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Dienstag, 24. September 2013

INNIGE GESPRÄCHE oder "Im Auge des Betrachters"


Ein Beitrag von BenHuRum


Wie ein Stück vom Fleisch
Spiegelt ihr Gesicht
Bloß die pure Gier:
"Nur zum Anschauen."
Sie will Salate
und rügt das Laster:
"Ach, lass uns grillen."
Sie sollen ein Fleisch

Sein, steht geschrieben.
Ersetze jetzt den Schmerz
Mit einer Blut-Möse.

Das ist zu traurig,
um wahr zu sein.


_______________
*Wir unterbrechen mit dieser Folge die Serie "Kyrenaische Antipoden". 

Mittwoch, 20. März 2013

RATSVERSAMMLUNG (mit Aromawürze)

Seit keiner mehr Schweinesülze mitbringt,
essen wir Butter und Schokolade.

("Was meinem Körper willkommen erscheint.")

Durch den Saal geht ein hilfloses Raunen

wissender kleiner Betrügerinnen.

("Ich schwitze wie ein Schwein.")

Die kleine Nixe mit dem Sprachfehler
will sich hurtig die Welt unterwerfen.

("Lass mir die Ruhe mit der.")

Wenn sich der Rauch verzieht in Europa,
wird das auch kein Zuckerrohrleben.

("Komm schon.")

Sie würzen hier alles mit Unverständlichkeiten.


(auch für: E.v.K.)

(1983/2013)



Freitag, 4. Januar 2013

Musste mal gesagt werden:

Der Safaripark lügt.
Ein Gorilla.
Vor langer Weile 
am Leben.

(um 1986)


________________________


Außerdem: Zeitungsschnipsel. Nach der Rückkehr aus Irland eine knappe halbe Stunde Durchsicht: "Seriöse Qualitätsmedien". (What the fuck?)

Die Methoden der "Allianz der freiwilligen Verhinderer einer Mehrheit links von Wolfgang Schäuble" (wiederum dabei: Qualitätsmedien; und außerdem: Arbeitgeberverbände, Chemie-Gewerkschaften, Neue Soziale Markwirtschaft, Apotheker- und Ärztevereinigungen, Seeheimer Kreis u.v.m.) haben sich seit dem Ypsilanti-Sturz offenbar verfeinert. Man setzt auf Vorschüsse und Totalausfälle. Erst wurde Steinbrück als Kandidat durchgesetzt (Sicherheitslinie 1), jetzt erfüllt er den Auftrag sich unwählbar zu machen (Sicherheitlinie 2; man kann ja schließlich nicht wissen, wer da mit an die Regierung kommen könnte). 

Wolfgang Thierse (der Ossi mit dem Bart) hetzt angeblich gegen "die Schwaben" im Prenzlauer Berg; in Wirklichkeit hat er sich aber nur beschwert, dass er keine Schrippen mehr kriegt. Finde ich auch mies. Ich will daheim "Berliner" holen und kann in Berlin ruhig Pfannnkuchen sagen. Geht doch. Menno. Mich nervt viel mehr die permanente Aufrüstung bei diesen Kinder-Buggys von denen (den "Schwaben" am Prenzlauer Berg bzw. den Westend-Bewohnern in Frankfurt/Main und so). Irgendwann liefern sie die noch mit Pfefferspray-Kanonen aus, die seitlich gezündet werden können, von Mutter und Kind - gegen Thierse und Co. Oder so.

SUV-Fahrer_innen werden weiterhin von mir gut gehasst. Sowieso. Die Benzin-Preise sind auch immer noch zu niedrig. Irgendwas läuft falsch, auch im neuen Jahr. Noch immer kein Bedingungsloses Grundeinkommen. Noch immer Diskussionen um lauter Bullshit. Ärztinnen sind auch korrupt. (Hat jemand was anderes erwartet?) Der Google-Chef soll jetzt doch nicht mit nach Nord-Korea. (Schade für ihn!) Hat Ri Sol Ju ein Kind entbunden? Man studiert ihren Körperumfang auf diversen Bildern. Und die FDP gibt´s immer noch. Never ending story? Nur schlechte Nachrichten, wo eine hinguckt. Findet denn keine eine Anschlussverwendung für den kleinen Herrn Rösler? Nur die Frankfurter Rundschau gibt´s bald nicht mehr. 

So isses. Es ist wie es ist, aber nicht fürchterlich. Sondern: so. Eben. 

Freitag, 9. November 2012

HUND UND KATZE (Gegen die Halter)

Nicht Hund. Nicht Katze. 
Keins von dem Getier. 
In meinen Bau darf keins mehr rein. 

