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Donnerstag, 6. November 2014

UMBAU-ARBEITEN im Gleisgefüge (Kleine Treuen)



gieb, dasz ich stets voll reiner triebe 
mich gern in kleinen treuen übe

Gesangbuch Gnadenau



Hier finden zur Zeit Umbauarbeiten statt. Realreal, fiktionalreal, phantastischreal. Tote Gleise. Neue Weichen. Ich schreibe nicht für Geld und gute Worte, sondern nur, wenn ich muss. Einiges wird am Ende nicht nur anders aussehen. Manches kann verschwinden. Archive in Ehren, doch auch die Vergessenheit verlangt ihren Tribut. Es hat hier nie eine sich veröffentlicht, die glaubte, im Besitz von Wahrheiten zu sein, deren die Welt bedürfe.  Ich folge keinem Plan, sondern der guten Fee Resignation. So long, fellows. 

Samstag, 2. März 2013

Für ein sonniges Wochenende: MISSION, UNSYMPATHISCHE FIKTIONÄRE, HELDEN, ABENDMAHL, PAUSENHÖFE u.v.m

Es reicht weiterhin nur zu einer Link-Zusammenstellung. Dabei schreibe ich viel. Im Kopf. Auch in Dateien. Aber (noch) nichts für das Blog. "Drei Sabinen" (mein neues Roman-Projekt)  wollen entworfen werden, bis sie sich verselbstständigen. Eine Wintererzählung braucht noch einen Schluss. Und die Fabelwesen... (bedrängen mich grade sehr). Aufgeschoben, doch nicht aufgehoben: Das Roman-Projekt Melusine featuring Armgard und das Sequel "Ich küsse mein Leben in dich... Die Marten-Ehen". (Der verdammte Schnitt ins Fleisch, um den ich mich seit zwei Jahren drücke...) "Jetzt konzentrier dich doch mal." Das kann ich nicht. Ich muss immer vieles gleichzeitig beginnen, um etwas zu Ende bringen zu können. Manche Leute sind so. Und andere anders. Früher wollte ich mich ändern. Jetzt mache ich das so, wie ich es kann. So lese ich ja auch. Immer gleichzeitig an mehreren Texten. 


Viel Freude macht mir das Kommentar-Gespräch mit Dr. NO zu Alice Munros "Dear Life". Munro ist  unter den Lebenden meine Lieblingsschriftstellerin (männliche eingeschlossen). Da treibt mich, ich bekenne es, schon ein wenig missionarischer Eifer...

Und hier meine Link-Tipps für das sonnige Wochenende:

Über unsympatische fiktionale Charaktere ist hier was nachzulesen: "(He).. saw himself as something like a poet.. "

Auch in unseren Tagen gibt es wahre Helden. Man muss jetzt nicht mehr im Konjunktiv schreiben, dass er ein Held wäre, wenn es denn stimmte, dass... Bradley Manning hat zugegeben, dass er die Infomationen darüber, wie der "Krieg gegen Terror" geführt wird an Wikileaks weitergegeben hat. Seine Gründe überzeugen. Dass die US-amerikanische Regierung und die US-amerikanische Justiz Bradley Manning mit lebenslanger Haft droht und nicht Georg W. Bush oder Dick Cheney ist der Skandal, der allerdings niemand überrascht.

Bei "Liebesenden" habe ich ein Gedicht unter dem Titel "Abendmahl" gelesen, das mich sehr berührt hat. Bis heute ist die Teilnahme am Abendmahl etwas, dem ich mich nur selten stellen kann, zu viele Ängste und Widerstände ("Der Feind ist in der Burg", 1970) sind damit verbunden, unterschwellig vielleicht auch zu viel Hoffnung auf Erlösung. 

Schon zu Beginn der Woche hat Andreas Wolf einen nachdenkenswerten Text über Pausenhöfe ("Große Pause") geschrieben und unser aller Gefangenheit in der Pausenhof-Situation als Opfer, Täter, Mitläufer und Weggucker. 

Miss TT ruft zu einem Contest für "Germany´s next role model" auf (ganz ohne Hass auf Klum und Co., den ich leider einmal nicht völlig unterdrücken konnte: "Baader, Ennslin und die Zwergwerfer. Eine phantastisch-philosophische Moritat"). Bin gespannt, was sich daraus entwickelt. 

Das reicht aber jetzt. Sie werden sowieso keine Zeit haben, sich durchzuklicken. Hoffe ich. Bei dem Wetter. Raus mit Ihnen!

Long time not seen: Blauer Himmel, Sonnenschein.
Vom Fenster aus, denn ich muss noch drinnen bleiben.

Montag, 18. Februar 2013

Drei Jahre "GLEISBAUARBEITEN"

Drei Jahre Gleisbauarbeiten. Die erste Strecke gefahren am 18. Februar 2010 ("All die Jahre"), 9 Tage, nachdem ich es gewagt hatte, den ersten Post in "Melusine featuring Armgard" online zu stellen ("Eine zuviel. Liebe ist ein süßes Licht"). Damals schien das ein ungeheurer Schritt, heraus aus den Tagträumen, den Nachtstillen, den mit unleserlichen Buchstaben vollgeschriebenen Notizbüchern, in eine "Öffentlichkeit", von der ich mir einbildete, sie sei ein schwarzes Loch, in das ich all das Ungesagte, Ungelebte, unvollständig Gebliebene, das Sehnen, die Traurigkeit, den Zorn, die Lust ausgießen könnte, ohne dass etwas davon als ein Unheil über mich käme, das ich unvorsichtig gerufen hatte. 

