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Sonntag, 23. September 2012

SCHULDIG (oder: Das Verbotsverlangen)

"Schuld seid nur ihr."


Meistens bin ich schuld. Die Mutter ist immer schuld, wie jeder weiß. Aber manchmal sind  es auch beide Eltern. So wie heute.

Dabei waren wir überzeugt, dass wir uns verständnisvoll und wohlwollend gezeigt hatten. Genau das war aber der Fehler. Darin liegt unsere Schuld.

Um das Zimmer vom Mastermind haben wir heute Morgen auf Zehenspitzen einen großen Bogen getanzt. Erst gegen 12.00 Uhr Mittags wagte ich ganz leise einmal den Kopf durch einen Türspalt zustecken. Es roch nach Jungmann und Schnaps. Der Mastermind ist erst gegen 6.00 Uhr morgens nach Hause gekommen, denn er hatte was zu feiern. Sachte zog ich die Tür wieder zu. Später hörten wir Flüche aus dem Zimmer und noch später torkelte jemand schimpfend auf Toilette. Wir verhielten uns still und warteten ab. Gegen 16.00 Uhr betrat der Mastermind das Wohnzimmer. Wir gaben uns beschäftigt und desinteressiert. Er hielt sich den Kopf. Bloß keine Tipps gegen Kater geben; das hatten wir schon vorher verabredet. Der Mastermind schaute uns vorwurfsvoll an und schüttelte den Kopf.

"Schuld seid nur ihr. Das hättet ihr mir verbieten müssen. Ganz klar. Statt zu sagen: Feier schön nach dem Auftritt."

Er ging ab. Wir sahen uns an. Wir sind einfach Versager. Als Eltern. Und so. Immer schuld. Keine Ahnung. 

Montag, 10. September 2012

DUMME HIRNE: "Geht wandern!"

Im Land der Dichter und Denker breitet sich wieder mal die GERMAN ANGST aus. Diesmal ist es das böse Internet. "Eltern, nehmt den Kindern die Handys, Konsolen und Laptops weg. Lasst sie mit der Feder schreiben. Lehrt Kalligraphie. Glaubt an meine schönen Bilder vom Gehirn in bunten Farben und schrillen Tönen. Seht wie´s hier leuchtet und blinkt, wenn´s klickt und klackt. Ich aber sage Euch: Wer sich mit Bildern bildet, wird verblöden. Lest weiter nur Gedrucktes, ihr lieben Kinderlein. Wer zuckt, kriegt einen Tennis-Daumen. Besser färbt ihn mit Druckerschwärze ein. Die klügsten Köpfe verstecken sich ungesehen hinter ganz dicken Büchern." So und ähnlich tönt es aus den Talkshows, wo ein verkniffen und aufgeregt wirkender Herr spitz und spitzer die Eltern warnt und missionarisch drängt, die lieben Kleinen vorm neuen Teufelszeug zu schützen. Das bildungsbürgerliche Milieu, seit je von nichts mehr überzeugt, als dass der Bildungs- und Lebensweg sich durch gezielte Stimulationen, Motivationen und zur Not Dressur (Mozart-Beschallung für den geschwollenen Mutter-Leib, frühkindliches Chinesisch, Ballett für kleine Mädchen, Rugby für kleine Jungs, Nachhilfe spätestens ab Klasse 5) bestens planen lässt, hört begeistert zu und verschafft dem spitzzüngigen Herrn einen Bestseller-Erfolg. 

Der Amazing sagt beim Abendessen zum Mastermind: "Haste gesehen, wie geil die kleinen Cousins auf die Smartphone-Spiele sind?" "Richtig süchtig." Der Mastermind schüttelt weise sein Haupt. "Also, später mal, wenn ich welche habe, dann gehe ich mit denen wandern." Der Amazing ist erschüttert. "Nee. Das ist Folter." "Das ist Tradition", sagt der Mastermind. "Wir mussten das doch auch." "Und als wir so alt waren wie der E. und G., weißte noch, da durften wir nur eine Stunde am Tag Fernsehen gucken." "Und von wegen: Computer-Spiele. Das durften wir gar nicht." "Die Konsole durftest du dir erst mit 16 holen." Der Amazing schaut vorwurfsvoll zu den Eltern rüber, die ihre Köpfe tief über die Teller beugen. Wir haben versagt. Auf der ganzen Linie. Vielleicht. Wir glauben nicht daran, dass wir wissen, was kommt und was "man" können muss. Wir glauben auch nicht, dass wir unsere Kinder "machen". Wir sind gespannt, was kommt. Vielleicht hilft Wandern. Vielleicht nicht. "Heute Abend kommen der S. und der T. zum zocken in den Keller.", informiert uns der Amazing. "Wird spät."

