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Samstag, 3. November 2012

DUNKEL (Die Anti-Aufklärerin)

Sie ist keine Hellseherin. "Madame, soll ich Ihnen aus der Hand lesen?" Sie wehrt durch heftiges Kopfschütteln ab, streckt sogar die Handflächen ablehnend aus, wendet den Blick demonstrativ dem Schaufenster zu. Sie will von keiner Zukunft wissen. Es kriecht mit der kalten Feuchte eine Angst durch ihre Zehen und Füße die Beine hinauf in den Schoß, wo sie sich sammelt und zusammenzieht zu einem harten, kühlen Klumpen. Doch dort bin ich stark. Du wirst meinen Schädel nicht erreichen. Ich verschließe meinen Muttermund. Der Geist sitzt nicht im Gehirn. Oder die Seele ("Dass ich nicht lache.") Meine Lippen sind so trocken. Eine Zunge muss sie befeuchten. Etwas zerbricht an meiner Lustlosigkeit. Was ich weiß, muss ich auch fühlen. "Sagtest du schon." Es hält sie auf. Nichts. "Sie sollten Ihre Bewegungen nicht einschränken." Ich muss immer arbeiten, sonst kann ich mich nicht spüren. "Seit wann ist das so?" Den Zeitpunkt können wir nicht genau eingrenzen (Achtung: Pluralis majestatis. Das hat was zu bedeuten!). Wir fühlen uns ausgeliefert. Wir sind stolz, wenn man uns braucht. Wir wollen uns nicht überflüssig machen. Selbst. Ach. Lass mich schlafen. Schenke mir eine Senke. Verlier mein Herz. (Es bleibt doch irritierend, wie empört gewisse Leute, die sich nicht binden wollen, die Herzlosigkeit der anderen anprangern.) Er klagt zwischen den Zeilen, dass keine ihn liebe. Du heuchelst ein Mitleiden, wie stets. Du verachtest in Wahrheit die Ungeliebten. (Man kann sich die Liebe nicht verdienen. Sagst du.) Die unverzeihliche Sünde der Vielgeliebten. Du wirst zu büßen haben. In einer anderen Welt. Das Dämmerlicht wird dir noch ausgeschaltet! Weg mit dem Dimmer! Du wirst schon sehen. Wie diese Helligkeit dich blendet. Sei gnädig! Ha, du bist keine Hell-Seherin.

Dienstag, 23. Oktober 2012

AUF GRUNDEIS ("Schmusedecke her!")

Ein Beitrag von BenHuRum


ZARTE SCHLÄGE GEGEN DIE MORSCHE, SELBSTZWEIFLERISCHE GEGENWART

Selbst Nietzsche kam aus dem Wasser. Wir nennen ihn trotzdem nicht Amöbe. Das lassen wir uns nicht durchgehen. Auch der Kränkliche braucht Liebe, vor allem. Und einen Lidstrich, selbstverständlich, nicht mal am Hindukusch geht´s ungeschminkt ins Freie. Dann peitschen wir liebevoll, bis uns die Arme wehtun. So wird´s gemacht. Damit geht die Zeit rum und das Phrasen-Drescher-Sparschwein wird voll. Meine schönen High Heels treffen auf deine dicken DocMartens. Du solltest trotzdem mal abnehmen. Es wächst ein Wohlsteinsbäuchlein unter deiner Gürtelschnalle, das kann die Lederjacke auch nicht mehr lang verstecken, Babe. Karl-Heinz ist jetzt schon süßer als du und kann außerdem mit den Wimpern klimpern. Das wird vom "Neuen Mann" verlangt. Und mehr. Bloß entsagen darf er nicht. Oder nach Sils-Maria reisen. Das ist ungesund. Leider weckt so was nämlich das eklige Mitleid, das der Bergtourist schon abstoßend fand. Ach, und wie Recht hatte er: Nur ein kleiner Schritt ist es für die Menschin vom Mitleid zur seelenlosen Verachtung. Soweit wollen wir es nicht kommen lassen. Noch einen Hieb! Aufgerichtet, Herrchen! Zum Schluss darfst du auch unter die Decke kommen (Aber nicht unter meine!). Doch vorher üben wir das noch mal: "Schau mit deiner entsetzlichen Kälte auf die Dinge! Was siehst du?" Schweigen. "Na? Was siehst du?" "Schweinelende." "Aua." "Schwerleidende." "Aua."

(Text: J.S.P./M.B.)