Ich war eine andere vor drei Jahren. Ein Lebensabschnitt, das fühlte ich, ging unweigerlich zu Ende, jener, in dem ich vor allem Mutter gewesen war. Als mein älterer Sohn, den ich im Blog Amazing nenne, für ein halbes Jahr nach Neuseeland ging, erkannte ich, dass ein Abschied bevorstand, ein Abschied vom gemeinsamen Alltagsleben mit den Kindern, aber auch ein Abschied von der, die ich geworden war, in diesen Jahren. Es lag viel Angst und Schmerz in dieser Wahrnehmung, denn die ich geworden war, so schien mir, war belanglos, trostlos, perspektivlos. Mein Leben hatte ich, so dachte ich damals, in eine Sackgasse gesteuert und das anonyme, irreale Meer des Netzes eröffnete eine Möglichkeit, eine Flaschenpost auszusenden, ganz ohne eine Vorstellung davon allerdings, ob und was damit anzufangen wäre, wenn eine oder einer sie finden und auf sie reagieren würde.

Es kam anders, nämlich so: Briefwechel einer Melusine mit Alban Nikolai Herbst. Und so: Wegweiser über die Gleise. Der Ehe-Roman rückwärts, den ich zu schreiben begonnen hatte, wurde ein Projekt von vielen. Ich lernte Menschen kennen in diesem Internet, denen ich schließlich auch im "realen" Leben begegnete. Ich begriff, wie sich durch das Netz Möglichkeiten des fiktiven Schreibens eröffneten, wie ich sie mir in den 80er Jahren erträumte hatte. Wie alle Träume, die sich verwirklichen, trug auch dieser durchaus Züge eines Alptraums. Zum Roman-Projekt kam ein Sequel hinzu "Ich küsse mein Leben in dich (Die Marten-Ehen)." Das Gleisbau-Projekt erforderte eine neue Balance zwischen fiktionaler Autorin "Melusine" und "Ich", derjenigen, die nicht nur schreibend, ein Leben führte. Eine Form von Fiktionalisierung zu finden, die nicht Tarnung, nicht Maskierung war, sondern Vervielfältigung, Befreiung aus dem "Ich"-Zwang ohne Autonomie-Wahn gewissermaßen, wurde ein auf vielen Wegen gesuchtes Ziel: "Auto. Logik.Lüge.Libido." war ein solcher Versuch; der Roman, der aus Briefen entstand, "PUNK PYGMALION" ein anderer. Von dieser Baustelle zweigen weitere Gleisstrecken ab: "Fabelwesen" und andere. Wie das Leben in die Schrift kommt, wie das Geschriebene lebendig wird. Wer weiß. 

Alles wird anders. Die Traurigkeit des Anfangs hat sich in Dankbarkeit verwandelt. Amazing hat ein Studium begonnen und ist ausgezogen. Mastermind, wie unserer jüngerer Sohn hier im Blog heißt, wird im kommenden Jahr sein Abitur machen. Ich bin nicht mehr die Mutter von Kindern. Sie treffen Entscheidungen, zu denen ich nicht einmal einen Rat parat habe. Sie stehen vor einer aufregenden und entscheidenden Phase in ihrem Leben. Zwischen zwanzig und dreißig werden viele Weichen gestellt. Doch heute freue ich mich darauf, sie durch diese Jahre zu begleiten. Ich bin gespannt und optimistisch. Morel und BenHuRum sind regelmäßige Beiträger dieses Blogs geworden und der Blog selbst ein Teil meines Alltags. Neue Roman-Projekte beginnen zu reifen. Ich habe herausgefunden, wieviel meine Erwerbsarbeit mir bedeutet - und was nicht. Womit ich Geld verdiene, macht mir Freude (meistens) und ich erachte es als sinnvoll. Viel mehr kann man nicht verlangen. Es ist nicht der Inhalt oder Gehalt meines Lebens. So wenig wie das Schreiben. Oder das Lesen. Oder, sogar, die Familie. Mein Leben ist all das und noch viel mehr. 

Drei Jahre Gleisbauarbeiten. Ich habe mich verändert. Das Blog hat sich verändert. Ich weiß nicht, wohin das führt. Ein Experiment. Was aus einer Verzweiflung begonnen wurde, wird aus Neugier weitergeführt? Wer weiß, wie lange. 



Montag, 19. November 2012

In eigener Sache: SteglitzMind über "Gleisbauarbeiten"

Gesine von Prittwitz stellt auf SteglitzMind seit September 2012 in einer sehr vielfältigen Serie "bibliophile Blogger" vor. Vor knapp zwei Wochen hat der Bücherblogger die "Gleisbauarbeiten" als weiteren Blog für die Serie vorgeschlagen. Danke! Das hat mich sehr gefreut.

Meine Antworten auf Gesine von Prittwitz´  Fragen sind heute hier nachzulesen: Steglitz stellt Jutta Piveckova aka Melusine Barby mit "Gleisbauarbeiten" vor.

Sonntag, 19. Februar 2012

PLURALIS MAJESTATIS (Autobiographische Fiktionen, rote Äpfel, spitze Zitzen, hysterisches Zucken: JETZT!)