Wie Hund. Wie Katze. 
Sind sie sich nicht mehr. 
Von meinem Dosenfutter nichts.

Aus Hund. Weg Katze.
Schließ die Türe zu.
Macht mir meinen Pelz nicht nässer.

Kein Haustierfreund.
Kein vierbeiniger Partner.

TV
GAME-BOY
TAMAKOTCHI

("Aber er tut doch nichts")

An die Leine!




Freitag, 21. September 2012

WEST-ÖSTLICH OHNE DIVAN (10): Pfänderspiele vice versa

von BenHuRum



Pfänderspiele vice versa

               
Einer holden Elbin gleich  
Macht sie schöne Männer reich
Wärmt sie deren weiße Brust
Schürt ihr Feuer, ihre Lust,
Führt sie von den Sorgen fort
An der Träume holden Hort,
Wenn das eingravierte Wort
Ihm von ihrer Liebe schwärmet
Und ihr Pfand sein Herz erwärmet,
Mag es sein, dass er vergisst,
Was er an ihr stets vermisst.
Denn den Mann, der auf sich hält,
und sich nicht verdrießlich stellt,
weil ihr Funkeln seinen Tag erhellt,
hat der Stein, den sie ihm zugedacht,
schon im Fenster leuchtend angelacht –
und er nimmt aus ihrer Hand
ungeniert und froh den Diamant.

(M.B./J.S.P.) (aus der Serie: WEST-ÖSTLICHE OHNE DIVAN)

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Dienstag, 11. September 2012

WA(H)REN FETISCHISMUS ("Es wimmelt....")



"Die wollen es halt mal ausprobieren."
"Die interessiert nur die Matratze."
(Glutvoll und subtil)
"Ein Braten in der Röhre."
"Das Schiff voll geladen."
(Bedenkt das, Bürger!)
"Udo über den Wolken"
"Romanze mit Belinda"
(Mit siebzehn beginnt das Leben.)
"Und dann ist es vorbei."
"Das bringt währendes Unglück."

Es wimmelt von Dienstboten.
So schützen wir das Gemeinwesen.

ABSOLUTE MITTAGSRUHE

(M.B./J.S.P., ca. 1986)

Dienstag, 28. August 2012

SCHÖNE IDEALE (mit Rabatt): Tätowierter Bizeps und steile Nase

Ein Beitrag von BenHuRum

"Die Vergeistigung des Körper durch Wortgeplänkel war mir immer schon verdächtig."
"Aber es hört sich gut an, eine Massage für die Ohren, das geistreiche Gesäusel."
"Ich habe noch nie jemanden getroffen, der sich geistreich nennt und es ist."
"Denn es bleibt dabei, höre, dass der Geist erstens seine äußere Existenz im Körper hat...´"
"Wollten wir das denn abstreiten?"
"Jetzt hör halt zu: ´Das echte Ideal aber bleibt nicht beim Unbestimmten und bloß Innerlichen stehen, sondern muss in seiner Totalität auch bis zur bestimmten Anschaulichkeit des Äußeren nach allen Seiten hin hinausgehen´."
"Das Ideal, schließe ich, ist ein schöner Mann mit einem zart tätowierten Anker auf dem angespannten Bizeps, der seine subjektive Totalität nicht gegen das Äußere abschließt."
"Oder: Eine einäuige Frau mit einer steilen Nase und einem indianischen Teint, der sich eine dichte schwarze Locke in die edel konzentrierte, gemütvolle Stirn ringelt."
"Oder: Eine abstrakte Äußerlichkeit als solche. Gehaltvoll, aber kalorienarm. Regelmäßig, gesetzmäßig, symmetrisch. Einfach, rein, sinnlich."
"Die vollkommene und ansichseiende Schönheit der Langweile eines ungetrösteten Geistes zwischen harmonierenden Weinen und maßvoll gewürzten Speisen."
"Wir wollen das nicht vertiefen."
"Wir lehnen jede Vertiefung ab. Wir agieren in der Fläche. Wir heben keine Gräben aus. Wir errichten keine künstlichen Berge."
"Och! Das enttäuscht mich. Malerische Seen. Nichts Natürliches mehr in der Natur belassen."
 "Aber man muss viel Zeit haben. Denn das kostet."
"Ach was, das gibt´s jetzt alles im Ramsch."
"Du willst sagen: Nichts gegen die Instant-Philosophie?"
"Genau. Wir lösen den unendlichen Widerspruch auf, indem wir eine letzte Stilblüte ins Wasser setzen."
"Die Kunst ist am Ende, wie immer schon, und wir machen ein Geschäft draus."
"Und wenn wir kein Geld rausschlagen können, dann immerhin Distinktionsgewinn."
"Am Eingang nehmen wir  2 Euro pro Nase; Tätowierte und steile Nasen kriegen Rabatt."

