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Dienstag, 3. Dezember 2013

MEISTERPUPPENPAPPEN ("Hier wird rund um die Uhr gepuppst.")


Ein Beitrag von BenHuRum



ECHTE KUNSTFERTIGKEIT (mit Marketingideen)

Es ist immer noch alles überschrieben und zusammengeflickt. Doch werden neuerdings Quittungen ausgestellt. Jede Besitzurkunde lässt sich überkleben. Die Puppen tanzen aus der Reihe, wie eh und je. 

"Denn morgen fangen wir in aller Ruhe noch einmal vor vorne an."

In den Fensterrahmen klebten wir unser Werbeplakat:

In unserem Pipapolefanz-Fundus kann alles jederzeit repariert und funktionsfähig gemacht werden. Zerbrochene Herzen übernehmen wir besonders gern. Zwar können wir mit Idealen nicht dienen, aber mit einer großen Auswahl an Plagiaten. 


"Ohne Herz wären wir alle nur Automaten." 
"Dein Herz ist ein Blutklumpen, sonst nichts." 

(Am liebsten schreibt sie immer noch bei sich selbst ab.) 

Wir wollten Puppenspieler sein, aber schnitten uns ins lebendige Fleisch hinein. 
"Bluten wir nicht wie ihr?", fragten dümmlich die Avatare, bevor wir ihnen die Wärmepumpe herausoperierten. 
"Nichts als Walzen und Windschläuche."
So legten wir den Mechanismus der Liebe frei und begannen uns zu entäußern.
"Ei, ein Wort, ein Wort - ist nichts als ein Wort. Ist nichts."
"Wer liebt, verdaut gut."
"Noch besser geht´s, wenn er kopfüber hängt."
"Und lustig küsst den Allerwertesten."
"Puppenkram."
"Fangt an."
"Amen."
Wir wollten die Herren der Marionetten sein und damenhaft maschinell perfektioniert tanzen.
"Betrug", schrieen die Banausen vor der Türe und bestanden auf Menschenopfern. 
Wir warfen ihnen unsere blutigen Klumpen vor die Füße und brachen auf nach Buffalo, wo noch die Tiere des Paradieses hausen sollen.

(Text: J.S.P./M.B.)


Samstag, 24. Dezember 2011

Deswegen und trotzdem: FROHE WEIHNACHTEN ALLEN!

Kitsch who can Kitsch


Annerl, Kasperl und die lieben Kleinen
(wenn die Puppenwelt wär, wie sie sein sollte)


Es begab sich aber in jenem Jahr, dass der blutrünstige Kasperl dem Annerl ein wenig zu doll wurde. Als drum rund um das Häuserl die weißen Flocken vom Himmel fielen und von drunten aus dem Dorf her die Glocken klangen und die Hunde bellten in der Nacht, da setzte sie ihn mit einem Sack voll Würsten und guten Wünschen auf einen Schlitten und stieß ihn ins Tal hinab. Der Kasperl hielt sich tapfer fest, als es wild hinunter ging auf der vereisten Bahn. 

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Ist es ein Wunder, dass die Welt nicht ist, wie sie sein soll? Sie gerät aus den Fugen, im Großen, wie im Kleinen. Seit der Geburt unserer Söhne ist dies das erste Weihnachten, das wir nicht alle zusammen verbringen. Per Skype wird einer uns zugeschaltet werden, hoffe ich, der morgen erst beschert wird am Pazifik. Hier wird er vermisst. Anderswo andere auch, ebenso sehr. Es ist nicht alles da, nie nicht. Wir haben zuviel und sind zuwenig. Ein Kind wird euch geboren. Da ist kaum etwas Schöneres und Schwereres und Größeres. Ein Wunder...ein Mensch, der lachen, träumen, kochen, tanzen, singen, spielen, schaffen kann...bedürftig ist und die Welt beherrscht... 

"Zu Bethlehem, da ruht ein Kind
im Kripplein eng und klein,
das Kindlein ist ein Gotteskind,
nennt Erd und Himmel sein."

Anette von Droste-Hülshoff




Montag, 3. Oktober 2011

Pupp-A-Mania (7): FAMILIENIDYLL


Der Reiz solcher Szenen, ahnt selbst unser Kater, wie er sich scheinbar selbstvergessen die Pfoten leckt,  liegt in den unausgesprochenen Zeichen, die sie versenden. Was das Katzentier durchs Fenster schaut, ist die Mutter im Schein der Lampen, die ihren Busen über die Näharbeit reckt. Das gute Annerl hat´s versäumt die obern Knöpfe zu schließen, weil doch das Kind in der Nacht noch einmal verlangen wird nach ihrer Brust. So sitzt sie da in der hell erleuchteten Stube wie eine Schlampe; den Blicken jedes Nachtwanderers preisgegeben, der ums Haus schleichen mag. Ist´s da ein Wunder, wenn der Kasperl sich erzürnt über sie, der selbst nicht mehr hinlangen darf, seit das Balg sich in die Welt hinein gebrüllt? Er weint bitterlich in seiner Kammer droben und drückt des Annerls Kissen auf sein Gesicht. Das Raubtier schnurrt behaglich, als es die Tatze durchs Fenster hebt, dem braven Kasperl die Krallen über das Bäuchlein zu streichen. Was ein Wehklagen das sein wird! Wie das Annerl die Treppen herauf rennen wird!  Zu spät, zu spät. Das Annerl keucht und schlägt die Fensterläden. Das Monster draußen lacht aus grünen Augen schauerlich. Und Kasperl schreit: „Ich schlag dich tot.“ Jetzt kommt´s: Sie beugt sich über ihn und schleckt auf, was nicht zu sehen sein soll im Pupperlhaus. Zwischen Zunge und Haut muss es gewesen sein, bevor sie´s hinunterschluckt: ein Tropfen lebendig rothes Blut.