Wir (pluralis majestatis) versuchen uns an einer chronologischen Komposition. Die Jahreszahlen geben nur den Rhythmus vor. Der wird nicht durchzuhalten sein. Basteleien haben wir früher verachtet. Jetzt kommen wir darauf zurück. Nichts wird umsonst gewesen sein. Es ergibt sich daraus das (Auto-)Biographische Material einer nichtdepressiven Hysterikerin. Auch das Krankheitsbild ist hundert Prozent achtziger Jahre retro. Keine Spur von Ironie. Wir sind total ernsthaft bei der Sache und haben sogar schon eine geile kleine Vorrede formuliert:

Kollektive Autorschaft kann unter den Bedingungen virtueller Fertigkeit und Fertilität von jeder Frau fingiert werden. So auch hier. Zweifelsfrei steckt eine ausgeklügelte ästhetische (Blog-)Theorie dahinter (oder sonst was). Eine hat sich ausgeschwiegen während aus der B.R.D. Deutschland wurde. Dabei aber immer viel rumgeschrien, selbstverständlich. Sie kennen doch auch so eine: mittelalt, mittelschlau, mittelreich. Dann schreibt die sich eine fiktiv-giftige Autobiographie gegen die Verdauungsbeschwerden. Was selbstverständlich misslingt. Alles gelogen. Ihre Erbärmlichkeit tarnt sie durch Wortspielereien und politische Radikalismen. Wie Frauen eben so sind. Weisen Sie ihr die Widersprüche nach. Das dürfte Ihnen nicht schwer fallen.
Geboren: 1965
Irgendwo in der ländlichen Provinz im Westen Deutschlands
Liiert, studiert, verheiratet, Mutter zweier Knaben
Besessen von Sex und Gewalt, träumt von blutigen Exzessen und lesbischen Spielen (soviel fürs Marketing!)
Trotz allen Hohns: eine tragische Existenz (ohne Fallhöhe allerdings)
Sie werden von Trauer lesen, von Körpern und Schmerzen, Selbsttötung und Gebären, Wut und Hoffnung, Aufbrüchen und Abstürzen, Versprechen für die Ewigkeit. Drunter tut sie´s nicht. Trotz allem."

„Von Anfang an war Sex ein Thema.“ (Monaden, 1982)
„Sie essen unseren Herrn Jesus.“ (Der Feind ist in der Burg, 1970)
„Was ist ein Torso?“ (Astrid – Lesen lernen 1982)
„Sie liest ´Anna Karenina´. Er liest Luhmanns ´Liebe als Passion´“ (Trabis getankt – Wir kommen, 1989)
„Das war super. Das war elegant.“ (Fußball-Fieber 2010)
„Ich zieh mir den Gedankenschutzhelm auf.“ (Unversöhnlich, 1987)
„Hab ihr gesagt: Will Fliesenleger sein.“ (Blut auf den Fliesen, 2003)
„You´re making it up.“ (Der dänische Steinmetz, 1984)
„Ich glaube meistens, dass ich ein glückliches Kind war.“ (1975)
„Ich weiß nicht, wie die Oma heißt.“ (Namenlos, 1987)
„Ich schwebte mit der Maria in der Herrgottskirche.“ (Auf dem Holzweg, 1984)
„Die Blutschmiere auf dem Laken ist hauchzart.“ (Das erste Mal, 1983)
„Es tut mir so leid.“ (Das zornige Mädchen, 1969)

Was (noch) fehlt:
Im Stübchen, 1977  („Der Baron presste sie gewaltsam an sich.“)
Haus der Geschichte, 2001 („Meine Rose, mein Leben“)
Rettung,  1965 („Seine Lust war mörderisch.“)
Faschingsball, 1973 („Er knallte wild mit Platzpatronen um sich.“)
u.v.m. (???) Vor der Glotze, 2011 („Fucking the fuck“)

Zwischenspiel:

ZUGVERKEHR (Cloud*)
Unter den Gleisen (1970-1977) („Es war wie ein erster Orgasmus.“)
Die Bahn (1984 -1989) („Das war Liebe auf das erste Wort.“)
Dammbruch (1994)  („Am Ende hilft keine Infusion mehr: Das ist die Geburt.“)
Abstellgleis (1994/95) („Nur Blut und Tränen und Schleim und das Gefühl.“)
Tunneldurchbruch (1995) („Keine Tränen. Fress-Sucht.“)
„Meine schönen Söhne. Und deine.“

Als Rhythmus-Combo (just in case), auch um die politische Dimension des Projekts sichtbar zu machen:

LULA SANG (Greatest hits: Als wir Pop-Poetinnen waren 1984-1989; recycelt ab 2010)
„Deutlich genug stammt dieses Material aus Deutschland, dem Staat gewordenen Alptraum.“ (Vorwort Lula Henne, 1988)
„Bier zahlt die Freundin“ („Nostalgia is shit“)
„Er glaubte, die Sonne kreise um den Penis.“ („Gegen den Sonnenkönig hilft nur die Revolution im Schlaf“)
„Selbst in der Stille der Nacht herrscht noch dieser Gefühlskomplex“ ("Adorno Dog")
„Wie eine zungenfertige Frau“ („Bitte leise blasen“)
„Die Mumie sitzt in ihrem Sarg geschwängert“ („Fredenhagens Zimmer“)
„Mondhellen Wolken entgegen, treiben die zierlichen Nixen“ („Macht alles madig“)
„Ach geh, die Russen husten bloß.“ („Erhitzte Meteoriten“)
„Den String habe ich fertig.“ ("Hetero-Haarmann")
„Nackt lag sie über dem Stier, erinnert euch ihrer!“ („Die wöchentliche Ästhetik“)
„Wenn Leichenteile vorbeitreiben, genießen Sie den süßen Schrecken.“ ("Okkulte Phänomene")

Vor allem aber darf man niemals vergessen, dass es den geilen Onkel gab. Obwohl er , keine kann das leugnen, total übles 80er Jahre Pop-Retro ist. (Wie vieles hier; siehe oben.)

