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Montag, 17. April 2017

Frust-Post oder Schluss mit diesen Forderungen nach Liebe undsoweiterundsofort

Morgen muss ich nach 2 Wochen Urlaub wieder zur Arbeit antreten. Unvermeidlich dabei zugleich: Die Begegnung mit nicht wenigen jener Türkischstämmigen, die "Evet" gewählt und damit die Demokratie in der Türkei zugunsten eines Autokraten abgewählt haben. Das frustriert mich. Mehr noch: Das dümmlich-dreiste Argument, das mir  - wie schon seit Wochen - entgegenschlagen wird: das Demokratische des Verfahrens sei ja gerade dadurch bewiesen, dass die Mehrheit sich schonungs- und rücksichtslos durchsetzen könne. Erdogans Anhänger verstehen Demokratie als Diktatur der Mehrheit bzw. "des Volkes", mit dem sie sich ähnlich blöde wie die Anhänger der hiesigen AfD- und Pediga-Apologeten oder der "Front National" mirnichtsdirnichts gleichsetzen. Wer anderes will, ist ein "Verräter" (Frauen denken sie gelegentlich gar nicht oder - behauptet - irgendwie immer mit). 

Jetzt wird wieder mal von interessierter Seite behauptet, das Wahlverhalten der in der BRD zum Teil schon in der 3. oder 4. Generation Ansäßigen (über 60% für Erdogan) sei darauf zurückzuführen, dass ihnen die Integration verweigert worden sei. Hätten "wir" nur..., wären "wir" nur....Die Hybris dieser - meist sich als "links" verortenden - Denkschablone ist unüberbietbar: Was immer "unsere Opfer" tun, es liegt an dem, was "wir" getan oder unterlassen haben. Das ist auf seine Weise eine nicht weniger herablassende (oder im Duktus dieser Leute: "rassistische") Sichtweise als jene rechtsnationale, deutschtümelnde, die sie so vehement und in der tiefen Überzeugung ihrer moralischen Überlegenheit bekämpfen. 

Die aus der Türkei stammenden Menschen haben ganz überwiegend so gestimmt wie die Verwandten und Bekannten aus ihren "Heimatregionen". Stammen sie aus ländlichen Regionen, so verehrt eine Mehrheit von ihnen den religiös motivierten Despoten, stammen sie aus säkularen Familien und urbanen Verhältnissen, so verabscheuen sie dessen Stil und Politik zumeist. So einfach ist das. Und so unangenehm. Denn es heißt tatsächlich, dass die Bindungen und Prägungen aus dem "Herkunftsland" (das für die meisten ja gar keines mehr sind), tiefer reichen als jene neu geknüpften im Alltagslebensland Deutschland. 

Vielleicht muss man bei der Analyse dieses Phänomens (des Wiedererstarkens dumpf-nationaler, religiös-ausgrenzender, illiberaler Politikangebote), das sich ja nicht auf die Türkei beschränkt, tiefer schürfen: Ganz offensichtlich handelt es sich fast überall um einen Konflikt, der sich zwischen urbanen liberalen Lebensstilen und ländlich geprägten, kollektivistisch-"volkstümlichen" abspielt (siehe Österreich, Frankreich, USA...etc.pp.) Es sind zwei verschiedene kulturelle "Prägungen", die offenbar auch tief in familiären Bindungen verwurzelt sind: ein Verständnis von "Kultur" als Angebot zur Selbstbildung trifft auf ein Verständnis, das "Kultur" als identitätsstiftenden, stabilisierenden und abgrenzenden Panzer gegen eine unverständlicher werdende komplexe, vielfältige Welt einsetzt. 

Es kann politisch gegenüber jenen Bewegungen, die auf Ausgrenzung, Hass, Diskriminierung des Anderen setzen, kein "Entgegenkommen" geben, auch keinen "sozialpädagogischen" Ansatz der Belehrung durch mehr "Angebote" zur Teilhabe an deren jeweilige "Identitätsgruppen" (seien sie durch Religion, Nation, Heteronormativität oder was immer bestimmt). Solche Zugeständnisse sind schlicht deswegen ausgeschlossen, weil sie menschenfeindliche und diskriminierende Rückschritte darstellen würden. 

Was tun? "Kultur" als Angebot zur Selbstbildung, Selbstreflexion und Selbstkritik zu verstehen, ist eine Chance, die jeweils immer nur eine Einzelne, ein Einzelner für sich, geleitet von ihrem je eigenen Begehren ergreifen kann. Die Wege sind unterschiedlich, trotzdem lohnt es sich vielleicht, hinzuschauen, wo, wie und warum das Einzelnen gelingt. Es geht um "Prägungen", wie ich oben schrieb, tief sitzende, die dennoch überwunden, mindestens modifiziert werden können. 

Der Vater einer Schülerin, dessen Deutsch sehr schlecht ist, trotz vieler Jahre, die er in Deutschland gelebt und gearbeitet hat, ist für mich ein solches Beispiel. Der Mann kommt sicher aus dem, was man "einfache Verhältnisse" nennt oder "bildungsferne" Schichten. Im - sprachlich holprigen - Gespräch erlebte ich ihn als einen Vater, der sich für seine drei Töchter einsetzt, der sich für sie und ihre Gedanken, Hoffnung und Träume interessiert und um sie sorgt. Das ist der Unterschied ums Ganze: In jedem Satz wurde deutlich, dass ihm wichtig ist, seine Töchter als jeweils Einzelne und Unterschiedliche zu verstehen und ihnen dabei zu helfen, das zu werden, was sie sein wollen. Ich habe das in den vielen Jahren immer wieder erlebt: Den Ausschlag, ob ein Kind sich frei entwickeln kann, seine Potentiale verwirklichen, gibt nicht allein der Bildungsstand oder die Einkommensgruppe der Eltern (obwohl es hier Korrelationen gibt), sondern vor allem dieser Wille, diese Bereitschaft von Eltern, das eigene Kind nicht als Besitz, als Fortführung des "Eigenen" zu begreifen, sondern "über ihren Schatten zu springen", um ihr Kind auf seinem eigenen Weg zu begleiten. Und natürlich gibt es eben auch die anderen: die ihr Kind nicht sehen (wollen oder können), denen es fremd bleibt und die diese Fremde, die alle Menschen voneinander unterscheidet und trennt, zukleistern mit "Identität", klebrigem "Wir-gegen-die-anderen-Gefühl", mit dem Ersticken von Neugier auf die "Ungläubigen", die "Fremden", die "Schwarzen", die "Schwulen" undsoweiterundsofort. 