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Bisher erschienen:

Verwandte Beiträge 
(was im Puppenhaus ironisch romantisiert ist, wird in der Fabrik der Engel blutigster Ernst):

Freitag, 12. August 2011

PUPP-A-MANIA (4): SAUMENSCH


Ach, wie der sich durchs Haus schreit und hinaus in die Welt poltert und die Leut erschrickt. Was für ein Kaschperl des is! Derweil das Annerl still sitzen bleibt, als wär nix geschehen. Ganz närrisch kann einer werden, wenn er sieht, wie sie dem Kasper seine Eskapaden abtut, ohne ihm in die Suppe zu spucken oder auch nur das hochrote Mündchen zu spitzen. Alle Zeit liegt bloß ein Lächeln in ihrem Gesicht, ob der Eiermann klingelt oder der Postmann reinstürmt und am Tisch rüttelt.

Doch wenn am Morgen die Sonn´ wieder aufgeht über dem Haus, schaut keiner mehr rein oder raus. Niemandem ist mit der Axt das Bad gesegnet worden und kein Blut hat den Schaum rosig gefärbt.  Das Annerl ist sittsam wie eh und je, obwohl du geglaubt hast, dass sie sich nachts auf dem Boden gewälzt hat. Mit wem? Aber so kann´s ja nicht gewesen sein. Schau nur genau genug hin, wie sauber geputzt alles ist. Aber sonderbar bleibt´s, denn das Annerl ist Mutter geworden, weiß nicht wie, und trägt davon eine Würde, dass dir bang wird.

Am Tage leg´ ich über das Haus den Schleier, der alles gnädig verhüllt. Von darinnen muss die Welt durch die Löcher wie ein Labyrinth aussehen, denk ich mir. Doch bis der Mond aufgeht, will ich mich nicht erinnern ans Haus und seine Bewohner, wie sie warten aufs Verhängnis, still und versessen. Der Teufel kann´s nicht anzünden, solange die Lampen glühen. Wenn du willst, singt dir das Annerl ein Lied bis der törichte Kasper wiederkommt: „Du hast mich leuchten gesehen.“ Sie hält das Kind im Arm unter Sternen und Engeln. Wenn er kommt in glühender Ungeduld, wird er fragen. Dann ist´s noch früh genug zu gestehen. Du weißt schon, was für ein Saumensch das ist.



Sonntag, 7. August 2011

PUPP-A-MANIA (2): Anziehen



Es schließt sich keine Tür im umschleierten Haus, selbst nicht, wenn der Schatten der Katze auf es fällt, wie´s heut um die Mittagzeit geschah. Immer steht´s deiner Hand offen wie ein Geröllschub hineinzufahren und alles umeinander zu werfen, die Stühle und Tische, das ganze zierliche Geschirr auf einen Haufen, dass sie rennen und schreien da drinnen müssten, doch halten sie wunderbar still alle Zeit, wie immer du fuhrwerkst in ihren Gemächern. Kein Laut war zu hören, als die Katze ihre Pfote auf den Dachfirst setzte und sich die Schlafkammer verdunkelte, wo das schöne Annerl vorm Spiegel saß wie eingefroren.


Wer bin ich? Es ist nichts mit ihr ohne deine Hand, die sie bewegt zu einem Tanz durch die Wohnstube oder ihren Arm mit der Bürste durchs wirre Haar streicht, bis es sich glättet und schimmernd auf ihren Schultern liegt. So betrachtet sich die vom weißen Stühlchen aus im Spiegel und schürzt die Lippen, bildest du dir ein. Immer schon war eine Ahnung des Verbrechens um dieses stille Mensch, das sich nicht rührt unter deinen Griffen. Ich werde sie schlitzen. Der Teufel hat sich unter die Puppen gemischt.



Als wenn so etwas möglich wär. Es ist gelogen, dass nachts die Puppen auf den Tischen tanzen. Der Teufel kennt keine heimliche Welt. Wir ziehen jetzt die Vorhänge vor und lauschen. Hörst du? Es rauscht so blutig unter der Puppenhaut, wenn du nur still genug sitzt. Um Mitternacht lehnte sie noch lauschig an deiner Schulter, als der Glockenschlag ein heiliges Grauen ankündigte. Es wird euch nichts geschehen, wenn ihr euch zu mir gesellt. Ach, wie vertraut das klingt und wie erfunden. Leg den Schalter um, dann wird sich´s klären. Ich glaub´ nicht daran, dass ich lebendig bin.


Samstag, 6. August 2011