(Text: J.S.P/M.B. - um 1988)


Dienstag, 21. August 2012

WIDER DIE AVANGARDE DER TARNKAPPEN (oder: Wie kann ein hässlicher Mann entzücken?)

Ein Beitrag von BenHuRum


„Schau nur: Selbst das Biest will gesehen werden.“
„Ihre Füße trugen sie nicht bis hierher.“
„Sie ließ sich von Süden her treiben...“
„...und ging dabei baden.“
„Er räkelt seine zentralistische Brust gen Himmel...“
„... um seine Bedeutsamkeit zu beschwören.“
„Er ist kein Mann. Aber wäre es gern.“
„Unten rum ist nichts los. Er lebt in den Kanälen.“
„Sie bietet ihre Brüste gegen seine Behaarung.“
„Gummi-Nippel, da bleibe ich dabei.“
„Nur die Schönsten können sich Koketterie leisten.“
„Ach, lass uns das Verfemte zu unserer Sache machen...“
„Ein Standgericht gegen die Ästhetik unter dem Fernsehturm?“
„Wir senden beharrlich weiter, wie wir die Welt denunzieren.“
„Versteck dich, auf dass du nicht gerichtet wirst.“

Keiner will ungesehen bleiben.
Styling-Tipps erbeten.

(Text: M.B./J.S.P.)

Mittwoch, 1. August 2012

IM KREISEL: Sonnige Tage



Idylle totalitär: Der weltweit erste Paul McCartney- Verkehrskreisel 




"Ohne Hemd und Häkelhöschen 
lehnen wir die Theorie ab."


Das körperlose Wort hat kein Gewicht.
Der fleischlose Geist ist ohne Reiz.
Innerlichkeit, die nichts Oberflächliches zum Glänzen bringt, ödet.
Wer sich versteckt, bleibt unbemerkt. 
Die Zeit der Rätsel ist vorbei.
Alles soll schein-bar sein.
Wissen bremst nicht für Kinder


"Einen breiten Hut gegen die Sonnenstrahlen 
Genieß ich den süßen Schrecken."

Samstag, 28. Juli 2012

HÖRIGKEIT (7): Körper- und Leserschaft


Man entwirft uns idyllische Bilder liebender Autorität von der einen, liebender Unterwerfung von der anderen Seite, von erhabener Weisheit, die alle Dinge zum höchsten Glücke für die Untergebenen ordnet, welche mit Lächeln und Anbetung zu ihr aufblicken.

I. Aus der Vogelperspektive laufen die Projektionen parallel/ und dennoch müssen Geschichte und Autobiographie/ und Biographie und alles/ erst kommen und sich ergießen.

II. Aber das Bedürfnis nach Einkanal-Videos/ überschreitet natürlich die Identität/, die nach Erinnerungen dürstet/, um sich existent zu machen.

III. Mein absoluter Respekt dafür,/ wie viel ein Mensch aushalten kann,/ obwohl und weil Zeit und Identität nicht existieren/, solange der Schöpfer am Werk ist.

Lebten die Frauen in einem anderen Lande als die Männer und hätten sie nie eine ihrer Schriften gelesen, so würden sie auch eine eigene Literatur gehabt haben.

V. Mein Begehren sucht einen Gegenstand/ seines Strebens, eine filmische Tugend,/ bevor die Zweifel hervortreten/ in Gestalt einer Leserschaft.

VI. Als wolle ich mich selbst trösten/, um das, was du mir raubst/, durch unendliche Banalität und unvorstellbaren Schrecken/ und die ewige Wiederholung der Schau.

VII. So hat mein Leben/ viele helle, lichte Punkte gesehen:/ die Wahrheiten der Erfindung,/ die innigsten Berührungen/ und die Sterne am Firmament.

Wo die wenigste Freiheit ist, da ist die Leidenschaft für die Macht am brennendsten und gewissenlosten.

VIII. Deshalb: Zieh dich an,/ farbenfroh und schwerelos,/ denn die Freiheit hat keinen psychologischen Inhalt,/ In ihrer ungezügelten Sinnlichkeit .

IX. Den Körpern auf der politischen Spur/, versuchen wir im Gleis zu bleiben/, doch kann eine Geschichte Literatur sein,/ die eine solche Last trägt?

X. In Zagheit Mut,  In Freiheit doch gefangen/ wird einmal erzählt werden,/ was eine jede über irgend etwas,/ was geschehen kann,/ auf irgendeine Weise zu erzählen hat.

