auch heute wieder mit einer tief schürfenden Analyse und philosophischen Einordnung von

Dr. Dora Imgrunde aus Amorbach



Scham und Unverschämtheit

Wie bereits zuvor schon wird auch in der heute zu betrachtenden Bildfindung des -  der negativen dialektischen Aussicht sich kongenial vermählenden - BenHuRums das Hohe als ein Deckbild des Niederen verwandt. Die angebrachte Scheu, das Kunstwerk seiner Inkommensurabilität durch eine autobiographischen Deutung berauben zu wollen, bestimmt indes auch dieses Mal unseren Gedankengang. Dem Eindrucke jedoch, die künstlerische oder gar die philosophische Arbeit gestalte sich als abseitige Beschäftigung eines Sonderlings, ist als einer besonders abscheulichen Volte des spätbürgerlichen Denkens mit nacktem Selbsterhaltungstriebe zu begegnen. Es kann in einem kranken Klima nur der verwerflich Gesunde als der eigentliche Kranke sich entfalten. Angesichts der Unverfügbarkeit der organischen Prozesse, deren sich die Vergänglichkeit ohne ein höheres Einverständnis annimmt, bleibt die ontologische Möglichkeit der Uneigentlichkeit des Menschen, wie man hier sehen kann, ein bloßes Desiderat. Doch findet dieses seinen Ausdruck in eben jenem Erst-Nachher, welches in besonderem und hervorragendem Sinne mit dem Menschen als seiner Verknöcherung zu tun hat. Im Äußersten also wird offenbar, was ist, die kein Er ist. Nach der Logik dieses Satzes dürfte die Entscheidung des Einzelsubjektes für sich selbst als seinen Besitz allein als eine akzidentielle verstanden sein. Jedoch: Es gehorcht das Bild als Bild keiner Logik des Logos. Das tote Objekt triumphiert stillschweigend  gegen alle realen Vorstellungen des Todes, von denen zu sprechen allein der Fall eines "Man" ist, das als seine grammatische Form selber schon ein Ressentiment bezeugt. Das mechanistische Denken besinnt sich so seiner selbst und entlarvt seine unterdrückte Tierheit. Doch in der Gegenüberstellung der Paarung als einer verkehrten wird zuletzt der, die kein Er ist, noch an die Unmittelbarkeit des Lebens überwiesen. So paart sich hier und wiederum die Scham mit Unverschämtheit. 

Dienstag, 12. März 2013

BLITZGESCHEITE BUSENWUNDER (6): Alles dreht sich

Ein Beitrag von BenHuRum


Auch heute wieder mit einem Gastbeitrag von Dr. Dora Imgrunde aus Amorbach


SELBSTTÄUSCHENDE ERINNERUNGEN 

Voranzustellen ist der heutigen Bildbesprechung der Hinweis, dass in dieser Collage, welche sich - im wahrsten Sinne des Verbs -  der Serie "Blitzgescheite Busenwunder" einzureihen vermag (einer geschickten und phänomenalen Tänzerin gleich, die selbst noch im Zustande der Blindheit ihren Platz in der Choreographie des Ganzen findet) eine Traversie statt hat zu einer anderen Modellform des BenHuRum, welche ebenfalls und selbstverständlich als eine Serie begriffen ist, um eben hierdurch dem Narzissmus des Bildes Einhalt zu gebieten. Aufmerksamen Betrachterinnen kann das Fragment der  silbern schimmernden Gestalt im Vordergrunde kaum entgangen sein und ebenso wenig werden sie gefehlt haben, in dieser die Kyrenaische Hyndin wiederzukennen, von der vor Zeiten nicht nur die Rede, sondern auch ein Anblick war. 