Was lässt sich politisch daraus folgern? Wenig vielleicht. Und doch, was mir wichtig ist: Ich kann politische Bewegungen, die Identitätspolitiken unterstützen, in denen die Zugehörigkeit zu diskriminierten Minderheiten markiert wird, die sich am Konzept der "Intersektionalität" oder der "Privilegienkritik" orientieren, nicht länger unterstützen. Denn aus meiner Sicht stärken sie mit diesen Ansätzen in letzter Konsequenz genau jene grundsätzlich aus- und abgrenzende Perspektive auf "Kultur", die sie nur noch da bekämpfen, wo sie nach ihrer Ansicht hegemonial ist (also hier: der viel zitierte "alte, weiße Mann"). (Diese Dramatisierung von Minderheitenzugehörigkeiten führte in der Praxis u.a. zu problematischsten Allianzen von linken und feministischen Gruppen mit Anti-Israel-Aktivistinnen, bei denen ich schaudere.) Stattdessen geht es mir um eine Politik, die ihre Hoffnung aus der je Einzelnen und dem Einzelnen hernimmt, deren/dessen Vermögen sich zu ändern, neue Bindungen einzugehen (gelegentlich, indem sich von alten gelöst werden muss - was eben kein "Verrat" ist - , gelegentlich in jener Ambivalenz zwischen Altem und Neuem, die schwer auszuhalten, aber auch sehr bereichernd und verbindend sein kann). Solidarität gilt also nicht "Schwulen" oder "Muslimen" als Gruppe, bewertet wird nicht (auch nicht positiv) eine sexuelle Orientierung, die Zugehörigkeit zu einer Minderheitenreligion oder welche Gruppenidentität auch immer. Wer Menschen beleidigt, kränkt, verfolgt und entrechtet, weil sie lesbisch sind, weil sie Muslime oder Christen oder Ungläubige sind, weil sie schwarz, weiß oder gelb sind, wer bewertet, was Menschen sind und nicht, was sie tun, kann auf Solidarität eben gerade nicht setzen. 

"Liebe für Alle" ist keine Lösung. (Auch, obwohl und weil es so "nett" klingt.) Die Wahrheit ist nämlich: Es gibt keine Lösung. Wir müssen mit Menschen leben, deren Lebensentwürfe uns fremd, auch abstoßend erscheinen. Es gibt nur Hoffnung. Auf die Bewegung der Einzelnen, auf die Vielfalt der Begegnungen, der Ablösungen und Konflikte. Darauf, dass immer mehr Menschen begreifen, wie gefährlich und falsch die Sehnsucht nach "Harmonie" (völkischer, religiöser, nationaler etc.ppp.) ist. Ich werde Menschen, die die AfD wählen oder mit "Evet" gestimmt haben, morgen noch genauso wenig mögen wie heute. Ich betrachte sie als politische Gegner, aber ich nehme sie ernst. Sie sind kein Fall für die Pädagogik oder die Psychologie. Sie folgen ihrem Begehren. Dahinter stecken Sehnsüchte nach Gemeinschaft, Verantwortungslosigkeit und Herrschaftswillen. Zum Beispiel. Sehnsüchte, die ich nicht teile und durch die ich mich und meine Lebensweise zurecht bedroht sehe. Denen stelle ich meine eigenen entgegen: Sehnsucht nach Höflichkeit und Distanz, nach Individualität und Schönheit. Zum Beispiel. 

Aber: Ich kann damit werben, auch bei denen: Dass meine Sehnsüchte ihre Lebensweise nicht bedrohen. Weil es mir egal ist, wie sie ihren Gott verehren, sich kleiden, welche Musik sie hören oder wie sie feiern. Die Kränkung, dass es mir egal ist, die kann ich ihnen allerdings nicht ersparen, sofern sie dies als Kränkung wahrnehmen. Denn ich verlange von ihnen auch nichts weiter, als was ich zu geben bereit bin: Nicht "Liebe statt Hass", sondern "Leben und leben lassen" und das friedliche Austragen von Konflikten, selbstverständlich. 

Deshalb: Ich werde die Beleidigungen und Verunglimpfungen nicht vergeben und nicht vergessen, mit denen Erdogan Menschen wie mich überzogen hat. Ich merke mir das. Es ist wichtig, den Gegner zu kennen und ihm auch mit der gebotenen Härte zu begegnen, wo es nötig ist. Man muss gelegentlich unfreundlich werden und dennoch höflich bleiben. Jene, die Erdogan bestätigt haben, werde ich auch nicht als seine Opfer betrachten, sondern als seine Komplizen. Und daher an der Seite all der anderen stehen: Jener fast 50% in der Türkei, die mutig HAYIR gesagt haben. 

Zum Beispiel.



Samstag, 18. Februar 2017

SOLIDARITÄT #freedenizyücel

Am Arbeitsplatz werden Galgen auf die Tische für sogenannte "Fetö"-Mitglieder und HDP-Anhänger gemalt und Herzchen für Erdogan. Das gibt nach meinem Eindruck durchaus die Mehrheitsmeinung der Türkischstämmigen in meinem Umfeld wieder. Die Gegner des türkischen Präsidenten sind dagegen (zumindest analog) sehr still. Ich rege mich auf und drohe mit einer Anzeige (die höchstwahrscheinlich im Sande verlaufen würde?). Mich ekelt vor diesen Leuten, die immer ihr Recht auf Meinungsfreiheit hierzulande einklagen (Service-Tipp: "Meinungsfreiheit" heißt nicht, das jede deine Meinung gutheißen und unwidersprochen stehen lassen muss!), aber die staatliche Unterdrückung in der Türkei  vehement verteidigen. 

Auf der Heimfahrt von der Arbeit dann die Nachricht, dass Deniz Yücel, Korrespondent der "Welt" in der Türkei, sich in Polizeigewahrsam befindet. Seit 2 Monaten habe ich das befürchtet, nachdem Ende Dezember eine Erdogan-nahe Zeitung geschrieben hatte, dass gegen Yücel ein Haftbefehl vorliege. Offensichtlich sind Bemühungen, den Bundesbürger Yücel, der - wie man in diesem Fall sagen muss: bedauerlicherweise - auch noch einen türkischen Pass besitzt, sicher nach Hause zu bringen, gescheitert. 

Heute wird der Verwalter der Autokratie in der Türkei, Ministerpräsident Yildirim, in Oberhausen für die Abschaffung der Gewaltenteilung - voraussichtlich unter dem Beifall Tausender Deutschtürken - werben. Der Rechtsstaat, der die BRD ist, kann das nicht verbieten. Vielleicht hätte die deutsche Regierung aber Herrn Yilidirim darauf hinweisen können, dass ihm als Privatmann (als der er in Oberhausen, uneingeladen durch die Regierung dieses Landes, auftritt) in Deutschland eine Vernehmung zur Spionage durch Ditib-Imame drohen könnte. Vielleicht wäre der Herr dann daheim geblieben. 

Derweil: Schweigen auf den Twitter-Kanälen vieler sonst sehr aktiver muslimischer Aktivist_inn_en türkischer Herkunft. Während Amtshandlungen und Tweets des neuen US-Präsidenten eifrig kommentiert werden, bleibt Kritik am Regime in Ankara  von dieser Seite aus. Nicht zu erwarten ist, wie schon seit Jahren, dass einige, die hierzulande und in Übersee prominent Solidarität einklagen, wenn es um die Diskriminierung von Muslim_inn_en geht, sich mit eben solcher Verve einsetzen gegen die Diskriminierung von Atheist_inn_en und Agnostiker_inne_n in muslimisch geprägten Ländern, gegen Nationalismus in der Türkei und Verschleierungszwang in Saudi-Arabien. Während der sogenannte "Muslim Ban" Donald Trumps weltweite Empörung auslöste, blieben muslimische Staatsführer seltsam still, unter ihnen auch Erdogan. Und kaum jemand wies auf die Einreiseverbote hin, die seit Jahrzehnten für israelische Bürger_innen in vielen arabischen Staaten gelten (und beispielsweise die Teilnahme israelischer Sportler_innen an internationalen Wettbewerben, die dort ausgetragen werden, verhindern). Auch wurde keine Solidarität von hiesigen Kopftuchträgerinnen mit den Schachspielerinnen erkennbar, die sich entweder dem iranischen Kopftuchzwang unterwerfen mussten oder von einer Teilnahme an der Schachweltmeisterschaft ausgeschlossen waren. Solidarität ist offenbar eine Einbahnstraße - für einige. 