Samstag, 25. August 2012

Ich muss mich dran gewöhnen...


„Was willst du? Er ist achtzehn.“, sagt der Mastermind. Vor einer halben Stunde hat es geklingelt und der Amazing ist von seinem Laptop aufgestanden und in den Flur gegangen. Vorher hat er noch schnell sein Mobile gegriffen. Mehr braucht er nicht. Wir stellen jetzt erst fest, dass er offenbar abgeholt wurde. Ich schimpfe: „Kann er nicht mal sagen, wenn er weg geht. Und ob er zum Essen kommt.“ Der Mastermind amüsiert sich: „In ein paar Wochen zieht er aus. Dann muss er´s dir auch nicht sagen.“ Das stimmt. (Der Amazing hat einen Studienplatz  In Gießen. Wenn Sie also ein Studentenzimmer oder eine 2-Zimmerwohnung  - gemeinsam mit einem Freund zu beziehen - dort wissen, dann melden Sie sich! Das wäre toll! melusinebarby@googlemail.com.)  Ich bin sauer. „Solange er mit uns wohnt, kann er auch mal Bescheid sagen, ob er mit uns isst oder nicht.“, sage ich. „Das ist doch kein Hotel.“ (Den Spruch klopfe ich dauernd!) Der Mastermind zuckt die Achseln. Ich rufe den Amazing auf seinem Mobile an: „Kannst du nicht mal....?“ Der Amazing vergisst zwar manchmal eine Ansage zu machen oder eine Aufgabe zu erledigen; im direkten Kontakt ist er aber immer ganz der Diplomat und nimmt mir den Wind aus den Segeln: „Ja. Tut mir leid. Mach ich nächstes Mal.“

Unsere Kinder sind keine Kinder mehr. Sie gehen aus. Nachts. Sie kommen mit einem blauen Auge von der Kirmes in der Provinz. („Wer war das? Ich ruf die Polizei.“ „Krieg dich ein, Mutter, halb so wild.“) Der Mastermind geht zum Bundesäppelwoifest und ändert dauernd die Ansagen: „Kannste mich so nach Mitternacht abholen?“ „Der M. kommt dann auch mit, der pennt hier. Geht das o.k.?“ „Bleibt der zum Frühstück?“ „Kann sein.“ Dann wird gechattet oder noch mal telefoniert. Planänderung. „Also ich fahr dann mal zu dem F. Vielleicht penn ich bei dem.“ „Und der M.?“ „Na, der auch, aber das geht dich doch nix an.“ Kurz vorm Abzug: „Leg mal dein Mobile neben dich. Könnt sein, dass sich noch was ändert. Damit du uns holen kannst. Nur für den Fall...“ Ich gehorche, maulend. Um halbelf kommt der Anruf: „Also wir übernachten beim T.“ „Wer ist der T.?“ „Kennste nicht. Das geht klar.“ „Bis morgen dann.“

Sie sind keine Kinder mehr. Ich mache mir Sorgen, manchmal. Besonders wenn sie in die Provinz fahren. Wie sich die Leute vom Land einbilden, dass man in der Stadt dauernd überfallen wird, so gehe ich davon aus, dass in der Provinz hinter jeder Ecke ein rechter Sack lauert und dauernd Besoffene Bierflaschen werfen. Manchmal klettere ich um drei Uhr nachts aus dem Bett und guck nach, ob sie sicher heimgekommen sind. „Was wolltest du denn heut Nacht“, fragt der Amazing dann am Morgen, „als du in mein Zimmer geguckt hast.?“„Dich sehen.“ Wie damals, als er grad geboren war und in seinem Kinderbettchen schnaufte. Er lächelt. Demnächst zieht er aus. Ich muss mich dran gewöhnen. 