Doch ist dies - und auch so gemeint - Selbsttäuschung. Ein nur dämmerndes Freiheitsbewusstsein nährt sich von derart archaischen Erinnerungen, ohne indes dem hartnäckigen Schein des metallenen Panzers sich mangels Immanenz entziehen zu können. Nicht nur bleiben solchermaßen die Subjekte der Betrachtung mit der eigenen Körperlichkeit fusioniert, sondern liefern sich im Schein des Ichfremden noch an ihrer Seele dem Nichtich aus. So groß auch unter diesen die Sehnsucht und die Liebe zum Leben sein mag, so bleiben sie doch angekettet auf dem Gängelwagen der Urteilskraft, wie schon unser Ahn schrieb, möge dieser sich auch vor unserem inneren Auge in einen modernen Helikopter vom Typ MI-8 verwandelt haben. Je mehr das Subjekt unter dem Wüstenhimmel zu einem für sich Seienden wird und vom ungebrochenem Einklang mit vorgegebener Ordnung sich distanzierend wähnt, desto weniger (sehen Sie unter diesem Aspekt die Figur im Vordergrunde links) gelingt es, ein volles theoretisches Bewusstsein zu erlangen, welches allein in den Stande versetzte, wahre Praxis zu vollziehen. 

Im tiefsten Grunde blitzt an dieser Stelle ein affirmatives Verhältnis zur Naturkausalität auf, von woher auch sich die logische Verbindung zur Kyreanischen Schule und andererseits zu deren vollem Antipoden, dem Schwarzwälder Buben, ergibt. (Doch davon später mehr. Wir werden diesen Teil des Feldes - und das heißt die Serie: "Kyreanische Antipoden" - unserer werten und geschätzten Kollegin Prof. Dr. Martina Holzschlag aus Aftersteg überlassen.) 

Lassen Sie uns an dieser Stelle und für heute mit einem Zitat schließen: "Indem deterministische Wissenschaft kausal erklärt, was im Idealismus Freiheit zum unableitbaren Zwange erniedrigt, steht sie real der Freiheit bei: ein Stück von deren Dialektik."

Montag, 4. März 2013

BLITZGESCHEITE BUSENWUNDER (5): NACKT IM NETZ ("Dialektische Begattbarkeit")

Ein Beitrag von BenHuRum


Wie gewohnt mit einem Gastbeitrag von Dr. Dora Imgrunde:


Dialektische Begattbarkeit

Man wird, wie schon bei manchem anderen Beispiel aus unserer Reihe "Blitzgescheite Busenwunder" dem Künstler nicht Unrecht tun, seine Bildfindungen als anmutig durchtriebene Anspielungen auf den Betrieb, durch den solche Kunst zu bloßer Freizeitgestaltung wird, verstehen zu dürfen. Nicht selten stößt auf den ersten Blick die erbauliche Unverbindlichkeit ab, mit der hier einer niedrigen Heiterkeit Vorschub geleistet wird. Als eine Vitaminspritze fürs abgestumpfte Gemüt mag solcherart Collage erscheinen, doch kommt ihr gleichwohl ihr Maß an Wahrheit zu. Es bleibt der Vorwurf bestehen, dass in dieser Serie das Heitere am Bilde nicht bloß sein Verhalten, sondern zuletzt doch dessen schäbiger und einzig verbleibender Gehalt ist. Beharrlich indes mischt sich diesem so aufdringlich vordergründigen Amüsement ein stiller Ernst bei, durch den erst das Ganze an die Kandare genommen werden kann. Diese Heiterkeit, wer könnte es leugnen, ist synthetisch, falsch, verhext. Doch öffnet grade dies Hexenwerk, so meinen wir, das künstlerische Werk der Begattbarkeit durch den eindringlichen Betrachter. Wir stellten ihn uns traditionell männlich vor, doch ließe sich ohne weiteres und heiter auch ein Weibliches mit entsprechender Ausstattung in ein Begattendes wandeln, solchermaßen die Lust überhöhend bis zum unvermeidlich versöhnlichen Ausklange.


(Vorgezogener Erscheinungstermin aus aktuellem Anlass, regulärer Erscheinungstermin der Beiträge von BenHuRum bleibt der Dienstag)

Dienstag, 26. Februar 2013

BLITZGESCHEITE BUSENWUNDER (4): Schichtwechsel geneigter Nackter


Ein Beitrag von BenHuRum


Wiederum mit einem Beitrag von Dr. Dora Imgrunde:


GENEIGTE NACKTE


Nicht länger lässt sich verhehlen, was auf dem Grunde des blitzend gescheiterten Projektes schlummert: der Busenschreck. Eher noch aber ließe sich sagen, dass jener Kunstversuch, der sich, wie unschwer zu erkennen, an Modellen orientiert, als eine Negation dieses Schrecks allein recht zu begreifen sei. Eines Schreckens indes, den sich zu vergegenwärtigen Abstand nimmt, wer darauf beharrt, die weiblichen Brüste widersinnig als den Schrecken einzusetzen, der doch erst in deren Widerparte kenntlich wird: die Geilheit im Auge eines männlichen Betrachters beim Anblick der sich willig entblößenden weiblichen Brust. Es kann dieses freilich ein a-geschlechtlicher Schrecken nur insofern und solange werden, als die entblößte Brust eine geschlechtsneutrale Rezeption ermöglicht, was allerdings der Utopie verfallen scheint, die längst als unverwirklichte sich verweigert. Es hat vielmehr das Vorzeigen der nackten Brust als ein objektives Moment das Opfer der Amazone in der Konstruktion der Immanenz geborgen, die wiewohl vom Hohn verstrahlt, sich in der Entäußerung offenbart, der die Enthüllung nur Zeichen ist. Das allerdings vermag ein triviales Bewusstsein, wie es nicht selten sich oberhalb eines Dekolletés entwickelt, kaum einmal zu erfassen. Nichts weiter verbleibt als ein fratzenhafter Narzissmus, unreflektiert sich seiner selbst kaum gewahr werdend. So werden empirische Brüste als freie gepriesen, allein um die metaphysischen allzeit zu entweihen. Eskamotiert wird a priori die Wechselwirkung von Subjekt und Objekt, Spontanität schon durch die Methode ausgeschlossen, im Einklang mit der Anpassungsideologie, welche den Menschenmanne, dienstfertig dem Weltlauf, nochmals jenes Moment theoretisch abgewöhnt. Es offenbart sich in diesen Werken ein Barbarisches, das sich als Halbbildung noch zu tarnen sucht und sich dem herrschenden Bewusstsein in masochistischer Geste unterwirft, ohne sogar dessen Marktmechanismus selbst zu verstehen. Darin liegt indes, wie wir meinen, gerade die Schärfe und Bedeutsamkeit dieses Angriffs auf die Möglichkeit realer Autonomie zugunsten eines verschliffen-harmonischen Reigens subjektiv einander geneigter Körper. 

Dienstag, 19. Februar 2013

BLITZGESCHEITE BUSENWUNDER (4): Das erste Date (oder: Die Gestalt des Fluchs)


Ein Beitrag von BenHuRum

Unter unseren Leser_innen sind, so wird uns zugetragen, nicht wenige, die ihrerseits der Theorie des Ichs als eines Inbegriffs des Abwehrmechanismus´ in ihrem Schulzendorf ausgeliefert bleiben und also Dienstag für Dienstag gepeinigt von eben jener Ideologie, der sie auf schärfste in Theorie und Praxis sich zu verweigern angetreten sind, unseren „Blitzgescheiten Busenwundern“ und mehr noch den paradoxen erkenntniskritischen Reflexionen unserer Gastautorin Dora Imgrunde entgegen fiebern. Diesen mussten wir unsere negativ-dialektische Anteilnahme und unseren Beitrag in der vergangenen Woche aus bekannten und aktuellen Gründen verwehren. (Denn, wie von einigen beklagt, bekennt sich diese Publikation im Netz zur Produktion kulturindustriellen Schabernacks und zu einer radikalen Differenz gegenüber jenem kritischen Bewusstsein, das den Liberalismus als geistigen Feind sich erkoren hat.) BenHuRums heutigem Beitrag zur Serie „Blitzgescheite Busenwunder“ begegnet der Imgrundsche Geist daher mit einer kleinen Huldigung des nichtidentischen Schicksals:

Von der notwendigen Gestalt des Fluchs

von Dr. Dora Imgrunde (Amorbach)

