Posts mit dem Label Textserie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Textserie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 28. September 2010

GIPFELTREFFEN IN FRANKFURT (Antwort an den "Bücherblogger")


Heute morgen überraschte mich der Bücherblogger mit einem Gipfeltreffen in Frankfurt zur Buchmesse: Hier. Melusine, dachte ich, traust du dich das? Ein Versuch: 

"Hesse sein heißt: Gefährlich leben wollen zu müssen."
(Matthias Beltz: Nacht, Europa, wo immer du auch bist)

Gipfeltreffen in Frankfurt am Main zur Buchmesse

Die Aufregung war ihr nicht anzusehen. Sie hatte den Kopf zurück gelegt und die Augen geschlossen. Über das Headset hörte sie Maximo Park: „Apply some pressure“.  Draußen glitten die wohlbekannten Ansichten vorüber wie ein sich stets wiederholender Traum: die Uferböschung, das krumme Wäldchen, die verlassene Fabrik mit den eingeschlagenen Fenstern, trostlose Schlafsiedlungen mit metallenen Pseudobalkonen, auf die nie jemand trat, schließlich die ersten Ausläufer Frankfurts, der Osten mit dem Hafenbecken, das riesige Loch am Main, aus dem einmal das neue EZB-Gebäude erstehen sollte. Der Zug fuhr über die Brücke, auf dem Fußweg erkannte sie an seinem langen blonden Haar, das ein Stirnband zusammenhielt, den 
Sternekoch des Frankfurter Hofes beim morgendlichen Jogging. Nur ein sehr aufmerksamer Beobachter hätte bemerkt,  wie ihre Finger sich in den Sitz krallten. Ob es klug gewesen war, dieses Treffen zuzusagen? Fiktionen, die sich materialisieren. Das konnte fürchterlich schief gehen. Die Wieder-Worte gebende Terésa und die schöne und begabte Alea Torik, die formvollendete, Formen auflösende Syra Stein, der blutrünstige Guido Rohm mit seiner Seraphe sowie der einfühlsame und belesene Bücherblogger – ein Treffen zur Buchmesse in Frankfurt am Main. Man macht sich natürlich Vorstellungen. Man fühlt sich verbunden.  Und dann wird schlimmstenfalls geschwiegen.  Peinliche Pausen, weil man in diese Gesichter nichts zu sagen hat. Weil alle ganz anders sind, als man erwartete. Weil man in den Augen der anderen liest: Die hatte ich mir aber anders vorgestellt. Nein, nicht einmal das wäre das Schlimmste. Das Schlimmste wäre ein belangloser Small talk, nach dem man wüsste: Das war vergeudete Zeit. Aber auch etwas anderes wäre möglich: Ein unmittelbares Erkennen, Stichworte, die wie Blitze in Köpfe fahren, Assoziationsketten, wenn ein Wort das andere gibt, Lachen über ungeheure Ähnlichkeiten und ungeahnte Unterschiede. Oder: ein langsames Herantasten, Austausch von Höflichkeiten, Versuchsballone, Anknüpfungspunkte, lächelndes Einverständnis, freundliches Kopfschütteln, Nachdenklichkeit, Gemeinsamkeiten finden, das Fremde schätzen. Melusine dachte: Schade ist, dass Hans1962 nicht aus Wien dazu stößt. Und die talentierte Phyllis. Aber Phylli (heute fehlt ihr ein "s") wird vielleicht noch kurzfristig kommen. Sie lebt ja in Frankfurt. Muss nur über den Fluss radeln. Wie eng das wird in dem kleinen Café. Der Zug rollte in den Südbahnhof ein. Melusine griff ihren Rucksack. Mit Azar hatte sie sich am Fuß der Treppe verabredet. Da stand sie auch schon: Azarmidokth, die Prinzessin aus dem Morgenland, klein, dunkel, strahlend. Melusine beugte sich zu ihr herab und küsste sie. Sie wurde ruhig. Wohin immer sie mit Azar ging, würde es lustig werden. Azar würde in jedes Schweigen lauschen und es brechen. Genau da, wo die Bruchstelle war. Sie hörte das Gras wachsen und den Tee kochen und das Licht fallen. Sie würde Terésas Parfüm erkennen und Aléas Atem fühlen, Syras Hände berühren und den Bücherblogger an der Schulter fassen, mit Guido lachen und sich zu Seraphe hinwenden. Dann würde sie sagen: „Melusine, du...“ Melusine reichte Azar den Arm und sie gingen die wenigen Meter die Diesterwegstraße hinunter, betraten den Hinterhof. „Vorsicht, Stufe“, sagte Melusine, bevor sie die Tür des Lesecafés für Azar öffnete.