Mittwoch, 1. Februar 2012

PC, PLEASE BITCHES !? (What a treasure of a kid)

Der Mastermind ist wieder da! Er ist ganz der Alte und trotzdem ein ganz anderer Typ. Nach wie vor steht der 1. FC Bayern München bei ihm ganz weit vorn (Was weiterhin und bis ans Ende ihrer Tage seiner Mutter ein Gefühl unverzeihlichen Versagens bereitet.). Sein Musikgeschmack hat sich erweitert. Nicht zum Besten, meint Morel. Denn der Mastermind steht jetzt auch auf Partymusik; er ist voll obercool und macht ziemlich sonderbare Gesten, bezeichnet sich aber weiterhin im Brustton der Überzeugung als „schüchtern“. Er strahlt über beide Ohren und verzieht böse das Gesicht; er lacht und jammert, schimpft und kuschelt, alles in einem; er ist sofort wieder ganz DA: Sweet home.

Der Mastermind hat auf seinem neuen Smartphone (Weihnachtssuperdupergemeinschaftsgeschenk von allen, die ihm was schenken wollten) einen Gesprächsfetzen gespeichert, den er als passenden Kommentar zu allerhand Ereignissen und Gegenständen abspielt: „GAAAAAY“, stöhnt eine männliche Stimme. Ganz schön viele Sachen sind „gay“: die neue Bettwäsche, der Vorschlag, wach zu bleiben, um den Jetlag auszutricksen, die Werbekarte vom Friseur, die eine „Pärchenrabatt“ anbietet, die Idee, den Koffer sofort auszupacken und und und... ich komme jetzt nicht mehr auf alles. Der Mastermind verwehrt sich aber gegen die Unterstellung, seine Performance sei „irgendwie“ schwulenfeindlich. Diese Behauptung selbst sei„GAAAY“.

Der Mastermind rappt, bevor er sich müde in die Federn schwingt, locker einen Songtext. Darin fällt das Wort „Nigga“. Sein liebender, älterer Bruder, der Amazing, findet das uncool und gar nicht „GAAAY“. „Alter“, sagt der Amazing. „Das geht jetzt echt nicht. Das N-Wort.“ „Ich zitiert das doch bloß.“, sagt der Mastermind. „So machen die sich selbst an. Kapierste  nicht?“ „Mann“, sagt der Amazing, „ du bist ein Weißer. Und ein Weißer sagt das N-Wort nicht. Weil´s dann rassistisch ist. Aber es is nicht rassistisch, wenn es ein Schwarzer sagt.“ „No, no, Alter“, sagt der Mastermind, „jetzt sei mal nicht so oberkorrekt. Es ist ein Rap. Da gehört das dazu.“ „Weiße machen kein Rap, das kommt nicht gut.“ „Du hörst doch selbst dauernd HipHop.“ „Genau“, sagt der Amazing. „Aber ich geb mich nicht als Schwarzer aus. Und benutze dann auch noch das N-Wort. Das gehtnicht. Mama, sag du´s ihm.“

Ich bin überfordert. Rap. Und so. Was geht, was geht nicht? Freiheit und ihre Grenzen. PC. Das N-Wort geht (irgendwie?) nicht. Von einem weißen Jungen. Privilegien-Pussys. Wir alle. (Und die Kerle streichen noch die patriachalische Dividende ein. Ganz unverfroren. GAAAAY geht eigentlich auch nicht, oder? Ich musste aber ein paar Mal lachen, als der Mastermind es abgespielt hat.) Beim Abendessen erfahre ich, dass der Song, den der Mastermind vorgetragen hat, von Eminem ist. „Weiße Jungs sind keine Rapper“, doziert der Amazing. „Das ist uncool  und wird meistens rassistisch. Außer bei Eminem. Der ist eben der Coolste.“ „Und weiß.“ Ich bin echt überfordert. 

Und glücklich. Der Mastermind ist wieder da. 

Donnerstag, 8. September 2011

Gastbeitrag: BROGENESIS (oder die verdorbenen Früchte fast-feministischer Erziehung)