Es gibt, selbstverständlich, auch viele - rühmliche - Ausnahmen. Sie alle stehen unter erheblichen Druck durch die "Community", aus der ihnen immer wieder Verrat und Schlimmeres vorgeworfen und sogar massiv gedroht wird, z.B. zuletzt Ismael Küpeli und Ali Mutlu oder Mürvet Öztürk und Turgut Yüksel. Auch außerhalb des Netzes bin ich selbst Zeugin solcher massiven Angriffe und Übergriffe geworden. 

Am Fall Deniz Yücel zeigt sich zudem auf verquere und entlarvende Weise die Nähe von AfD- und AKP-Anhängern, die den Freigeist gleichermaßen hassen, weil er keinen Respekt vor ihren heiligen Kühen (ihrem Nationalismus, ihrer Religionsinterpretation, ihrer "Ehre") zeigt. Und es wird offenbar, wo die Grenzen der Solidarität jetzt und in Zukunft zu ziehen sind.

Für mich ist klar: Ich werde mich an Aktivitäten und Petitionen nicht beteiligen, deren Protagonist_inn_en keine eindeutige Distanz zu AKP, Ditib oder Milli Görüs herstellen, die auf Kundgebungen (wie z.B. auf dem Women´s March in Washington) "Free Gaza" fordern, aber damit nicht das Terror-Regime der Hamas meinen, oder Personen zu ihren Sprecherinnen machen, die auf Twitter die Sharia in Saudia-Arabien verteidigen

Von der seltsamen und erschreckendem Solidarität von Teilen der feministischen Bewegung und der Linken mit Personen, deren Bekenntnis zu Rechtsstaatlichkeit, Meinungs- und Pressefreiheit, Religionsfreiheit, die auch Freiheit von Religion meint, bestenfalls fragwürdig ist (weil es nicht universal zu gelten scheint, sondern nur im sogenannten "Westen"), distanziere ich mich. 

Wer sich über Trump aufregt, aber zu Erdogan schweigt, entlarvt sich selbst. Denn in den USA scheint zumindest noch die Gewaltenteilung zu funktionieren, wird der Handlungsspielraum des Präsidenten, der die freie Presse verachtet, sich um Fakten nicht schert und dessen Nähe zu Rassismus und Rassisten unverkennbar ist, durch Gerichte eingeschränkt. Davon ist in der Türkei kaum mehr etwas zu sehen. 

Sie werden sich sicher gut verstehen, nehme ich an, der Herr Erdogan und der Herr Trump, wenn sie sich einmal begegnen. Die ideologischen Differenzen lassen sich vielleicht übersehen, von beiden Seiten, im Verständnis für die jeweilige Not der beiden, sich mit diesen lästigen Demokrat_inn_en, dem investigativem Journalismus, dem "Gender-Wahn" und den "Terroristen/Volksfeinden" (vulgo: Opposition) auseinandersetzen zu müssen. Die Apologeten der beiden Möchtegern-Autokraten werden sicherlich Argumente in ihrem Neusprech finden, um die Freundschaft zwischen dem islamophoben Trump und dem islamistischen Erdogan zu rechtfertigen. Darauf darf man gespannt sein. (Oder auch nicht.)


Petition für die Freilassung von Deniz Yücel: 

https://www.change.org/p/free-welt-correspondent-deniz-yücel?recruiter=70738988&utm_source=share_petition&utm_medium=facebook&utm_campaign=autopublish&utm_term=mob-xs-share_petition-no_msg

Bitte unterschreiben!

Samstag, 29. August 2015

#bloggerfuerflüchtlinge Jede/r kann helfen!

Die Antwort der Europäischen Union und der Bundesregierung auf das Drama der Vertriebenen, die nach Europa unterwegs sind, lautet weiterhin: "Schleuser" bekämpfen, Grenzen undurchlässiger machen und - irgendwie, irgendwann, nur nicht zu Lasten der Export-Rüstungsindustrie - "Fluchtursachen" bekämpfen. Der Zynismus hinter diesen Verlautbarungen ist kaum zu überbieten. Eine Flug nach Kroatien mit einer Billigfluglinie kostet weniger als € 50. Die Reise nach Budapest, der Hauptstadt eines EU-Mitgliedstaates,  mit dem Linienbus ist für € 30 zu buchen. Die Vertriebenen zahlen pro Kopf zwischen € 1000 und € 1500 für dieselben Strecken in umgekehrter Richtung. Es ist die politische und juristische Realität Europas, die die Fliehenden kriminalisiert, die das Geschäft der Schleuser macht.  Dublin II, dieses böswillige Konstrukt zur Sicherung der "Festung Europa" und der Besitzstandswahrung der wohlhabendsten Mitgliedsländer, das ist die gute Nachricht im Schlimmen, ist unübersehbar gescheitert. 

Doch die Konsequenzen bleiben aus. Der Wahnsinn, der Menschenleben kostet, jeden Tag, wird fortgesetzt. Wer dagegen spricht, muss sich Unvernunft vorwerfen lassen, "Gutmenschentum" und soll gefälligst weniger Herz und mehr Verstand zeigen. Aus dem irren Diskurs scheint es kein Entkommen zu geben, denn die Leugnung der Realität, das Beharren auf dem, was offensichtlich nicht geht und nichts bringt als mehr Leid und Tod, die mitleidlose Beschwörung einer Vernunft, der nichts rational ist als der eigene, kurzfristigste Vorteil - all das ist an der Macht! Und bleibt auch da, denn jede/r weiß doch: "Wir" können nicht das Sozialamt der Welt sein. Diese NPD-Propaganda klingt an, wo immer derart "vernünftig" in die Mikrofone gesprochen wird. Diese "Vernunft", selbst wenn sie sich vom Rassismus der Hassprediger in Heidenau und anderswo scharf distanziert, befindet sich doch in einem heimlichen Pakt mit dem "Pack". Denn die Bilder, die jeden Tag das Versagen dieser Politik anzeigen (die überfüllten Turnhallen und Zeltlager, die gehetzten Menschen an den Grenzübergängen, die Toten in den Lastwagen und Booten auf dem Mittelmeer), werden ja nicht zum Auslöser einer Politikwende, sondern zur Bestätigung und Fortsetzung des Wahnsinns genutzt.

Dagegen gilt es Flagge zu zeigen. Jede/r und jede kann jetzt helfen. Ganz direkt durch Sach- und Geldspenden, durch Sortieren der Spenden bei den Sammelstellen, durch Begleitung von Vertriebenen auf Ämter, durch Übernahme einer Vormundschaft und und und... Jede/r hat unterschiedliche Ressourcen. Ein bisschen was geht immer! Es geht aber auch darum, am Arbeitsplatz, in öffentlichen Räumen, im öffentlichen Verkehr, überall, wo Menschen unterwegs sind, dem Unverstand, der Dummheit und Herzlosigkeit etwas entgegenzusetzen, den Rassisten und Egoisten nicht den öffentlichen Raum zu überlassen, sich ihnen entgegenzustellen, wo immer sie sich versammeln, pöbeln, dumme Sprüche klopfen und Menschen bedrohen. Auch auf die Sprache kommt es an: "Pack, Vertriebene und die verunsicherte Mitte" von Anatol Stefanowitsch.

All das ist auch Politik. Trotzdem reicht es nicht: Der Diskurs des Wahnsinns muss durchbrochen werden: 



Asylanträge in den Botschaften und Konsulaten im Nahen Osten und in Afrika, sichere Reisewege finanzieren statt Frontex und "Schleuserbekämpfung", Verkürzung der Verfahren  für alle die aus Kriegsgebieten kommen und - unabhängig davon - ein Einwanderungsgesetz, das Zuzug legal ermöglicht,  ohne Asylverfahren. 