Demnächst: Die Frankfurter Verlobung 

Mittwoch, 22. September 2010

HEINRICH oder DER FROSCHKÖNIG

DER ALTE WASSERPATSCHER DAUERT MICH

Sein Froschmund klagt so jämmerlich. Da bückt sie sich und hält ihr Ohr dem breiten Maule hin. „Ich bin´s. Dein Heinrich.“, quakt das so. „Erlöse mich. Ein Königreich leg ich zu deinen Füßen.“  Sie richt´ sich auf. „Das ist nicht wahr, mein Heinrich bist du nicht, du kleine grüne Kröte. Mein Heinrich wartet vor dem Tor in seiner Limousine.“ Sie holt aus ihrer Ledertasche ein güldenes Krönchen. „Du dauerst mich, hässlicher Tropf. Das schenk ich dir und setz´  dir´s auf den Kopf. Der Heinrich gab´s mir heute früh zum Jahrestag. Doch, horch, da hupt er schon. Ich geh. Adieu, du armer Frosch.“

Sein Froschmund klagt so jämmerlich. Doch fort ist sie. Mit Heinrich. Kein Wagen bricht. 



Kein Band von seinem Herzen. 
Es bleib´n allein die Schmerzen. 
Wie er da traurig saß, 
als er ein Frosche was.

Montag, 20. September 2010

NOSTALGIE IST SCH.....


....manchmal bleibt einem aber nichts anderes als die wehmütige Erinnerung an schönere Zeiten.






Das Spiel am Samstag: Unterirdisch. "Die Eintracht ist vom Pech begünstigt." hat Charly Körbel mal gesagt. Wenn´s doch so wäre. Wer so spielt, hat die Gunst verdient. "Ich sach´s euch", sagt Helmut, "diss Jahr spiele mer widder um de Abstieg mit." Lieber nicht.


(Bild aus: FAN GEHT VOR. 1. Frankfurter Allgemeine Fanzeitung)


"Wenn sich die Zeichen mehren,
geht was den Bach runter.
Wenn was den Bach runtergeht,
muß der Mensch sich bescheiden.
Dann darf er nichts weiter fordern
als das Vollkommmene.
Nicht mehr als das, aber
bei Gott auch nicht weniger."


Robert Gernhardt


Verwandte Beiträge:
Nostalgia - is Shit
Masochistische Neigung - Bravo Fotolove-Story
Heimspiele

Donnerstag, 9. September 2010

SCHULD IST IMMER DIE MUTTER!


Ein Treffen mit guten Freunden zum letzten Grillen in diesem Sommer. Während wir die Steaks genießen, unterhalten wir uns über Klassiker des Horror-Film-Genres. Wir sind uns schnell einig, dass Splatter-Filme meistens eher komisch wirken und den größten Schrecken verursacht, was man nicht sieht. „´The nigth of the hunter´, der macht mir am meisten Angst.“, sagt G. Das ist das Stichwort. Alle kennen den Film. „Und zum Schluss auch noch die großartige Lilian Gish.“ „Was, die spielt auch mit?“ „Ja, am Ende, die Frau, die die Kinder bei sich aufnimmt. Die so engelsgleich gut ist.“ „Ja, ich erinnere mich.“ „Aber es wird auch gesagt, wisst ihr noch, dass sie ihren eigenen Jungen schlecht behandelte, dass sie von dem nichts wissen wollte.“ „Genau. Und das ist natürlich Robert Mitchum, der Killer.“ „Der so unheimlich ums Haus schleicht.“ „Mitten im Paradies brütete die Hölle.“ „Was für ein Film.“