Außerdem geht es nicht ohne die

Pernis und Armur („Tiefer!“)
Adler und Maus („Ich bin nicht die Maus.“)
Der Schrei des Drachenweibs („Erbeute mich.“)
Schamlos. Das Auge uriniert mit („Dort erwartete mich keine männliche Hure.“)
Birnen oder Äpfel. Erotikromanze („Seit Tagen ringt sie um ein ästhetisches Bild ihrer entblößten Brüste.“)
Die keyrenische Hindin („Doch ich kann dir jetzt keinen einzigen Tropfen Flüssigkeit entringen.“)
Salzwasser ist Poesie („Warum verlangte ihn so sehr nach ihrem Blut?")
Übertragungshäute. Verlorene Fiktionen („Verzeihen Sie, dass ich sie niemals belästigte.“)

Alles hängt auch an der Hörigkeit. Noch weiß ich allerdings nicht, wie. Eine Komposition aus Fabeltieren, Wildgänsen, Obst und Fleisch, unkontrolliertem Lachen und Tränenschlieren. Unsaubere Nähte. Ein Projekt gegen das modisch-ironische Lamento geschmacksicherer Weltuntergangsapplaudeure und ausgebrannter Weltreisender auf der Suche nach verlorenen Paradiesen. Gegen dräuende dunkle Himmel, sinkende Gäule und elektrische Blitze reiben wir Äpfel rot, spitzen die  Zitzen und zucken selber hysterisch.


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* Die Text-Sammlungen "Auto.Logik.Lüge.Libido", "Zugverkehr", "Fabelwesen" sind - um der besseren Lesbarkeit willen, allerdings noch nicht redigiert - in die Google-Cloud eingestellt:


AUTO.LOGIK.LÜGE.LIBIDO (43 Seiten)
ZUGVERKEHR (6 Seiten)
FABELWESEN (12 Seiten)

Montag, 25. Juli 2011

Blog-Wartung (9): Melusine - ICH KÜSSE MEIN LEBEN IN DICH (Die Martenehen)

ICH KÜSSE MEIN LEBEN IN DICH (Die Martenehen)


Wie der Roman über Melusine featuring Armgard, so stockt auch die Fortsetzung seines „Ablegers“, jener Erzählung über die Melusine, in der es um ihre Verbindung zu jenem anderen Unmenschlichen, zu Heilmann, geht, der wie sie das eherne Gebot übertrat, das da heißt: Du sollst kein Menschenkind zeugen. Die Zusammenhänge sind offensichtlich. In „Melusine featuring Armgard“ ist es das drogengeschwängerte Vorleben des dunklen Toms, das Anne/Armgards Verfallenheit so unwahrscheinlich macht. Doch schaffe ich es einfach nicht, das weg zu erzählen. Die Verbindung stellt sich nur über die Mütter her – auch das wusste ich, ohne es zu begreifen. Die blondgelockten Taucherinnen. Ich suche sie. (Und weiche ihnen aus, selbstverständlich.) Warum erscheinen sie mir immer blauäugig? (Und warum nur hasst er die Frau, die ihn gebar, so heftig?) Annes Augen sind grünbraun und so müssen doch auch die ihrer Schwester, der Fischschwänzigen, sein, nicht wahr?

In den „Martenehen“ drücke ich mich schon lange um den Puppenmord herum, der in der Hafenstadt geschah. Ich könnte mich rausreden, indem ich sage: Heilmann gibt nichts preis. Aber natürlich weiß ich, was geschehen ist. Ich habe es selbst getan. Andererseits: Ich konnte nicht einmal den Plastikkörper verstümmeln. Wie sollte ich über die Geliebte des Teufels  schreiben? Aber eben darin liegt ja die Lüge: Liebte sie den Teufel, so wäre sie gerettet. Dass sie den guten Mann liebt in seiner Bravheit, ist ihr Verbrechen. Also dann: Willoughby – der ewige Irrtum. Es gibt noch einiges über ihn zu erzählen. Edith dagegen muss, um weiterhin als Mutter durchgehen zu können, fortan Al-Muth heißen (Ich leugne Sie nicht Edith; ich kann sie einfach nicht brauchen.). Das werden nur einige verstehen, die aber um so besser. (Immerhin: Ich habe alles geändert: hier. Und ich lasse alles, wie es war: hier.)

Fortsetzung folgt.