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Dienstag, 5. Juni 2012

DRILLINGE (oder: Der Grund der Farbigkeit)


Ein Beitrag von BenHuRuM



Drill Baby, drill.

„Ich habe eine Frage zur Anregungsenergie.“
„Du hattest keinen Flash.“
„Gestern hast du gesagt, er ist mehr wert.“
„Er setzt sich, wie bei Freud gelernt, aus Ich, Es und Über-Ich zusammen.“
„Manche Hänger wollen sich einfach nicht lösen.“
„Das kommt von den Angsthaken.“
„Ich habe eine Frage zur Anregungsenergie.“

Drill, Baby, drill. 



(Text: J.S.P./M.B.)

Freitag, 25. Mai 2012

20.40 Uhr (Aus der Serie: Das ist kein Gedicht!)



Wollen wir nicht  -
Mal wieder Figurenpinkeln?
Jeder sucht doch
Eine Eskimodecke
Von oben und unten.

Ok. Ok. –
Das war  nicht geschlechtsneutral
So sacht vertraut
Statt das ewig Weibliche
Rundherum gut und fest
Komm nackt, sei nackt.

Oh doch du bist
Es mit Haaren vor der Brust
Nicht im Gespräch
Nur Du eine Ekstase
Wie in Trotzkis Arbeitszimmer
Glänze, Schöner!

Samstag, 24. März 2012

Frühlingsgedicht: MEIN SCHÖNSTER AUTOUNFALL


Ich stahl mein erstes Automobil
Mit glühenden Reifen
Ein Drei-Phasen Verkehrssignal
Im ersten Häuserblock
Die Münchner Vorstadt
Eröffnet viele Möglichkeiten.

Ist mir schwummrig oder
Wackelt die Straße?
Die Anatomie der Schulmädchen
Sobald die kommt,
ruht der ganze Verkehr.

Da erlahmt jeder Widerstand
Bei Ein-Mann-Duellen in Autos
Von gleicher Qualität.

Ach, schöner Frühlingstag!



Hella Huhn/Lula Henne (1987)*


Editorische Notiz:
Das Material wird hier rücksichtslos benutzt und ausgeschlachtet. In München war Hella Huhn nie, aber sie träumte vom Kiffen im Englischen Garten. Gleichzeitig wurde mit Peitschen geknallt und unter Cowboy-Hüten hervor geschossen. Es ging darum, eine Revival Tour zu organisieren für eine Band, die niemand kannte. So wird aus gutem Grund und vollkommen zu Recht aus dem schönen Sommernachmittag ein wundervoller Frühlingsbeginn!

ABGESCHLEPPT (London 2010)

Dienstag, 20. März 2012

SCHWUPPDIWUPP - DER SPASS FÄNGT AN (Well...)

Ein Beitrag von BenHuRum

Roboter vom Himmel im Märzen?
Grüne Hügel, stetes Mühen.


(Hey, ich bin immer noch unfruchtbar, scharf und billig.)


Wie ein keusches Ein-Mann-Universum?
Scheue Mägde, sanftes Glühen.


(Echter Freundlichkeit begegne ich kaum.)


An der Spitze der Infraroten?
Grüne Wiesen, holdes Blühen.


(Wer will mich aufhalten?)


(Da war die Presse.
Da war das Parlament.
Da waren sonst keine Probleme.)


Spart weder Arbeit, noch Mühe, noch Fleiß!




(Text: M.B./J.S.P.)


Aus der Serie: Als wir Pop-Poetinnen waren (Wer es nicht verstehen will, kann hier anfangen oder hier oder hier.)





Mittwoch, 8. Februar 2012

KEIN BLUTBAD. Nachlese zu Thomas Meineckes Frankfurter Poetik-Vorlesung

"Sie wollen ja das Blutbad sehen. Die wollen ja die Dinge sehen, wo das Versprechen drin schlummert: Wenn du das gesehen hast, dann weißt du."