Blogger für Flüchtlinge ist eine Initiative von Nico LummaStevan PaulKarla Paul und Paul Huizing. Sie rufen alle auf:
Wenn Sie aktiv helfen möchten, gibt es viele Möglichkeiten!
Auch Pro Asyl informiert, wie jede/r MITMACHEN kann.

Donnerstag, 16. Juli 2015

OXI - Wenn nichts mehr geht...


Schäuble sei eben, höre ich, ein Jurist. Die Einhaltung der Regeln ihm deswegen geradezu Herzensangelegenheit. Es ist bei dieser Einlassung, wohlgemerkt, von jenem Herrn die Rede, der im Köfferchen nach gutem Speisen in trauter Waffenhändlerrunde 100.000 DM in bar annahm, durchaus regelwidrig. Das ist allerdings nur, was wir wissen, weil es unter Druck gestanden wurde.  (WIR - plurales majestatis - erinnern uns hierbei unwillkürlich an die grausliche Szene aus Kafkas Brief an den Vater, in der der bei Tisch Nägel schneidende und Ohren putzende, schmuddelnde Vater dem Kinde Tischmanieren beibringen will. Die Welt, in der wir leben, ist, wissen wir schon lange, durchaus kafkaesk). Indes bewundern die meisten am meisten derartige Heuchler und Minderleister in Macht und/oder mit Geld. WIR dagegen wundern uns längst nicht mehr über die Mächtigen, desto mehr graut uns vor ihrem beifallklatschenden Sklavenvolk, das sich in den Kommentarspalten von spon und faz und vor den Asylbewerberunterkünften tummelt.) 

Freilich hat ein jeder und eine jede, auch der Herr Schäuble, nach vollzogenem Rechtsbruch und moralischem Versagen eine zweite, ja ich sage, gar dritte oder vierte Chance verdient (Die brauchen wir doch alle.) WIR können im Falle dieses seit Jahren resozialisierungsverweigernden Menschen allerdings keine Einsichtsfähigkeit erkennen. Der Herr erzählt mit Stolz von seinen Verbrechen: als "Architekt der deutschen Einheit". WIR erinnern uns - schaudernd - an die "Treuhand" (Orwell lässt grüßen. - Sowieso ist´s mir, als übertrumpfe die Phantastik der "powers to be" und ihrer symbolischen Ordnung jeden fiktiven Schein.) Selten trifft eine auf Menschen, deren Weltbild und -anschauung über Jahre so konsistent ist und bleibt, wie das des Herrn aus dem Badischen. Seine Koordinaten sind klar: Er richtet nicht nach Recht und Gesetz, sondern nach "für oder gegen Deutschland", wobei er mit dem Land eben jenes meint, das seines ist und meines niemals wurde, seit 1989 nicht mehr, nicht einmal mehr kritisch. Ich lebe hier nur. Mit andern. 

Schäubles Deutschland dagegen ist jenes von den hinter der CDU/CSU stehenden Kapitalinteressen (Spender, Spender!) und zutiefst konservativen, um nicht zu sagen reaktionären Wertvorstellungen ("christliche" Kernfamilie, abwesender erwerbstätiger, verantwortungsscheuer Vater, treu sorgende, faktisch alleinerziehende Mutter, homophob, nationalistisch, chauvinistisch) geprägte Land, das Fremde und Fremde bestenfalls (aber nicht um jeden Preis!) duldet und diese Duldung Toleranz nennt. Für die wohl verstandenen Interessen dieses Sch´land ist ein Rechtsbruch allemal gerechtfertigt. Denn das Recht hat dem Sch´land zu dienen.

Es verlohnt sich eigentlich nicht, dem Herrn Schäuble einen Blogpost zu widmen. Der Dreckarbeiter (nie mussten WIR so tief in die Kloake, obwohl WIR so manches Klo putzten) ist ja nicht allein und nicht mal besonders abstoßend. Er steht halt nur grade am Pranger und um so verdächtiger macht sich, wer mit der Masse auf ihn eindrischt. Wie also WIR hier. Und dennoch: Manche, nicht wenige sähen ihn gern als Kanzler und schreiben das auch, wo immer wir´s nicht lesen wollen. Das wird selbstverständlich nicht passieren, geschenkt. Steht aber für was: Für die Sehnsucht nach dem "harten Hund", der nicht nur hinter den Kulissen durchsetzt, was eben durchgesetzt werden muss (dazu hat auf ihrer Titelseite heute auch noch mal die gute, alte Tante "ZEIT" den Spaniern die Leviten gelesen: Links wählen und abkassieren...., geht nicht! Wählt was wir euch sagen - oder seht zu, wie wir a) euch die Luft abschnüren und b) die von euch Gewählten entweder zum Rücktritt zwingen oder vor euren Augen in unsere Marionetten verwandeln.) Es reicht halt manchem und mancher jetzt nicht mehr, dass die Politik der gigantischen Umverteilung von Unten nach Oben vollzogen wird, nein, man will das nicht länger heimlich tun müssen. 

Unser Kampf gilt nicht Schäuble. Ein Schäublexit hilft nix. Wir können auch nicht wählen. Nichts anderes. Eine deutsche Sozialdemokratie gibt es längst nicht mehr. Die Grünen trügen und tragen - mit eifrig inszenierten Bauchschmerzen - noch jedes Abkommen mit. Und wählten wir die LINKE, so erlebten wir eine Variante dessen, was wir erlebt haben (Ypsilanti, Tsipras...). Erinnern wir uns: Niemand im Europäischen Rat hat je grundsätzlich das Vertrauen in Urban verloren oder ekelte sich öffentlich vor Herrn Berlusconi.  Zum Beispiel. Man wird zur Not auch mit Madame Le Pen speisen. Das sind die Eliten, die uns regieren, und ihre Benimmregeln. Hinter ihnen stehen die, die sie beherrschen. 

Ich weiß keine bessere Welt. Und keine schlechtere. Es gibt keine Hoffnung, nutzen wir sie! Von unten: Kooperativen. Genossenschaften. Bedingungsloses Grundeinkommen. Versuchslabore gegen die Politik der Angst und des "Keine Experimente!"




Eine Wahrheit über mich (ganz ohne Majestät) ist allerdings, 
dass ich mich im Kampfmodus nicht leiden kann. Und daher Schlachten meide.

Dienstag, 25. März 2014

MUTANTEN STATT TIERE? Politik als Macht wird noch menschlicher.


Ein Beitrag von BenHuRum

Politik als Machtspiel. Zyklop, Frau, Claus, pathetisch.
Das Tier seufzt. Es räkelt sich. Nicht wohlig. Das Tier. Will. An. Die. MACHT. ("Das macht doch nichts."). Da sitzt schon der Zyklop. Claus oder Frau? (Die Frau  hat keinen Namen. ) Sie IST. Pur. Und ohn-MÄCHTIG. Deshalb muss die Frau, die die Macht hat, ein Zyklop sein, der das Tier trifft. Mit einem einzigen Schuss. Was ist ein Zyklop? Mit einem Auge sieht man besser! ("Mit der Zyklop-Speed-Knarre haben Sie fünf Knarrentypen in einer. Sie können nichts mehr verfehlen." "Tricky.") Zyklopen sind gern mit Säufern unterwegs, heißt es. Auf sie trifft das nicht zu. Sie erträgt das bloß. Die Hand von B. auf ihre Schulter. Oder P., der sich über sie beugt. Ihr Griff ist eisern und kühl. Niemand könnte ihr Pathos vorwerfen. Sie bauen auf, die Zyklopen, und tauchen unter. Ihr haftet so gar nichts Fischiges an. Sie steht fest auf ihren starken Beinen. Unbeweglichen Monster gegenüber. Und Claus? Bleibt tierisch. Kein Fisch. Ein Säugetier aus dem Märchenwald. Fiktiv verschont. Er schnarrt seine großen Reden herunter. Die Begegnung von Zyklop (weiblich) und Claus (neutral) bringt den Fort-Schritt. Der Berliner Republik ins 21. Jahrhundert. Rhetorisches Niemandsland. Pur. Ruppig. Sexy.