Freitag, 31. August 2012

Efeu und Achtbarkeit

Eine erbarmungslose Rede gegen die Wahrheit halten, kann nicht jede. Man kennt sich nicht, solange man sich nicht von hinten sieht. Unter unserem Efeu leben auch Ratten. Was keiner Erfahrung standhält, wird ausgewaidet. Kennen Sie das Lied von der Erde? Kauen Sie roten Ton gegen den verachtenden Weltschmerz. "Der Hass ist so gut erlaubt als die Liebe und ich hege ihn im vollsten Maße gegen die, welche verachten."* Jeder Gärtnerin mit ihrer verkrusteten Harke begegne ich mit mehr Hochachtung als den Verkündern von Wahrheiten, die sie sich bloß erlesen haben. "Denn es tut weh, verletzbar zu sein, und es ist schwer, in einer unwirtlichen und unsicheren Welt vertrauensvoll zu bleiben. Die Positionen, die für die Abwehr von Gefühlen plädiert, wird es in der Philosophie wie im Leben, so lange geben, wie es Menschen gibt, die es nicht ertragen können, in einer Welt tiefer Bindungen zu leben, und nach einer anderen, reineren Welt streben."** Ich träume nicht; ich spreche mit lebendigen Geistern. Taumelnd bewege ich mich durch einen verwilderten Garten und werfe mein Laub unter die weisesten Gehege. 

"The body walks forth naked in the sun
And, out of tenderness of grief, the sun
Gives comfort, so that other bodies come,
Twinning our phantasy and our device,
And apt in vertile motion, touch and sound
To make the body covetous in desire 
Of the still finder, more implaceable chords.
So be it. Yet the spaciousness and light
In which the body walks and is deceived,
Falls from that fatal and that barker sky,
And this the spirit sees and is aggrieved."***



*G. Büchner
** M. Nussbaum
*** W. Stevens

Samstag, 8. Oktober 2011

Bloß 2

die glücklose intervention bietet keine hilfe, denn unter uns sind die schächte ohne stützen, wir stürzen in ein sicherheitsvakuum aus losen verbindungen, die beine geben nach, dieser ohnmächtige fall der kurse führt zu verehrungen in einer garage, es besteht weiterhin die verpflichtung zum herbstschnitt gegen das grau, willst du mich etwa bestechen, die korruption habe ich doch beendet, damit sind wir am ende, ich will mal bloß noch fällen, was an investition übrig bleibt, ein hauskauf und dreitausend vom postsparbuch, das erfordert eine abrupte änderung des lifestyles, unter diesen bedingungen bleibt nur die insolvenz der gefühle, halt aus, ich komme, komme, komme, bloß noch einmal, hinter der füllung versteckt sich ein präzises Wort, das ich nicht finde, um widrig zu scheiden. sei still. verdammt.





Bloß 1


Wie deine Augen                                                                       Dass du ich
Ein Blickbrand                                                                           Sein willst
Unter der Schwelle                                                                     Und doch

Gib dein bei
Und mich
Dazu.

Aus deiner Hüfte                                                                        Dass ich dich
Der Abschwung                                                                         Nicht mehr
Gegen die Wände                                                                       Aus kann


Hält kein Schwein
Dir hier
Noch vor.

Vor meinen Füßen                                                                        Dass du mir
Eine Welt                                                                                      Das Licht
Ohne Traumprämie                                                                       Aus knippst


Wird niemand
Von dir
Erwarten.



Freitag, 17. Juni 2011

IM ERNST

Die Lider schließen. Saug den Schmerz auf, denn er ist gerecht. Wie immer du dich stellst, spürst du die Krümmung. Ein Mensch soll nicht aufrecht gehen, sondern im Staub kriechen. Oder geschmeidig sein. Es sind "Brückenbauer" gefragt. Verzichte auf Überzeugungen, aber baue deine Kommunikationskompetenz aus. Vor allem baue. Fragen darf man immer, aber ansonsten bitte realistisch bleiben. Was real ist, wird anderswo festgelegt. Round about (im Regionalverkehr) und so... Andererseits gibt es immer noch die Poesie. Adlerflügel wachsen: Ich bin nicht die Maus, Sir. Sie werden heute ein harmonisches Gesamtbild abgeben, sagt mein Horoskop. Gönnen Sie sich ein romantisches Abendessen mit einem lieben Menschen. Kaufen Sie sich einen knallroten Lippenstift. Schmieren Sie den Nächstbesten an, aber mit Stil. So wird´s gemacht. Ab in die Bahn. Falls Sie nichts mehr von mir hören: Gehen Sie davon aus, dass ich Ernst mache. 