 Ein Gastbeitrag von Amazing

Die Brogenesis

Offizielles Statement

Der Brogenesis liegt das Schöpfungsmodell des Deismus zugrunde. Der legendärste aller Bros (liebevoll auch Gott genannt), erschuf mit seinem Bro (wie kann es anders sein) die Welt und mischte sich dann unters Volk um der Beschäftigung nachzugehen, der alle Bros nachgehen: Chicks scoren. Natürlich überließ er die Welt nicht einfach sich selbst, sondern stellte einige Regeln auf (zusammengefasst im Bro-Code), die ein für alle perfektes und natürlich legendäres Leben ermöglichen würden. Allerdings ist niemand an diese Regeln gebunden. Der große Broski hat viel zu viel zu tun, um sich um jeden Regelbrecher zu kümmern. Da niemand an die Regeln gebunden ist, haben wir die Perfektion des Lebens noch nicht erreicht (Das Paradies). Zwar haben einige Bros versucht ein Paradies in der Wüste Nevadas zu errichten, allerdings ist dies nur ein lächerlich Abklatsch davon, was uns erwartet, wenn alle Bros sich an den Bro-Code halten würden.  Die Idee der Brogenesis lehnt den Pantheismus und vor allem auch den Panentheismus ab; denn: der große Broski ist zwar  legendär. Allerdings hat er immer noch eine menschliche Form. Er kann also nicht in allem sein und ganz sicher kann nicht alles in ihm sein.  


Der Schöpfungstext

Im Anfang vor Millionen von Jahren, sagen wir letzte Woche, gab es nur 2 Bros, nennen wir sie Barney und Ben.  Barney und Ben trafen sich im Nichts, welches wüst und leer war und begrüßten sich mit dem Brofist, woraufhin sich das Nichts mit Licht und Leben füllte. Das Bro-Paradies war entstanden. Wohin man nur sah, waren 10er zu sehen und Barney und Ben stürzten sich als die ersten und wohl besten Wingman aller Zeiten ins Getümmel. Doch es kam, wie es immer kommen muss, beide Bros sahen die einzige Frau, die eine 11 ist, nennen wir sie Eva. Beide versuchten ihr Glück, doch ohne Wingman waren beide erfolglos, bis Ben die für alle Bros verbotene, „Romantikmasche“ abzog und ihr Blumen und anderen Kitsch brachte. Barney schlug seinen Bro draufhin mit einem Baseballschläger nieder und verbannte Eva für immer in die Träume alleinstehender Männer. Doch wurde ihm bewusst, dass das empfindliche Gleichgewicht der Brovolotion, die gerade am Beginnen war, ohne klare Regeln gefährdet wäre. Woraufhin er, im Kopf noch den schrecklichen Broicide, die erste Regel des Brocodes aufschrieb:

„Bros before hoes!!!“

Noch viele weitere Regeln wurden vom großen Broski Barney niedergeschrieben, die alle in einem Werk dem Bro-Code zusammengefasst sind. Im letzten Schritt verstecke der große Broski das Paradies vor den Augen der Bros und machte es zur Bedingung, dass erst wieder Bros ins Paradies eingelassen werden würden, wenn alle Bros auf den irdischen Gefilden sich an die unumstößlichen Regeln des Bro-Codes halten würden. Dann machte er sich auf, einige dieser Hammer-Engelsbräute rumzukriegen. Zuletzt hat man ihn in Hell´s Kitchen gesehen bei dem Versuch mit seinem Wingman ein paar teuflisch heiße Chicks klarzumachen.

Abschließend sei also gesagt:

Respect the Bro-Code and Suit up

Dankeschön 

Respect the Bro-Code!



Bros before Ho´s!

Whether a bro cares about sports or not a bro cares about sport!

Bros do not share dessert!

There is no law that prohibits a woman from being a bro!

And many more!!!


Donnerstag, 25. August 2011

THE AMAZING MASTERMIND (Der ultimative Superheld)

Seine ungeheuren Geisteskräfte werden nur durch seinen überwältigenden Charme getoppt. Wenn dieser Superheld um die Ecke biegt, erledigt er mit einem Augenzwinkern und einem schiefen Grinsen das Böse im Nu. Er ist groß, schön, klug und charmant. Keiner der bekannten Super-Helden ist ihm gewachsen.

Superman zum Beispiel, wie jede weiß, ist ein mieser Liebhaber. Nur sein Gegner Lex Lutor kann ihn an Langweile noch überbieten. Da hat Spider Man schon mehr zu bieten. Er ist zumindest witzig, gelegentlich, sein Erzrivale Green Goblin bietet eine interessante Studie in Schizophrenie. In Batman schließlich findet das Verlangen nach düsterer Romantik Befriedigung. Er ist verstört, reich, außen hart und innen weich, kurz Every-girls/womans-Liebling, Brooding Mr. Darcy lässt grüßen. Seine moderne Version als Bruce Wayne ist ein wenig kaputter, trauriger und dunkler.