(Text: J.S.P./M.B.)

Donnerstag, 24. November 2011

VERDROSSENHEIT (oder: Letzte Zuckungen des politischen Tiers in mir)

Kein Verein darf mich sein Mit-Glied nennen. Weder Glied, noch mit. Auch die vielgerühmte Integrationsfunktion der deutschen Vereinskultur versagt kläglich an meiner Verstocktheit. Ich backe keine Kuchen fürs Jubiläumsfest und ich verschwestere mich nicht bierselig oder schnapstrunken mit alten Säcken, jungen Muskelpaketen und triefäugigen Glucken. Vielmehr pflege ich sorgfältig meine Vorurteile gegen das fröhliche Vereinsleben und bestätige sie mir, wo immer sich die Gelegenheit bietet. Da kehre ich dann sogleich und unmissverständlich die intellektuelle Schnepfe heraus und hebe indigniert die Augenbraue. Dagegen brülle ich in höheren Kreisen gerne mal "Scheiße.Scheiße" in die Runde. Ich mag´s nicht, wenn "man" sich einig ist und unter sich bleiben will. Alle Arten fröhlichen Gemeinsinns, gesunden Menschenverstands und selbstverständlicher Übereinkunft wecken in mir Übelkeit und Widerspruchsgeist. Trotz dieser missgünstigen Einstellungen, die ich seit Jugend hege, lässt sich der Abscheu immer noch steigern, sobald direkte "Feindberührung" stattfindet.

Das alles habe ich längst über mich gewusst. Ich habe mir daher vorzuwerfen, in einem Akt der Irreführung mir und anderen weiß gemacht zu haben, ich ließe mich in Reihen gliedern, könne mich einfügen und mitspielen. Das politische Tier, Sie ahnen es vielleicht schon: Noch einmal kam es anderntags zu schmerzlichen Zuckungen. Einige Wahlen hatte ich boykottiert. Bei anderen mein Kreuzchen mit Bauchschmerzen gemacht. Der Fehler war dann: Mich in eine Verantwortung zu nehmen, die den unmittelbaren Kontakt zu fröhlichen Vereinsmeiern und ernsthaften Partei"freunden" erfordert. (Besonders abstoßend auch, wie man von höchst unerfreulichen Personen in diesen Kreisen sofort geduzt wird.) Ich muss trotzdem zugeben, dass das Ausmaß an Verlogenheit, Machtgeilheit, Selbstbezüglichkeit, Verklemmung und Denkfaulheit, auf das man hierzulande in provinzpolitischen Kreisen (inzestuös über Jahrzehnte entwickelt) stößt, meine schlimmsten Vorstellungen noch übertroffen hat. Karnickelzuchtvereine stelle ich mir nach dieser Erfahrung lebensfroher (ehrlicher sowieso) vor. 

Ich hatte geschrieben, vor einiger Zeit, ich sei gescheitert. Das war auch so. An meinen eigenen Ansprüchen. Gern hätte ich die Schuld anderen in die Schuhe geschoben. Es gibt auch im politischen Geschäft anständige Menschen. Es sind wie überall die, die austeilen und einstecken können, die keine Heimlichtuereien nötig haben und innerlich unabhängig sind. Was allerdings - mit einigem Abstand und nachdem ich selbst nicht mehr direkt betroffen bin - sich auch als wahr herausstellt: Ich hatte bisher im Leben viel Glück. Weder beruflich noch privat bin ich je auf so verlogene und heuchlerische, verklemmte und feige Menschen getroffen wie in der (Provinz-)Politik. Diesen Leuten traue ich viel zu, aber nichts Gutes. 

Das politische Tier - es soll in mir keinen Wirtskörper mehr haben. Verpiss dich! Wie viel Zeit und Energie hat mich dieses bösartige Wesen, das dreist behauptet, gesellschaftliche Solidarität lasse sich nur organisieren, wenn es sich auf  "familiäre" (um nicht zu sagen mafiöse) Loyalitäten verlassen könne, in diesem Jahr gekostet! Ich will einen Weg finden, aus dieser Erfahrung zu schöpfen. Dazu muss jedoch die Wut erkalten und die Schamröte sich verziehen. Da wird noch einiges Wasser den Main hinunter fließen müssen.

Donnerstag, 15. September 2011

GESCHEITERT

Für mich ist es schwer, mir ein Scheitern einzugestehen. Nie will ich aufgeben. Mit dieser Einstellung habe ich mir schon manche vermeidbare Schramme geholt. Verlieren kann ich; das muss jede können, die kämpft. Natürlich verliere ich nicht gern. Ich will gewinnen, sonst könnte ich es ja gleich lassen. Scheitern ist aber etwas anderes. Scheitern heißt nicht, dass du einem Stärkeren im Wettkampf unterlegen bist; gescheitert bist du, wenn du an deinen eigenen Ansprüchen versagst. Und so ist es. Es ist eine tiefe Kränkung des Selbstbildes damit verbunden, die eine wie mich dazu verleitet, die Schuld abzuwälzen, meine jähzornige Wut auf „die anderen“ zu lenken. So auch jetzt, selbstverständlich.

Wer hier regelmäßig liest, wird vielleicht wahrgenommen haben, welch beleidigende und beleidigte Aggression aus den Texten über das politische Tier spricht. Der Eindruck trifft – tief. Es verletzt mich in dem, was man früher „Ehre“ genannt hat, dass ich diesem Tier nichts entgegen zu setzen habe. Es ist mir nicht etwa intellektuell überlegen oder persönlich integrer oder einfach subtiler, in strategischen und taktischen Finten beschlagen, die meinen plumpen Eröffnungen Hohn spotten. Das Tier kann kaum was besser; es ist in Wahrheit und Wirklichkeit ein ziemlich dummes und feiges Ding. Aber es trägt eine Tarnkappe. Es stellt sich nie. Es zieht meinen Kampf ins Lächerliche, eine skurrile Don Quichoterie.

Ich bin gescheitert. Ich hatte mich selbst in die Pflicht genommen: „Nicht nur meckern, sondern machen.“ Jetzt werde ich mich erst mal wieder aufs Meckern konzentrieren (nach einer Scham-Maulkorb-Pause). Kein Mitleid: Es handelt sich um selbstverschuldetes Unglück.

Die Serie "Das politische Tier" ist damit abgeschlossen. Sie können Sie als Blaupause auf ihre heimische Lokalpolitik legen. Achten Sie auf Übereinstimmungen. 

Montag, 12. September 2011

WANNE STATT HÄNGEMATTE


Soziales Handtuch 

Das politische Tier stellt heute die soziale Frage. Seine Fachdienste und Sprechstunden sind bedarfsorientiert und werden sorgfältig evaluiert. Ins wärmende Nest der sozialen Fürsorge drängeln sich vor allem wieder Frauen und Kinder.