Sonntag, 5. Juni 2011

Und wo ist meine bürgerliche Seele?

So Fragen heute: Freiheit oder Determinismus? Und: Ist das Streben nach Eigentum Menschennatur? Außerdem schmerzt der Hallux Valgus (sowas dürfte es gar nicht geben.) Gestern im Kino: Wiedersehen mit Chicago. Windy City. Ohne Blues.  Source code. In meiner Parallelwelt bin ich schön, groß und kann tanzen (klassisch, meine ich).  Oder: eine berühmte Singer-Songwriterin. Der dunkle Ritter schreibt eine Sammlung Sonette, wirft die Tabletten in den Ausguss und zeugt sieben kleine, fröhliche Aussies, die surfen gehen.  Der Wolf erlegt ein weiteres Schaf und küsst es ins Leben. Ich entmanne Berlusconi mit der Schwanzguillotine. Jemand fragt: Willst du die Sonne küssen? MeluAllmighty. So könnte das gehen. Außerdem gebe ich alle meine Privilegien auf, kehre zurück zu robuster Technik und repariere mein Fahrradlicht. Mastermind rollt im Bus durch Europa, Amazing bleibt nach dem Kirchentag in Eisenach stecken (maybe) und fliegt am Montag früh auf die grüne Insel. Von der Politik mache ich blau und setze hinfort ausschießlich auf Weichholzsorten (von wegen "harte Bretter"). Die Gurken waren´s nicht, sondern die Sprossen. Der Gehirnradius hat sich seit Jahrzehnten nicht verändert, wussten Sie das? Frau Kraft setzt auf Kohle, denn "Kohle ist nicht von gestern." Tepco strahlt wieder. Kan vor dem Rücktritt (nee, nicht Ollie). Und wo befindet sich meine bürgerliche Seele?

Samstag, 30. April 2011

WOLKEN-KRATZEN

Wir verfügen über keinerlei Tagesfreizeit. Das wussten Sie doch vorher schon. Ich telefoniere überaus ungern. Bitte ruf mich nie vor 8.00 Uhr an. Am besten gar nicht. Schicke eine Mail. Triff eine Verabredung. Aber quatsch mir nicht mitten in meinen Regentag. (Ich vermisse Grant noch immer.) Jetzt scheint aber die Sonne. Klappe! Wenn ich sage es regnet, regnet es. Damn you. Diese ganze Rücksichtnahme kotzt mich an. Am liebsten fragte ich den, woraus er seine Existenzberechtigung ableitet. (Ey, ist das gemein.) Du sollst nicht immer deine Feindbilder pflegen. Aber ich mag sie am liebsten poliert. So gesehen. Spiegel dich drin.  Über Guttenberg schreibt sie: "Erst hat er alles abgeschrieben und sich dann in die Politik gemogelt." Drück gleich mal den Like-Button.

Ich mogel mich dann auch mal vorbei. Direkt ins Kanzleramt. (Dort hänge ich Häkeldeckchen in die Fenster.) Aber ich trage auf keinen Fall bonbonfarbene Blazer. Das könnt ihr euch abschminken. Ganz genau: Ich bestelle ausschließlich bei Chanel. "*** Ihr Angebot bei ebay wurde überboten." Mist, mehr ist nicht drin. Den Fummel hätte ich mir gern übergeworfen. Noch so ein Schrankhüter. Ich werde nie wo eingeladen, wo man so was trägt. Egal, dreh dich noch mal rum. Ich mag´s, wenn die Röcke flüstern. Du hast nicht genug Oberweite für den Fifties-Look. Bei Hüten halte ich mich aber zurück. Gib´s zu! Gern hätte ich so ein Wagenrad. Oder einen mit Feder. Die Verkäuferin sagt immer: "Sie haben ein Hutgesicht." Was soll sie auch sonst sagen, wenn du so mitleiderregend guckst? Da liegt noch der Goyagoya-Gutschein. Das ist Schleichwerbung. Na und? Liest eh´ keiner. Außerdem: Guck, dir das mal an - Hier. Cool. Pelze sind natürlich tabu. Sowieso. Sauberer Strom, finstere Dreckecken im Keller. Bestell schon mal die Sperrmüllabfuhr. Wir kriegen hier nie ein Bein auf den Boden oder Fliesen ins Bad. Das Blut macht sich aber gut auf dem Grün. (Du kannst es nicht lassen!) Wenn ich so Tage habe, krieg ich Migräne. Schraub mir mal den Kopf ab gleich. Schluss jetzt. Cloud computing. Marktgeschrei. Gutachten schreiben. Faule Sau!