Im Blutrausch der heidnisch-christlichen brasilianische Kulte habe Hubert Fichte, so hörte ich, die blutige eigene Geburt (nach-?)erleben wollen. Thomas Meinecke gefällt das nicht. Das ist mir irgendwie sympathisch. Denn Thomas Meinecke hält nichts von Essentialismus, Ursprungsmythen und so ´nem Zeug. Es gibt keine urtümlichen Geheimnisse aufzudecken, wo die Oberflächenstrukturen immer wieder frisch zu polieren sind. Es verbirgt sich nichts dahinter. Aber alles hat eine Bedeutung – oder kann eine haben. Könnte, wenn der Blick darauf fällt, die Verbindung hergestellt, eine Transformation eingeleitet ist. Anschlussfähigkeit ist alles. Darin scheint diese Pop-Ästhetik Alexander Kluge nahezustehen. Und doch geht es um ganz etwas anderes. Bei Meinecke wird Herkunft austauschbar. In der Pop-Idylle sucht man sich aus, was man mitnimmt. Worin Kluge wühlt, daran kratzt Meinecke nicht einmal: Vorsichtig zärtliche Behandlung schimmernder Vinyl-Platten. Es ist ein aufrichtiges Bemühen um Bestandssicherung, die nicht traditionsbildend wirken will. Keine Kanonisierung, sondern Wurzelgeflechte, Rhizome, asymmetrische Netze. Kluge betastet Schürfwunden. Bei Meinecke aber soll erst gar kein Blut fließen.

Es ist sowieso immer das Blut der Anderen. Als Hubert Fichte aus dem Mutterleib gepresst wurde, blutet nicht er, sondern sie – der Mutter-Körper. Aber den Rausch will er sich geben. Es muss irgendwie, denkt er vielleicht (oder ein anderer durch ihn), auch weh tun, wahrscheinlich. Ein verdammter Schrei. Wie viele Male hat sie geschrien? Différance ist nicht gleich Differenz. Oder doch? Ich kann Lacan nicht leiden. Mit oder ohne Pelz.

Dieses Fragment des Mythos begleitet mich bei meiner Betrachtung und ist zur Stelle, wenn die Versuchung des Neutrums zu groß wird und mich wie ein Sirenengesang anzieht: Der Zugang zum universalen Denken ist möglich, sagt mir der Mythos, unter der Bedingung, dass ich ein neutrales, ungeschlechtliches Wesen werde, dass ich wie ein Echo, die Nymphe, meinen Körper einbüße und meine geschlechtliche Differenz vergesse und vergessen machen kann.

Wieso beharrt die darauf nicht du zu sein?  Weil das Blut der Anderen immer über dich gekommen ist, während sie blutete. Oder bluten könnte. Sie blutet jeden Monat einmal. Die verdickte Nässe stinkt aus ihr heraus, wenn sich die ungenutzte Gebärmutterschleimhaut ("Im Durchschnitt werden 65 ml, maximal 200 ml Flüssigkeit ausgeschieden, die nicht nur aus Blut, sondern auch aus Sekreten und Schleimhautresten besteht." Vgl. Wikipedia: Menstruation) löst. (Das will Manni gar nicht so genau wissen. „Und lass bitte niemals eine benutzte Binde sichtbar liegen, nicht mal im Mülleimer. Das ist ja so eklig.“ ) Dennoch vertraue ich blindlings auf die symbolische Fruchtbarkeit der Geschlechterdiffererenz.

Explosion: Dekonstruktion, Fragmentierung, Splitter, Pulverisierung.

Auch hier geht es letztlich um eine Frage der Moral („Nicht schon wieder.“). In der Pop-Idylle sind alle anders und gleichberechtigt. Anything goes mit PC-Faktor. Die Toleranz-Falle. Vor allen Dingen sind prekäre Arbeitsverhältnisse nicht zu thematisieren. Auch Körpergeruch kommt nur am Rande vor, selbstverständlich. Man kann das mal erwähnen, das einer schwitzt. Alle schwitzen. Gelegentlich. Aber es wird nicht geritzt. Ich konnte auch kein Loch in die Puppe schneiden. (Es ist kein Zufall, dass Barbies kein Loch haben.) Wie haftbar willst du dich machen? Klebrige Vinyl-Platten sind unbrauchbar.

„Hystera“ ist das griechische Wort für Gebärmutter. „Hysteria“ heißt soviel wie die Wanderung der Gebärmutter. Über viele Jahrhunderte galt die Wanderung der Gebärmutter als Erklärung für bestimmte Symptombildungen, die einzig bei Frauen auftraten – und für die sich keine organischen Ursachen feststellen ließen. Man betrachtete die Gebärmutter als eine Art von Tier, das im Leib der Frau wohnt und dann, wenn es ´unbefriedigt´ ist, rastlos zu wandern beginnt. Gleichsam ein Ashaver des weiblichen Körpers.