„...zuerst in die Boote. - Wir spielen Titantic!“

So besteht auch weniger Gefahr für die bestellten Pflegerinnen ordinär zu werden; das ist bei allen Forderungen nach Geschlechtergerechtigkeit auch zu bedenken. Sozial kriselnde Männern geben sich in der Kneipe um die Ecke die Kante und entziehen sich somit gekonnt den Operationen der Politik an der offenen Flanke von Armut, Krankheit und Tod.

„Nimm dir ein Hartz IV-Bier.“

Doch sie alle sind großartige Erzähler, die eine harte, lustige, richtig verkackte Welt schaffen durch ihr Geschwätz, ein Knaller nach dem anderen. Daher zeigt das Tier trotz allem Interesse, die Wirtskörper am Leben zu erhalten, jedoch nicht um jeden Preis. Das Auftreten unglückseliger Frauenzimmer mit verrotzten Kindern am Handtuchzipfel in dieser Runde bedarf jedenfalls einer Bedürftigkeitserklärung.

 „Wird nachgeliefert. Empirische Studien zeigen bereits jetzt: Selten länger als 20 cm. In Europa, jedenfalls.“

Wir erwarten an dieser Stelle eine nicht unwesentliche Beteiligung von Menschen mit Migrationshintergrund, die seltsamerweise gar nicht entmündigt wirken, sondern munter dazwischen quatschen, auf das Osmanische Reich verweisen und am Ende auch noch Kant zitieren.

„Sie erinnern sich: Die schnakseln halt öfter.“

Links, Freiheit und Sozialismus sind hoch besetzte Begriffe, die trennscharf geschieden werden müssen. Welche Kraft könnte ansonsten im Wunsche liegen, die Welt zu verwandeln, zu erlösen? Da käme es doch noch zum großen Kladderadatsch! (Die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe hat schließlich auch ein Wort mitzureden.)

„Was kann denn die unsichtbare Hand dafür, dass uns das Mitleid abhanden kam? Wir verwandeln mit Geschick Industriegelände in Fernsehstudios.“

Das Tier suhlt sich befriedigt auf Sofas in dezenten Farben. Hier wird kein Menschenblut vergossen, so lange die Kamera läuft. Der Gebrauchswert des Wissens tendiert indessen gegen Null; der Tauschwert hält sich auf historischem Tiefstand.

„Du kannst kein Held sein, es sei denn du bist bereit zu sterben.“

, sagt die Frau, die ihre Tochter nach dem Apfel des Paradieses benannte. Fast alles kann geheilt werden durch die Opferung einer unberührbaren Frau, das geriet nur in Vergessenheit.

Wickeln Sie sich ein Handtuch um den Kopf, setzen Sie sich in die Wanne und warten Sie!“

Das Tier stöhnt vor Verlangen. Es ist immer nach der Revolution bei uns. Wir wollen uns ganz entspannt erinnern, was Rousseau von der Kindererziehung sagte. Es stimmt ja, dass jeder gewohnt ist, die eigenen Eltern nicht ernst zu nehmen.

Die Gleichung der Herrschaft geht niemals auf. 

("Die wollen doch nur die Matratze.")

 Infinitesimale.


Montag, 22. August 2011

LIVE-SCHALTUNG IN DIE HERZKAMMER DES POLITISCHEN TIERES

Selbstverständlich habe ich einen Vogl. Mit dem lässt sich die politische Zoologie bestens analysieren. Barbaren aber, wie schon der antike Philosoph wusste, sollte der Zutritt zur Polis verwehrt bleiben.  Zu spät - Lizenz und Zugangscode gingen an mich. Auch wir  verdorbenen Wilden eignen uns gelegentlich noch als Wirtskörper des Antragsstellers. Das zivilisierte Wesen nimmt die Ortlosigkeit der verpelzten Lebensform billigend in Kauf, wenn es sich deren Zustimmung sichern kann. Denn heutzutage braucht das Tier Mehrheiten. Es ist trotzdem ein naiver Irrtum zu glauben, dass eine jede gleichen Anspruch hat, ins Herz der politischen Ordnung vorzudringen. Nur Alpha-Tiere nehmen vorne Platz. Wer als Emporkömmling hinzu tritt, könnte eine verkleidete Göttin, ein maskiertes Tier oder gar ein Menschenkind sein. Freilich ekelt sie der Anblick dieser niederen Kreaturen, doch können sie es gut verbergen und bewirten uns fürstlich. Gelegentlich schaffen es sogar Werwölfe in die herrschaftlichen Kammern. (Doch bedenkt:  Werwolf wird man nicht aus Vorsatz.) Selbst ich wünschte mir domestiziert zu sein und voller Hingabe der Stimme des Herrn zu lauschen. Doch kann es so nicht sein, wie jeder ahnt. Auch meine Tarnung ist perfekt. Ich lege ein Knie über das andere und lenke die Blicke auf meine schmalen Fesseln. Ich hege keinen Groll. Diese wuselige Betriebsamkeit ist´s, die der Konsum-Bürger will. Ich habe dem nichts hinzufügen und nehme niemand etwas fort.  

(Ab 17. 00 Uhr werde ich ab und zu  Live-Schaltungen in die Herzkammer versuchen. Bleiben Sie dran! Behalten Sie aber im Auge, das nur wir - Sie und ich - das Pochen der Kammerwände vernehmen, während die andern sich sicher im Sitzungssaal wähnen.)


17.10 Es wird festgestellt, mitgeteilt und beschlossen. Poetische Wahrheit lässt auf sich warten. But wait... may be...what ever will be will be...


17.20 Jeder muss im Sarg bestattet werden. Davon rücken wir nicht ab. Aber wir heben einige Baugruben aus. Ohne weiteres. Jetzt geht´s um die Urologie. Ich verweise dazu auf Artgerechte Männerhaltung. Ganze ohne Spott. Manchmal werden sogar Männer erwachsen.


17.40 Wir stellen einvernehmlich fest, dass es besser ist zu kommen, wenn gegessen wird, als wenn nicht gegessen wird.


18.05 Es wird festgestellt, dass die Verwaltungen nicht nett miteinander umgehen. Nee. Man will mit der Verwaltung kein Bier trinken gehen. Nur guten Wein lässt sich die Verwaltung zum Jubiläum jederzeit schenken.


19.09 Pause. Fleischwurscht. Isch ess des net. Ich mag Fleisch. Aber keine Wurst.


21.30 Geschafft. Jeder Wiedererkennungswert vermieden. Tiefflug unter dem Radar talentfrei ausgeführt. Macht nur so weiter.

Montag, 8. August 2011

Neues vom ZOON POLITIKON: ABWÄGUNGSSYNOPSE

Und abermals rührt sich heftig unter den Mikroben, die die Darmflora des geselligen Lebens bevölkern,  das politische Tier, der unersättliche Parasit. Es nistet im Verborgenen; dort überlebt  es noch die fürchterlichste Zerrüttung des Wirtskörpers. Das politische Tier ist prinzipiell demokratisch, weil es jeden nimmt, den es kriegen kann und konsequent (markt-)wirtschaftlich, weil es sich am Verwertungsoptimum orientiert. Jederzeit vermag der Mikroorganismus sich jedoch auf andere Organisationsformen der Macht einzustellen. Was das politische Tier infiziert, wird verdaut und verkotet ausgeschieden. Es gibt kein Mittel gegen das Tier als Darmverschluss oder Aushungerung. Wer die Selbstkasteiung scheut, bleibt ihm ausgeliefert. Die Inkubationszyklen beschleunigen sich. Das Verhältnis von Theorie und Praxis kann sich unter dem Befall des politischen Tiers nur als Durchfall gestalten. Noch kennen wir keinen Impfstoff. Es hülfe allein Abstinenz und Ignoranz, sagen meine Freunde, die Hedonisten. Doch gerade von ihnen mag kaum einer alleine schlafen. Es erforderte übermenschliche Kräfte, sein Eremitenlager sauber zu halten, um sich nicht von den Darmhygienikern korrumpieren zu lassen. Vergeblich warten die Massen weiterhin auf Superhelden mit unverwüstlicher Verdauung. 