Die Jung-Männer am anderen Ende des Tisches, nahmen wir an, hatten das Gespräch ignoriert. Filme, die älter als 10 Jahre sind, finden sie uninteressant. Dass es Leute gibt, die freiwillig Schwarzweiß-Filme schauen, erscheint ihnen wunderlich. Um so überraschender am nächsten Tag, als der Mastermind in mein "Büro" (dieser unbeheizbare Arbeitsplatz, den ich mir in der ehemaligen Loggia eingerichtet habe) stürmt und ruft: „Hör mal zu, ich sollte zu dem komischen Bild hier eine Kurzgeschichte schreiben, also die fängt so an: ´Vor dem Haus stand eine Kiste aus Lerchenholz, die....´“ „Ich schreibe grade ein Gutachten. Lass mich den Absatz noch fertig schreiben, ich komm sonst völlig raus.“ „Jetzt hör doch mal zu: ´Vor dem Haus...´“ „Den einen Absatz, bitte...“ Ich bin schon ganz genervt. „Vor dem Haus...“ „Raus jetzt, ja. Ich komm dann zu dir rüber, wenn...“ Und da kommt es. „Du weißt schon“, sagt er in scharfem Ton, „wenn die eigene Mutter so abweisend ist und sich nicht kümmert, ruckzuck wird man dann zum Serienmörder.“ „Was?“ „Wie der Kerl in dem Film, der Kinderkiller, du weißt schon, in „The night of the dingens...“ Zugehört hat er und was gelernt: Die Mutter ist immer schuld. Immer.

September 2010, Fehler und ungelöste Aufgaben

Montag, 6. September 2010

DUCKING AND WEAVING. Würden Sie einen Mann mit Perücke wählen?

Image: Ducking and weaving (Intelligent life, The Quarterly from Economist, Autumn 2010)

Einst verklagte Gerhard Schröder Journalisten, die zu behaupten wagten, er färbe sich die Haare. Schröder hatte Grund, sich zu wehren. In Deutschland gilt Eitelkeit bei Männern (eines bestimmten Milieus und der älteren Generation) als unangebracht. Der alberne konstruierte Gegensatz zwischen Innerlichkeit und Äußerlichkeit wird sorgfältig gepflegt und das eigene Äußere sträflich vernachlässigt. Wenn ältere Männer auf ihr äußeres Erscheinungsbild Wert legen, gelten sie in ihrer Generation immer noch als affektiert. Ein Mann, der sich die Haare färbt, kann politisch nicht ernst genommen werden? Ein Mann, der sich gewählt und vielleicht auch originell kleidet, hat nichts zu sagen? Schaut man sich die „Entscheidungsträger“ an, so gilt das offensichtlich immer noch: Anzug in grau, schwarz, dunkelblau, weißes Hemd, die Krawatte als einziger kleiner Farbtupfer und Ausdruck einer sich beschränkenden Individualität. So frei sind die freien Herren der freiheitlich demokratischen Grundordnung und der freien Wirtschaft offenbar nicht. 

In „intelligent life“ (dem vierteljährlichen Kulturmagazin des Economist) beschäftigt sich Simon Carr mit der Frage, was Wähler(innen) von den Haaren der Politiker erwarten. Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist die Beobachtung, dass der Haaransatz von David Cameron zurückweicht. „Could a man in a wig ever be prime minister of Britain? Could a white person with curly hair become president of the United States? Has a bravely bald woman ever been elected to anything? And moustaches – will they ever return to office? Researchs shows that the answers to this questions are, with variations around the mean, no.“ Je mehr die Bedeutung von Äußerlichkeiten in einem Bereich geleugnet wird, behaupte ich, desto uniformierter wird sich das Äußerliche dort zeigen. Und eben damit auch desto bedeutsamer. Wer sich an die uniformierte Äußerlichkeit nicht hält, wird ausgegrenzt. Hat da nicht zu sagen. Wird nicht ernst genommen. Gilt nichts. Das vorgebliche Primat der Inhalte vor der „Verpackung“ ist nichts anderes als die Ideologie, mit der eine genormte Darstellungsform von Herrschaft durchgesetzt wird. David Cameron nun gehört zu jener neuen Generation (männlicher) Politiker, die ihr Aussehen durchaus zu ihrem Vorteil einsetzen: als Signal für Jugendlichkeit und Aufbruch (wie schon einmal vor 45 Jahren John F. Kennedy, der mit einer Ära der Äußerlichkeiten auch eine neuer individueller Freiheit einläutete; ein Zusammenhang, der meines Erachtens unterschätzt wird).