Was bleibt, ist ein guter Sound: Feedback Loop. Die Sehnsucht, dass alle alles werden können: der Versuch den Anderen gerecht zu werden. Jedenfalls nicht ohne Zartheit. Doch das Gerechtigkeitsproblem selbst ist die Versuchung des Neutrums (siehe oben). Darauf will sie sich nicht einlassen. Immerhin imaginiert sich  Meinecke nicht eine Idealkonstruktion der Frau zusammen. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Im Gegenteil. Üblicherweise wird  sich unverfroren am Weiblichen in der Empfindlichkeit geschult. (Das ist Absicht: Ich meine nicht die Empfindsamkeit, als die sich das gerne tarnt.) Thomas Meinecke hat seinen aktuellen Status im Literatur- und Literaturwissenschaftsbetrieb mit seiner Frankfurter Poetik-Vorlesung eindrucksvoll dokumentiert. Die Kultivierung des Kultes wurde immer durchbrochen. Schon deshalb spende ich am Ende enthusiastischen Beifall.

Weit über das Maß hinaus, in dem sich auch die männlichen Literaturkoryphäen kultgerecht stilisierten, mussten die Frauen die Zuständigkeiten und Fähigkeiten, die ihre literarische Qualifikation ausmachen, hinter den kulturell präformierten Bildern des Weiblichen (...) verstecken, zugunsten einer Vorstellung von Natürlichkeit, deren Darbietung an Künstlichkeit häufig kaum zu überbieten war.

Auch wir wollen Pastiche und Palimpsest. Den Pluralis Majestatis benutzen wir selten. Denn wir können sprechen und hysterische Ausbrüche simulieren. (In der Tat nehmen wir die Hysterie als Ausdrucksform vollkommen ernst.) Aber wir streben weiter nach einer Chronik unserer Gefühle. 

Wir sind nicht in Hamburg aufgewachsen.



Bovenschen, Silvia: Die imaginierte Weiblichkeit. Exemplarische Untersuchungen zu kulturgeschichtlichen und literarischen Präsentationsformen des Weiblichen, Suhrkamp 1979

Von Braun, Christina:  NICHTICH. Logik.Lüge.Libido, Verlag Neue Kritik,  1985

Der Mensch ist zwei. Das Denken der Geschlechterdifferenz, Hrsg. von Diotima. Philosophinnengruppe aus Verona., Wiener Frauenverlag 1987

Thomas Meinecke: Lookalikes, Suhrkamp 2011

Sonntag, 5. Februar 2012

HÖRIGKEIT 6: Kluge Gehirne und geile Freunde

Die Erfahrung kann nicht zwischen zwei Wegen entscheiden, solange überhaupt nur über den einen Erfahrung zu sammeln möglich war.

I. Aufgerichtet in ewig blühender, leuchtender, feuriger Klarheit/ bis in die Himmelhöh der Cherubim/spendest du deinem ehelichen Alter Ego Applaus.

II. Dann lässt dir die große Furcht/vor den unnahbaren, asexuellen Primadonnen/ in der Oper das Herz beben.

III.  Und wieder weißt du:/ Mit dem man sein Leben verbringen möchte,/ dem kann man nicht schreiben.

Es steht fest, dass es Frauen gibt, deren Gehirn ebenso groß ist wie das irgendeines Mannes.

IV.  So geht sie, die Jungfrau ist/ und sich in ihre Jungfräulichkeit hüllt/ in ihren geliebten Röcken/ Jahr um Jahr mit Ausdauer dahin,

V. Wo ihre Ohren zu Marmor werden/ Und ihre geilen Freunde/ in wahllosen Verwandlungen  Rechtschaffenheit fordern.

VI.  Sie ist ungelehrt wie immer,/ verstehet aber, was kluge Männer sagen!

Das Leben der Männer ist häuslicher geworden.

VII.  Oh selige Gottesferne,/ welch liebenswerte Fessel bist du mir, /der aus Luzifers Herzen geborenen!

VIII.  Noch stellt trübe/ die biologische Kategorie des Sexus/ mir entzweiende Zeugnisse aus. Doch

IX.  der cartesianische Feminismus/ wird geboren aus der Zwangslage/ des modernen Subjekts und

X. nur vielbehäutete Köpfe/ können es lächerlich finden,/ wenn Alte noch wollen wie Junge.



(Dieses Buch ist dreifaltig und verweist allein auf mich.*)

*Wäre Acta bereits ratifiziert, stellte die Veröffentlichung dieses Textes eine kriminelle Handlung dar. 