Freitag, 8. Juli 2011

Blog-Wartung (8): Reisejournal (1) UNTERWEGS nach Rom

Heute ist Packtag. Wieder einmal wird der große rote Koffer aus dem Keller geholt. Das ist eine willkommene Gelegenheit,  die Blog-Wartung mit „Unterwegs“ fortzusetzen, der Rubrik, in der ich meine Reisen fiktionalisiere. 


Meistens fahre ich ohne den roten Koffer los, der für kleine Touren zu voluminös ist. Ins Taubertal (im März 2011) oder nach Bremen (Fasching 2011) genügte eine Reisetasche. Immer muss aber die Yogamatte mit, selbstverständlich. (Noch kann ich den Skorpion nicht länger als 15 sec stehen.) Mehrmals war ich im Frühjahr diesen und im Herbst letzten Jahres im Märchenwald bei Kassel (Cazou, meine Liebe, ich hoffe wir sehen uns bald wieder!) Im Oktober 2010 wohnten Azar und ich für eine Woche in der Erich-Weinert-Str. in Berlin (by the way: lange nichts mehr von Dr. NO gehört!), eben dort, wo meine Roman-Figur Anne/Armgard sich eine kleine Wohnung gemietet hat, in der sie fern von der Familie und dem Stechlinsee ihren dunklen Ritter Tom Hell empfängt. In der osthessichen Provinz dagegen, in die ich beruflich öfter reisen musste, begriff ich, welche Erfahrungen den Fuldaer Autor Guido Rohm prägen: Es lauert Unheimliches dort hinter den Vorhängen, offenbar. Eine Reise ins Sauerland verleitete mich dazu über „Menschen im Hotel“ nachzudenken (den Schmöker von Viki Baum habe ich als Jugendliche verschlungen).

Aus England gab es im Sommer 2010 16 Reisejournale: eine Woche in London, eine in Penzance/Cornwall. Die Nachricht im Guardian (die beste Zeitung!vom Tod Carola Hicks, der Autorin der wunderbaren Biographie des Teppich von Bayeux,  führte fast ein Jahr später noch zu einem Beitrag in der Rubrik „Was ist ein Bild?“. Kunst und Möwen, Wunderkammern und SufragettenGentlemen und Söhne, Märkte und Moden, Parks und Bäder, Skelette und  Detektive, Shakespeare und Keats – das war eine schöne Reise nach Albion im letzten Sommer. 


„Erhol dich gut.“, sagen alle. Ich erhole mich am besten, wenn ich etwas erlebe.

Rom also – diesmal. Die Zentrale des Katholizismus, meinem protestantischen Herzen so fremd, wie die Kreuzigungsverherrlichung dem Schiiten Kermani, nehme ich an. Brinkmann, Pasolini, Bachmann, --- Aldo Moro, Brigade Rosso, Andreotti, ---Dolce Vita, Mastroianni, Fellini, Magnani, ---Cäsar und Brutus (Was wurde aus Cleopatras Sohn?). „Gehen Sie auf den protestantischen Friedhof“, schreibt Helmut Schulze. Einer Freundin geschah dort ein Wunder. Ich werde sehen. In Rom will ich auch Heilmann finden, Spuren des Geächteten, der den Aufstand wider die Heiligkeit wagte und für immer in den Schatten gedrängt ward, wie die Fischschwänzige in die Nacht: Ich küsse mein Leben in dich. Die Martenehen. (Diese Texte bestehen - noch - nicht. All die Orte: Paris. Moskau, London. Rom. Die See. Das Meer. Ich werde noch einmal darüber gehen. Und noch einmal. Immer wieder. Hoffen, dass Rom mir Blicke eröffnet hinter die blaue Tür, deren Spalt Heilmann öffnete.)

Ich bin skeptisch. Ich fürchte das Stendhal-Syndrom. Wird Rom mich fesseln oder lähmen? Werde ich seine Schönheit schauen oder vor seiner Heuchelei erschaudern? Wozu Kunst, fragt Bersarin. Und eröffnet den Vergleich zwischen Rom und Paris. In Paris bin ich immer glücklich gewesen (PARIS MON AMOUR) Spinnen die Römer? Werde ich zum Abschied eine Münze in den Brunnen werfen, um wiederzukommen oder werde ich wie Andreas Gryphius klagen: „Dir ist die Röm´sche Luft in Wahrheit nicht bekommen."

Der rote Koffer ist gepackt. Kein Ablasshandel nötig. Keine Ewigkeit mehr. Hin.



Montag, 27. Juni 2011

Blog-Wartung (7): DRUCKEN?

„Was mich angeht denke ich nur, was meine guten Freunde angeht, sage ich ihnen, was nur ein kleines Publikum bekümmern kann, schreibe ich, und was die Welt wissen soll, wird gedruckt. Von einem Gedanken brauche ich nur ein Exemplar, ebenso für den Freund und das kleine Publikum eben so viele, jedes auf seine Art gedruckt, wie es für sie am besten schickt und am bequemsten ist,  - die Welt muss mehrere Expemplare haben, und so lassen wir drucken. Wäre es möglich auf irgend eine Art mit ihr zu sprechen, dass das Zurücknehmen noch mehr stattfände, so es gewiß dem Druck vorzuziehen.“ 

(Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher I, B 272)


Ihm war es unheimlich, seine Gedanken, in Worte gegossen (denn gleich mir glaubte er nicht an die Identität von Denken und Sprache, noch viel weniger an die von Denken und Schrift), im Druck zu manifestieren. Diese Scheu teile ich. Was er ersehnte - mit „der Welt“ ins Gespräch zu kommen, ohne „Fest-Schreibung“ durch den die Worte materialisierenden Druck - hat die virtuelle Welt ermöglicht, in der meinereins bloggt. 