„The collapse of authority“, schreibt Simon Carr, „made a bald leader impossible in the West, ending the era when baldness was a sign of virtue.“ Heutzutage, meint Carr, sende Kahlheit unterschiedliche Botschaften, je nachdem, was ihre Ursache sei: Haarausfall, Chemotherapie, buddhistisches Mönchtum, Zugehörigkeit zur schwulen Clubbesucher-Szene, ein harter Draufgäner wie Bruce Willis oder das Alter. So unterschiedlich sie seien; keine sei eine Wahlempfehlung für jene Wählerschaft, um die gebuhlt werde: die Mitte. Dichtes Haar signalisiere Jugend und Agilität, Macht und Schönheit. Verliere ein Mann sein Haar, so bleibe ihm die Bruce-Willis-Taktik der Offensive: alles abrasieren, den Friseur feuern und die Glatze polieren. (Carr nennt als Beispiel William Hague, den neuen britischen Außenminister). David Cameron, spekuliert Carr, geht einen anderen Weg: „Lately the empty quarter too seems to have shrunk. The sink hole has been filled. Whether this was the result of covert transplants or wether it´s a natural, tidal phenomenon is one of the little mysteries of modern politics. Time will tell, as it always does.“

Das stimmt. Schrecklich genug. Wir Frauen sind da einen Schritt voraus. Färben ist kein Problem. Haarverlängerung geht in Ordnung (habe ich noch nicht probiert). Ich hätte nichts dagegen, wenn Männer auf dem Sektor einfallsreicher und experimentierfreudiger würden. 

Dienstag, 31. August 2010

RÜDE : ONANIEREN

Heute ziehe ich ein Freilos. Freilos bedeutet: Ich schreibe einfach kurz auf, was mir durch den Kopf geht, ohne Rücksicht auf Sinn und Verstand und Form. Das Freilos brauche ich, weil ich arbeiten muss und zwar auf verschiedenen Baustellen: im Brotberuf , an der Baader-Meinhof-Zwergwerfer-Geschichte (aus der ich Ulrike, glaube ich, jetzt einfach rausschmeiße), an den 1000 Worten im Manifest für "Der Andere", an der Körper-Sprache-Kolumne (bei der ich diesmal „auf das Auge blicke“) und über das „Bilderverbot“ (im Zusammenhang eines west-östlichen Blickwechsels). Das alles ist unfertig.  Und ich habe ja alle Zeit der Welt. (Abgesehen davon, dass ich auch noch für das Abendessen einkaufen und kochen muss; die Zeit muss ich von „aller Zeit“ abziehen.)

Deshalb wird heute der Rüde befriedigt. Gestern Abend stieß ich nämlich auf diesen Beitrag:"Wer auch immer seinen Hund mit der Hand befriedigt", findet zum Erstaunen des Betreibers auf den Blog "Beton-Blog". Das ließ mich gar nicht mehr los. Auf „Gleisbauarbeiten“ verirren sich auch mal google-Sucher, z.B. welche, die nach Gleisbaumaschinen suchen und in dem Zusammenhang vielleicht nach Kolben oder  Achsen. Sie merken aber sofort, dass ihnen hier nichts (an-)geboten wird. Ich hatte auch schon welche,  die nach „Schleim“ und „Ekel“ suchten, die wurden vielleicht schon eher fündig. „Nasse Fotzen“-Sucher waren es bisher zwei, was mir gar nicht einleuchtet, weil ich das F-Wort, meiner Kenntnis nach noch nie benutzt habe. (Bei Guido Rohm indessen tummeln sich die „Fellatio" und "Cunnilungus"- Sucher.)

