Samstag, 26. Februar 2011

WETTERWENDISCH




weil du denn nu verhärtet bist,und dir gefällt die leichte list,
so lasz ich dir den wetterwillenund will mich gerne gerne stillen 

Kaspar Stieler: Geharnschte Venus  


Die Luft war nebulos. Es fröstelte die Elbin im Morgengrauen. Ein Wetter zog auf, ahnte sie. Draußen vor den Toren, wo des Wildermuths Blut den Boden tränkte, wollte sie den Boten ihres Volkes treffen. Sie blähte die Nüstern und roch den Wald. Sehnsüchtig rieb sie ihre Wange an der Rinde der alten Eiche. Hinterlistig griff da eine Hand in ihren Schenkel. „Das Kreuz“, flüsterte es an ihrem Ohr und sie erkannte die Stimme des Königs. „Du selbst....“ Mit seinen Zähnen durchbiss er die Kette an ihrem Hals.  Das Zeichen glitt zwischen ihren Brüsten hinab. „Dreimal krähte auf dem Dach schon der blecherne Hahn. Rück das Wechselbalg heraus.“ Er bohrte sich tiefer in ihr Fleisch. „Waide mich...“ Sie roch das modrige Baummoos und ersehnte den Fall. „Mein Sohn.“ „Du kennst das Wort.“  Entblößt, wusste sie, lagen ihre Lebensnerven vor ihm.  „Daher kommts....“ Ein Gewitterwind riss sie endlich ins sprossende Gras hernieder.



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