Mittwoch, 11. Januar 2012

Manni kann das Geschwätz nicht mehr sehen oder „In her kiss I taste the revolution“

Live-Schaltung in die Nachbesprechung des popkulturellen Events

„Die ganze Hasenrhetorik muss auf den Prüfstand.“
„Das ist die Freiheitsidee von Leuten, die unter Seximusverdacht stehen.“
„So können halt nur CIS-Frauen daher reden.“
„Du warst früher sogar mal für ein gemeinsames Schlafzimmer.“
„Bemerkenswert ist außerdem, dass das Substantiv Hermaphrodit im Deutschen einen maskulinen Artikel hat.“
„Und warum hat keine gefragt: ´Was ist eigentlich ímaginierte Männlichkeit´?“
„Die blieben nämlich erstaunlich ruhig.“
„Das war eben damals so, als die Jungs noch Wolfgang und Hubert hießen...“
„Von Vagina war auch keine Rede.“
„Hast du so einen BH aus Plastikflaschen mal ausprobiert?“
„Und was bedeutet letztlich das Tragen einer Nylonstrumpfhose als Female Impersonation?“
„Sie war immer schon auf Prozessieren programmiert.“
„Deine Fremdwörter sind ziemlich desolat.“
Begriffe, die von falschen Gruppen benutzt werden können, sind eben die falschen Begriffe.“
„Was diagetisch ist, lernen sie heutzutage im ersten Semester.“
„Ihre Namen sind Sebastian, Tobias und Finn..“
„Dass Finn auch schon studiert, hätte ich jetzt nicht gedacht.“
„Im Grunde dreht sich alles um Frauke und Corinna.“
„Veronika. Viola. Vanessa.“
„Dass Schriftsteller was gegen Namen haben können.“
„Wer keinen Nachnamen kriegt, wird zum metaphorischen Kevin.“
„Respektive Mandy.“
„Das ist jetzt ein Kalauer.“
„Die kann nur Elfriede Jelinek.“
„Wir müssen auch noch Lacan unterbringen.“
Urinale Segregation ist eines der Hauptprobleme des Alltags.“
„Gut gemacht. Ich habe ewig nicht mehr an Versace gedacht.“
„Manni hatte es damals auch nicht leicht, als am Bodensee die ganzen Arschgeweihe auftauchten.
„Das war also zu der Zeit, als Judith Butler nicht nach Heidelberg kam.“
Thomas Meinecke ist ungefähr so ein Fan von Butler wie ich einer von ihm.“
„Ich würde jetzt gern mal über meine ersten pornographischen Lektüre-Erfahrungen reflektieren.“
„Diese ganze Erinnerungskultur gehört nicht zum Konzept.“
„Wenn der liebe Gott gewollt hätte, dass wir Holzhackerhemden tragen, hätte er uns welche umgehängt.“
„Gerade fällt mir ein, dass die Vivian hieß.“
„Ich glaube ja trotzdem, dass die ganze Lesbenperformance ein Männertraum ist.“
„Du weißt doch: Das Begehren kann nicht vom Subjekt ausgehen.“
„Und dann immer wieder der Geschlechtsakt im Judenwald.“
„Jede Kopulation  ist auch eine phantasmatische bis phantasmagorische Resignifizierung im Koordinatenkreuz  von Haben, Sein und Schein.“
„Schon klar. Ich habe jetzt echt großen Appetit. “
„In meiner Küche will ich keine Metaebene.“
„Und was werden wir nächstes Mal tragen?

Frankfurter Poetik-Vorlesung 10. Januar 2012
Thomas Meinecke: Tomboy (1998)


Feed me lines.“




Nachtrag
Kontexte - George Clooney sagt, er habe schon immer "eine kleine deutsche Frau" sein wollen. (Frankfurter Rundschau vom 11.01.2012)
___________________________
Liebe Weberin, meine Unterkomplexität (als Folge von Schwarzbier-Konsum) hindert mich, eine dezidierte und informierte Zusammenfassung des Vorlesungsereignisses vorzulegen. Sorry. Morel liefert eventuell nach. Er hat Titel und Thesen mitgeschrieben aus Rezensionen und Magisterarbeiten über Thomas Meineckes: Tomboy. Gespielt wurde "Bikini Kill." 



Dienstag, 13. Dezember 2011

SÜßE! (Okkulte Phänomene)

Ein Beitrag von BenHuRum

Verwenden Sie Ihren Zufall!
Brechen Sie ihm das Genick.
(Auch im Winter besteht die Möglichkeit
des gemeinsamen Untergangs.)


Gefühle haben ihre Schicksale!
Halten Sie das Wissen an.
(Wenn Leichenteile vorbeitreiben,
genießen Sie den süßen Schrecken.)



Freitag, 9. Dezember 2011

HÖRIGKEIT 5: Schnee im Dampfbad

Weil nun gewisse Zweige in dieser heißen Atmosphäre und bei sorglicher Pflege und Bewässerung üppig emporschießen und prächtig entwickelt werden, während andere, welche derselben Wurzel entstammen, aber draußen dem Winterfrost preisgegeben und recht absichtlich in Schnee und Eis vergraben sind, sich nur kümmerlich entwickeln und noch andere in ihren ersten Ansätzen abgebrannt und gänzlich vernichtet sind, glauben die Menschen mit jener Unfähigkeit, ihr eigenes Werk zu erkennen, der Baum wachse von selber so, wie sie ihn zu wachsen gezwungen haben, und er würde ausgehen, wenn er nicht zur Hälfte in ein Dampfbad gehalten, zur Hälfte in Schnee gesteckt würde.