Ich lerne dazu: Spider Man gehört zum Marvel-Imperium, während Batman und Superman aus dem DC-Stall stammen. The Amazing Mastermind weiß alles. Er entwickelt faszinierende Thesen über die gesellschaftliche Funktion der Superhelden-Mythen und ihre notwendige Weiterentwicklung nach dem Ende des Kalten Krieges. Es gibt Erste-, Zweite und Dritte Klasse-Superhelden. WonderWoman, erfahre ich zu meiner Freude, gehört auf jeden Fall zur ersten Klasse. Viele der Superheld:inn:en lassen sich unmittelbar mit der NASA und ihrem Fundraising verbinden. Die phantastischen Vier (nicht die Band!) verdanken ihre Existenz kosmischer Strahlung. Sie sind eine kleine Familie: Mr. Phantastic, seine Frau Die Unsichtbare, deren Bruder Die menschliche Flamme und der unvermeidliche häßliche, aber nette Freund Das Ding. „Immerhin hat der ´ne Freundin.“ „Schon, aber die ist blind.“ „Echt?“ Das Ding ist ein Ziegelstein-Klotz, das alles umeinander hauen kann (oder so ähnlich?). „Kein Mensch will wissen wie...Aber Das Ding hat Kinder.“ Man verzieht angeekelt das Gesicht. Ich zucke die Achseln. Ich kann mir Das Ding nicht vorstellen und seine Fortpflanzungstechniken erst recht nicht.

Amazing Mastermind ist geteilter Meinung über Captain America (Marvel). „Schon ganz gut, wie sie das hingekriegt haben, schließlich war der ja nach dem 2. Weltkrieg als Nazi-Jäger out.“ „Als Typ ist er nur bedingt interessant; es fehlt ihm ein Doppelleben.“ „Ja, Doppelleben ist wichtig.“ „Sie haben ihm einen zeitgemäßen Nazi-Gegner gebastelt, find´ ich ok.“  „Und er ist weniger nationalistisch als bisher. Gut so.“  Die handwerkliche Arbeit am neuen Captain America wird respektiert, Begeisterung weckt er nicht. Vergleiche zu Iron Man kommen in Spiel. Von Iron Mans Initiation ins Superhelden-Dasein wird ausführlich erzählt: ein Waffenhändler in den Händen von fundamentalistischen Terrorbanden, die Schuld am Opfertod eines Freundes, eine technische Super-Rüstung, fertig ist der Kerl. „Iron Man ist eigentlich so ein ganz normaler ´Warum denn nicht´-Typ.“ Aha.

„Ich bin der mit dem Blitz“, sage ich, damit ich auch endlich mal was zur Unterhaltung beitragen kann. „Was?“ „Bei dem Facebook-Fragespiel: Welcher Superheld bist du?“ „Ach so. Mit dem Blitz?“ „Das muss The Flash sein.“ „Ja, stimmt.“, rufe ich, „Der war´s“. Ich erfahre, dass The Flash schnell ist, aber sonst nix. Ich bin eine drittklassige Superheldin. War ja klar. Ich hatte auch nichts anderes erwartet. „Die meisten Superhelden-Comics haben keine richtige story line. Im Grunde wird so was erst bei ´Watchmen´ entwickelt.“ „Ja, das befriedigt dann aber ganz andere Bedürfnisse...“ The Amazing Mastermind fachsimpelt. Ich kann nur bedingt folgen. Auch weil meine Beine so kurz sind und  ich meine Superkräfte als The Flash hier in aller Öffentlichkeit nicht  zeigen will. Ich führe nämlich ein Doppelleben.


Montag, 6. Juni 2011

WIEDERUM: WANN IST EIN MANN EIN MANN?

Beim Abendessen berichtet die Mutter von einer Fortbildung zu "Sex and Gender", die sich kritisch mit der gesellschaftlichen Fixierung auf die Zweigeschlechtlichkeit auseinandersetzte. Mit Erstaunen habe sie zur Kenntnis genommen, dass eine nicht unerhebliche Zahl von Menschen Intersexuelle sind, die sich keinem Geschlecht biologisch eindeutig zuordnen lassen (zwischen 1,7 - 4%). Rechne man nun noch diejenigen hinzu, die transsexuell seien, also ihrem eigenen Empfinden nach dem "falschen" Geschlecht zugeordnet werden, so zeige sich, wie problematisch die unbedingte Zuordnung zu einem Geschlecht in vielen Fällen sei, auch wie übergriffig.