Aber die Sache mit dem Hund, den sein Besitzer mit der Hand befriedigen will und der (also der Besitzer, nicht der Hund, nehme ich an) dann dafür Anleitung im Netz sucht, die finde ich ungleich interessanter. Mein erster Gedanke war (und er ist entlarvend, nämlich für mich): Kann der das nicht selbst machen? (der Hund, meine ich). Aber das leuchtet sogar mir ein: Die Hunde-Pfote eignet sich hierfür nicht (ein weiterer Aspekt, der die Bedeutung der Hand als Universalwerkzeug für das „Wesen des Menschen“ einsichtig macht, der aber in der einschlägigen Anthropologie vielleicht  noch nicht hinreichend berücksichtigt wurde). Ich dachte an die Schnauze, das ginge vielleicht anatomisch bei einigen Hunde-Rassen (so gut kenne ich mich nicht aus und ich habe jetzt auch keine Zeit, meinerseits differenzierend zu googeln), dass der Hund (also der Rüde) da ran kommt. Andererseits steht dem möglicherweise ein genetisches Selbsterhaltungsprogramm entgegen, weil es eventuell zu bleibenden Verletzungen kommen könnte. Was weiß ich.  Jedenfalls habe ich jetzt alles getan, damit Netznutzer, die sich für Ekel, Schleim, „bleibende Verletzungen“, Kolben und onanierende Hunde interessieren, zu mir finden. Das ist genau mein Zielpublikum. Herzlich Willkommmen!

Montag, 16. August 2010

HAARIG

Onkel (auf die Haarpracht des Jung-Mannes deutend): Ist das Absicht?
Jung-Mann zieht genervt die Augenbrauen hoch.
Onkel: Oder war das ein Unfall?
Jung-Mann: Na, du brauchst dir über deine Frisur ja keine Sorgen zu machen.
Onkel: Das kann dir auch passieren. Das ist genetisch bedingt.
Jung-Mann: Ich mache es wie du. Ich suche mir ´ne Frau, bevor sie ausfallen.

Jung-Mann im Gespräch mit seinem kopfhaarlosen Onkel, August 2010



Montag, 9. August 2010

Fabelwesen: ADLER UND MAUS

DER TRAUM ZU FLIEGEN


Ich träumte eine Maus zu sein, die nach dem Adler rief: "Bruder Adler. Hier spricht die Maus. Fang mich, zerreiß mich!" Ich hoffte, er risse mir das Herz heraus und zerschmetterte mein Hirn an den Felsen. Dann würfe er sie herab: das blutende Herz in die stürmende See, das tropfende Hirn zwischen die Klüfte der Berge. Doch bevor ich erwachte, hörte ich eine Stimme, laut: "Bruder Adler, ich bin nicht die Maus." Und das war ich auch.

Donnerstag, 5. August 2010

UROLOGIE

Im April hatte ich in Die Dschungel. Anderswelt einen Beitrag unter dem Titel "Artgerechte Männerhaltung" gepostet. Daraus entwickelte sich eine kleine "Serie", für die ich nun hier im Blog eine Extra-Seite: Aus dem Gehege. Artgerechte Männerhaltung eingerichtet habe.


Es gibt immer mal Neues aus dem Gehege, das mich selbst zum Staunen bringt: worüber Jung-Männer wie sprechen. Die heutige Folge beschäftigt sich mit dem Thema "Urologie".




A: Warst du schon mal beim Urologen?
B: Was ist das denn?
A: Na, das ist der Frauenarzt für Männer.
B: Welcher Mann geht denn da freiwillig hin?
A: Du musst irgendwann hin. Auf jeden Fall wenn du 50 bist. Dann steckt er dir den Finger in den Arsch und guckt, ob alles o.k. ist.


Jung-Männer im Gespräch. Juli 2010

Donnerstag, 29. Juli 2010

WAR IS ABOUT SATING THE MILITARY-SECURITY-INDUSTRIAL-COMPLEX

Simon Jankins über den Krieg in Afghanistan (The Guardian 28. July 2010)

SO  DEUTLICH WÜRDE ICH DAS GERNE AUCH IN DEUTSCHEN ÜBERREGIONALEN TAGESZEITUNGEN LESEN:

„I cannot avoid the conclusion that, just as the Pashtun are said to be hard-wired to fight, so now are certain western regimes. War is about sating the military-security-industrial complex, a lobby so potent that, long after the cold war ended, it can induce democratic leaders to expend quantities of blood and money on such specious pretexts as suppressing dictators in one country and terror in another.