Ich greife in meine Texte ungeniert ein – und nehme „zurück“, was mir nicht mehr passt. Doch hindert mich, wie ich begreife, eben das Gespräch mit Leser:innen inzwischen an dieser rücksichtlosen Praxis. Denn mancher Kommentar einer Leserin oder eines Lesers würde gänzlich unbegreiflich, veränderte ich den Text, auf den er sich bezieht, nach Belieben. Und trotz aller Scheu gibt es auch den Fetischcharakter des bedruckten Papiers, das man in die Hand nehmen und durch die Finger gleiten lassen kann.

So viel habe ich geschrieben.“ – ich habe erstmals Teile meines Blogs ausgedruckt. „Punk Pygmalion“ (38 Seiten. Noch ist nicht einmal die Hälfte des Schuhkartons mit Briefen „verarbeitet“, dessen sie sich als Quelle bedient. Und Einiges ist zu überarbeiten, weil ich langsam etwas begreife... ) Die Erzählungen: Das Beben der Metaphysiker. Baader, Ensslin und die Zwergwerfer (Ein Witz zunächst, aufgebläht mit philosophischer Luft stieg ein phantastischer Ballon und zerplatzte. Lohnt es sich an dem Unfug zu arbeiten? 8 Seiten). Ungewöhnlich lang ist eine andere Erzählung geraten, die gleichfalls auf einen Dialog im Netz zurückgeht (mit Hans, dem sie auch gewidmet ist): Der Andere (18 Seiten. Die werde ich auf jeden Fall noch einmal gründlich lesen, überarbeiten, wahrscheinlich kürzen).  Pani Tau (mein Liebling und auch der vieler Leser:innen, wenn man den Aufrufzahlen glauben darf – ohne Melone, aber mit Hut!, 5 Seiten).  All die Jahre, Auto und Zugverkehr  (Ein auto-biographisches? Experiment, 45 Seiten). 


Ein Stapel auf meinem Schreibtisch. Überraschend. Gedruckt. Sieht alles ganz anders aus. 

(Heute ausgedruckt: 114 Seiten. Druckerpatrone ist leer.)

Sonntag, 26. Juni 2011

Blog-Wartung (6): Auto und Zugverkehr

Eigenartig, dass die Blog-Wartung (d.h. die Reorganisation dieses Text-Sammelsuriums) ausgerechnet heute, einen Tag, nachdem Phyllis Kiehl schrieb, sie fände auf Gleisbauarbeiten eine Mischung „zwischen intim und unpersönlich“, dem Label „Auto.Logik.Lüge.Libido“ gilt. Es enthält den Keim dieses Blogs, ein Text, der vielfach verändert und umbenannt, jetzt „All die Jahre“ heißt, eine Ergänzung zu meinem Roman-Projekt „MelusinefeaturingArmgard“, die im Februar 2010 nötig wurde.

Die Texte, die unter diesem Label versammelt sind, so behaupte ich im „Wegweiser über die Gleise“, könnten autobiografischen Charakter haben, doch werde „gelogen, was das Zeug hält“. So ist es. Während ich sie  wieder lese, einen nach dem anderen, überraschen mich selbst einige Facetten, die mir nicht bewusst waren. Ich begreife, wie sehr auch diese Texte – ähnlich wie der Blog-Roman – gleichermaßen fasziniert und abgestoßen auf den Zwang zur Chronologie durch die Schrift reagieren. Alles geschieht schriftlich hintereinander, ein Wort folgt dem nächsten. Das entspricht nicht der Wahrnehmung der Autorin. Der Blog dreht diese Chronologie Eintrag für Eintrag um, in dem er den jüngsten vorweg stellt, auf diese Weise das Vergangene „verdrängt“. Das gefällt mir und (ver-)stört mich. Die Idee, den Texten unter dem Label „Auto.Logik.Lüge.Libido“ (das auf den Titel eines lesenswerten Buches von Christina von Braun zurückgeht) eine Jahreszahl beizufügen, um das Chronische wie den Widerstand dagegen hervorzuheben, habe ich wieder aufgegriffen. Einige Texte wurden überarbeitet, am stärksten „Der Freund meiner Freundin ist ein Filou“ und „Trabis getankt wir kommen“. In letzterem fiel mir auf, wie sehr das Geschehen von 1989 die Verwendung des „Ich“ in Frage gestellt hatte. Es war dort von einer Anne die Rede. Das habe ich abgeschwächt, doch den Bruch durch Wechsel zur 3. Person weiter markiert.