("Die marxistischleninistische Medizynforschung zeigt an diesem Thema kein Interesse.")

Dienstag, 21. Juni 2011

QUERUNG (Neues vom politischen Tier)

Ich entdecke die QUERUNG als meine neue Liebe. Alles wird gequert von hier nach dort, verquer und queer und immer ganz quirlig, quersubventioniert und quergetrieben, querulantig, querverbunden, quergedacht, vor allem mit End-UNG, ohne die im politischen Betrieb gar nichts geht:

Verwalt-UNG („der unser ausdrücklicher Dank gilt“)
Auswirk-UNG („Ihres Antrags sollten Sie mal vorher berücksichtigen“)
Bevölker-UNG („an die muss man auch mal denken hier“)
Besinn-UNG („kommen Sie mal dazu“)
Anforder –UNG („der wir uns jederzeit stellen“)

(„aus solchen Brachialismen wie dem unbehauenen Redegeröll sammelt der Chef sich Kuhrage“)

Viele öffentliche Formulierungen von Amtsträgern haben Auswirkungen auf die Preise, möglicherweise, aber das wird jetzt ganz schnell verwiesen.

(„In die Ecke! Besen, Besen, sei´s gewesen.“).

Denn Gefahrenstoffe sorgen für Bedenken bei der Wohn- und Arbeitsbevölker-UNG.

Das war trickyhaft!

(„jetzt stockte das grüne Blut“)

Lehrsatz des Tages: „Man muss immer was fordern, aber damit will man doch keinen Druck ausüben.“ (NÖ!)

Die Grünphasen für eine sichere QUERUNG sind jedenfalls zu kurz. 

(„Es ist eine Zeit, in der alles schon entschieden ist und in der doch lange Wartezeiten auszuhalten sind. Sie könnte jetzt die Bücher lesen, die sie immer schon lesen wollte. Sie hat keine da.“)

Demnächst endlich zum Kapitel: Bodenhaftung durch Bauch („Sie trainiert eifrig!“)


Donnerstag, 9. Juni 2011

FIGURENPINKELN DER PROVINZFÜRSTEN

Ohne Hemd und Häkelhöschen
(„Siehst du die Kompanie vorüberziehen?“)
lehnen wir die Theorie ab.
(„Pferdehinterbacken.“)

Gefangen im Netz der Gefälligkeiten
Rechnen die Entscheidungsträger
Nicht mit Begeisterung, aber Fördermitteln.
DER GESCHÄFTSFÜHER DES WELTGEISTS
In der mainischen Provinz:
Generös, effektiv, unheroisch.
(„In der Not arbeiten sie härter.“)

Die Wohnungsbaugesellschaft
Genehmigt die Niederschriften.
(„Bis der Motor kaputt geht.“)
Eine aktuelle Fragestunde
Wird vertagt, außerdem:
Berichte über Verwaltungsangelegenheiten.
(„Fuck them all.“)

Gestaltungsleitpläne vertreiben
Düstere Depressionen.
Alles symbolisch und in Farbe!
Und dann die Wohnungstür
mit Katzenscheiße vollgeschmiert.“
(„Yeah!“)

Träger öffentlicher Belange
Sind vorhabenbezogen
Durchgeknallt und beschränkt
Zurechnungsfähig.
(„Hoch die Tassen.“)

Eine Epilepsie des Grauens
Die von den Geräuschen
In den oberen Etagen ablenkt.

Freitag, 27. Mai 2011

HIRN UND HER

Über „die soziale Herkunft der Intelligenz“ fühlt mancher sich berufen, was Dummes zu sagen, freilich stets aus der Gewissheit, zu den überdurchschnittlich Intelligenten zu gehören, versteht sich. Noch nie habe ich gehört: „Leute, ich bin ein Trottel, ganz klar, das kommt von meinen Genen.“ (Das stimmt nicht ganz, fällt mir gerade auf: Dämliche Mädchen habe ich gekannt, die behaupteten, sie könnten nicht rechnen, weil sie  kein Y-Chromosom haben. Und natürlich zuhauf bekloppte Kerle, die meinen, es gehöre zu ihrer Männlichkeit, dass sie sich nicht beherrschen können. Jedoch sind solche Idioten stets überzeugt, dass die ihnen fehlende Fähigkeit nicht als Intelligenz definierend gelten kann. Klar doch: Die Mathematikluder halten sich ansonsten für ganz gelungen und die Dumpfbacken glauben trotzdem von sich, sie hätten was drauf.) Besonders eklig hervorgetan hat sich im Hinblick auf das Gerede über Intelligenzverteilung nach Abkunft der Herr S., dessen Name hier nicht genannt werden soll, den die Partei, deren Name hier gleichfalls nicht genannt werden soll, auszuschließen sich nicht überwinden konnte.

Fakt ist: Das Gehirn entwickelt und ändert sich. Und: Intelligenz ist, was man gerade dafür hält. Alexander Kluge beschreibt, wie sich die Intelligenz durch den "Stress der Nähe" ausbildet. Weil du mit anderen rumhängen musst, stellst du dich ein, siehst voraus, wie der oder die reagieren könnte, machst dich schlau: DAS NEUE GEHIRN. Außerdem habe sich die Komplexität des menschlichen Hirns zunächst nicht durch bessere Ernährung, sondern durch bewusstsseinerweiternden Drogenkonsum entwickelt. „Erst das Bier, dann das Brot.“ (Merkt Euch das!)

„- Wollen Sie damit sagen, die Intelligenz sei ein Rauschmittel, welches bewirkt, dass man es in der Nähe miteinander aushält?
-       Sie ist der Treibstoff.
-       Ohne sie kein Fortschritt.
-       Nicht einmal ein Mensch.
-       Ohne Drogen keine Politik?
-       Politik gehört zu den Drogen.“


Dazu muss man allerdings sagen, dass die Nähe bestimmter Menschen auch bei intensivem Drogenkonsum unerträglich bleibt. Hirn hin oder her.

Sonntag, 22. Mai 2011

„Leben ohne tote Zeit!“ oder umgangssprachliche Exkrement-Diagnostik

(Scheißtag:) Es tagt sich am besten rund ("Round about", sagt der Profi). Das zoon politikon fügt sich geschmeidig in seine dunkle Bedürfnishöhle. (Längst sind wir tief genug gesunken, die Scheiße, durch die wir waten, auch zu fressen.)