Der Jung-Mann, 15 Jahre, scheint nicht wirklich zugehört zu haben. Mit seinem Bruder bespricht er die Erfolgsaussichten der Mavericks in der diesjährigen Play-Off-Runde. Beim Abräumen jedoch wendet er sich abrupt an die Mutter: "Bei mir gibt´s da gar keinen Zweifel. Ich bin groß und pinkle im Stehen."


(Männer sind anders.)


Juni 2011 (Fehler und ungelöste Aufgaben)

Sonntag, 22. Mai 2011

EMANZEN DER NEUEN GENERATION

"Meine Mutter", sagt er zu seinem Freund, "verstehst du, ist eine Emanze der neuen Generation. Deshalb sind wir so."

AUS DER FREIEN WILDBAHN

Bernd kenne ich, weil ich einige Zeit eine „Soccer-Mama“ war. Im Großen und Ganzen konnte Bernd sich angemessen, wenn auch nicht gut benehmen. Von der Bar des Clubhauses brachte er mir zum Beispiel immer wieder einen Caipirinha mit, obwohl ich ihm mehrfach sagte, dass ich so was nicht trinke. Immerhin - er bemühte sich.
Aber wenn unsere Buben spielten, löste sich die dünne Lackschicht der Zivilisation bei Bernd ab. Sein Kopf wurde hochrot. Er plusterte sich auf. Und dann schrie er: „HURENSÖHNE.“ Als ich ihm ganz sanft sagte: „Warum müsst ihr Kerle immer die Mütter der Kerle beleidigen, die ihr eigentlich beleidigen wollt?“, konnte ich beobachten, wie es in ihm brodelte: doofe Zicke oder lieb-naive Puppe? Ich versuchte in meinen Blick was Freundlich-Strenges, Mütterliches eben zu legen. Da drehte er bei. „Hast ja recht.“, sagte er – und spendierte mich noch einen Caipirinha. Als sein Gesicht wieder rot anlief, seine Brust sich auflud, sah ich wie es hinter seiner Stirn arbeitete. Dann fand er eine Lösung: „Ihr PUSSYS.“

 Fehler und ungelöste Aufgaben, April 2010 

VERTEILUNG DER BEUTE VOR DEM ERLEGEN

E.: Im Bus, also die K., wenn die...

H: Echt, die K., auf die stehst Du, hätt´ ich nicht gedacht.
R: Geht klar, Kumpel. No Pro.
E.: Also wegen der K. Nur so. Kein Drama. Bros.
H: Gecheckt. Und die S.`?
R: Eh, nee.
E: Aber echt. Nee.
R: Die B?
E: Hmm.
H: Ja, die B.
R: Ich wär da...
H: Also, wenn Du...
R: Nee, nee, Du kannst...
H: Die kann ruhig bei Dir ...
E: Im Bus geht da eh noch nix...
H: Sehn wir mal. Die B. ist doch mit der C. befreundet...
R: Eh ja, die C. Wenn die B. bei mir...
H: Super.
E: Alles klar. Bros.
Derweil wird ein 500g Nutella-Glas geleert.

Jung-Männer beim Frühstück, April 2010 

Sonntag, 27. Februar 2011

GEHEGE-GESTALTUNG: DESIGN-TRENDS

Besonders wichtig ist es, die Gehege-Gestaltung der Altersentwicklung anzupassen. Wenn die räumlichen Verhältnisse es zulassen, kann durchaus zu einer Auslagerung in Kellerräume oder Seitengebäude geraten werden. Das entschärft auch mögliche Konflikte durch Geruchs- und Lärmbelästigung.

Als überflüssig und überteuert hat sich der Trend zur Gestaltung aufwändiger Themen- und Erlebniswelten herausgestellt. Die Adoleszenten sind durchaus mit gebrauchtem Mobiliar und Spielgerät zufrieden. Viel wichtiger erscheint aus pädagogischer Sicht, die Bewohner bei der Gestaltung einzubeziehen und sie ihre Selbstwirksamkeit erfahren zu lassen.

Selbstgestaltetes Gehege mit Sportgeräten
 Die selbstgestalteten und - gepflegten Gehege mögen in Ausstattung und Erhaltungszustand nicht immer den Ansprüchen der Betreuer genügen, dies ist jedoch mit Blick auf die Entwicklung der Sozial- und Personalkompetenz hinzunehmen, die nur durch eigenverantwortliches Handeln gestärkt werden können. Immer wieder wird die Wahl der Spiel- und Unterhaltungsgeräte für Irritationen sorgen. Umfragen haben jedoch ergeben, dass die Ausstattung mit mindestens zwei TV-Geräten (siehe Bild) von einer Mehrzahl der Bewohner gewünscht wird.  