Like puppets dancing to manufacturd fears and dreams of glory, these leaders have lost their grip on Plato´s ´sacred golden cord of reason´. Until that grip is restored, the folly revealed by the war logs will continue.“

Sonntag, 25. Juli 2010

Verurteilt zu lesen: Changing Live Through Literature


Lesezirkel als Alternative zum Gefängnis


Im Guardian vom Mittwoch (21.07.2010) las ich über Mitchell Rouse, einen von der Designerdroge Crystal Meth Abhängigen aus Texas, der ursprünglich zu 60 Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Seine Strafe reduzieren konnte er, indem er am Programm CLTL (Changing Live through Literature) teilnahm. Wiederholungstäter von schweren Verbrechen wie zum Beispiel bewaffneter Raub, Drogenhandel oder Körperverletzung müssen sich verpflichten einem Lesezirkel beizutreten, wo sie literarische Klassiker wie "To Kill a Mockingbird", "The Bell Jar" oder "Of Mice and Men" lesen und diskutieren. Mitchell Rouse nahm an einem Lesezirkel der Rice University in Houston teil und las Platon, Mill und Sokrates. Sein Tutor wählte Texte aus, deren Themen Schicksal, Liebe, Zorn, Freiheit, Toleranz und Mitgefühl sich auf das Leben der Teilnehmer beziehen ließen. Rouse sagte, er sei besonders von einigen Ideen John Stuart Mills beindruckt gewesen. 

Anna Barker stellt in dem Artikel den Erfolg des Progammes dar. Nur 36 von 597 Teilnehmern der Kurse hätten das Programm abgebrochen. Eine über ein Jahr angelegte Studie zeige, dass die Rückfallquoten der CLTL-Absoventen deutlich niedriger seien als die einer Vergleichsgruppe. Jedoch habe das Programm auch Kritiker, die sich darüber ärgerten, dass Schwerverbrecher kostenlose Kurse an der Universität besuchen dürften, während "normale" Studenten hierfür bezahlen müssten. Tatsächlich aber spare der Steuerzahler erhebliche Summen durch das Programm: Statt ein Leben im Gefängnis zu verbringen, wo die Unterbringung pro Jahr in Großbritannien beispielsweise $ 19.520 pro Jahr koste, schlügen die Kurse nur mit $ 500 für den gleichen Zeitraum zu Buche, während der Deliquent zu Hause lebe und nur verpflichtet sei, zu den Kursen zu erscheinen.

In Großbritannien gibt es vergleichbare Progamme an einigen Standorten, jedoch längst nicht landesweit. Ein Tutor der Universität Exeter wird im Artikel zitiert: "I think that one of the great testaments of this programme is that it demonstrates clearly that literature can make a difference to people´s lives. I already believed that, but I knew it could also be used to rehabilitate offenders."

Literatur sollte nicht geschrieben werden, um nützlich zu sein. Aber sie kann Leben ändern und - heilen*. Offenbar. 

(*Hans1962 hat in seinem Blog ein Debatte zu diesem Thema angeregt.)

Samstag, 24. Juli 2010

Coming out: It´s never to late to be a lesbian

Neue Rubrik: Zeitungsschnipsel

Just a load of orgasms

Im Guardian fand sich am Donnerstag (21/07/2010) ein Artikel von Kira Cochrane über Frauen, die sich in ihren 30er oder 40er Jahren erstmals in eine andere Frau verlieben, nachdem sie ein halbes Leben als heterosexuelle (Ehe-)Frau und oftmals auch Mutter gelebt haben. Dabei, so Cochrane, sei es selten so, dass diese Frauen in ihrem bisherigen Leben lesbische Neigungen unterdrückt hätten. Im Gegenteil: Viele hätten ein sehr befriedigendes heterosexuelles Sexualleben gehabt. Doch nach der Phase beruflicher Orientierung und Etablierung sowie der Mutterschaft fänden sich die Frauen in der Situation, noch einmal die eigenen Gefühle und Sehnsüchte zu ergründen. Dann entdeckten sie, dass sie sich in eine Frau verliebt hätten. Für ein Viertel aller Frauen sei auch das Geschlecht des "Liebesojektes" gar nicht ausschlaggebend: "I just thought it´s her." Viele Frauen erführen in der lesbischen Beziehung ihre eigene Sexualität Mitte 40 noch einmal neu: "It wasn´t proper sex, it was just a load of orgasms."