Donnerstag, 28. April 2011

VERKEHRSBERUHIGUNG 2.0


Power up! Dies sind Warnhinweise für Serientäter. Wir sind alle Ritualisten. Drahtlos verbunden mit unserem multimedialen Existenzminimum. Beachten Sie die Erweiterung des Archivs. Es besteht die Möglichkeit alles überall hin zu senden. Seien Sie nicht kleinlich.  Fortgeschrittene Anwender nutzen alle Optionen des Programms. Das sind wirklich coole Tools. Mobilisieren Sie mich. Life und in Farbe.  Ich verstecke mich nicht hinter einem SmartPhone. Helfen Sie mir aus dem Chaos meiner unverwalteten Lizenzen, Passwörter und Vollversionen.  Beratungen und Dienstleistungen sind selbstverständlich frei konfigurierbar. Im Newsticker werden verzweifelt hengedocks angeboten. „Keiner blickt mehr durch bei der App-Flut.“, sagt er. „Lass uns eine Arche bauen.“ Redaktionelle Inhalte suchen sie hier vergebens. Gehen Sie weiter. Klicken Sie sofort auf „Nächstes Blog.“ Diskutieren Sie in der Kurve mit.  Mein analoger Avatar wartet nicht länger. Two Worlds 2 ist zu komplex für mich. Beachten Sie bitte: Dieser Verkehrsknotenpunkt wird nicht länger angefahren. 

Samstag, 23. April 2011

ACHTUNG. DIESER POST WURDE AUTOMATISCH ERSTELLT.


Die Offenlegung von Kreuzrippengewölben ist sittlich verwerflich. Stellen Sie sich hinten an. Reden Sie nicht so laut über Sex. Wir haben nichts gegen ficken, aber leise, bitte schön. Am besten verkaufen sich die mit Erdbeergeschmack. Ach, wirklich? Bring zwei Pfund Spargel vom Markt mit. Sie hat kein Gewicht in der Partei. Sie hadert mit dem Hosenbund der zwei Jahre alten Jeans. Damals saßen die lockerer. Unter der Haut zeichnen sich die Rippenbögen ab. Beug dich nach vorn. Zum Kreuzbein spüren. Du bist fest verwurzelt. Einatmen und ausatmen. Er verspricht lauthals: Nie mehr Rückenschmerzen. Es ist alles eine Frage der Konzentration. Und der Matratze. Die überschüssige Energie muss weg. Es gibt dafür selbstverständlich eine gültige Satzung. Warum rennst du immer so? Wir werden die bedeutendsten Stätten der antiken Baukunst besichtigen. Ich fürchte mich immer noch vor Rom. Wie abergläubisch du bist. Es heißt doch gar nicht: Rom sehen und sterben. Sondern? Aber den Benedikt meide ich. Als hätte der auf dich gewartet. Urbi et orbi. Hihi. Auf dem Friedhof hat S. sich von ihren ungeborenen Kindern verabschiedet. Es geht immer um Abschied in Rom. Die Sonne wird brennen. Die Prinzessin wirkt nicht glücklich. Der Filou hat ihr den Laufpass gegeben. Schweinehund, wenn ich den kriege. Er trällert charmant. Wie immer. Was für ein Sack. Der alte Adel arbeitete nicht. Die Abschaffung aller Parkplätze ist mir eine Herzensangelegenheit. (Und unauffällig ein paar Kratzer in den Maserati.) Die Prinzessin hat eine 50 Stunden Woche. Der Filou telefoniert aus der Badewanne. Er hat nie Zeit. Seinen Käse kauft er bei Aldi. Aber immer modern und desinfiziert. Wir sind schön. Alt, aber gelassen. (Alles Lüge.) Affirmation. Dein Unterbewusstsein versteht das Wort „nicht“ nicht. So läuft das. Ich bin frei, schön, klug und gelassen. Ganz genau. Jetzt wird ausgehoben. Auf geht´s, Kameraden (:innen!). Da bleibt kein Kellergewölbe stehen und kein Auge eines Bayern-Fans trocken. Wir nehmen dazu einen Riesling aus der Garage Vinery.