I Mythologische Signaturen folgend,/versehen mit einer skeptischen Note,/wolltet ihr euer Weibchen schinden/ auf einer Sandbank.

II Zwischen orientalischen Kulissen/ erklang ein unpassender Sirenengesang,/ der noch  die Schneelöwen lockte/aus tundrischen Breiten.

III Nomadenfänger, in einer vagen Berührung/ von Tradition und Moderne,/zerschlugen Schädel wie Porzellantassen/ an diesem Strand.

IV Wie eine Krone wuchs/ aus deren Schopfe/ der befangene Eros/als eine Wunderlichkeit/ gleich später nachfolgenden Moden.

V Eine süße Bitternis/ machte es ihr zu höchsten Religion/ andere Frauen zu schonen/ in ihrem kolossalen Leiden.

Betrachtet man die Frauen, wie die Erfahrung sie kennen lehrt, so darf man wohl mit mehr Wahrheit, als sonst die meisten allgemeinen  Behauptungen über dieses Thema für sich haben, sagen: die Richtung ihres Talentes gehe im allgemeinen auf das Praktische.

VI Das Salz der See benetzte die Blüten/ als perlender Tau,/ denn die Liebenswürdigkeit/ erwuchs  ihr nicht aus Weltklugheit.

VII Keine staubige Schönheit mehr,/ wand sie sich / unter euch Steuermännern/ und hörte den Chor eurer Segenswünsche.

VIII Es war an Bord kein Mangel/an gemeinen Unverständigen/mit Fallstricken gebunden/ an sumpfige Balken.

IX Ein Leuchter eurer Seele/sungen euch schon die Alten/ von uns Meermenschen/ ihr schütteres Lied,  meine Herren.

X Dem Meeresgrund entgegensinkend, /in zweifellos idyllischem Stil/, werdet ihr dieses Tieres würdig/ euch noch erweisen.

Die Vergeudung der Hilfsquellen und der wohlwollenden Gefühle, die Böses stiftet, wo sie Gutes tun will, wird unendlich durch die Beiträge der Frauen vermehrt und durch ihren Einfluss immer mehr angeregt.

Dienstag, 29. November 2011

DIE WÖCHENTLICHE ÄSTHETIK (Allegorie der Geschmacksbildung)

ALLEGORIE DER GESCHMACKSBILDUNG


Ein Beitrag von BenHuRum


Die wöchentliche Ästhetik

Aufs Ganze gesehen, lassen wir uns
Die Hoffnung nicht rauben, weder
Dienstags noch Sonntags, dass wir
Die Dinge sehen können und erkennen,
Auf den verblassten Observationsfotos
Des verseuchten Weltgesellschaftapparats..

Prompt erfüllen sich die Wettervorhersagen
(Nebelschwaden über allen Landstrichen)
Und es enthüllt sich den Demokratieforschern
Die einsame Massivkette der Eliteprojekte,
Anmutig, würdig, transgender und – national.

Beseelte Gründergeister knien vereint als
Gleichberechtigte Glieder auf Europas Rücken
(Nackt lag sie über dem Stier, erinnert euch ihrer!)
Schlagkräftige Instanzen werden geschaffen
Zur Harmonisierung von Männern und Menschen
Ein problemlösender Marathon löst Grundfragen:
Sicherheit, gutes Leben, gute Luft, guter Wein.

Bemüht euch weiter nicht, auch weniger sexuell,
Es liegt eine Feuchte im Wind, die alles aufweicht,
Novemberliche Strenge durchdringt die Abwehr-
Kräfte mit nachfolgenden Intergrationsschritten,
Märsche durch saftige Auen in triefenden Stiefeln.

Alte Lieder, Märchen und Sagen sammeln wir,
Aufgelesene Spuren, Pilze und Wörterbücher,
Balladen, Handschriften, Altertümer, Ruinen.
Mit beiden Beinen hüpfen wir uns lachend
In den doppelt vorteilhaften Bankrott.

Irgendwo liegt noch ein Alphabet rum.

(Montag, 28. November 2011, 22:43)


Und was ist das? Das ist eine Replikenwirtschaft mit e.a.richter
(Siehe hier und hier und hier und hier und hier)

(Text: M.B./J.S.P.)