Ein Mann müsse, so lässt das Sprachrohr des Weltgeistes in Stammtischmanier wissen, sich die Hörner abstoßen, damit er schließlich sich seiner Vertiertheit robust gewahr werde und solchermaßen männlich erläutert sich einer bewusstlosen Gesellschaft in seiner Rohheit frei, leicht und freudig entgegenstellen könne. Jedoch vermag das vorbereitete und zuletzt gegenderte Denken aus dieser Einlassung die Frage nach der Perspektive des Wesens, dass keine Hörner sich abzulaufen, aber einen Busen sich hochzudrücken hat, zu entwickeln. Dieses ungenannte, aber stets mitgemeinte Wesen sei, selbstverständlich, bestätigt sogleich der ungehörnte, aber unerhört sich wendende Schriftgelehrte gleichermaßen der Fetischisierung verfallen. Dem Befunde kann angesichts dessen, was im Bilde als Zeichen und Schrift sich offenbart, keine widersprechen. Es affiziert sich ein Objektives der Subjektivität nur, indem der immanente Verfall der Individualität auf Schärfste vorangetrieben wird. Es bleibt indes dem Apologeten der Nichtigkeit ins Stammbuch zu schreiben: Wer in Differenz und Kritik nicht sich beirren lässt, darf doch nicht sich ins Recht setzen. (Und also eben nicht, führen wir den Gedanken weiter, als ein Hans seiner Grete mit dem Gehstock vor die Füße fahren, sei da kritisch zu sehen, was immer sich dem beschädigten Bürger als reizendes Dekolleté in das Blickfeld stellt.) Jeder ist zu versehrt, um die richtige Welt der falschen vorzuziehen. Jedoch kann sich heute eine jede der falschen Büste um den Preis der falschen Brüste entledigen. Vor dieser Gewissheit erledigt sich die  metaphysische Erfahrung aus der Übersetzung des Denkens in seine offene Lästerung wie von selbst.

Dienstag, 5. Februar 2013

Noch mehr BLITZGESCHEITE BUSENWUNDER (3): BAUCHGEFÜHL


Ein Beitrag von BenHuRum


Auch diese Woche wieder mit einem Gastbeitrag von der geschätzten Dr. Dora Imgrunde aus Amorbach: 


Es zeigt sich hier wie andernorts, wie wenig die Nachäffung jener beschränkenden Produktion der Kulturindustrie in ihrem Gebrauch der Kunst ein Asyl zu verschaffen vermag. Tief aus dem Grunde gewährt jedoch noch die Sprache dem Denken eine Heimstatt, solange der lästige Apparat abgeschaltet bleibt. Ein unnützer Zierrath verstellt gleichwohl die Seinsfrage in ihrer ganzen bestürzenden Konsequenz. Der Entwurf der Kunst wie der Philosophie lässt sich nur jenseits der Positivität in ein Negatives hinein retten, das kein Ressort ist, sondern ein dunkler Wald im Regen. "Nur wer den Schwarzwald kennt, weiß was ich leide.", spricht das Verdenken. So nur entweicht das gepeinigte Bewusstsein der ständigen Beruhigung über den Tod.

Aus dem Bauch indes spricht unablässig weiter im affig-bellenden Ton ein schnauzbärtiger Lederhosenträger, dessen Entmythologisierung eine französische Huldigung sich faktisch in den Weg gestellt hat wie das Prädikat des Begriffes, dessen Beweis nur theoretisch möglich wird in einer Anstrengung der widerlich versagten Reue. Indes bewahren wir, als ein Weibliches, gegen diesen Augurenernst uns die Subjektivtät unserer wohlgeformten Brüste und bieten sie der Daseinsfürsoge zum tröstenden Gebrauch. So wird im Bilde zum Wunder, was in der Gestimmtheit des Jargons nicht wahr werden kann.


Dienstag, 29. Januar 2013

BLITZGESCHEITE BUSENWUNDER (2): Das Private wird noch politischer


Ein Beitrag von BenHuRum



Wir freuen uns über einen weiteren Gastbeitrag zu BenHuRums Serie "Blitzgescheite Busenwunder" von unserer verehrten Dr. Dora Imgrunde aus Amorbach: 


Itzi-bitzi teenie weenie (Bonus-Brust)