Interessant ist für mich, wie in den Texten die 80er Jahre dominieren (Monaden, Astrid: Lesen lernen, Der dänische Steinmetz, Über den HolzwegUnversöhnlich, Trabis getankt, All die Jahre). Coming of age. Eine junge Frau, die erwachsen wird, ihre Sexualität entdeckt, schwankt, ob sie sich zu Männern oder Frauen hingezogen fühlt, erste Verluste, der Beginn lebenslanger Freundschaften, Liebesbindungen für die Ewigkeit. Einige wenige Texte erzählen von der Kindheit (Der Feind ist in der Burg, Namenlos, Gottesbeweis). Die 90er Jahre und das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts klaffen als Lücke (ausgerechnet jene 20 Jahre, denen meine Romanerzählung gilt...) Erst in der Gegenwart geht es weiter: Fußball-Fieber, DIE- Im Trommelwirbel und Kein Steg und keine Brücke. Ein wenig wird die Lücke durch die Texte unter dem Label „Zugverkehr“ geschlossen, das ich daher ebenfalls in diese Blog-Wartung einbezogen habe. Was in „Auto.Logik.Lüge.Libido“ noch gelingt: Die Behauptung eines „Ichs“ (an die Grenze getrieben offenbar, als die Trabis starteten), löst sich hier auf. Ein Körper wird fremdbesetzt. Die Selbstüberschreitung ist keine Fiktion und keine Gewalttat, sondern im Wunder der Geburt präsent. Es geht nicht alles gut. Dass eine nicht nur sie selbst ist, verletzt sie bleibend. Darüber soll kein Mutter-Mythos und kein Liebes-Pathos hinweg täuschen. Dennoch wurde nie mehr geliebt als in den Jahren des Schweigens. Auch das ist eine Wahrheit, die weh tut.

Sonntag, 12. Juni 2011

Blog-Wartung (5): Aus der Werkstatt

Warten auf den Geist. Die Wiedererweckung der sprechenden Seins. Ein Wort, das lebendig wird. Die Pfingsttage verbringe ich in Klausur. Ein Versuch, sich rückzubesinnen. Zu viele Abweichungen, mangelnde Konzentration, Ausweichmanöver in fremde und feindliche Galaxien ... bringt die Inventur zu Tage.

Was wollte ich? (Be-)Schreiben wie eine Ehe in die Krise gerät, die zwanzig Jahre nach dem Mauerfall als Sittengeschichte des neuen Deutschland, das unbedingte Verlangen der Wassergeborenen gegen das menschliche Maß: melusinefeaturingarmgard. Ich lese, wie die Einträge „Aus der Werkstatt" mein Stocken und Scheitern offenbaren. Ein bundesdeutsches Paar, das es in die Weiten des amerikanischen Mittelwestens verschlägt, die Schwestern, die über den Wellenschlag der Meere bis in die Binnengewässer verbunden bleiben, zwei Jahrzehnte des (Selbst-)Betrugs und der Verleugnung, zwei Jahrzehnte Liebe, Treue, Kindersegen... „The book of love is long and boring...“...die Erinnerungsbilder dieses Familienglücks und –leids standen mir so deutlich vor Augen, als blätterte ich durch ein Album auf meinen Knien. Dazwischen drängte sich das dunkle Grün der Tiefsee, das wilde Rauschen in den Ohren, wenn die Melusine aus der Tiefe zu singen begann. Doch ich vergaß, dass der dunkle Ritter aus Down Under seine eigene Geschichte hat. 1989 war er ein zehnjähriger Knabe, der das Töten lernte. Er, der mich immer wieder lehrt, was es heißt, von einer manisch-depressiven Mutter geliebt zu werden, entzieht sich für Wochen und Monate meiner Erzählung. „I need you.“ „All you need is love...“ Was tat er in den Jahren, die Armgard/Anne am Michigan-See verbrachte? Surfte er vor Bondi Beach? „I wished i´d known you then.“ Sie wäre 30 Jahre alt gewesen damals und er ein pubertierender 16jähriger. „We could have met in London 1998.“ „Joker. A mother with two baby boys.“ „I´d loved your ass.“ „Fuck you.“

Die Geschichte mit dem Kookaburra habe ich dreimal erzählt: Session. (I´d dive  for your memory), Session. (Hosni und Choudja),  Der den Vogel schoss (I´m cursed). Keine Version fühlt sich gültig an. Doch mit dieser Geschichte wird die Amour fou ihren Anfang nehmen, lange bevor Anne/Armgard und der dunkle Tom einander in Berlin begegnen. Auch für diese erste Begegnung ("Hand auflegen. Das aufgescheuchte Wild") habe ich längst noch keine Form gefunden.

Die Werkstatt bleibt unaufgeräumt. Punks, ungeschickte Möchte-gern-Killerinnen und Frauen, die immer nur über das Eine reden treiben sich drin herum, von Elbinnen und Fabelwesen ganz zu schweigen.

Freitag, 10. Juni 2011

Blog-Wartung (4): Missing: Artgerecht gehaltene Männer


In alphabetischer Reihenfolge arbeite ich mich durch die Inventur des Blogs. „Aus dem Gehege. Artgerechte Männerhaltung“ habe ich erst jüngst von einer Seite in ein Label verwandelt. Die jungen Männer, die mir regelmäßig den Stoff zu dieser Serie liefern, waren in der letzten Woche in Europa unterwegs. Der verwaiste Haushalt sehnt sich nach ungewaschenen T-Shirts auf dem Fußboden, angebrochenen Wasser-, Bionade-, Cola-Flaschen in jedem Zimmer, unfallträchtig in den Flur geworfenen Jacken und Taschen. Ich steige derweil hinab in ihr Gehege im Kellergeschoß und vermisse das Dauergeräusch der Wrestling- und Basketball-Games ihrer stillgelegten Konsole. Amazing hat von der grünen Insel geschrieben „Alles paletti, außer dass wir im Ghetto leben. Erzähl´ ich dir dann.“ Mastermind  habe ich nach Tagen des Schweigens eine SMS geschickt: „Alles ok?“ Die vielsagende Antwort: „Ja.“ In Valencia kennt er sich aus, dort steckte er im letzten Jahr fest, als kein Flieger mehr in Europas mit unsichtbarer Vulkanasche kontaminierten blauen Himmel aufstieg. Diesmal fährt er im Reisebus quer durch Frankreich.