Über das Scheißen der größten Haufen (auch „Prio 1“ genannt): "Jeder weiß, dass dazu Kompetenzzentren zu schaffen sind in geordneten Verfahren, da können Sie einen Plan aufstellen, wie Sie wollen, und außerdem brauchen wir einen  größeren Aufschlag, aber erst nach Auswertung des Zweckverbandes zur Zusammenführung der Massehaufen, der nicht mehr zweckmäßig ist, sage ich, das dokumentiert sich schon daraus (sic!), dass wir einen Rückgang teilweise erwarten können, deshalb habe ich Ihnen die Prognosen und Fehlprognosen abgefragt, weil diese Fragen günstig sind, sozusagen, um Abnehmer der Ausscheidungen zu finden, inwieweit man dann ein Bewusstsein der besitzenden Klasse steuert, wird sich zeigen, jedenfalls brauchen wir wie immer ein Wachstumsbeschleunigungsgesetz, denn wir regieren ja nicht aus dem Hintern, sondern tagen in geschlossenen Zirkeln und round about hat sich das als effizient erwiesen, denn alles wurde schon einmal beraten und beschissen."

(Scheißhaus:) Man muss das mit Humor nehmen. Wie die Türken zum Beispiel, die über sich selbst sagen: „Türk ya kacarken yada sicarken düsünür.“ (Der Türke denkt am besten  beim Flüchten oder beim Scheißen.) Wer viel Scheiße baut, braucht gute Lachmuskeln. Der Deutsche ist an der Stelle ein wenig versteift (Dichte Denker!) Das lässt nur eine Schlussfolgerung zu: Fluchtvorbereitungen treffen, natürliche Reflexe reaktivieren und Verdauungsstörungen vermeiden.

Samstag, 21. Mai 2011

Der politische Salamander: "Wir gehen des Nachts im Kreise und werden vom Feuer verzehrt"

Was ich von der Realität halte, brauche ich Ihnen nicht zu sagen (hier:). Kaum etwas vermag ähnlichen Ekel zu erwecken. Es geht seinen Gang, nicht wahr, und immer über ein weites Feld. Langjährige Erfahrung und das Wissen um das Machbare wecken den Brechreiz. Papier ist geduldig, aber die Welt ändern wir nur durch Spektakel. Stellen Sie der Vernunft ein Bein. (Von Amts wegen müssen wir an dieser Stelle einschreiten.) Das werde ich aber nicht mittragen. Ich lasse die Last fallen und stelle die Bearbeitung ein. Wozu taugt der lange Marsch, bei dem man sich die Füße platt tritt? Ich stöckele lieber über den roten Teppich ins Nirwana. Der Unwille breitet sich als Migräne vom Punkt zwischen den Augenbrauen aus. Es ist leicht, sich ein Magengeschwür anzusitzen. Wieso Bomben geworfen werden, erschließt sich unmittelbar. Ich würde sie auch nicht rollen. Im Kopfkino fliegen die Körperfetzen durch den Raum. Morgen wird strategisch gedacht. Darauf verzichte ich dankend und esse lieber Erdbeer-Rhabarber-Kuchen. Wer im Kreis denkt, wird niemals vom Feuer gefressen. Mein innerer Salamander aber kennt keine Gnade. Er bleibt auf der sicheren Seite wie wir und meidet die Feuerstelle. Sie haben recht, mir nichts zu glauben. Die Bedenkenträger ziehen die Strippen. Alles wird aufgehalten. Weiter geht´s mit oder ohne uns. (Ich schlafe aus und zähle die Schafe.)

"Sei realistisch, verlange das Unmögliche."

Ich werde Dinge tun, für die ich mich später schämen werde. Dass ich es schon vorher weiß, macht es nicht leichter. Weil ich mich um Sachen kümmern werde, die mich nichts angehen. Die Kosten, sagen die, müssen irgendwo aufschlagen. Es wird ein bitterböses Ringen um die Fortexistenz der Banalität. Was man erreichen kann, bildet sich unter den Bedingungen gruppendynamischer Prozesse nur  suboptimal ab. (Merken Sie sich diesen Satz; er ist vielfältig einsetzbar.) Am Ende des Tages werde ich Mordgelüste haben. (Frau K. lässt grüßen.) Ich möchte den Kopf unter die Decke stecken und weiterschlafen. Ich möchte Sand unter den Füßen spüren und mich in Wellen werfen. Ich möchte nicht sitzen und reden. Glaube ich, dass je etwas Gutes aus Geschwätz entstanden ist?  Es ist kein Trost, selbst schuld zu sein. (Hab ich´s dir nicht gesagt...) Ich werde sehen, wie das funktioniert, was mich abstößt. Ich werde etwas lernen. Das ist noch das Beste, was man über diesen schönen, schwülen Tag sagen kann. Verachten Sie mich weniger, als ich mich selbst verachte.

Mittwoch, 18. Mai 2011

ADORNO DOG (oder: Anywhere out of the world)

Die Welt ihn einen Lebemann nennt:
"Selbst in der Stille der Nacht
herrscht noch dieser Gefühlskomplex"

(abwehrende Handbewegung:)
"Nicht Strauß-Kahn, nein, nein!"

Ein Mann lebt von Wein, Weib und Gesang ?
Allein auf dem Wege zu einer einfachen Eleganz
(Kannibalism reloaded: Rokovoko)

Das ist ein enges Korsett, wie man weiß:
Spiegel flankieren den Tisch,
der zur Toilette dient:

Die Gedächtnisschwäche ausmerzen,
Stunden vergessende...“

We are satisfied
that the earth is round

Noch eine Ladung?

(Er las oder träumte...)

Dann: Wie ein Kind versinken sehen
(Keine Hand reckt sich)
aus fließend kaltem Wasser

„Alle Männer sind Hunde.“
("Komm schon.")
Man unterscheidet:
Und wälzten sich halbtot
Die Bullen da
Für Verirrungen mit Mädchen...
("Frauen auch.")

Wir schließen:
Tretet über
den Metzgermeister-Kober-
Zebrastreifen
auf der Flucht vor
banal-bürgerlicher Existenz!

Mittwoch, 11. Mai 2011

UNERWÜNSCHTE MITBEWOHNER

"Hinter der Stirn, mit der stärksten Aktivität, in der Mitte zwischen den Augen und dem Hinterkopf haust das ZOON POLITIKON, das politische Tier."


(Alexander Kluge)

Sonntag, 12. Dezember 2010

DEKONSPIRATIONE

REGIEREN: BenHuRum, MelusineB + Morel 
"This collaborative secrecy, working to the detriment of a population, is enough to define their behavior as conspiratorial." (Julian P. Assange: Conspiracy as governance, Dez. 2006)


TOPs:
- Bürgerliche Pflichten: Ausspucken vor schwarzen SUVs et al. (beschlossen)
- Arbeit und Soziales:  Künstler-Sozialkasse, bedingungsloses Grundeinkommen (in die Ausschüsse weitergeleitet)
- Eigentum verpflichtet: Enteignung von Privateigentum vs Entrepreneur-Förderung (vertagt)
- Kunst und Kultur: Not in fashion et.al., Sex und Ästhetik (kein Handlungsbedarf)
- Weihnachtsbotschaften: BenHuRum segnet das Volk (verabschiedet)
- Repression und Resozialisierung: Schwanz-Guillotinen, Laternenpfähle (verworfen)


IN DEN FOLTERKAMMERN DES REALITÄTSPRINZIPS
"Danke."
"Wie?"
"Es reicht."
"Du hast also genug?"
"Ja."
"Du bist also einverstanden?"
"Nein. Aufhören."
"Du kannst jederzeit gehen."
"Kann ich nicht."
"Du brauchst nur Ja sagen."
"Aua."
"Also einverstanden?"
"Nein."
"Der hat genug."
"Du hast mich tot gechlagen."
"Wir schlagen nur dein Hirn zu Brei."
"Mörder."
"Der nächste bitte."
(Rainald Goetz: Dekonspiratione. Suhrkamp 2000)