TV-Geräte zur Einübung von
Multi-Tasking-Kompetenzen
Das in der modernen Arbeitswelt vielfach geforderte Multitasking wird hier auf spielerische Weise eingeübt. Während mittels des einen Gerätes sozial interagiert wird (X-Box-Spiele, Beispiel: Batman Arkham Asylum), können mit Hilfe des anderen zeitgleich aktuelle Themen (Beispiel: Sex and Gender; Two and a half man) bearbeitet werden.

Darüber hinaus ist auf eine artgerechte Versorgung mit Hygieneprodukten (derzeit im Trend: Dark Temptation), Getränken (Magic man, Schöffehofer Hefeweizen Grapefruit) und Essen (Tacos, Döner, Chips, Chips, Chips) zu achten.

Allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass eine artgerechte Gestaltung des Geheges eine große Anziehungskraft auch für Außenstehende entwickelt. Die Nutzung des Geheges beschränkt sich dann schon bald nicht mehr auf die eigene Brut. Überfüllung und vorschnelle Abnutzung können die Folge sein.

Letztlich müssen zwischen Betreuern und Bewohnern die Konditionen der Nutzung des Geheges, so zeigt die Erfahrung, stets neu verhandelt werden.


Februar 2011 (Haltungstipps)


Donnerstag, 11. November 2010

MÄNNER SIND DIE BESSEREN VÄTER

In der Schule, die Amazing und Mastermind* besuchen, vertritt der Lehrkörper die Ansicht, dass direkter Kontakt mit aufmüpfigen Jugendlichen tunlichst zu vermeiden sei. Daher wird alle Kommunikation verschriftlicht. In der Regel sind diese Schriftstücke an die Eltern der Jugendlichen adressiert. Anschließend ist das durch einen Erziehungsberechtigten unterzeichnete Formblatt bei der zuständigen Lehrkraft vorzulegen. Durch die Unterschrift bestätigen die Eltern, dass sie ihre Sprösslinge über die in Frage stehenden Gebote und Verbote informiert haben. Mein Rechtsbeistand versichert mir, dass diese Unterschriften völlig bedeutungslos sind, weswegen ich jedes Mal ohne zu zögern unterschreibe.

Kürzlich erreichte uns erneut ein solches Schreiben, diesmal vorgelegt durch Mastermind. Hierin wurde uns mitgeteilt, dass Schülerinnen und Schüler der Jahrgangstufen 8 und 9 immer wieder dabei ertappt würden, widerrechtlich in der Mittagsstunde das Schulgelände zu verlassen, um sich im nahegelegenen Supermarkt mit Getränken und Nahrung zu versorgen. Man forderte uns auf, unsere Kinder noch einmal mit Nachdruck auf das bestehende Verbot hinzuweisen. An diesem Tag war ich aus anderen Gründen schon ziemlich angenervt. Ich beschloss also, die Aufgabe an den Vater des Knaben zu delegieren. Weise nickte der Vater und nahm sich den Sohn zur Brust. Er las ihm den in Frage stehenden Paragraphen aus der Schulordnung vor. „Nehme also“, sagt er bedeutungsvoll, „zur Kennntis, mein Sohn, dass ich höchstpersönlich mir eine zusätzliche Strafe für dich überlegen werden, solltest du widerrechtlich das Schulgelände verlassen - und:  dich dabei erwischen lassen.“ Mastermind nickte. Ein Handschlag besiegelte die Vereinbarung.

Ich bin sehr zufrieden. Söhne brauchen  Väter, denke ich. Mir wäre es nicht gelungen, den Sachverhalt so knapp, korrekt und für Mastermind einsichtig darzustellen.

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* Die hier häufiger erwähnten Jungmänner wurden bisher mit „der Ältere“ und „der Jüngere“ bezeichnet, was bisweilen ein wenig mühsam war. Nach Rücksprache mit den realen Vorbildern werden sie in Zukunft als Amazing (der Ältere) und Mastermind (der Jüngere) in Erscheinung treten.


November 2010 (Haltungstipps)

Donnerstag, 9. September 2010

SCHULD IST IMMER DIE MUTTER!