Jetzt schaue ich mir mal „Aus der Werkstatt“ an. CU. (Und außerdem schreibe ich - neben vielem anderen - an einem Text über Carola Hicks Biographie des Teppichs von Bayeux. Ein Vorhaben, das ich vor fast einem Jahr angekündigt habe: hier.)

Donnerstag, 9. Juni 2011

Blog-Wartung (3): Arbeitsplätze, Augen-Blicke, Amtsträger

Eine kritische Ansicht der Arbeitsplätze stimmt nicht unbedingt zufrieden, zwingt jedoch auch nicht zur umgehenden Revision (respektive Elimination). Man kann das so stehen, sitzen, liegen lassen. Allerdings: Der entstehende Eindruck ist einseitig und vermittelt kein zutreffendes Bild von den "Mühen der Ebene". 

Die "AUGEN-BLICKE" sind re-migriert von Michael Perkampus´ "Veranda" und bedürfen einer - derzeit nicht zu leistenden - Überarbeitung, Ergänzung, Weiterführung. Ich vergaß, ach, wich  aus: Das BLINZELN.

Ob und wie es "Aus dem Amt" weitergeht, darüber muss ich noch einmal schlafen. Arbeitslos werde ich nicht sein, aber vielleicht "ohne Amt". Andererseits: Der Kontakt mit den Ämtern und Amtsträgern reißt nicht ab, so oder so.

Blog-Wartung (2): Als wir Pop-Poetinnen waren

In der Pop-Poesie dreht sich alles um Six Packs. Heute daher: den Six Pack vollmachen: Sechs Einträge. Ganz ohne Sex diesmal. Es sei denn, Sie stehen auf Pissen. Stattdessen brüllt das politische Tier.

Als wir Pop-PoetInnen waren, nannten wir uns Lula Henne. Wir hatten keinerlei Skrupel und verachteten die autoritären AUTOREN. Das Geheimnis dieser Poesie lüfteten wir ohne Hemmung: "Als Geheimnis stellt es sich nur denen dar, die hinter den Worten des Dichters das asoziale, Kind und Frau verprügelnde Ich eines Alkoholikers vermuten, der einer degenerierten Gesellschaft das verkannte Genie vorspielt." Kannibalismus pur, alles wird geschluckt. Machen Sie sich keine Illusionen über unsere Intentionen ("die denken doch nur an die Matratze".)

Blog-Wartung (1): (Un-)Perfekte Paare

Die Umbauarbeiten gehen weiter. Auf historisch-kritische Anliegen wird keine Rücksicht genommen. Sukzessive gehe ich die Labels durch. Da wird einiges raus- und umgeschmissen. Von 11 (Un-)Perfekten Paaren bleiben nur 6 Einträge übrig. Alles andere ist "Men´s World", "Sex-Gender-Love", "Liebes-Töter" (Werden das neue Label? Kann sein). 

(Un-)perfekt gepaart bleiben: 
Georg Christoph Lichtenberg und Maria Dorothea Stechard (Ein Fall von Kinderprostitution)
Barbie und Ken (Again: Sex sells!)
Roy Bean und Lily Langtry ("The Westerners")
Bettina und Achim von Arnim (Dichte/r-Liebe)
Ernst und Röschen ("Alles geht, wenn wir uns lieben, The romance of the century)
Darcys, Johnsons, Adornos - Jedes Paar ist anders!


Any suggestions?

Montag, 23. Mai 2011

GLEISEN

Versuche, das Gleis zu halten, im Gleise zu gehen, in der Spur zu bleiben

Umbauarbeiten finden auf dieser Strecke statt. Wegen eventueller Betriebsstörungen bitten wir um Verständnis.


Vielbefahrene Wagenstecken bedürfen neuer Kreuzungen. Mancher Abzweig ist zum Abstellgleis geworden. Als ich begann, glaubte ich aus dem Gleis geraten zu sein. Inzwischen habe ich so viele neue Wagenspuren gelegt, dass das Dröhnen der Waggons in den Nächten meinen Schlaf stört.

Auch die Gleise haben ihre ursprüngliche Bedeutung eingebüßt. Die Wagenspur der Räder im Sand hatte ich nicht mehr im Blick, als ich den Zugverkehr anlegte. Doch schnell schon fiel ich mit dem Auto (motorisiert oder nicht?) von der Massenmobilität in den schädlichen Individualismus zurück. Man wird sehen, ob das endet.

Allerdings: Noch ist das Gleissystem ausbaufähig. Jedoch wirkt sich die Investition ruinös auf den Haushalt aus. (Die Ökonomen allerdings lassen uns wissen: Schulden sind zu machen.)

Ich hoffe, Sie fahren weiter mit, auf unerforschten Strecken.


Auf die Bewegung in Bögen haben Gleiszüberhöhung und Fahrgeschwindigkeit erheblichen Einfluss.