Der Busen der Frau bedarf, so ist es seit je im Kunstwollen und -wissen des Herrn, einer begrifflichen Vermittlung durch den denkenden Mann. Von daher, das brauche ich, eine beharrliche Frau, Ihnen, den postgendernden Denkenden nicht zu sagen, verbietet sich bis dato die Darbietung des unbedeckten Busens durch die Frau gegenüber dem (Noch-) Manne, ohne dass dessen verwaltender Zugriff und zugreifender Blick das Objekt der Begierde zu einer zuhandenen und zu händelnden Sache sich sogleich und vorbereitet zu machen vermag. Wie wohl der Busen ein Alltägliches ist, kann er nur in der Verantwortung vor der Gesamtheit der Wirklichkeit die Universalität seiner Bestimmung entfalten, die allein als eine zunächst männliche, später allgemeinmenschliche ihn dem dunklen Schoß des weiblichen Schlundes entreißen und zur Höhe des Eigentlichen empor trimmen kann, in der er nicht bloß reduziert auf sich bleibt und gar weiter jener Dankbarkeit entbehren muss, wie sie schon Rilke in uns wachzurufen fähig wurde auf Kosten der Religion. Solche Motive sind auch in der Würde des Heideggerschen Tons exstirpiert: Dem Salbadern über den ganzen seinsverwurzelten Menschenmanne erteilt einstweilen die Psychoanalyse immer noch zeitgemäßen Bescheid am Busen der Natur, die, wohlgemerkt, eben keine Titte ist. So wie auch, dieser Hinweis sei erlaubt, schon der Schopenhauer des vierten Buches von der Welt als Wille und Vorstellung weiß: Die Sucht nach Zwecken verwirrt die Klarheit der angstbereiten Scheu des Opfermutes. Nur der verderbte kommunikative Gebrauch im Massengrab des vollen Busens durch das kulturindustriell verseuchte Gemüt der Amerikanerin, die den ihren zu Jazz-Musik wippen lässt, hebt solcherlei nackte Tatsachen in den Scheinrang der Kunst. Da aber sei der denkende weiße Herr vor. Wir aber, die nachgeborenen Frauen, erheben unsere Gläser (vor die Busen) und stoßen lachend auf diese Art Verehrung der weiblichen Brust und die Furcht vor dem Vorbau des Weibes an. Anders als 1969 werden heuer nicht länger die Brüste entblößt, sondern die Hosen runtergezogen: Jetzt ist Schwanzvergleich angesagt. Das Private wird noch politischer. 

Dienstag, 22. Januar 2013

BLITZGESCHEITE BUSENWUNDER (1): Heisenbergs Unschärfe-Relation





mit einem Gastbeitrag zur neuen Serie "Blitzgescheite Busenwunder
von Dr. Dora Imgrunde* aus Amorbach:

In einer Serie mit dem vieldeutigen Titel "Blitzgescheite Busenwunder" erzeugt der Bildhauer, Collagist und Maler BenHuRum einen Strom aus selbstreflexiven und zirkulären Bildzeichen, die sich, zwar noch in der Fixierung männlich sozialisierter Künstler auf sekundäre weibliche Geschlechtsmerkmale gründend, mit der voyeuristischen Blickweise des todesmutig dem eigenen Untergang zustrebenden Patriarchats auseinandersetzen, indem sie das wahre Objekt des Leidens in einer Mystifikation verschwinden lassen und alsbald mit jener geschäftigen Negativität aufwarten, die den reinen Stoff sich in ein fadenscheiniges, feminines Gewebe verwandeln lässt, solchermaßen schon in ihrer Bewegung hin auf die endliche Rettung des reaktiven Denkens zielend, das allein sich durch aufgedrehte Hysterie im Jargon der Edelbanausie gegen das Monströse der realen Gewalt auf ein Eigentliches hin besinnen kann, so dass allemal den Adepten des Jargons das eigene verschandelte Wesen vor ihre Gemachtheit (und ihr Gemächt) gestellt ist und im neuen Gewande die Gestalt jener Vernunft zu erscheinen vermag, die zum metaphysischen Leiden sich zu sublimieren vermöchte, so dass das Hohe ins Deckbild jenes Niedrigen verwandelt im Werk des BenHuRum den geschichtlichen Stand dialektisch von der Feier zwanghafter Bindungen ins reine Menschenwesen verlegt, wodurch dem Busen als Mythos eines theoretischen Mangels zuletzt die komplementäre Ideologie des entfesselten Verstummens gilt. 

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*Mein, der Blogbetreiberin, allerherzlichster Dank gilt der Gastbeiträgerin, die dem vielgestaltigen Wirken BenHuRums durch ihren ästhetisch profunden Essayismus die notwendige Tiefenschärfe anzaubert.