Ein Treffen mit guten Freunden zum letzten Grillen in diesem Sommer. Während wir die Steaks genießen, unterhalten wir uns über Klassiker des Horror-Film-Genres. Wir sind uns schnell einig, dass Splatter-Filme meistens eher komisch wirken und den größten Schrecken verursacht, was man nicht sieht. „´The nigth of the hunter´, der macht mir am meisten Angst.“, sagt G. Das ist das Stichwort. Alle kennen den Film. „Und zum Schluss auch noch die großartige Lilian Gish.“ „Was, die spielt auch mit?“ „Ja, am Ende, die Frau, die die Kinder bei sich aufnimmt. Die so engelsgleich gut ist.“ „Ja, ich erinnere mich.“ „Aber es wird auch gesagt, wisst ihr noch, dass sie ihren eigenen Jungen schlecht behandelte, dass sie von dem nichts wissen wollte.“ „Genau. Und das ist natürlich Robert Mitchum, der Killer.“ „Der so unheimlich ums Haus schleicht.“ „Mitten im Paradies brütete die Hölle.“ „Was für ein Film.“

Die Jung-Männer am anderen Ende des Tisches, nahmen wir an, hatten das Gespräch ignoriert. Filme, die älter als 10 Jahre sind, finden sie uninteressant. Dass es Leute gibt, die freiwillig Schwarzweiß-Filme schauen, erscheint ihnen wunderlich. Um so überraschender am nächsten Tag, als der Mastermind in mein "Büro" (dieser unbeheizbare Arbeitsplatz, den ich mir in der ehemaligen Loggia eingerichtet habe) stürmt und ruft: „Hör mal zu, ich sollte zu dem komischen Bild hier eine Kurzgeschichte schreiben, also die fängt so an: ´Vor dem Haus stand eine Kiste aus Lerchenholz, die....´“ „Ich schreibe grade ein Gutachten. Lass mich den Absatz noch fertig schreiben, ich komm sonst völlig raus.“ „Jetzt hör doch mal zu: ´Vor dem Haus...´“ „Den einen Absatz, bitte...“ Ich bin schon ganz genervt. „Vor dem Haus...“ „Raus jetzt, ja. Ich komm dann zu dir rüber, wenn...“ Und da kommt es. „Du weißt schon“, sagt er in scharfem Ton, „wenn die eigene Mutter so abweisend ist und sich nicht kümmert, ruckzuck wird man dann zum Serienmörder.“ „Was?“ „Wie der Kerl in dem Film, der Kinderkiller, du weißt schon, in „The night of the dingens...“ Zugehört hat er und was gelernt: Die Mutter ist immer schuld. Immer.

September 2010, Fehler und ungelöste Aufgaben

Montag, 16. August 2010

HAARIG

Onkel (auf die Haarpracht des Jung-Mannes deutend): Ist das Absicht?
Jung-Mann zieht genervt die Augenbrauen hoch.
Onkel: Oder war das ein Unfall?
Jung-Mann: Na, du brauchst dir über deine Frisur ja keine Sorgen zu machen.
Onkel: Das kann dir auch passieren. Das ist genetisch bedingt.
Jung-Mann: Ich mache es wie du. Ich suche mir ´ne Frau, bevor sie ausfallen.

Jung-Mann im Gespräch mit seinem kopfhaarlosen Onkel, August 2010



Donnerstag, 5. August 2010

UROLOGIE

Im April hatte ich in Die Dschungel. Anderswelt einen Beitrag unter dem Titel "Artgerechte Männerhaltung" gepostet. Daraus entwickelte sich eine kleine "Serie", für die ich nun hier im Blog eine Extra-Seite: Aus dem Gehege. Artgerechte Männerhaltung eingerichtet habe.


Es gibt immer mal Neues aus dem Gehege, das mich selbst zum Staunen bringt: worüber Jung-Männer wie sprechen. Die heutige Folge beschäftigt sich mit dem Thema "Urologie".




A: Warst du schon mal beim Urologen?
B: Was ist das denn?
A: Na, das ist der Frauenarzt für Männer.
B: Welcher Mann geht denn da freiwillig hin?
A: Du musst irgendwann hin. Auf jeden Fall wenn du 50 bist. Dann steckt er dir den Finger in den Arsch und guckt, ob alles o.k. ist.


Jung-Männer im Gespräch. Juli 2010